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THEMA: Ganz ungut nach Pranayama

Ganz ungut nach Pranayama 14 Feb 2019 16:23 #8453

Liebes Forum,

ich habe seit ein paar Tagen ein Problem, und ich hoffe, jemand hier hat vielleicht Antwort;
Ich mache seit längerer Zeit Hatha-Yoga, und seit einem halben Jahr Kundalini, wo ich wirklich noch Anfänger bin. Bis jetzt bin ich von beidem begeistert, von all den wunderbaren Veränderungen, die ich im Körper, und meiner ganzen Energie spüre. Bis jetzt-denn vor ein paar Tagen ist etwas Seltsames passiert. Ich mache gerade eine Ausbildung zur Hatha-Yogalehrerin; Am Wochenende hatte ich schlecht geschlafen, und war die ganzen Ausbildungstage über ziemlich müde und kraftlos. Am Abend des letzten Tages haben wir zum ersten Mal Pranayama geübt. Und es war nicht schön: Meine Hände wurden eiskalt (bis zum nächsten Tag), und ich bekam starke Stirnkopfschmerzen (auch noch bis zum nächsten Tag...) Meiner Meinung nach war es für uns als Anfänger darin viel zu lange. Für mein Gefühl hätte ich das auch lieber bei Tageslicht geübt, als in einem abgedunkelten Raum. Die Ausbilderin hat auch noch den Fehler gemacht, was alles Schreckliches an physischen und psychischen Horrorszenarien passieren kann, wenn man das falsch macht (zwar nur erwähnt, aber das hat gereicht, um eine komische Atmosphäre zu erzeugen). Dazu möchte ich mich auch gar nicht weiter äussern. Am Ende hat eine Teilnehmerin geweint, weil sie währenddessen irgendwelche Gesichter vor sich gesehen hat, und natürlich furchtbar erschrocken ist. So sind wir auch dann noch alle aus dieser doch angstbeladenen, gedrückten Stimmung nach Hause.
Ich habe noch getröstet, und gesagt, dass das nur die Nerven waren, die überreizt waren. Daheim aber festgestellt, dass ich mich selber mies fühlte, irgendwie...ungut, ich kann es gar nicht genau beschreiben. Eine unterschwellige Ängstlichkeit, leichte Panik,leichtes Erschrecken. Seitdem schlafe ich schlecht, und habe die grausigsten Alpträume. Heute war der allerärgste: Ich war total voll Angst im TRaum, hab´ dann eine Tür geöffnet, und mich selbst viermal gesehen-einmal davon an einem Galgen baumelnd...So was ist mir noch nie passiert. Ich kann es mir nur so erklären, dass meine Müdigkeit, die Anstrengung und ein völlig überreiztes Nervenkostüm das alles verursachen. Ich will um Gottes Willen nicht dem Pranayama schuld geben; Ich möchte nur fragen, ob hier jemand so etwas Ähnliches vielleicht auch schon erlebt hat. Wo doch Pranayama g e g e n Panik, u. Ä. , helfen soll... Was mich grade so traurig macht, dass ich das nicht abschütteln kann, und es mir die ganze Freude am Yoga verdirbt-vor allem auch am Kundalini. Eigentlich hatte ich auch damit eine Lehrerausbildung anfangen wollen, aber im Moment hab´ ich nur noch ein blödes Gefühl. Kann mir bitte jemand einen Rat geben, wie man so was wieder los kriegt? Es ist wahrscheinlich eine ungewöhnliche Frage-ich wäre von Herzen dankbar...Ich will meine Lust und Freude am Yoga wiederhaben. Vielen lieben Dank im Voraus!

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Ganz ungut nach Pranayama 23 Feb 2019 08:20 #8458

Liebe Delphine,

das ist sehr interessant, was du schreibst, denn das bestätigt eine Erfahrung, die ich selbst in mehr als 25 Jahren Yoga-Unterricht gemacht habe: Obwohl ich während meiner Ausbildung in Indien auch viel Pranayama geübt habe, ist es mein Eindruck, dass diese Technik heutzutage den westlichen Menschen tendenziell überfordert. Viele Menschen, die mir in meiner Arbeit begegnen, haben Blockaden und Einschnürungen im Atmen, sie atmen zu flach, zu fixiert, etc. Sie müssen erst einmal lernen, den Atem im freien Fluss zuzulassen.

Beim Pranayama geht es ja um die Kontrolle des Energiekörpers und das setzt eine sehr große Bewusstseinskraft voraus. Was in eurer Gruppe passiert ist, scheint mir deshalb ein zu starkes Zurückbinden an den eigenen Körper zu sein, was eben geschieht, wenn das Bewusstsein nicht schon außerordentlich trainiert ist. Dann weckt man mit Pranayama die unbewussten inneren Welten auf, die aber eher in Ruhe gelassen werden sollten.

Um nach einer solchen Erfahrung wieder zu einem normalen “Leib-Seele-Gleichgewicht” zu kommen, kann es meiner Ansicht nach helfen, die Sinne gezielt nach außen zu richten: die Natur, die Mitmenschen, die Ernährung aufmerksam zu beobachten und mit positiven Gedanken der Umwelt entgegengehen. Dann kommt man leichter von der zu starken Anbindung an die eigenen unbewussten psychischen Strukturen los.

Vielleicht solltet ihr in der Ausbildung die Rolle des Pranayama einmal diskutieren. Soviel ich weiß, rät zum Beispiel Heinz Grill als Vertreter eines zeitgemäßen Yogaweges komplett von Pranayama ab. Er hat hingegen eine eigene Form der Atemschulung entwickelt, die er Der freie Atem nennt.

Mit besten Wünschen
Alina
"Yoga ist eine Kunst und die Asanas sind ein poetischer Ausdruck dieser Kunst." S.D. French
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Ganz ungut nach Pranayama 24 Feb 2019 10:49 #8459

Hi Delphine,

ich kenne das jetzt nicht bei mir vom Yoga, sondern vom „verbundenen Atem“ bei Selbsterfahrungsseminaren und hatte damals das Bedürfnis, mir therapeutische Unterstützung zu holen.
Kenne es aber aus meinem erweiterten Bekanntenkreis, das zu intensives Pranayama und Kundalini Yoga gefährlich sein kann.

Ich glaube nicht das es daran liegt, das Du etwas falsch gemacht hast, sondern wie Du selbst schreibst, das es für Anfänger wahrscheinlich zu viel und zu intensiv war.

Was mir bei meinem Pranayama sehr wichtig ist, das es sich immer leicht und einfach anfühlt und ich meinen Körper zu nichts zwinge. Das war ein Lernprozess für mich. Eine gute Orientierung ist für mich das, was die Iyengar Yogalehrerin Mary Dunn mal gesagt hat:
Die Schüler sind bereit mit Pranayama zu beginnen, wenn sie sich
tief in Savasana entspannen können, mit einem ruhigen und
achtsamen Geist.

Und das bin ich nach vielen Yogajahren immer noch am Lernen.

Alles Gute und einen lieben Gruß!
Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.

Lucius Annaeus Seneca

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Ganz ungut nach Pranayama 24 Feb 2019 14:17 #8460

Liebe Alina, liebe Wintersun,

ganz, ganz lieben Dank für Eure Antworten; Das tut gut zu hören, dass das nich nur mir passiert.
Ich habe mich inzwischen wieder etwas gefangen, mithilfe der Kinesiologie, und ein paar Waldspaziergängen, und versucht, das mal alles nüchtener "von aussen" anzuschauen.
Das sind gute Tips, Alina. Ja, und ich hatte auch das Gefühl, dass ich das eigentlich (noch) gar nicht will, weil ich, wie wir ja fast alle, sowieso zu oberflächlich atme, und erst mal wieder lernen möchte, den Atem einfach natürlich fließen zu lassen, bevor ich mich darauf einlasse, das Atemgeschehen zu regulieren; Was ich nach meinem Gefühl aber, glaube ich, gar nie möchte...
Es ist sehr interessant: Ich mache Kundalini nach Yogi Bhajan, das ja, soviel ich heraushöre, nicht die Erweckung einer Urkraft zum Ziel hat, sondern die Stärkung unserer Nerven, der Drüsen, unserer Inneren Kraft, mit den Anforderungen unserer Zeit umzugehen. Den Feueratem, das schnelle, gleichmäßige Atmen, den ich dabei mache, mache ich nie länger als drei Minuten, maximal fünf, wie in den Übungen angegeben, und ich fühle mich sehr, sehr gut damit, da gab´s noch nie Probleme.
Ich denke, es war tatsächlich die Atmosphäre dort; Und für mich das Halten des Kopfes in der vorgeneigten Position unangenehm: Ichh abe nur noch eine halbe Schilddrüse, und hatte danach auch das Gefühl, dass der das gar nicht gefallen hat...
Ich nehme das jetzt als ein Zeichen, dass ich überaus achtsam mit dem umgehe, was Yoga kann (Und sowas gleich am Anfang seiner Ausbildung zu begreifen, ist auch ganz gut...), und als Zeichen, dass da noch etwas in mir ist, das ich lösen muss.
Es wird wohl noch etwas dauern, bis ich wieder völlig angstfrei hineingehen kann, aber ich habe zumindest wieder angefangen (Wie heißt´s so schön: Gleich wieder auf´s Pferd steigen, wenn man runtergefallen ist, sonst hat man immer Angst...)
Die Lehrerin hat einen großen Fehler gemacht, das mit uns absoluten Anfängern über eine Stunde zu machen, und vorher noch Horrorgeschichten über alles Mögliche zu erzählen, was einigen Fanatikern mal passiert ist (Oder noch heute passiert). Natürlich kriegt man das dann nicht so leicht aus dem Kopf. Manche wissen nicht, was sie tun... :o(
Vielen Dank noch mal für die hilfreichen Antworten!

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Ganz ungut nach Pranayama 25 Feb 2019 12:20 #8461

Ich beschäftige mich in letzter Zeit recht viel mit alten Texten zum Pranayama. Mir scheint, Kernziel des Pranayamas ist die Verlangsamung und Verfeinerung des Atems. Alles andere (schnelle Atemfolgen, (längeres) Anhalten etc.) mag hilfreich sein, birgt aber stets auch eine gewisse Gefahr.

Wer zum Beispiel mit ruhigem Nadi Shodana (Wechselatmung) übt und dabei die Verlangsamung des Atmens ohne großen Ehrgeiz verfolgt, dürfte keine Probleme durch Pranayama bekommen. Dies gilt meiner Meinung nach auch für das "alltägliche" Pranayama: stets durch die Nase atmen, immer wieder eine sanfte Atemverlangsamung in die Atmung einbauen.
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