Bewertung: 4 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern inaktiv
 

hoere arjuna 564 

Arjuna sprach ... Er spricht manches in der Bhagavad Gita, dieser Kriegsheld, Sohn eines Gottes und einer Königin. Vor allem fragt und zweifelt er. Dem verdanken wir eine der größten Geschichten der Yoga-Welt, die "Gita". Denn ein Gott ist gekommen, auf Arjunas Fragen zu antworten. Und dieser Gott ist niemand Geringeres als Krishna, hier in Gestalt von Vasudeva, dem Wagenlenker Arjunas.

Ausgangslage

Der Lehrer lenkt

In dieser Situation des Haderns kommt Krishna als Wagenlenker aufs Trapez. Die Zeit muss stehen geblieben sein, denn er vermittelt Arjuna inmitten der feindlichen Herrscharen in großer Ausführlichkeit das Wesen der Dinge.

Er erläutert Arjuna erst einmal, dass er sich nicht allzu viel um das Hier und Jetzt kümmern solle. Krishna fordert von ihm (die Zahlen bei den Zitaten bezeichnen Kapitel  (insgesamt 18)und Vers (insgesamt 701) in der Gita): 

02-03 ... Treibe diese armselige Schwäche aus deinem Herzen! Steh auf, Oh Zerstörer der Widersacher!

Krishna führt aus, dass ein Weiser sich nicht von Geburt oder Tod bekümmern lasse. Er sieht den Menschen so, wie er ist, mit seinen ständigen Wiedergeburten und gelenkt von den Eindrücken, die ihm seine Sinne tagein tagaus zukommen lassen.

Hierauf bezieht sich Albert Schweitzer in seinem bekannten Zitat:

„Weil sich in ihr so wunderbare Sätze von der innerlichen Losgelöstheit von der Welt, von der hasslosen und gütigen Gesinnung und von der liebenden Hingebung an Gott finden, pflegt man das Nicht-Ethische, das sie enthält, zu übersehen. Sie ist nicht nur das meistgelesene, sondern auch das meist idealisierte Buch der Weltliteratur."

sonnenuntergang graeser 564

 

Die Seele – unsterblich

Wer glaubt, ein Mensch könne sterben oder getötet werde, sei ohne Wissen. Darum solle Arjuna in die Schlacht ziehen! Die Seele sei unsterblich, unberührt von Hitze, Wasser oder Schwert. So wie man sich von einem Tag auf den anderen umkleide, so wechselt die Seele nach dem Tod ihren Körper.

02-47 Dein einziges Recht ist es zu handeln, und kein Anspruch hast du auf die Früchte deines Tuns. Lass weder die Früchte deiner Handlung dir Motiv zur Handlung sein, noch wende dich zum Nichtstun.

  • Zwischenfazit 1: Sorge dich nicht, lebe. Dir kann nichts passieren.
  • Zwischenfazit 2: Handle immer so, wie es notwendig ist. Krishna meint, in der jetzigen Situation müsse Arjuna kämpfen, auch gegen seine Freunde.

02-48 So handle, Oh Arjuna, und sei fest im Yoga, gib Bindungen auf, bewahre Gleichmut in Erfolg und Misserfolg und die Ausgeglichenheit im Geiste.

Verteidige deine menschlichen Tugenden

Krishna sieht es so: Im Kampf kann Arjuna getötet werden, dann komme er ins Himmelreich. Oder er siegt und kann ein Reich des Friedens begründen. Wenn er aber nicht kämpfe, verliere er seine Ehre. Alle, die an seine Tugenden wie Tapferkeit und Mut glaubten, werden verzweifeln. Und das sei schlimmer, als den Tod von Körpern in Kauf zu nehmen.

Pflichterfüllung

Krishna verspricht: Was mit Tatkraft und Klugheit durchgeführt werde, gehe nie verloren. Nur Menschen ohne feste Lebensauffassung werden von der Mannigfaltigkeit des Lebens verwirrt und beginnen zu hadern.

Handle ohne Absicht

Krishna verurteilt die Menschen, die durch fromme Opfergaben oder berechnende Handlungen ihre Sinnesfreuden vermehren wollen. Der Weise handelt nach den Notwendigkeiten, ohne Absicht, ohne sich seiner Taten innerlich zu rühmen.

02-50 ... Yoga ist Geschick im Handeln.

moench wasser klang 564


Der Lohn solchen Handelns

Wer ohne auf Erfolg oder Misserfolg zu blicken seine Pflicht erfülle, komme zur Ruhe des Geistes, der erblicke Gott und gelange zu wahrem Wissen. So entkomme er dem Rad der Wiedergeburten.

Kennzeichen des Weisen

Inmitten des Getümmels vor der Schlacht findet Arjuna nun die Muße, Krishna um konkrete Details zu diesem Handeln ohne Absicht zu befragen. "Sag mir", fordert er Krishna auf, "was kennzeichnet eine Person, die mittels Meditation zur Weisheit gelangt ist? Wie geht er, wie sitzt er?"

Und Krishna erläutert gelassen: Solche Menschen sind frei von Absicht und Furcht. Sie quäle keine Sorge und sie werden nicht durch Freuden erregt. Sie streben nach keinerlei Dingen und meiden keine unangenehmen Notwendigkeiten.

02-66 Der Unstete kann das Selbst nicht erkennen, und Meditation ist für ihn unmöglich; und wer nicht meditiert, kann keinen Frieden finden, und wie kann es Glück geben für den Menschen, der keinen [inneren] Frieden hat?

So ein Zustand kann nur von einem Menschen erlangt werden, so Krishnas Resümee, der Gott gefunden habe. Er werde die Einheit der menschlichen Seele mit Gott (Brahman ist Atman) erkennen und dadurch die Dinge in ihrer wahren Bedeutung sehen.

junge kopf flecken 564


Wege zum Ziel

Arjuna gibt sich damit nicht zufrieden. Er will von Krishna genauer wissen, welcher Weg denn nun konkret zu dieser Geistesverfassung führe.

Krishna nennt daraufhin zwei Wege: Tätigkeit und Wissen. Richtiges Handeln im Sinne absichtsloser Pflichterfüllung erzeuge Weisheit. Bloße Entsagung führe nicht ans Ziel.

03-19 Daher tue ohne Verhaftung stets das, was getan werden muss; denn durch verhaftungsloses Handeln erreicht der Mensch das Höchste.

Krishna ermuntert erneut: Überwinde deine Wünsche und Gefühle und widme alle Taten Gott. So wirst du zur Weisheit gelangen.

Die Hindernisse

Als stärkste Widersacher des Menschen auf dem Weg zur Freiheit nennt Krishna Zweifel, Gier und Zorn. Den Zweifel solle man mit dem Schwerte des Wissens erschlagen.

 

Jeder kann Freiheit erlangen

"Wisse Arjuna, Gott fragt nicht nach den Tugenden oder Sünden des Menschen." Er (Krishna sagt "Ich") ist die letzte Wirklichkeit. Gott ist alles, was es gibt, auch die vermeintlich schlechten Dinge. Der Weg liege darin, sich dem göttlichen Willen zu ergeben.

Da ist kein Unterschied im Beruf, kein Unterschied zwischen Mann und Frau!

Das Tor zur Erlösung steht jedem offen.

 

Der Schrecken der Welt

So geläutert bitte Arjuna Krishna darum, ihm sich in seiner wahren, allumfassenden Gestalt zu präsentieren. Und Arjuna muss erfahren, dass man sich gut überlegen soll, worum man einen Gott bittet. Denn die Schau der Welt in ihrer wahren Gestalt ruft bei Arjuna Grauen hervor.

Ihm bietet sich ein Bild der Vernichtung, von ständigem Tod, ohne Mitleid und Reue. Krishna als Gott umfasst Raum und Zeit, und in Gestalt der Zeit war er der Tod.

09-29 Ich bin allen Wesen gegenüber gleich; niemanden hasse oder liebe Ich; die Menschen aber, die mich mit Hingabe verehren, sind in mir, und Ich bin auch in ihnen.

09-30 Selbst wenn ein Mensch der größte Sünder ist, wenn er mich mit völliger Hingabe verehrt, ist er rechtschaffen und hat richtig entschieden.

"Siehe", sprach Krishna, "deine Feinde werden ohnehin nicht überleben. Sie sind bereits durch mich getötet. Du, kleiner Arjuna, bist nur das Werkzeug." Ergo könne Arjuna ruhig in den Kampf ziehen, den Ruhm ernten und sich des blühenden Königreiches erfreuen.

11-32 Krishna sprach: Ich bin die mächtige,weltenzerstörende Zeit, die dabei ist, die Welten zu vernichten. Auch ohne dein Handeln wird keiner der feindlichen Krieger überleben.

Frei von Sünde

Obwohl Arjuna nun bereits alles erkannt hatte, führt Krishna noch einmal aus, dass ein Mensch, der frei von Absicht handle, sich an nichts bindet und nur als göttliches Werkzeug handele, keine Sünden begehen könne. "Und wenn der das ganz Weltall zerstört."

hindu finger 564


Bleib in deiner Kaste

Krishna weist darauf hin, dass aus obigen Gründen ein Mensch die Pflichten an dem Platz erfüllen müsse, an den ihn das Leben gestellt habe. "Alle Berufe haben Schwächen und Mängel." Der Weise erfülle dennoch seine Pflicht und strebe nach keiner anderen Kaste.

18-45 Jeder Mensch, der seine Pflicht erfüllt, erreicht Vollkommenheit.

18-59 Wenn du voll Eigendünkel denkst: „Ich werde nicht kämpfen“, dann ist dieser dein Entschluss sinnlos; die Natur wird dich zwingen

18-63 So ist dir von mir meine Weisheit geteilt worden, die geheimer ist als das Geheimnis selbst; nachdem du all dies durchdacht hast, handle, wie es dein Wunsch ist.

Nun aber

Arjuna ist nun von allen Zweifeln befreit und bereit, Krishna in allen seinen Geboten zu folgen, selbst seinen geliebten Großvater und seinen geliebten Lehrer zu töten. Krishna ermahnt ein letztes Mal, Arjuna dürfe sich nun aber nicht seinem Kampfesrausch hingeben. Er soll kämpfen ohne Beweggrund, frei von Zorn oder Bosheit. So werde er befähigt, das beschwerliche Meer der Sorgen und Leiden zu durchfahren.

Und die Zeit beginnt wieder zu laufen, der Kampf – für den es übrigens keinen historischen Beleg gibt – beginnt.

Der Beitrag ist eingeordnet unter:

Auch interessant