Topic-icon Wem glauben? Tausend Jahre Erfahrung oder moderne Wissenschaft?

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27 Jan 2008 21:52 #410 von Betty
Wie steht ihr eigentlich im allgemeinen dazu, dass nach neuesten sportwissenschaftlichen Erkenntnissen viele Übungen, wie zum Beispiel der Kopf- oder der Schulterstand schädlich für die Wirbelsäule sind? Ich bin mir nicht sicher was ich davon halten soll, wie ich mit meiner täglichen Praxis darauf reagieren soll.

Einerseits denke ich, dass da schon was wahres dran ist, und ich will meinen Körper nicht noch mehr ruinieren. Durch Leistungssport ist da schon viel geschehen...
andererseits möchste ich immer noch daran glauben, dass jahrtausende alte Tradition und Erfahrung nicht so einfach weggewischt werden können. Da muss doch ein Sinn drin liegen, wenn es die Menschen lange so gemacht haben und nicht anders.

Also ein kleiner Zwiespalt in mir, was denkt ihr zu dem Thema?

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27 Jan 2008 22:28 #412 von Peter
Hallo Betty,

man muss bei den Asanas meines Wissens zwischen den Sitz-Asanas und den zahlreichen \"körperkultivierenden Übungen\" unterscheiden. Erstere dienen vor allem dazu, eine nicht-störende Sitzhaltung mit gerader Wirbelsäule über längere Zeit einnehmen zu können. Dies zum Zwecke des Training des Geistes mit dem Endziel der Erleuchtung. Diese sind in der Tat jahrtausende alt und werden auch von Patanjali (\"Urvater\" des Yogas) empfohlen.

Die vielen anderen Übungsstellungen sind teilweise viel jüngeren Datums und sind in meinen Augen eher ein \"Randaspekt\" im Yoga - natürlich nicht die geistige Haltung, die der Übende bei der Ausübung von Hatha-Yoga einnehmen sollte. Aber die reinen Körperhaltungen (meines Erachtens nach) schon. Von daher würde ich hier nicht von einer jahrtausendealten Tradition dieser Übungen sprechen. Oft werden ja die Körperstellungen mit Yoga gleichgesetzt - was, wie ich finde, Yoga bestimmte Ziele zuschreibt die ursprünglich gar nicht beabsichtigt waren. Ziel ist immer die Befreiung des Geistes. Und wenn jemand durch seine super Körperbeherrschung ein starkes Ego aufbaut hat er sich durch sein \"Yoga-Üben\" eher vom Ziel des Yogas entfernt.

Von daher kommt es bei vielen Übungen dann auch immer wieder zu Diskussionen bezüglich der Sinnhaftigkeit der einen oder anderen Stellung. Sicherlich muss man hierbei auch die physionomischen Unterschiede zwischen den Menschen, beispielsweise einem seit der Jugend Yoga-erfahrenen-Inder und einem Europäer, berücksichtigen.

Leider konnte ich bei meiner Recherche keine Zeitangaben zum Alter einzelner Übungen finden. Ich schöpfe mein Wissen hier aus meiner Erinnerung an ein Buch, worin stand, dass viele Asanas erst wenige 100 Jahre alt sind. Weiß hier jemand näheres?

Bei meiner Recherche stiess ich übrigens auf eine sehr interessante Dissertation, welches die Möglichkeiten der Integration des Yogas in den Schulunterricht untersucht. Es werden zahlreiche Hintergrundinfos gegeben und Hinweise zu Studien gemacht. Wen es interessiert: Hier entlang

Sehr wichtig ist bei den Übungen aber immer auf den Körper zu achten. Er teilt oftmals mit, wenn eine Stellung nicht gut für dich ist.

LG
Peter

Meine Bücher
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28 Jan 2008 11:15 #415 von larrim
Hallo Ihr alle

Ja das ist eine Gute Frage.
Die Asanas sind noch gar nicht so alt wie viele meinen. IN den uralten Quellen sind nur Sitzhaltungen dokumentiert und auch Patanjali sprach in seinen Sutras nur von Sitzhaltungen.
Erstmalig tauchten alle anderen Asanas in der Hatha Yoga Pradipika und der Gheranda Samhita auf, die beide etwa 1500 nach Christi verfasst wurden.
Grundlegend besteht ein Unterschied ob ein Inder oder ein Europäer Yoga Praktiziert.
Ich hab die Frage nach Halasana mal über den Teich in ein amerikanisches Forum getragen und folgende Antworten bekommen.

,,It should be discussed so kudos to you and your group Lars. It falls in the same category with Sarvangasana. And there are many teaching that pose flat on the floor such that the cervical spine is sacrificed or the risk thereto is magnified.

My belief is that many poses should only be taught to students who are assessed. A (healthy) student who does not clearly display the proper actions in their body in Adho Mukha Svanasana should absolutely not be taken up into Sirsasana. A student who has weakness in any of the four muscles comprising the rotator cuff; supraspinatus, infraspinatus, teres minor, subscapularis should not be taken up into Pincha Mayurasana (or chaturanga for that matter).

Unfortunately we (as yoga teachers) have not fully embraced two concepts. One, making safety a prime directive and two, continuing our education in such a way as to be able to execute number one.

I have and will continue to teach Halasna on the same propping that I teach Sarvangasana and ONLY to and for those students who's body and body actions warrant it. When in doubt, modify, When in further doubt, substitute.\"

Inner Athelete


\"Dear Lars,

I can understand why they have stopped it and I must say I fully agree with IA as well. Safety in our practices is so important and most teachers neglect it terribly sometimes. Most white South Africans (I can only speak from my experience in my own country) are a mixture of German, Dutch and French blood and genes and one of the things we have inherited from our ancestors is a good and heavy bone structure, the same goes for most Africans here as well, they are short and very stocky in their build with heavy bone stucture. I cannot teach them the same as I would teach a class full of Indians who have little muscle to their thighs and claves and who have a much lighter bone structure.

My rule is simple: I don't teach my students something if I am not absolutely convinced that they are or that I am ready for it.

Again it brings me to the fast-food mentality of our society, people think yoga is like a MacDonalds Drive-thru, drive in and a few days later you are an expert yogi! We as teachers need to bring patience back into our practice and we need to emphasize that aspect with our students as well. I think we all here on this forum have read about terrible things happening to people due to the fact that they don't have proper guidance from a competent teacher.

On the other hand we must be careful not to allow over-regulation of yoga as this will eventually result in just another dogmatic and gym-like routine. Balance and good common sense is here the key.\"
__________________
Love & Light

Pandara


Es ist also wichtig an diesem Thema dranzubleiben, damit es den Yoga Übenden nach den Übungen nicht schlechter geht als vorher.
Wen die Diskussion in dem Amerikanischen Forum interessiert, die sicher noch weiter geht, der findet sie unter: http://www.yogaforums.com

Beste Grüße
Lars

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28 Jan 2008 13:12 #419 von Betty
Für mich ist es ziemlich schwer mich damit anzufreunden, da gerade die drei Übungen Sarvangasana, Karnpirasana und Shirshasana zu meinen liebsten Übungen gehören...

Interessante Diskussion die du in diesem amerikanischen Forum angefeuert hast, werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen!

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28 Jan 2008 18:39 #422 von Annabelle
Hallo,

ich glaube das Selbst Denken ist, wie bei so viele anderen Dingen, auch beim Yoga Üben sehr wichtig. Ich bin fast sicher, dass die meisten Menschen spüren, ob ihnen z. B. Shirshasana gut tut oder nicht. Das Problem ist da da immer wieder der Stotz, der die eigenen Grenzen nicht akzeptieren will und dann den Körper überfordert. Gerade hier tragen Yoga Lehrer eine große Verantwortung. Sie müssen ihren Schülern erklären, dass es wichtig ist auf den eigenen Körper zu hören und sich nicht mit anderen zu vergleichen.
Shirshasana ist für Menschen, die ausreichend Muskulatur und Beweglichkeit besitzen sicherlich nicht schädlich.
Aber für einen schwachen Menschen mit Übergewicht geradezu unmöglich zu praktizieren.:dry:

Viele Grüße Annabelle

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28 Jan 2008 21:11 #426 von larrim
Unstrittig ist das der Kopfstand viele positive Auswirkungen hat.
Aber er ist eben nur was für sehr fortgeschrittenen Yoga Übende da außer der kräftigen Muskulatur auch viele andere Dinge stimmen müssen.
Wird Sirasana unsauber geübt schadet es mehr als es nützt.
Wer also mit Anfängern den Kopfstand übt ohne Statik, Kraft und Haltung entsprechend vorher zu schulen und ohne Kontraindikationen vorher abzuklären handelt in meinen Augen fahrlässig.
Auch sollte immer im Anschluß an den Kopfstand für einen Ausgleich durch entsprechende Übungen gesorgt werden.
Vor allen Dingen scheint es mir wichtig unemotional über diese Dinge zu diskutieren und Vorteile und Nachteile der Übungen abzuwägen denn nur so können wir alle zu einer sicheren und guten Yoga Praxis finden.
Nicht alles was Gold ist glänzt und nicht alles was für den normalen Inder gut ist, ist es automatisch auch für den Mitteleuropäer.

Liebe Grüße
Lars

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08 Feb 2008 19:42 #447 von Dino
Hallo ihr fleißig Praktizierenden;) !

Wenn ich so über das alter der Asanas nachdenke, so fällt mir etwas ein, was ich irgendwo mal gelesen habe, nämlich, daß Asanas von selbst entstanden sind. Z.B. soll ein Kundalini-Erweckungs-Merkmal sein, daß Asanas von selbst entstehen. Das ist so zu verstehen, daß, wenn man beispielsweise in der Meditation sitzt, man plötzlich von selbst und ganz mühelos in eine bestimmte Asana gleitet.
Ferner
ist, laut Patanjali jede Haltung, die ein Mensch einnehmen kann, eine Asana. Erscheint mir persönlich sehr logisch, denn jede Asana vermittelt dem Übenden eine ganz bestimmte Empfindung; und darum, so glaube ich jedefalls, geht es doch in unserem \"ich inkaniere mich solange wieder, bis ich jede erdenkliche Empfindung, sei sie nun
positiv oder negativ, erfahren habe.\"
-Ding.
Was ich damit sagen will ist, daß ich denke, Asanas haben kein bestimmtes Alter. Sie sind schon immer da.

Und was den Kopfstand (ich liebe diese Asana sehr! Kann sagen, daß ich durch ihre Anziehungskraft überhaupt zu Hata-Yoga kam) betrifft, so finde ich den Namen etwas unpassend. Denn, das wird mir sicher jeder bestätigen können, der diese Asana übt, ist sie eigentlich kein Kopfstand, sondern eher ein Ellenbogen bzw Unterarmstand. Denn man sollte auf dem Scheitelpunkt des Kopfes eher keinen Druck ausüben.
Es heißt, man übt den Kopfstand richtig, wenn man ein Blatt Papier, das zwischen Scheitel und Boden liegt, leicht
rausziehen kann. Bitte verbessert mich, falls ich hier etwas Falsches schreibe.

Und Annabelle möchte ich voll beipflichten, wenn sie sagt, daß Selbst-Denken sehr wichtig ist und man auf seinen Körper hören soll und seine Grenzen respektieren.

Om Shanti

dino

Ich gehe nie irgendwo hin. Ich bleibe immer hier. Aber die Szenerie um mich herum wechselt beständig.

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08 Feb 2008 20:19 #448 von larrim
Hallo Dino

Deine Ausführungen zum Kopfstand, beschreiben sehr gut worauf es dabei ankommt.
Leider steht das immer noch nicht in allen Yoga Büchern so klar beschrieben.
Wenn keine Kontra Indikationen , wie Bluthochdruck, Herz- Kreislauf Erkrankungen oder Migränevorliegen kann der Kopfstand auf diese Weise geübt unschätzbar viele gute Wirkungen haben.
Bei vielen Anfängern sehe ich aber immer wieder ,daß sowohl die Kraft der Arme als auch das Gleichgewichtsgefühl zunächst fehlen und erst maldurch andere Übungen gefördertwerden müssen.

Liebe Grüße
Lars
Lars

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14 Feb 2008 08:29 #458 von Betty
Also verstehe ich es richtig, dass ihr diesen Asanas garnicht abgeneigt seid, eher sogar im Gegenteil?! Wie es bei mir der Fall ist!

Meint ihr wenn man die Übung wirklich richtig ausführt ist sie überhaupt nicht schädlich, oder seht ihr auch dann Gefahren?

Grundsätzlich denke ich nämlich, dass jede Asana schädlich sein kann, wenn falsch ausgeführt. Das Problem bei oben aufgezählten ist eben nur, dass es fortgeschrittene Übungen sind, die einen gewissen Grad an Kraft, Balance und Flexibilität erfordern, den viele noch nicht mitbringen!

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17 Feb 2008 22:08 #466 von larrim
Hallo Betty

Wenn keien Kontra Indikationen vorliegen halte ich den Kopfstand für eine gute Übung, vorausgesetz alles oben schon geschriebene trifft zu.
Pflug und Schulterstand sehe ich mit gemischten Gefühlen und lehre und übe sie selbst nicht.
Statt des Schulterstandes rate ich eher zu veeparita karani dem halben Schulterstand.
Liebe Grüße
Lars

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