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THEMA: Liebevoller Umgang unter Suchenden

Liebevoller Umgang unter Suchenden 19 Apr 2012 06:25 #4973

Namaste Liebe Yogis und Yoginis

Aufgrund der aktuellen Vorkommnisse möchte dieser hier ein neues Thema starten.
Und mit euch allen Wünschenswerte, die Entwicklung aller Beteiligten fördernde Umgangs-formen besprechen.
Vieles hat Peter in den Foren Regeln schon fixiert.

Wichtig erscheint diesem:

1.Alle Beteiligten als einen Strahl des Einen Namenlosen Göttlichen zu betrachten und zu behandeln.
2. Immer wach zu sein für die Regungen des Ego, welches uns immer wieder in Versuchung führt zu kämpfen und damit neue Trennung zu erzeugen.
3.Zu sehen und zu erkennen, dass wir alle Menschen sind und Fehler machen, die der eigenen persönlichen Bedingtheit entspringen.
4. Niemanden deshalb zu verurteilen.
5. Keine Dinge unausgesprochen zu lassen, aber dennoch liebevoll und respektvoll miteinander umszugehen.
6. Achtsam mit der Sprache umzugehen und niemanden zu verletzten.


Wenn euch noch andere Dinge zu diesem Thema einfallen
Bitte ich euch diesen zu ergänzen.

Licht und Liebe
Lars
Ich bin Yogalehrer und leite die Patanjali Yogaschule Münster.
Auf meiner Homepage findet ihr einige Yoga Skripte gratis zum Download. Patanjali Yogaschule Münster.

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 19 Apr 2012 09:55 #4975

Hallo Lars,

Deine Worte kann ich nur unterstreichen.

Ich finde es wichtig Menschen nicht gleich in eine Schublade zu stecken, sie nicht gleich schablonenhaft analysieren zu wollen und verbal zu attakieren weil es vielleicht gerade zum eigenen Gemütszustand passt.

Wenn man sich nicht persönlich kennt, sollte man neutral, offen und neugierig jedem gegenüber sein und eben keine persönlichen Urteile abgeben. Dann klappt das schon ;)

LG
Dieter

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 19 Apr 2012 12:33 #4978

Namaste Dieter

Danke für die Zustimmung.
Aber auch wenn man sich persöhnlich kennt halte ich solche Umgangsformen für immens wichtig.

Licht und Liebe
Lars
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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 19 Apr 2012 15:34 #4979

Hallo Lars,

ja, natürlich sollte unter Freunden und Bekannten der respektvolle Umgang selbstverständlich sein. Aber eine Freundin oder Freund darf mir mehr sagen, darf mehr in die Tiefe gehen, er kennt mich besser, kann mich besser einschätzen.

Hier geht es doch eher anonym zu. Vielleicht lässt sich deshalb das eine oder andere "harte" Wort leichter schreiben.

LG
Dieter

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 19 Apr 2012 15:47 #4980

Lieber Lars,

Deinen Umgangsempfehlungen kann ich nur zustimmen.

Punkt 5) scheint mir allerdings nicht so klar.

"5. Keine Dinge unausgesprochen zu lassen, aber dennoch liebevoll und respektvoll miteinander umszugehen"

Es scheint mir durchaus "empfehlenswert" Meinungsverschiedenheiten nicht bis ins Endlose darzustellen, sondern die andere Sichtweise ruhig einfach mal "liebevoll und respektvoll" stehen zu lassen.
Herausfordernde Äußerungen nicht unbedingt im Wettkampfeifer erwidern wollen. Dann doch lieber
mal dem 1. Drang zu schreiben, nicht folgen.
Das Ego läßt grüßen....
Provokationen versuchen als solche zu erkennen und einfach: nicht gleich reagieren.

Dank dir für deine Überlegungen!
Beate

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 19 Apr 2012 15:56 #4981

Namaste Beate

Mit Punkt 5 meinte ich, das wir uns ruhig und sachlich auch mal auf Irrtümer hinweisen können.
Jeder andere sieht nun einmal oft die Anwandlungen eines Ego besser als wir selber. :silly:
Manchmal kann auch Schweigen und in sich gehen eine angemessene Reaktion sein.
Ansonsten finde ich deine Ergänzungen bestens und habe diesen nichts hinzuzufügen. :)

Licht und Liebe
Lars
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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 21 Apr 2012 07:23 #4993

Liebe Yogis und Yoginis,
...es ist ein schwieriges Thema... ich würde sogar sagen, dass "liebevoll" schon ein wenig zu viel verlangt ist, da wir uns ja nicht wirklich kennen. Aber grundsätzliche Zuneigung, Achtung, Respekt, und Höflichkeit, das kann man/frau wohl erwarten. Manchmal wundere ich mich wirklich, wie schnell in Internetforen diese Benimm-Regeln vergessen werden... selbst bei kontroversen Themen, in denen die Emotionen hochkochen, habe ich immer genügend Zeit, erst einmal ein paar Atemzüge zu tun, zur Besinnung zu kommen, bevor ich in die Tasten greife. Im direkten Gespräch ist so etwas viel schwieriger, weil da sofort einen Antwort erforderlich ist, die mir möglicherweise erst am nächsten Tag (in angemessener Form) einfällt. Aber in Kommunikationsforen wie diesem kann ich antworten, wann ich will, oder auch einfach nur die Löschtaste bedienen. Ich habe Zeit, meine Reaktion auf das Geschriebene zu überprüfen... und ich habe auch Zeit, den Abstand zu bekommen, der mir klar macht: wenn jemand etwas in meinen Augen "Deppertes" schreibt, ist das nur eine momentane Äußerung - deswegen ist nicht gleich der ganze Mensch ein Depp. Mache ich jemanden aufgrund einer aktuellen Aussage oder Handlung insgesamt zu einem "Deppen", dann hänge ich selber voll drin in dem Klesha der Abneigung, was mich wiederum blind dafür macht, dass in JEDEM das gleiche Licht leuchtet. Will ich das? Nein. Also tue ich mein Bestes, gehe einen Schritt zurück, atme ein, atme aus, und versuche zu schreiben, ohne zu verletzen - auch dann, wenn ich eine andere Meinung habe.
Namaste!
Tulsi

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 21 Apr 2012 08:08 #4994

Hallo Tulsi,

genau so empfinde ich das auch. Wenn man keinen in seinen Äußerungen und Meinungen verletzt, braucht man auch nicht zu schweigen. Warum sollte ein Meinungs- oder Erfahrungsaustausch nicht bis ins letzte Detail gehen. Menschen sind nun eben mal unterschiedlich. Ich find´s toll. Und bei aller Diskussion fände ich es gut, wenn so geschrieben wird, dass auch Laien und nicht so weit Fortgeschrittene alles verstehen können.

LG
Dieter

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 21 Apr 2012 11:38 #4995

  • Ramananda
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larrim schrieb:

Wenn euch noch andere Dinge zu diesem Thema einfallen …

@Lars
Allen sechs Punkten kann ich nur zustimmen (obwohl Du einige Maßstäbe sehr hoch setzt); Du hast es klar formuliert.

@Beate
Wenn Du schreibst »dann doch lieber mal dem Drang zu schreiben nicht folgen. Das Ego läßt grüßen ...« dann lass mich dazu bemerken: Das Ego besteht bis eine Sekunde vor dem Eintauchen in den Zustand der Erleuchtung. Wozu also ständig darauf hinweisen? Wir alle sind die Gefangenen unseres eigenen Denkens.

@Tulsi
zu Deinem Satz »selbst bei kontroversen Themen, in denen die Emotionen hochkochen, habe ich genügend Zeit, zur Besinnung zu kommen, bevor ich in die Tasten greife« möchte ich folgendes anmerken. In Gesprächen mit Meistern ist festzustellen: Sie sprechen unverblümt über die heikelsten Dinge; sobald sie aber bemerken, daß »im Publikum« Emotionen hochkommen stoppen sie augenblicklich das Gespräch. Schafft es der Fragende jedoch, nüchtern zu bleiben, dann erhält er vom Meister jede mögliche Auskunft, und sei sie noch so schlimm. Auch uns Normalsterblichen ist es möglich, emotionslos etwas zu schreiben, was dem Gegenüber nicht gefallen wird. Habe ich also, um mit Deinen Worten zu sprechen, einige Male ruhig ein- und ausgeatmet, bin ich zur Besinnung gekommen und nach wie vor der Meinung, daß jemand »keine Ahnung« hat, dann schreibe ich es ihm auch. Ich halte es nämlich für ethischer, etwas Unkorrektes zu monieren anstatt es »liebevoll« stehenzulassen.

Bliebe also für mich nur noch das Wort »verletzen«, wie

@Lars (achtsam mit der Sprache umzugehen und niemanden zu verletzten)
und
@Atreju59 (wenn man keinen in seinen Äußerungen und Meinungen verletzt, braucht man auch nicht zu schweigen)

zu Recht erwähnen.

Mir ist einerseits bewußt, was in der Bhagavad-Gita dazu gesagt wird: Sattvisch (rein, gut) sind »Worte, welche keine Aufregung verursachen …« (Gesang 17, Vers 15). Andererseits ist dort eben ständig vom »Yogin« die Rede, vom hoch- und höchstentwickelten Charakter (da stehen wir erneut vor dem Begriff »der Anfang und das Ende«). Ich stehe am Anfang des geistigen Weges, bin kein Yogin, sondern ein Yoga-Übender, stehe voll in der Welt und werde nicht immer und nicht zu jedem Blödsinn »weise« schweigen. Daß ich mich um eine weniger direkte, weniger treffende Ausdrucksweise bemühen will habe ich bereits in einem anderen Posting gesagt.

Schließlich: Ich sehe es nicht als Widerspruch, jemandem zu schreiben »was du gesagt hast ist einfach dumm« und als Unterschrift das :he: anzubringen. Liebe ist nicht immer nur Wohlgefallen.

Und ich bin nicht beleidigt oder sauer, wenn ich dann als Antwort erhalte »nein, du bist es, der dumm ist«. Zwei Menschen sagen sich, was sie voneinander denken – wo genau liegt hier das Problem?

Sollte dann jemand antworten »weil Yogis so etwas nicht tun« hätte er meinen sofortigen Widerspruch. Yoga-Übende sind nicht besser (da wäre wieder das verbotene Unwort »G.« fällig), nicht ethischer als andere Normalsterbliche. Der einzige Übermensch, das einzige ego-lose Wesen ist der Erleuchtete. Und es gehört zu den charakteristischen Zeichen eines Weisen, daß so jemand NICHT in irgendwelchen Foren unterwegs ist. Um das nebenbei gesagt zu haben.

:he:

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 21 Apr 2012 12:24 #4996

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Kurzer Nachtrag zum letzten Absatz (Yogis sind nicht besser als andere):

In einem Gespräch mit dem Meister sprach ein Mönch (!) unbedacht von «Sadhakas« (geistig Strebenden) und von »ordinary people«. Mit schneidender Schärfe kam die Gegenfrage des Meisters: »Ordinary people? Are Sadhakas NOT ordinary people?«

Betretenes Schweigen …

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 21 Apr 2012 13:08 #4997

Ramananda, du hast recht: das Ego erwähne ich häufiger, weil es mir ja auch zusetzt.
Hoffentlich kommt es nicht als Besserwisserei rüber.
In dem uns aber der Gegenstand unseres selbstverursachten Leidens, die Ego-Aktivität, klar wird, können wir es auch gezielter loslassen.

Im übrigen finde ich, wenn jemand sich "beleidigen" läßt, liegt das natürlich an ihm, seiner fehlenden Gelassenheit. Wenn da Resonanz in mir ist, ich getroffen bin, dann bietet sich eben an, erst mal in mich zugehen und bei mir aufzuräumen + nicht gleich zurückzuschmettern.

Schweigen ist für den Schweiger und den Angeschwiegenen
eine Chance, keine Strafe.

Impulsiven Menschen fällt es natürlich schwer, mal eine Antwort schuldig zu bleiben. Temperament zu zügeln
schadet aber wohl nicht, wenns der 'Sache' zugute kommt.
Habe mal gehört, dass die Empfehlung, "eine Nacht über zu schnellen Reaktionen zu schlafen" sogar im Wehrdienst als Regel zu beachten galt.

Nun habe ich eine Woche Forumpause,




Ramananda:

"Und ich bin nicht beleidigt oder sauer, wenn ich dann als Antwort erhalte »nein, du bist es, der dumm ist«. Zwei Menschen sagen sich, was sie voneinander denken – wo genau liegt hier das Problem? "

Find ich prima, du teilst aus, aber kannst auch einstecken..

:) Beate

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 21 Apr 2012 15:02 #4998

Ram schrieb:

...da stehen wir erneut vor dem Begriff »der Anfang und das Ende...«


Namaste

Wo aber sind Anfang und Ende?
Begeben wir uns damit nicht wieder in die Trennung und Spannung erschaffende Zeitlienie?

Hat es nicht beides?
Über sich zu sagen ich stehe am Anfang des Weges kann ein Ausdruck tiefer Demut sein, oder eben ein unnützes klein machen.
Sind wir denn nicht alle Strahlen des Göttlichen? Der eine ist sich dessen etwas mehr bewußt und der andere vielleicht etwas weniger.

Tulsi schrieb:

...Mache ich jemanden aufgrund einer aktuellen Aussage oder Handlung insgesamt zu einem "Deppen", dann hänge ich selber voll drin in dem Klesha der Abneigung, was mich wiederum blind dafür macht, dass in JEDEM das gleiche Licht leuchtet. Will ich das? Nein. Also tue ich mein Bestes, gehe einen Schritt zurück, atme ein, atme aus, und versuche zu schreiben, ohne zu verletzen - auch dann, wenn ich eine andere Meinung habe.....

Schöner hätte dieser es nicht ausdrücken können.

:silly: Vielleicht sollten wir eine Kampagne starten.
Unter dem Motto: Gott ist auch in jenen die wir für blöd oder gar für Ar........halten. :silly:

Die göttlichen Leelas (Spiele) sind halt unerforschlich, haben aber immer ein Potential zur entwicklung, wenn ja wenn es uns gelingt den einen Schritt zurückzutreten und unsere Lektionen, die Gott jeden Tag in seiner unermeßlichen Güte vor unsere Tür stellt anzunehmen und zu lernen.

Ramanada schrieb:

Sollte dann jemand antworten »weil Yogis so etwas nicht tun« hätte er meinen sofortigen Widerspruch. Yoga-Übende sind nicht besser (da wäre wieder das verbotene Unwort »G.« fällig), nicht ethischer als andere Normalsterbliche. Der einzige Übermensch, das einzige ego-lose Wesen ist der Erleuchtete. Und es gehört zu den charakteristischen Zeichen eines Weisen, daß so jemand NICHT in irgendwelchen Foren unterwegs ist. Um das nebenbei gesagt zu haben.


Ja auch der Yogin kocht mit Wasser, aber um die worte von Yogiraj Satgurunath Siddhanath zu gebrauchen, er bezieht sich immer auf das Göttliche, richtet 80% seines Lebens auf Gott aus und nur den Rest dem Alltag. Denkt er, dass er besser ist, erhabener als die anderen, dann hat er das Spielchen sich ein größeres Auto als der Nachbar zu kaufen, nur auf eine andrere Bühne gebracht und läuft Gefahr in seiner Hybris auf dem Pfad zu straucheln. Das würde dieser aber nicht als Gutmenschentum, sondern als eine gut getarnte Form der Selbstsucht bezeichnen, womit wir wiederum bei den von Tulsi angesprochenen Kleshas wären.

Beate schrieb:

In dem uns aber der Gegenstand unseres selbstverursachten Leidens, die Ego-Aktivität, klar wird, können wir es auch gezielter loslassen.

Im übrigen finde ich, wenn jemand sich "beleidigen" läßt, liegt das natürlich an ihm, seiner fehlenden Gelassenheit. Wenn da Resonanz in mir ist, ich getroffen bin, dann bietet sich eben an, erst mal in mich zugehen und bei mir aufzuräumen + nicht gleich zurückzuschmettern


Und hier liefert uns Beate den Hinweis diesen Kleshas nicht immer wieder in die Falle zu gehen.

Licht und Liebe
Lars
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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 22 Apr 2012 06:55 #4999

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Hallo zusammen,
ich folge dieser Diskussion mit großem Interesse, die Erscheinungsformen der Kleshas machen mich recht nachdenklich.
Ich merke bei mir, dass ich viel mehr darauf schaue (und es auch einfacher finde), nicht an einem Verlangen anzuhaften als an einer Abneigung. Es wird mir jetzt gerade bewusst, wie sehr ich innerlich an dem hafte, was ich widerlich finde oder ablehne - zb. Grobheiten, familiäre Gewalt, politische Korruption, bestimmte Wirtshausdiskussionen etc. etc.
Da ist Vieles dabei, worüber eine innere Auseinandersetzung gar nichts bringt, denke ich. Reicht es, wenn ich diese Eindrücke innerlich einfach vorbeiziehen lasse? Mich einfach auf das nicht-anhaften ausrichte? Oder muss ich damit einen "inneren Frieden" finden?

:he: jukiwi

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 22 Apr 2012 07:38 #5000

Liebe Jukiwi,

Du hast recht - oft ist Abneigung hartnäckiger als Zuneigung, es geht noch nix über eine "gepflegte Feindschaft", oder? ... das Problem ist: wir können diese Gefühle nicht abschaffen. Wollen wir das denn? Ich nicht, das Leben wäre langweilig ohne sie. Aber ich will dem nicht unterworfen sein, nicht daran anhaften! Wenn also jemand blöde Sachen sagt oder macht, dann ärgere ICH MICH... und das ist es, wo ich wirklich eine Möglichkeit sehe, etwas zu ändern. ZUERST bei mir, in dem ich den Ärger wahrnehme, ihn klein mache (die Botschaft Patanjalis ist: die kleshas klein machen - abschaffen kann man sie wohl nicht...), und dann schaue ich, ob an dem den Aerger auslösenden Faktor etwas zu tun ist. Nicht zu handeln ist auch kein Lösung... und emotionslos will ich dabei auch nicht sein, im Gegenteil, erst mit den Gefühlen ist Herzblut dabei in meinem Engagement... aber dosiert, gezielt... so dass ich nicht der Spielball bin und hilflos, wenn sie hochkochen. Die Emotionen sind in mir, es sind meine, und ich kann lernen, damit umzugehen. Ich kann lernen, meine Liebe zu lenken und auch meinen Zorn wie ein Schwert an der richtigen Stelle einzusetzen.
herzliche Grüße,
Tulsi

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 22 Apr 2012 08:24 #5002

Namaste Ihr Lieben

Liebe Tulsi du hast mal wieder, in deiner unvergleichlichen Art, den Nagel auf den Kopf getroffen.
Spontan denke ich bei deinem letzen Post an das Sutra 1.12 des Patanjali :"Das Zur Ruhe Kommen der seelisch geistigen Vorgänge erlangt man duch "Übung"- abyhasa und "Loslösung" variraghya."
Nun springt da was zu den Sutras 2.10 bis 2.17
In aller Kürze wiedergegeben steht dort unter anderem, das geschehenes Leid durch Meditation beänftigt und aufgelöst werden sollte. Zukünftiges Leid kann vermieden werden in dem wir uns bemühen übermäßige Bindung an die Dinge und Menschen der äußeren erscheinungswelt zu vermeiden.

Der Weg heißt sicher nicht zu allem zu schweigen zu allem Ja und Amen zu sagen, sondern manchmal ist auch das Schwert gefragt.
Aber Schwerter sind immer zweischneidig und nur wenn derjenige, welcher das Schwert führt frei von Zuneigung und Abneigung handelt, wird es von Gott geführt sein ihm bestimmtes Ziel auch erreichen.
Und damit wären wir dann wieder bei der Bhagavad Gita.
Ich bin nun neugierig auf Rams Kommentare zu dem Bezug zur Gita.
Ich danke euch allen, dass wir nun hier wirklich Yoga miteinander machen. Ihr helft mir alle die in Indien gemachten tiefen Erfahrungen zu verstehen und zu integrieren.

Licht und Liebe
und einen gesegneten Sonntag euch allen.
Danke
Lars
Ich bin Yogalehrer und leite die Patanjali Yogaschule Münster.
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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 22 Apr 2012 08:59 #5005

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Liebe Tulsi,

ja, das macht mir sehr viel Sinn: die Kleshas klein machen (und sich nicht ganz davon lösen) ...

Komischerweise hätte ich das Gefühl, dass ich irgendwie ganz die Bodenhaftung verlieren würde, wenn ich in meinem Leben keine Zueigung oder Aneigung mehr spüren würde :blush:

Du formulierst es so schön, dass man nicht aus der Emotion heraus handeln soll.

@Larrim
Danke dir für die Bezeichnung der jeweiligen Verse in den Sutren und Schriften. Ich lese diese Textstellen dann immer mit ganz neuem Interesse und Verständnis (die Texte werden sozusagen lebendig) und merke wie weise das alles ist...

:he: jukiwi

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 22 Apr 2012 09:15 #5006

Liebe Jukiwi

Mir gehts genauso. Da lese ich seit mehr als 20 Jahren in den Sutras und doch entdecke ich sie, durch und mit euch allen, grade wieder völlig neu.
Ist das nicht wunderbar?

Licht und Liebe
Lars
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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 22 Apr 2012 09:22 #5007

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jukiwi schrieb:

1. … Komischerweise hätte ich das Gefühl, dass ich irgendwie ganz die Bodenhaftung verlieren würde, wenn ich in meinem Leben keine Zuneigung oder Abneigung mehr spüren würde.
2. … dass man nicht aus der Emotion heraus handeln soll.

Liebe Ju,

ich möchte nicht als Besserwisser dastehen, aber zwei Anmerkungen seien erlaubt.

Zum ersten Satz: Zuneigung und Abneigung bestehen bis zum Ende; wir brauchen uns – leider – keine Gedanken darüber zu machen, »ohne« zu sein. Und selbst wenn wir »fühlen« etwas »überwunden« zu haben gilt es aufzupassen, sagt doch Shri Patanjali in II, 4 zu den Kleshas:

»Das Nichtwissen (ist) das Feld für die anderen, (seien sie nun) schlummernd, schwach, unterdrückt (oder) in voller Aktivität.« [eigene Übersetzung]

Und im Kommentar dazu schrieb ich:

»Den Satz 4 nutzt Shri­ Patanjali auch für einen wichtigen Hinweis. Nach einer gewissen Zeit geistiger Übungen mag jemand wohl glauben, daß er eine Schwäche, einen Fehler überwunden hat. Wie groß ist dann die Enttäuschung, wenn er feststellen muß, daß diese Schwäche plötzlich wieder hervorbricht, vielleicht sogar stärker als zuvor. Der Yogin muß aufrichtig prüfen, ob etwas, das er für besiegt hielt, in Wirklichkeit nur unterdrückt, schwach oder zeitweise schlummernd war. Der menschliche Geist täuscht den Übenden immer wieder. Optimismus auf dem langen geistigen Weg sollte nicht mit der so häufig anzutreffenden Naivität verwechselt werden.«

Zum zweiten Satz: Wenn man sich ganz genau beobachtet wird man zugeben müssen: Es ist nicht möglich, etwas ohne Emotion zu tun; es sei denn, man ist – Verzeihung wenn ich erneut darauf hinweise – am Ende des Weges angelangt. Mein Meister pflegte dazu unter vielen anderen Beispielen dieses anzuführen: »Du bist ja nicht einmal imstande, eine dich störende Mücke ohne Emotion zu verscheuchen oder zu töten …«

:he:

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Aw: Liebevoller Umgang unter Suchenden 22 Apr 2012 13:25 #5012

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Lieber Ramananda,

Optimismus statt Naivität - ja :side: das ist ein guter Gedanke...

Die Sache mit dem emotionslosen Handeln meine ich (noch) nicht aus einem yogischen Verstehen heraus, sondern aus einem ganz banalen westlichen. Affekt- und Impulskontrolle, Umgehen mit heftigen Emotionen, Handlungsplanung und Folgenabschätzen heißt das im Psychologendeutsch und damit sind Funktionen eines gesunden Ich im westlichen Sinne gemeint - daran habe ich gedacht.
Ich bin einfach zutiefst erstaunt, wie genau und folgerichtig die alten Schriften psychophysische und geistige Prozesse beschreiben, deren Erkenntnis wir im Westen für das "allerneueste" halten.

:he: jukiwi

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Liebevoller Umgang unter Suchenden 28 Mär 2014 10:25 #7057

Hallo,

es ist sehr wichtig die für jeden existierende Wahrheit auszudrücken, es ist aber eine Kunst, dabei den anderen nicht zu verletzen.

Idealer Weise sollte es für beide ein Aha- Effekt geben, das setzt aber die Bereitschaft beider voraus, überhaupt zuhören zu können.

Gruß Jochen

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