Pratyahara

 

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Sanskrit

Pratyahara (प्रत्याहार pratyāhāra) = Zurückziehen der Sinne; Rückzug; Zurückziehung (der Kämpfer aus der Schlacht); Auflösung; Vernichtung;

Pratyahara ist die 5. Stufe bzw. das fünfte Glied der insgesamt acht Stufen achtgliedrigen Yoga (Raja Yoga) aus dem Yoga Sutra von Patanjali. Das "Zurückziehen der Sinne" von ihren Objekten folgt auf die Atemübungen Pranayama und leitet über zum Dharana, der Konzentration als sechster Stufe.

Die Sinne bzw. Fühler des Menschen wie Geschmackssinn, Sehsinn, Hörsinn, Geruchssinn und Fühlen sollen von den äußeren Objekten zurückgezogen und nach innen gerichtet werden.

Dabei nimmt der Praktizierende zwar noch wahr, hört z.B. ein Geräusch im Außen, geht aber darauf mit seinem Geist nicht ein, sondern hält die Konzentration im Inneren, z.B. beim Meditationsobjekt.

Alternativ-Deutung: Pratyahara als "Zurückhalten des Mondnektars" im Goraksha Shataka.

Pratyahara in alten Schriften

In der Gheranda Samhita

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 1

Jetzt werde ich Pratyahara erläutern. Durch Pratyahara gehen alle Feinde der Erlösung, z.B. Wünsche oder Lust, zugrunde.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 2

Wohin auch immer der wandernde, bewegliche und unbeständige Geist abschweift, man ziehe ihn von dort ab und bringe den Geist wieder unter seine eigene Kontrolle.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 3

Wohin der Blick sich richtet, dahin folgt der Geist. Darum ziehe man ihn von dort zurück und bringe den Geist wieder unter die eigene Kontrolle.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 4

Wohin das Hören sich richtet, was es hervorhebt oder verdunkelt, ob es lieblich klingt oder schrecklich: man bringe den Geist wieder zurück und unter die eigene Kontrolle.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 5

Wenn man von etwas warmen oder kalten berührt wird, bringe man den Geist wieder unter die eigene Kontrolle zurück.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 6

Wenn der Geist Gerüchen folt, egal ob wohl- oder übelriechenden, bringe man den Geist wieder unter die eigene Kontrolle zurück.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 7

Wenn man etwas schmeckt, egal ob süß, sauer oder bitter, bringe man den Geist wieder unter die eigene Kontrolle zurück.

Im Yoga Sutra von Patanjali

Yoga Sutra II-55: Dadurch wird die Beherrschung der Sinne gemeistert

 
Tataḥ paramā vaśyatendriyāṇām
ततः परमा वश्यतेन्द्रियाणाम्

 

 

Yoga Sutra II-54: Pratyahara ist das Zurückziehen der Sinne auf das Innere, auf das Eigenwesen des Geistes, weg von den äußeren Objekten

 
svaviṣaya-asaṁprayoge cittasya svarūpānukāra-iv-endriyāṇāṁ pratyāhāraḥ
स्वविषयासम्प्रयोगे चित्तस्य स्वरूपानुकार इवेन्द्रियाणां प्रत्याहारः

 

 

Yoga Sutra III-8: Doch auch diese Drei sind nur die äußeren Aspekte der samenlosen Versenkung

 
Tad api bahir-angam nirbîjasya
तदपि बहिरङ्गं निर्बीजस्य

 

Nirbija, ohne Samen, ist ein anderer Ausdruck für Asamprajnata Samadhi oder Nirvikalpa Samadhi.

Yoga Sutra III-7: Gegenüber den vorhergehenden (Yama, Niyama, Pranayama, Asana, Pratyahara) sind diese drei (Dharana, Dhyana, Samadhi) die inneren Glieder des achgliedrigen Pfades

 
Trayam-antarangaṁ pūrvebhyaḥ
त्रयमन्तरङ्गं पूर्वेभ्यः

 

Yoga Sutra III-3: Wenn sich das Bewußtsein von Subjekt und Objekt auflöst und nur das Objekt unmittelbar im Geist erstrahlt entsteht Samadhi

 
tad evaarthamaatranirbhaasam svarupa-shunyamiva samâdhih
तदेवार्थमात्रनिर्भासं स्वरूपशून्यमिव समाधिः

 

 

 
 

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