Viele der Inspirationen sind den täglichen Lesungen von Swami Sivananda entnommen, wie Sie freundlicherweise von Yoga Vidya zur Verfügung gestellt werden. 

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Der folgende Brief erreichte den Meister von einem Bettelmönch:
„Ich möchte mich als ein einfacher Asket vorstellen; ich übe mich in der Meditation, um die leidende Menschheit im einenden Band der Liebe zu vereinigen. Ich beabsichtige ein hinduistisches (Sanatana Dharma) Institut zu gründen, wo religiöse Lehrer zur Errettung der Menschheit ausgebildet werden sollen. Da dieses Land mit dir als Wohltäter und Retter gesegnet ist, schreibe ich dir diesen Brief, um von dir Hilfe und Sympathie zu erlangen.

 

Um den Lehrkörper finanzieren zu können wird es allein 10.000 Rupien bedürfen. Deshalb wende ich mich mit der Hoffnung auf finanzielle Unterstützung an dich, um so das Institut gründen zu können und einen Lehrkörper von 20 bis 30 Personen als Ausgangsbasis zu etablieren. Du als große spirituelle Persönlichkeit genießt überall Anerkennung und könntest mit Leichtigkeit den genannten Betrag für diese großartige Mission durch Spendengelder deiner Anhänger auftreiben.

 

Bitte gib mir auch Anweisungen, damit ich meine Mission ausführen kann. Du könntest mit Leichtigkeit die Geschäftswelt günstig beeinflussen, um so weitere wertvolle Dienste für diesen edlen Zweck zu leisten. Bitte sende mir auch zwei gut ausgebildete Sannyasins, die für das Institut arbeiten können. Ich bitte dich mit aller Demut um deine Unterstützung und Hilfe.

 

Ich bin ein gewöhnlicher Sadhu, der der leidenden Menschheit helfen möchte. Ich habe schon einen kleinen Ashram in einem kleinen Dorf gegründet, von wo ich den Massen meine religiösen Lehren zukommen lasse. Fürwahr Swamiji, ich habe schon Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um an öffentliche Gelder zu gelangen aber bisher ohne Erfolg. Wenn ich einen reichen Mann um Geld bitte, so antwortet er: ‚Lass mich zuerst die Früchte deines Institutes sehen.’ Dass man dieses Institut aber ohne Geld gar nicht erst gründen kann, kommt diesen Ignoranten nicht in den Sinn. Überall sind die Menschen nur auf das Anhäufen von Reichtümern aus; der Geist der Selbstaufopferung ist verloren gegangen. So bitte ich dich inständig: Gib mir eine Spende von wenigstens 500 Rupien als Startgeld. Ich weiß dass mich viele reiche Männer unterstützen werden, wenn das Institut erst einmal gegründet ist. Swamiji, wenn du es verlangst, so werde ich persönlich nach Rishikesh kommen, um dir meine Verehrung zu erweisen. Bitte gib diesen Brief auch an reiche, spirituell interessierte Geschäftsleute weiter.

 

Als letzten Ausweg habe ich mir überlegt eine Lotterie zu gründen. Lose werden das Stück für eine Rupie verkauft. Der erste Preis soll bei 5.000 Rupien liegen, denn die Menschen würden durch diesen hohen Gewinn bestimmt viele Lose kaufen. Ich sende dir zwei Rollen mit je 100 Losen. Du kannst das Geld ja dann später von deinen Anhängern einsammeln. Bitte sende mir mit deiner nächsten Antwort 200 Rupien, was der Materialpreis der Lose ist, damit wir die nötigsten Aufwendungen für unseren Ashram bezahlen können. Mein Schicksal liegt in deinen Händen!

 

Ich hoffe, du wirst dann auch so gnädig sein, mir die nötigen Anweisungen für das weitere Fortkommen meiner Arbeit zu geben. Sogar bei religiösen Unternehmungen kommt das Geld an erster Stelle. 500 Rupien sind für einen so großen Mahatma wie dich doch gar nichts. Du bist doch überall in gutem Ansehen und wirst so mit Leichtigkeit jemanden finden, der dir diese Kleinigkeit spenden kann. Ich hänge von deiner Gnade ab!“

 

Der Meister antwortete wie folgt:

 

„Ich habe schon viele Briefe wie diesen von Sadhus erhalten. Normalerweise fehlt mir die Zeit, darauf zu antworten, aber da du schon das dritte Mal schreibst, möchte ich dir mit ein paar Zeilen antworten.

 

Ich bin froh von deinen Leistungen, deinen Prinzipien und deinen hohen Absichten zu hören. Sie sind wirklich sehr löblich. Ich wünsche dir allen Erfolg.

 

Aber: O Swamiji! Trachte nicht danach,  den Ruhm, die Vergünstigungen und das Leben eines Guru zu erlangen, wenn du ein Institut gründen möchtest. Im Allgemeinen sind die, die einen Ashram gründen wollen, am Anfang sehr bescheiden; mühen sich sehr, aber sobald sie sich gut etabliert haben, kümmern sie sich nicht mehr um den Dienst an der Öffentlichkeit, sondern werden arrogant und selbstherrlich. Sei vor solchen Versuchungen auf der Hut und arbeite immer als ein sanftmütiger Diener an deiner Sache.“ …

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