Viele der Inspirationen sind den täglichen Lesungen von Swami Sivananda entnommen, wie Sie freundlicherweise von Yoga Vidya zur Verfügung gestellt werden. 

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Eine Tugend allein macht die Vollkommenheit nicht aus, geradeso wie ein  Mensch nicht nur aus einem Glied besteht. Der Mensch ist aus vielen Teilen  zusammengesetzt und die Vollkommenheit ist die Frucht vieler vorzüglicher  Eigenschaften. Die Furchtlosigkeit spielt eine besondere Rolle unter ihnen.  Sie ist der Gegenspieler des Kummers, den sie direkt an der Wurzel  abschneidet.

Im richtigen Licht gesehen ist die Furchtlosigkeit die eigentliche Quelle der Tugenden, denn in den meisten Fällen irrt und sündigt der Mensch nicht, weil er der Tugend nicht folgen möchte, sondern weil er den Mut, den Heldenmut, jene furchtlose Kühnheit nicht aufbringt, selbst bis zum Tod der Tugend Treue zu halten. Es ist die Angst vor diesem oder jenem, die ihn veranlasst, sich unter dem Laster zu verkriechen, obwohl er weiß, dass er nicht dorthin gehört. Sobald er von Furchtlosigkeit erfüllt ist, wird die Aufrichtigkeit an Kraft gewinnen und der Ernst an Tiefe und Wirksamkeit. Der Mensch, aus dessen Herzen die Angst vertrieben ist, wird fest zur Wahrheit stehen, unerschütterlich in seiner Hingabe sein, unabänderlich in seinen Entschlüssen, unermüdlich in seinen geistigen Übungen und in seinem Leben der Hilfsbereitschaft. Denn zugleich mit der Furcht wird das größte Hindernis für den geistigen Fortschritt weggeräumt: die Schwäche.

Wenn du den Eindruck hast, ein unbedeutendes kleines Wesen zu sein, dem die ganze Schöpfung feindlich gegenübersteht, dessen Wohl und dessen Sicherheit von überall her bedroht ist, dann ist dein Gemüt von täuschenden Vorstellungen bedrängt, so dass der Atem versiegt und das Herz rast. All dies geschieht nicht, wenn du über höchste Wahrheiten meditierst, z.B. "Ich bin das Selbst, das in den Herzen aller Geschöpfe wohnt", oder: "Gott ist der Faden, der alles Sein im Weltall verbindet."

Der gleiche Gott, der in dir wohnt, wohnt in allen, vom höchsten göttlichen Wesen, dem Schöpfer, bis zum kleinsten Geschöpf. Es existiert keine zweite Macht im Universum, die du zu fürchten brauchst. Es ist einzig und allein die Unwissenheit in Bezug auf diese Einheit, welche die Furcht hervorbringt. Die Furchtlosigkeit vernichtet die Unwissenheit und führt zur Verwirklichung der Einheit.

Im Zustand der Unwissenheit hast du Wünsche und aus der Unwissenheit wird  die Angst geboren. Furcht und Wünsche sind unverkennbar miteinander  verbunden. Die Furcht, das gewünschte Objekt nicht zu erhalten oder das  gewünschte und erhaltene Objekt wieder zu verlieren, die Angst, mit dem  Objekt zusammenzukommen, dessen Abwesenheit gewünscht wird, alle diese  bilden die grundlegenden Furchtmomente.

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