Yoga Sutras erklären

Atha yoga-anuśāsanam
अथ योगानुशासनम्

Jetzt ist Yoga-Zeit. Dies kann ein schönes Motto jeder Yogasitzung sein: Jetzt, hier - mein Yoga!

Womöglich verbirgt sich weiterer verborgener Sinn hinter dieser Sutra. Schauen wir uns Übersetzungsvarianten und die interessantesten Deutungen an.

Übersetzung

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Die Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin.

  • Jetzt wird Yoga dargelegt.
  • Nun ist Yoga-Zeit.
  • Jetzt wird Yoga gelehrt.
  • Hier beginnt die Yoga-Eröterung.
  • Nun folgen die Instruktionen des Yoga.
  • Ab hier wird Konzentration erklärt.
  • Jetzt wird die Erfahrung der Einheit erläutert.
  • Jetzt folgt die Disziplin des Yoga.
  • Einssein erklärt sich im Jetzt.
  • Jetzt Yoga - eine Einführung in die Erfahrung.
  • Jetzt startet die Darlegung der Kunst des Yoga.
  • Ab hier erfolgt eine Einweisung in Yoga, die auf Erfahrung beruht.
  • Ab nun beginnt die Darlegung des Yoga.
  • Es soll eine Erklärung des Yoga gegeben werden.

Deutung

Vermutlich sagt Patanjali lediglich, dass er nun die Lehre des Yoga erklären wird. Aber tiefschürfende Geister sehen in den drei Sanskrit-Worten eine Vielzahl an Sinngehalten.

Der zeitliche Kontext

Iyengar weist darauf hin, dass Patanjalis Zeitgenossen die Bedeutung einzelner Worte wesentlich klarer gewesen sein dürfte als heutigen Lesern. Patanjali hatte die damaligen verstreuten Lehren ja (lediglich) zusammengefasst.

sonne

 
 

Der Altmeister für vergleichende Religionswissenschaft Mircea Eliade weist auf Seite 15 darauf hin, dass Anusasanam als "Auslegung" zu deuten ist. Damit ist klar: Patanjali stellt hier keine neuen Hypothesen auf, er erfindet nichts Neues, er veröffentlicht und erklärt lediglich. Eliade sieht allerdings im Wort "Auslegung" einen Hinweis darauf, dass Patanjali an der einen oder anderen Stelle die bisherigen Yoga-Lehren korrigiert.

Samadhi, die Erfahrung der Einheit allen Seins ist das Ziel des Yogas. Anusasanam sagt laut Sriram ebenfalls, dass diese Erkenntnis (aus den Sutras, von Samadhi) auf Erfahrung beruht, nicht gedacht oder gefühlt werden kann.

Was du heute kannst besorgen ...

Sukadev sieht im Wort "atha" einen Ansporn, die Übung des Yogas nicht die Zukunft zu verschieben. Immer wenn der innere Schweinehund die Meditation auf den folgenden Tag verlegen will, sage man sich: atha! Oder man murmele "Atha Yoga" als Mantra vor jeder Übungseinheit, um die eigene Motivation zu fördern.

Andere sehen im Wort "atha - Jetzt" die Quintessenz aller Spiritualität. Das Leben im Augenblick, die völlige Hingabe an den gegenwärtigen Moment.

Auch in der Hatha-Yoga-Pradipika starten viele Übungserläuterungen mit "atha".

In Deshpande / Bäumer wird darüber hinaus gefordert, das, was vor dem "Nun/atha" liegt, aufhören muss um das darauf Folgende zu beginnen. Also ein Bruch mit der Vergangenheit, um dem Yoga zu folgen. Aus dem Zustand der Enttäuschung und des Nichtwissens (... der Identifizierung mit den eigenen seelisch-geistigen Vorgängen) aufmachen auf den Weg zur Freiheit.

Selbstachtung

Mit einigen gedanklichen Winkelzügen lässt die Auslegung des Wortes Yoga als "Harmonie" mit einer Ergänzung der Form "mit mir selbst" lesen. Yoga führt dazu, dass ich mich als der akzeptiere der ich bin. Dies führt zu Selbstwertgefühl und schafft Voraussetzung dafür, dass ich andere auch so sein lassen oder gar lieben kann, wie sie nun einmal sind.

Von Alpha bis Omega

Interessant mag noch sein, dass das Yogasutra mit dem Wort "atha - jetzt" beginnt und mit dem Wort "iti - So ist es" endet. Iti kam mir einmal auch mit "Ewigkeit" übersetzt unter.

Übung zu Yoga Sutra I-1

uebung sutre

Denke in dieser Woche bei jeder Übung, die du durchführst, über das Wort "Jetzt" und seine erweiterte Bedeutung nach:

  • Jetzt übe ich - nicht nachher, nicht morgen.
  • Jetzt beginnt etwas Neues, ich lasse etwas Altes hinter mir.

Was kann dies jeweils sein - ein Wunsch, einen körperlichen Zustand, eine Gewohnheit?

Fazit

Iyengar schlägt am Ende seiner Besprechungen dieser Sutra noch eine weitere, umfassendere Sichtweise vor. Sinngemäß schreibt er: "Hier werden die Übungen, welche die Ganzheit des Seins zum Ziel haben, aufgezeigt. Damit die verborgene Seite des Menschen, welche den normalen Sinnen nicht zugänglich ist, erkannt und erforscht werden kann."

Videos zur ersten Sutra:

Srirams Einführung


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Kommentare zum Beitrag

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Kommentare  

Sachit
#1 Sachit 2016-09-23 10:22
Es ist für mich verblüffend in dem 10 Minütigen Überblick zum 1. Kapitel der Sutren zu hören wie viele Aussagen von Patanjali mit denen von Buddha übereinstimmen. ( unsere Fesselung durch Hinneigung und Abneigung, die Meditationsform en ...) In den Lehrreden heißt es dort auch oft am Ende das er umgestürztes wieder aufrichtete, Verdecktes enthülle, einem Verwirrten den Weg zeigte, ein Licht in die Finsternis hielte". Für mich heißt das, das die Lehre von der Wahrheit schon lange da war, im Laufe der Zeit verwässerte, sich verteilte und Patanjali sowie Buddha sie wieder vereinte. Buddha ging dabei noch einen Schritt weiter indem er vollkommen erwachte und die Lehre aus der Erwachung heraus darlegte. "Komm und sieh selbst" , diese Anleitung zum "selber sehen", selber erfahren ist unübertrefflich und der größte Schatz aller Wesen !
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Peter
#2 Peter 2016-09-23 12:11
Buddha lebte einige Zeit vor Patanjali, so dass dieser dessen Erkenntnisse mit aufnehmen konnte. Ich sehe auch große Übereinstimmung en zwischen Yoga und Buddhismus. Und ob wir nun ein wahres Selbst haben (Yoga) oder nicht (Buddha), wird sich ja am Ende zeigen ...
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