Zusammenfassung und Erläuterungen zum 4. Kapitel der Gheranda Samhita: Pratyahara – das Zurückziehen des Geistes – erklärt

Das vierte Kapitel der Gheranda Samhita behandelt Pratyahara, das bewusste Zurückziehen des Geistes von den Sinnesobjekten. Gemeint ist nicht, dass die Sinne bekämpft oder unterdrückt werden sollen. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen bleiben, was sie sind: Tore zur Welt. Doch der Geist soll nicht jedem Reiz hinterherlaufen wie ein ungeduldiger Hund an fünf Leinen.

In der Gheranda Samhita gehört Pratyahara zum siebenstufigen Yogaweg. Es folgt auf Reinigung, Asana und Mudra und bereitet die weiteren Stufen wie Pranayama, Dhyana und Samadhi vor. Während Patañjali Pratyahara im achtgliedrigen Yoga als fünftes Glied nennt, steht es bei Gheranda an vierter Stelle. Das zeigt: Die Gheranda Samhita setzt eigene Akzente. Sie ist kein bloßer Kommentar zu Patañjali, sondern ein praktisches Lehrwerk des Hatha Yoga.

Der Kern des Kapitels ist schlicht, beinahe nüchtern: Der Geist wandert. Man holt ihn zurück. Wieder und wieder. Er folgt dem Blick, dem Klang, der Berührung, dem Geruch und dem Geschmack. Pratyahara bedeutet, diesen Automatismus zu bemerken und den Geist wieder unter die eigene Führung zu bringen.

4. Kapitel Gheranda Samhita: Pratyahara - Symbolbild

Inhalt: Zusammenfassung 4. Kapitel Gheranda Samhita: Pratyahara

Kurz zusammengefasst

  • Pratyahara
    Das 4. Kapitel der Gheranda Samhita behandelt das Zurückziehen der Sinne von äußeren Objekten. Gemeint ist kein Kampf gegen Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen, sondern das bewusste Zurückholen des Geistes, sobald er von Sinneseindrücken fortgezogen wird.
  • Geist und Sinnesreize
    Der Text beschreibt den Geist als beweglich, wandernd und unbeständig. Er folgt dem Blick, dem Klang, der Berührung, dem Geruch und dem Geschmack – oft schneller, als man es bemerkt. Pratyahara setzt genau dort an: zwischen Reiz und Reaktion.
  • Innere Führung statt Unterdrückung
    Pratyahara bedeutet nicht, die Welt auszublenden oder Sinneseindrücke zu verurteilen. Die Sinne bleiben offen, doch der Geist soll nicht jedem Eindruck automatisch gehorchen. Dadurch entsteht innere Sammlung, ohne dass das Leben farblos werden muss.
  • Gheranda Samhita und Yogaweg
    In der Gheranda Samhita gehört Pratyahara zum siebenstufigen Yogaweg. Es steht dort vor den Kapiteln zu Pranayama, Dhyana und Samadhi und wirkt wie eine Schwelle: Die Praxis wird weniger äußerlich und stärker nach innen gerichtet.
  • Alltagstaugliche Lehre
    Das Kapitel wirkt erstaunlich modern, weil es ein zeitloses Problem beschreibt: Ablenkung. Ob Smartphone, Lob, Kritik, Geräusch, Geschmack oder körperliches Unbehagen – der Geist wird ständig gezogen. Pratyahara übt, diesen Zug zu bemerken und nicht automatisch mitzugehen.
  • Freiheit durch Abstand
    Eine mögliche Übung besteht darin, einen kleinen Abstand zwischen Sinneseindruck und innerer Reaktion entstehen zu lassen. Dieser Abstand ist unscheinbar, aber entscheidend: Er ermöglicht Bewusstheit, Selbststeuerung und eine ruhigere Antwort auf äußere Reize.

Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.

Erzählform: Die Gheranda Samhita ist in Form eines Dialoges verfasst. Der Lehrer Gheranda unterweist den wissbegierigen Candakapali. 

Im Folgenden findest du meist den Volltext, an einigen wenigen Stellen Zusammenfassungen der einzelnen Verse, meist mit weiterführenden Links zu den Yoga-Techniken. Ich habe mich nach bestem Wissen bemüht, die trefflichste Übersetzung aus den Quelltexten zu wählen (hin und wieder gab es darin doch deutliche Unterschiede, wurden die Übungen völlig unterschiedlich beschrieben).

Übersetzung der 7 Verse des vierten Kapitels

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 1

Nun werde ich das vorzügliche Pratyahara erläutern. Durch Pratyahara werden die Feinde der Befreiung, beginnend mit Verlangen und Begierde, überwunden.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 2

Wohin auch immer der bewegliche und unbeständige Geist hinauswandert, von dort soll man ihn zurückholen und ihn wieder unter die eigene Führung/Kontrolle bringen.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 3

Wohin der Blick geht, dorthin folgt der Geist. Deshalb soll man ihn von dort zurückziehen und wieder unter die eigene Führung/Kontrolle bringen.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 4

Wohin das Hören sich richtet, ob man Lob oder Tadel hört, ob etwas angenehm klingt oder furchterregend: Von diesen Eindrücken soll man den Geist zurückholen und ihn wieder unter die eigene Führung/Kontrolle bringen.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 5

Wenn der Geist durch Berührung mit Kälte oder Wärme bewegt wird, soll man ihn davon zurückziehen und wieder unter die eigene Führung/Kontrolle bringen.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 6

Wenn der Geist einem Geruch folgt, sei er angenehm oder unangenehm, soll man ihn davon zurückziehen und wieder unter die eigene Führung/Kontrolle bringen.

Gheranda Samhita, Kapitel IV, Vers 7

Wenn der Geist einem Geschmack folgt – sei er süß, sauer, bitter oder von anderer Art –, soll man ihn davon zurückziehen und wieder unter die eigene Führung/Kontrolle bringen.

Welcher Sinn zieht deinen Geist am stärksten nach außen?

 

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Was Pratyahara in diesem Kapitel bedeutet

Das vierte Kapitel der Gheranda Samhita beschreibt Pratyahara nicht als abstrakte Philosophie, sondern als sehr konkrete Schulung des Geistes. Der Geist sieht etwas, hört etwas, riecht etwas, schmeckt etwas oder spürt etwas – und schon ist er unterwegs. Ein Reiz genügt, und die innere Aufmerksamkeit wechselt den Besitzer.

Pratyahara bedeutet hier: Dieser Wechsel wird bemerkt. Der Geist wird nicht beschimpft, nicht verurteilt, nicht dramatisch „besiegt“. Er wird zurückgeführt. Das klingt unscheinbar, ist aber eine der anspruchsvollsten Übungen überhaupt. Denn der Mensch hängt selten nur an großen Leidenschaften. Oft hängt er an Kleinigkeiten: einem Tonfall, einer Süßigkeit, einem Blick, einem Lob, einer unangenehmen Bemerkung.

Der Text zeigt damit eine nüchterne Psychologie der Ablenkung. Die Sinne sind nicht das Problem. Problematisch wird es, wenn der Geist jedem Sinneseindruck automatisch folgt. Pratyahara setzt genau an dieser Stelle an: zwischen Reiz und Reaktion.

Das Wort Pratyahara

Der Begriff Pratyahara setzt sich grob aus zwei Bedeutungsrichtungen zusammen: prati im Sinne von „zurück, entgegen, gegenläufig“ und ahara im Sinne von „Heranholen, Nahrung, Aufnahme“. Wörtlich gedacht geht es also um ein Zurücknehmen dessen, was gewöhnlich nach außen aufgenommen wird.

Das passt gut zum Inhalt des Kapitels. Die Sinne nehmen ständig Eindrücke auf. Der Geist macht daraus Vorlieben, Abneigungen, Erinnerungen, Wünsche und kleine innere Dramen. Pratyahara unterbricht diesen Vorgang nicht brutal, sondern lenkt ihn um. Die Aufmerksamkeit wird von der äußeren Bindung zurück in die eigene Mitte geführt.

Was bedeutet Pratyahara für dich am ehesten?

 

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Warum Pratyahara bei Gheranda vor Pranayama steht

In vielen modernen Yogadarstellungen wird Pratyahara ausgehend von Patañjali erklärt. Dort folgt es auf Yama, Niyama, Asana und Pranayama. In der Gheranda Samhita steht Pratyahara jedoch vor Pranayama. Das ist kein Versehen, sondern ein eigener Akzent.

Gheranda scheint zu sagen: Bevor mit Atem, Energie und feineren inneren Techniken gearbeitet wird, sollte der Geist zumindest etwas weniger zerstreut sein. Wer innerlich an jedem Geräusch, jedem Geschmack und jeder Bewertung hängt, nimmt diese Unruhe auch in die Atemübung mit. Dann sitzt man zwar im Yogasitz, aber der Geist führt nebenbei eine kleine Stadtratssitzung ab: Was war eben? Was kommt gleich? Warum hat jemand so geschaut?

Pratyahara schafft dafür eine Grundlage. Es macht den Geist nicht leer, aber sammelbarer. Es erzeugt nicht sofort tiefe Meditation, aber es mindert die ständige Auslieferung an äußere Reize. In diesem Sinne ist Pratyahara bei Gheranda eine Art Schwelle: Die Praxis wird weniger äußerlich und beginnt deutlicher im Inneren.

Die Sinnesablenkungen im 4. Kapitel

Das Kapitel nennt mehrere Felder, in denen der Geist gewöhnlich gebunden wird:

  • Sehen: Der Blick zieht den Geist nach außen. Was gesehen wird, wird schnell zum inneren Thema.
  • Hören: Worte, Lob, Tadel, schöne und erschreckende Klänge können den Geist stark bewegen.
  • Tasten: Wärme, Kälte und körperliche Empfindungen beeinflussen die innere Haltung.
  • Riechen: Angenehme und unangenehme Gerüche lösen Neigung oder Abneigung aus.
  • Schmecken: Geschmack kann Begehren, Erinnerung und Gewohnheit besonders schnell aktivieren.

Auffällig ist: Die Gheranda Samhita verurteilt diese Sinnesfelder nicht. Sie beschreibt sie eher wie ein erfahrener Beobachter. Der Mensch ist nun einmal ein Sinneswesen. Er lebt nicht als reiner Gedanke in einer sauberen Glasvitrine. Die Frage ist nur: Wer führt? Der Reiz oder die Bewusstheit?

Pratyahara ist keine Flucht vor der Welt

Pratyahara wird leicht missverstanden. Es geht nicht darum, die Welt abzuwerten oder sich gegen alles Sinnliche zu verhärten. Ein Apfel darf schmecken. Musik darf schön sein. Wärme darf angenehm und Kälte unangenehm sein. Yoga verlangt nicht, dass der Mensch zum Möbelstück wird.

Die Übung liegt feiner: Man nimmt wahr, ohne sofort gezogen zu werden. Zwischen Sinneseindruck und Reaktion entsteht ein kleiner Abstand. Dieser Abstand ist unspektakulär, aber kostbar. In ihm kann entschieden werden, ob man einem Impuls folgt oder nicht.

So verstanden ist Pratyahara keine Ablehnung des Lebens, sondern eine Form von innerer Freiheit. Die Sinne bleiben offen, aber der Geist wird weniger käuflich. Er springt nicht mehr jedem Reiz hinterher, nur weil dieser laut, süß, schön, scharf oder beleidigend ist.

Pratyahara im heutigen Alltag

Das vierte Kapitel der Gheranda Samhita liest sich erstaunlich modern, obwohl es aus einer ganz anderen Welt stammt. Damals ging es nicht um Push-Nachrichten, blinkende Displays oder endlose Kommentarspalten. Der Mechanismus ist trotzdem derselbe: Ein Reiz erscheint, und der Geist läuft los.

Heute zeigt sich Pratyahara besonders deutlich im Umgang mit digitalen Reizen. Der Blick fällt aufs Smartphone, und schon ist der Geist nicht mehr beim Gespräch, beim Atem oder bei der eigenen Arbeit. Ein Ton erklingt, eine Nachricht erscheint, ein Kommentar trifft empfindlich – und aus einem kleinen Reiz wird eine innere Kette.

Pratyahara kann hier ganz praktisch verstanden werden: Der Reiz wird bemerkt, aber nicht sofort bedient. Man muss nicht jede Nachricht sofort öffnen, nicht jede Kritik innerlich weiterkauen, nicht jedem Geschmack nachgeben und nicht jede Unruhe für eine wichtige Botschaft halten. Manchmal ist ein Impuls einfach nur ein Impuls. Er klopft an. Man muss ihn nicht gleich zum Essen einladen.

Beispiele für Pratyahara im Alltag

Pratyahara lässt sich an ganz gewöhnlichen Situationen beobachten:

  • Beim Essen: Ein Geschmack ist angenehm. Sofort entsteht der Wunsch nach mehr. Pratyahara heißt nicht, das Essen zu verachten, sondern den Wunsch bewusst zu bemerken.
  • Bei Kritik: Ein Satz trifft empfindlich. Der Geist beginnt, sich zu verteidigen, zu rechtfertigen oder innerlich zurückzuschlagen. Pratyahara heißt, diesen Zug zu erkennen, bevor er das ganze Denken besetzt.
  • Beim Smartphone: Ein Signalton reicht, und die Aufmerksamkeit ist weg. Pratyahara heißt, den Impuls zu spüren, aber nicht automatisch zu folgen.
  • Bei Unbehagen: Kälte, Wärme, Druck oder Müdigkeit werden wahrgenommen. Pratyahara heißt, nicht sofort in Abwehr oder Klage zu rutschen.

Eine einfache Pratyahara-Übung für den Alltag

Eine kleine Übung kann helfen, den Gedanken des Kapitels erfahrbar zu machen:

Setze dich für einige Minuten ruhig hin. Schließe die Augen oder senke den Blick. Nimm wahr, welche Sinneseindrücke auftauchen: ein Geräusch, ein Körpergefühl, ein Geruch, vielleicht ein Geschmack im Mund. Versuche nicht, diese Eindrücke zu beseitigen. Beobachte nur, ob der Geist ihnen folgt.

Wenn ein Geräusch auftaucht, bemerke: Hören geschieht.
Wenn ein Gedanke folgt, bemerke: Der Geist ist mitgegangen.
Dann hole ihn ruhig zurück – zum Atem, zum Körper oder einfach zur stillen Wahrnehmung.

Kannst du einen Vorschlag für „Pratyahara im Alltag“ ergänzen?

Vielen Dank für jede Anregung:

 

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Kritische Einordnung: Was Pratyahara leisten kann – und was nicht

Pratyahara ist eine wertvolle Übung zur Selbstwahrnehmung und inneren Sammlung. Dennoch sollte man den Begriff nicht überladen. Wer starke Ängste, traumatische Erfahrungen oder anhaltende psychische Belastungen hat, löst diese nicht einfach dadurch, dass er „die Sinne zurückzieht“. Spirituelle Begriffe können helfen, aber sie ersetzen keine fachliche Unterstützung, wenn diese nötig ist.

Auch moralisch sollte Pratyahara nicht missbraucht werden. Es bedeutet nicht, dass Schmerz, Kritik oder belastende Lebensumstände einfach ignoriert werden sollen. Manchmal ist eine Reaktion notwendig. Manchmal muss man Grenzen setzen, widersprechen, handeln. Der Sinn von Pratyahara liegt nicht darin, stumpf zu werden, sondern bewusster.

Die Gheranda Samhita beschreibt keine Gleichgültigkeit. Sie beschreibt eine Schulung: Der Geist soll nicht blind reagieren, sondern frei genug werden, angemessen zu antworten.

Schlussgedanke

Pratyahara klingt zunächst nach Rückzug. Tatsächlich geht es aber um Rückgewinnung: Der Mensch gewinnt ein Stück Herrschaft über die eigene Aufmerksamkeit zurück. Die Sinne bleiben offen, die Welt bleibt farbig, laut, duftend, schmackhaft und manchmal lästig. Doch der Geist muss nicht mehr jedem Eindruck folgen, als habe dieser einen geheimen Befehlston.

Das vierte Kapitel der Gheranda Samhita ist deshalb kurz, aber nicht klein. Es beschreibt eine Übung, die in stillen Yogaräumen ebenso gilt wie an Küchentischen, in Kommentarspalten, im Berufsverkehr und vor leuchtenden Bildschirmen: Bemerke, wohin der Geist läuft. Und hole ihn zurück.

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Wie übst du Pratyahara? Was hat dir dabei geholfen?

Vielen Dank für jede Anregung!

 

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Fun Facts zum 4. Kapitel über Pratyahara

  • Pratyahara führt bei Gheranda zu „Dhairyata“ – also zu Festigkeit, Geduld oder innerer Standhaftigkeit.
    In der Gheranda Samhita wird jedem Übungsglied eine Wirkung zugeordnet: Reinigung durch Shatkarman, Festigkeit durch Asana, Stabilität durch Mudra – und Dhairya durch Pratyahara. Das ist hübsch nüchtern: Nicht „Erleuchtung in drei Minuten“, sondern erst einmal weniger innere Wackeligkeit.
  • In manchen modernen Übersichten wird das 4. Kapitel mit nur 5 Ślokas angegeben, während andere Textfassungen deutlich mehr Verse zeigen.
    Das ist kein kleiner Schönheitsfehler, sondern ein Hinweis auf die Textgeschichte klassischer Yogaschriften: Ausgaben, Zählungen und Überlieferungen können voneinander abweichen. Eine aktuelle Übersicht nennt Kapitel 4 mit 5 Ślokas; die GRETIL-Fassung führt im Pratyahara-Kapitel weitere Verse. Quelle: Übersicht zur Gheranda Samhita und GRETIL-Text.
  • Der Text nennt nicht nur Sinnesobjekte, sondern auch Lob und Tadel.
    Das ist bemerkenswert, weil Pratyahara dadurch nicht nur als „Augen zu und Ruhe“ erscheint. Auch Anerkennung, Kritik, angenehme und unangenehme Worte können den Geist binden. Quelle: ältere englische Übersetzung der Gheranda Samhita bei Internet Archive.
  • Die berühmte Schildkröten-Metapher taucht im Pratyahara-Kontext ebenfalls auf.
    In der GRETIL-Fassung heißt es sinngemäß: Wer die Begierden zurückzieht wie eine Schildkröte ihre Glieder, sieht das Selbst im Selbst. Die Schildkröte ist damit gewissermaßen das klassische Yoga-Tier der Reizdiät.
  • Der Begriff Pratyahara ist sprachlich reicher als „Sinnesentzug“.
    In einer neueren wissenschaftlichen Arbeit wird darauf hingewiesen, dass prati unter anderem „weg von“ oder „hin zu“ bedeuten kann und ahara nicht nur Nahrung, sondern auch Aufnahme oder Sammlung. Dadurch klingt Pratyahara weniger nach Verbot und mehr nach Umkehr der Aufmerksamkeit.
  • Die Gheranda Samhita ist wahrscheinlich ein relativ spätes klassisches Hatha-Yoga-Werk.
    Sie wird häufig in die späte vormoderne Zeit eingeordnet, oft etwa ins 17. Jahrhundert. Das macht sie nicht weniger wertvoll – aber es zeigt, dass „alte Yogaschrift“ nicht automatisch „vedisch uralt“ bedeutet.
  • Die Gheranda Samhita ist dialogisch aufgebaut: Gheranda unterweist Chanda Kapali.
    Der Text ist also keine trockene Liste von Techniken, sondern als Lehrgespräch gestaltet. Das passt gut zur Yogatradition: Wissen wird nicht nur verwaltet, sondern weitergegeben – mit Autorität, aber auch mit einer gewissen erzählerischen Bühne.

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Hier weiterlesen: Zusammenfassung 2. Kapitel Gheranda Samhita: Asana – die Körperstellungen


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3. Kapitel Gheranda Samhita - Symbolbild

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Hier weiterlesen: Zusammenfassung 3. Kapitel Gheranda Samhita: die 25 Mudra


5. Kapitel Gheranda Samhita: Pranayama

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Das fünfte Kapitel der Gheranda Samhita widmet sich den yogischen Atemtechniken: Pranayama. Gleich im ersten Vers wird das Resultat ausdauernder Pranayamaübung klar benannt: Der Praktizierende wird gottgleich.

Prana steht im Yoga für Lebensenergie. Meist werden beim Pranayama zwei Ziele verfolgt:

  • Mehr Lebensenergie zu erhalten.
  • Den Geist zu beruhigen und zu sammeln.

Immer wieder, so auch hier, wird vor dem allzu sorglosen Üben von Pranayama gewarnt. Zu fatal können die Auswirkungen von falschem und allzu heftig durchgeführten Atemübungen sein. Darum wird immer die Schulung durch einen fachkundigen Lehrer angemahnt.

Aus meiner Sicht spricht aber nichts dagegen, die sanften Atemtechniken mit dem primären Ziel des ruhigen Geistes zu üben. Diese sind Bestandteil vieler spiritueller Lehren und werden seit Jahrtausenden angewendet.

Die einzelnen Verse des fünften Kapitels der Gheranda Samhita lauten frei übersetzt:

Hier weiterlesen: 5. Kapitel Gheranda Samhita: Pranayama


6. Kapitel Gheranda Samhita: Dhyana

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Das sechste Kapitel der Gheranda Samhita widmet sich Dhyana. Dhyana wird in der Regel mit Meditation übersetzt und ist im achtgliedrigen Yoga-Pfad im Yogasutra von Patanjali die siebte Stufe auf dem Weg zur Erleuchtung. Danach folgt, wie auch in der Gheranda Samhita, der Samadhi.

Die folgende Yogaschulung enthält keinerlei Stellungen bzw. körperliche Übung mehr, sondern widmet sich der inneren, geistigen Praxis. Gheranda beschreibt drei verschiedene Meditationstechniken und nominiert, welche Meditationsart (mit deutlichem Vorsprung!) die Beste sei.

Hier weiterlesen: 6. Kapitel Gheranda Samhita: Dhyana


7. Kapitel Gheranda Samhita: Samadhi

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Das letzte Kapitel der Gheranda Samhita widmet sich dem Thema Samadhi: der Höhepunkt aller Yoga-Bemühungen, Einheit von Subjekt und Objekt, völlige Versenkung und tiefe Erkenntnis. Samadhi ist das letzte Glied im achtfachen Yogapfad, wie er im Yogasutra von Patanjali beschrieben wird.

Die Schriften unterscheiden verschiedene Stufen im und Wege zum Samadhi. Die Gheranda Samhita nennt sechs Pfade, die zur höchsten Erleuchtung führen sollen.

Hier weiterlesen: 7. Kapitel Gheranda Samhita: Samadhi


Zeichnungen aus der Gheranda Samhita

Die folgenden Abbildungen entstammen dem Buch "Fakire und Fakirtum - Yoga-Lehre und Yoga-Praxis nach den indischen Originalquellen" von Prof. Dr. Richard Schmidt aus dem Jahre 1907. Sie sind originalgetreu nachgezeichnet.

Hier weiterlesen: Zeichnungen aus der Gheranda Samhita


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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

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