meditation sehnsucht 564

"Das Leben kann kein anderes Ziel haben als das Glück, Freude. Nur dieses Ziel - Freude - ist des Lebens völlig würdig. Verzicht, das Kreuz, Hingabe des Lebens, alles für die Freude."

Leo Tolstoi, Tagebücher (1892)

Die alten Schriften im Yoga sagen unisono, dass tief im Inneren des Menschen das wahre Glück (dauerhaft!) zu finden ist. Ja, die alten Yogaschriften beteuern sogar, die ursprüngliche Natur des Menschen sei glücklich. Zudem führt langfristig alles Karma – ob angenehm oder unangenehm – zum höchsten Glück.

Was muss ich konkret tun, um mit Yoga mein Glück zu finden?

 

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Menschen suchen auf vielen Pfaden nach dem Glück

 

"Weltliches" Glück

Beginnen wir unsere Suche nach dem Glück im profanen Leben. Alle Ereignisse der Geschichte können als ein Streben nach Glück gedeutet werden. Jene trachten mit aller Kraft nach einem gutbezahlten Job, diese jagen Tag für Tag nach einem High bei exzessivem Sport. Die einen suchen es im Glücksspiel wie bei besteslots.de, andere erleben höchste Glücksmomente als Klavierspieler im Lüngeburger Vorspiel-Wettbewerb. Damals suchten die Nationen das Glück in der Eroberung fremder Länder, heute im Wachstum des Bruttosozialproduktes. Wir könnten viele weitere Glückdsdefinitionen finden.

Und dann gabs und gibt's da noch die Yogis. Die suchen das Glück – wie eingangs dargelegt – im Inneren. Wir konkretisieren das gleich. Doch schauen wir vorher noch, was denn die aktuelle Forschung zum Thema Glück zu sagen hat.

 

 
 

kinder geben wald blauGute soziale Beziehungen gelten als profunde Glücksgaranten

 


Wissenschaft und Glück

Von einer gewissen Warte aus betrachtet kann man zusammenfassen, dass die Wissenschaft vom Glück dieses für relativ hält. Einkommenswachstum bewirkt nur bis zu einer – kulturabhängigen – Grenze ein signifikantes Glückswachstum, hat man erst einmal ein gutes Auskommen, bringt selbst eine Gehaltverdopplung gefühlt kaum einen Glückszuwachs.

Man hat ebenso festgestellt, dass sogar chronische Krankheit und Behinderung unser Glücksempfinden nicht lange nennenswert beeinträchtigen, wenn diese nicht mit ständigen Schmerzen oder anhaltenden sozialen Problemen einhergehen. Wir gewöhnen uns stattdessen einfach an ein Problem und kehren zu unserem vorherigen Glücksniveau zurück.

 

 

alte menschen krumm 4r 564An die Gebrechen des Alters können wir uns gewöhnen. Glückshemmend wäre nur, wenn alle um uns herum deutlich gesünder sind.

 

Der Vergleich

Zudem hängt unser Glücksniveau stark von unseren Erwartungen ab: Wenn wir uns immer eine Villa mit Meerblick erhoffen, werden wir von einer Doppelhaushälfte kein Glücksgefühl erwarten dürfen. Wenn wir vorher aber schon mit dem Leben in einer kleinen Mietwohnung zufrieden waren, wird so ein Doppelhaus als echter Luxus erscheinen – und uns entsprechend glücklich machen. Für eine gewisse Zeit.

Ähnliche Probleme haben Jugendliche im Zeitalter von Youtube und Co. Vor einigen hundert Jahren hatten diese als Peergroup nur die Menschen in ihrem Dorf. Unter denen ragten sie mit ihrer jugendlichen Frische hervor wie ein Kopfstand unter lauter Shavasanas. Heutzutage aber sind die sportgestählten, reichen und schlanken Helden dieser Welt das Maß der Dinge. Vorhandene Schwächen werden bei deren Auftritten natürlich wegretuschiert oder bleiben den Kameras verborgen. Wer kann gegen solche Vergleiche bestehen?

 

vater sohn schienen sonne jg 564Familie - für viele ein wichtiger Glücksbaustein

 

Familie und Freunde

Einen ganz entscheidenden Faktor für unser subjektives Wohlbefinden sehen Glücksforscher in stabilen (und positiven) Familien- und Sozialstrukturen. In einem Satz: Wer sich in einer Gemeinschaft geborgen fühlt, ist glücklich.

 

frosch grinsen gruen krone w 564Sind Tiere glücklich?


Die Biologie

Serotonin, Dopamin und Oxytocin heißen die drei Hormone, mit denen Biologen unser Glücksniveau messen. Was wirst du tun, wenn es irgendwann eine Pille geben wird, die nebenwirkungsfrei alle drei Hormone auf ein hohes Niveau anheben kann?

 

Leider, leider (oder für andere: glücklicherweise) scheint unser allgemeines Glücksniveau zum großen Teil angeboren.

Unsere Gefühlswelt ist darauf ausgelegt, immer wieder nivelliert zu werden. Keine Ekstase soll ewig anhalten (dann würden wir vielleicht verhungern), niemand soll ewig traurig bleiben, wenn ihm ein schlimmes Ereignis widerfahren ist.

Unsere Gefühlswelt pendelt sich nach solchen Ausschlägen immer wieder in Richtung Normalniveaus ein. Dieses soll – so sagen Biologen – weitgehend determiniert sein. Wenn du also auf der Gefühlsskala eine 5 (von 10 möglichen Punkten für höchstes Glück) bist, wirst du immer mal wieder in 7 leben können, Insbesondere dann, siehe oben, wenn du in einem glücklichen sozialen Umfeld lebst.

Aber es gibt halt auch Menschen mit Glücks-Normalniveau 8, die an schlechten Tagen gerade mal auf eine 6 kommen.

Die spannende Frag lautet: Wenn ich genetisch eine 7 mit Schwankung 5 bis 9 bin, wie stabilisiere ich mich eher bei 8 bis 9 als bei 5-6? Schauen wir auf den Stand der Happiness-Forschung:

 

 freude frau sonne 564Sonja Lyubomirsky: Das eigene Glück lässt sich fördern

 

Die 12 Wege zum Glück nach Sonja Lyubomirsky

Sonja Lyubomirsky schreibt in ihrem Buch "Glücklich sein: Warum Sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben" von Glücksforschungen an Zwillingen. Diese haben ergeben, dass 50 Prozent eines menschlichen "Glücklichkeits-Levels" genetisch bestimmt sind, 10 Prozent von den Lebensumständen abhängen und die restlichen 40 Prozent der gefühlten Lebenszufriedenheit in der Hand eines jeden Menschen selbst liegen.

Lyubomirsky nennt 12 Punkte, mit den wir unsere optimales Glückslevel ausschöpfen:

  1. Entwickle Dankbarkeit
  2. Kultiviere eine optimistische Lebenshaltung
  3. Vermeide negative Gedanken wie Grübeleien und soziale Vergleiche
  4. Sei freundlich und hilfsbereit
  5. Pflege gute Beziehungen
  6. Finde Flow-Aktivitäten, bei denen du ganz bei der Sache bist
  7. Finde deine Lebensziele und verpflichte dich ihnen
  8. Genieße die glücklichen Momente des Lebens, rufe sie immer wieder ins Gedächtnis
  9. Entwickle Strategien, schwere Zeiten zu meistern
  10. Lerne vergeben
  11. Praktiziere Religion und/oder Spiritualität
  12. Trage Sorge für deinen Körper

 

yoga strand frau sonne am 564Yoga-Glück hat wenig mit perfekten Asana-Ausführungen zu tun

 

Glücksfalle Streben nach Reichtum

Viele Menschen nutzen (vergeuden?) einen Großteil ihrer Zeit damit, nach Ruhm und Geld zu streben. Am Ziel angekommen, verpufft die Wirkung der vermeintlichen Glücksverheißer allzu schnell und wir sacken wieder auf unser normales Niveau ab. Gibt es erfolgversprechendere Glückswege?

 

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Der Sinn

"Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie."

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Das Leben junger Eltern besteht zum nicht geringen Teil aus Zeiten der Sorge, des Lärmes, der Arbeit, des mangelnden Schlafes, fehlender Rückzugsmöglichkeiten und des Zeitmangels. Dennoch betrachten viele Eltern die Kleinen als das Glück ihres Lebens. Ein Widerspruch?

Es scheint so, als ob ein hartes Leben, das als sinnvoll erlebt wird, deutlich erfüllender ist als eines voller angenehmer Momente, das wir dafür als sinnlos ansehen. (Mache dir das bewusst, wenn du das Nächste mal überlegst, ob du lieber eine Yoga-Runde übst oder eher eine Serie schauen solltest)

Selten bis nie ist dies übrigens ein "objektiver" Sinn. Sinnhaftigkeit wird bei den meisten Menschen von ihrem Glauben und(oder der momentanen Kultur bestimmt. Siehe: Wie gebe ich meinem Leben einen Sinn?

 

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Herz-Meditationen wollen die innere Freude fördern


Vorteil Yoga

Wenn wir die bisherigen Glücks-Fakten mit dem Weg des Yoga abgleichen, kommen wir auf zahlreiche Yoga-Glückspunkte:

  • Eine fordernde Praxis, die als sinnvoll angesehen wird.
  • Die Lehre des Yogas enthält die Unsterblichkeit der Seele und mit der Karmalehre eine inhärente Sinnhaftigkeit aller Ereignisse. Zudem verspricht die Yoga-Philosophie uns eine hohe Selbstwirksamkeit – ebenfalls ein wichtiger Punkt für Zufriedenheit.
  • Viel Energie (Prana) durch Asana und Pranayama, was sicherlich das eigene Glückslevel anhebt.
  • Eventuell: Eine spirituelle Gemeinschaft, mit der wir gemeinsam üben und in der wir uns geborgen fühlen.

Doch die Yogalehre zielt eigentlich nicht auf derartige Glückspunkte ab. Zudem sind alle obigen Elemente noch nicht das "Ananda", was ein Yogi im Samadhi erleben soll.

 

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Der Buddhismus

Die buddhistischen Lehren zielen stark auf das Anheben des Glücksniveaus eines Menschen ab. Hier finden wir ein ganz anderes – eher in die Richtung der Yoga-Philosophie gehendes – Glücksverständnis.

Glück, so die Lehre Buddhas, hängt nicht von subjektiven Empfindungen, Hormonen oder sinntragenden Tätigkeiten ab. Das Gegenteil ist der Fall: Wahres Glück kann in uns wachsen, wenn wir dem Glück nicht länger in Form von Illusionen und Anhaftungen hinterherlaufen. Unglück entsteht gerade dadurch, dass wir an glücklichen Empfindungen festhalten wollen und darunter leiden, wenn das Leben doch wieder anders verläuft.

Wer die Jagd nach den "angenehmen Schwingungen" aufgibt, dessen Geist kommt in den Frieden und hier findet sich Ruhe, Klarheit und Zufriedenheit. Wer einmal diesen Zustand erlangt hat, soll sich nicht mehr nach den normalen kulturellen Glücksbausteinen sehnen.

Es geht dem Buddhismus also gerade nicht darum, möglichst enthusiastische Emotionen im Inneren zu erzeugen – natürlich auch nicht deren negative. Wir sollen stattdessen unabhängig werden von diesen "geistigen Drogen", um zu dem wahren Glück zu finden, welches auf der Beherrschung des Geistes beruht.

 

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Der Glücks-Weg des Yoga

... ist dem des Buddhismus nahe verwandt, die Unterschiede liegen meines Erachtens nach nur in Nuancen. Zwar wird durchaus bedeutungsschwer um die Existenz eines unsterblichen Selbstes gestritten, aber das ist für das Thema Glück kaum von Belang. Beide Philosophien sehen ganz ähnliche (innere) Hindernisse, die dem Menschen das wahre Glück versperren. Beide bieten vergleichbare Glücksempfehlungen:

Sutra I-2 sieht das Ziel des Yoga-Weges in der Ruhe des Geistes:

Yoga Sutra I-2: Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen im Geist

 

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Sutra I-12 konkretisiert, dass diese nur durch Üben und Loslassen möglich ist:

Yoga Sutra I-12: Die bewusste Kontrolle der Bewegungen im Geist wird durch Übung und Verhaftungslosigkeit erlangt

 

Diese zwei Sutras umfassen den gesamten buddhistischen Glücksweg – annähernd. Denn Buddha lehrte neben dem Weg der Verhaftungslosigkeit auch die Entwicklung von Mitgefühl. Auch im Yoga finden wir diese Aufforderung in Form der Yama und Niyamas. Nicht ganz so dezidiert, aber doch als klare Empfehlung. Siehe zum Beispiel Sutra I-33:

Yoga Sutra I-33: Der Geist wird geklärt durch Kultivierung von Freundlichkeit, Empathie, Zufriedenheit sowie Gleichgültigkeit gegenüber Freude, Leid, Erfolg und Misserfolg

 

 Fazit

Die Glückslehre des ursprünglichen Yoga steht – ähnlich dem Buddhismus – in weiten Teilen dem normalen Glücksstreben unserer heutigen Kultur (höher, schöner, weiter) diametral entgegen. Viele moderne Yogastile mit ihrer Betonung des Körperlichen sind ebenfalls weit entfernt vom "Loslassen" als Glücks- und Erlösungsempfehlung der alten Yogaschriften.

Der Yoga-Glücks-Pfad verlangt ein völlig anderes Leben als es gewöhnlich gelebt wird. Nur wenige sind bereit, die notwendigen Schritte in all ihrer Konsequenz tatsächlich zu gehen. Aber es reicht ja erst einmal aus, die richtige Richtung einzuschlagen ...

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