Benjamin sitzt beim Schuldirektor mit seiner Lehrerin. Text: Benjamin will in die dritte Klasse

Humor: Benjamin will in die dritte Klasse

Nicht wirklich ein Yoga-Witz, aber vielleicht ein Beispiel, wie unser Citta unsere Weltsicht prägt:

Die Schulprüfung!

Eine Grundschullehrerin geht zum Schulrektor und beschwert sich:

"Mit dem kleinen Benjamin aus der ersten Klasse ist es kaum auszuhalten! Der weiss immer alles besser! Er sagt, er ist mindestens so schlau wie seine Schwester, und die ist schon in der dritten Klasse! Jetzt will er auch in die dritte Klasse gehen!"

Der Schulrektor: "Beruhigen Sie sich. Wenn er wirklich so schlau ist, können wir ihn ja einfach mal testen."

Gesagt, getan, und am nächsten Tag steht der kleine Benjamin zusammen mit seiner Lehrerin vor dem Schulrektor.

"Benjamin," sagt der Schulrektor, "es gibt zwei Möglichkeiten. Wir stellen dir jetzt ein paar Fragen. Wenn du die richtig beantwortest, kannst du ab heute in die dritte Klasse gehen. Wenn du aber falsch antwortest, gehst du zurück in die erste Klasse und benimmst dich in Zukunft respektvoller!"

Benjamin nickt ergeben.

Schulrektor: "Wie viel ist 6 mal 6?"

Benjamin: "36".

Schulrektor: "Wie heißt die Hauptstadt von Deutschland?"

Benjamin: "Berlin"

Und so geht es weiter, der Schulrektor stellt seine Fragen und Benjamin kann alles korrekt beantworten.

Daraufhin sagt der Schulrektor zur Lehrerin: "Ich glaube, Benjamin ist wirklich weit genug für die dritte Klasse."

Lehrerin: "Moment. Darf ich ihm auch ein paar Fragen stellen?"

Schulrektor: "Bitte schön."

Lehrerin: "Benjamin, wovon habe ich zwei, eine Kuh aber vier?"

Benjamin, nach kurzem Überlegen: "Beine."

Lehrerin: "Was hast du in deiner Hose, ich aber nicht?"

Der Schulrektor wundert sich etwas über diese Frage, aber da antwortet Benjamin schon: "Taschen."

Lehrerin: "Was macht ein Mann im Stehen, eine Frau im Sitzen und ein Hund auf drei Beinen?"

Dem Schulrektor steht der Mund offen, doch Benjamin nickt und sagt:

"Die Hand geben."

Lehrerin: "Was ist hart und rosa, wenn es reingeht, aber weich und klebrig, wenn es rauskommt?"

Der Schulrektor bekommt einen Hustenanfall, und danach antwortet Benjamin gelassen: "Kaugummi."

Lehrerin: "Gut, Benjamin, eine Frage noch. Sag mir ein Wort, das mit F anfängt, mit N aufhört und etwas mit Hitze und Aufregung zu tun hat!"

Dem Schulrektor stehen die Tränen in den Augen. Benjamin freudig: "Feuerwehrmann!"

Schulrektor: "Schon gut, schon gut. Von mir aus kann Benjamin auch in die vierte Klasse gehen oder gleich auf’s Gymnasium. Ich hätt die letzten fünf Fragen falsch beantwortet ..."

Was dieser Witz aus yogischer Sicht erzählt

Auf den ersten Blick ist es einfach ein harmloser Schulwitz mit einer hübschen Pointe. Auf den zweiten Blick ist es ein kleines Lehrstück über das, was die Yogaphilosophie Citta nennt – das Feld unseres Geistes mit all seinen Prägungen, Erwartungen, Erinnerungen und Projektionen.

Die Lehrerin stellt scheinbar zweideutige Fragen. Der Rektor hört sie – und sein Geist springt sofort an. Bilder, Assoziationen, vielleicht sogar peinliche Fantasien tauchen auf. Benjamin dagegen bleibt schlicht, direkt, unaufgeregt. Er antwortet aus einer ganz anderen inneren Haltung heraus.

Citta und die Färbung der Wahrnehmung

In den Yoga Sutras wird Citta als der geistige See beschrieben, dessen Oberfläche durch Gedankenbewegungen – die Vrittis – ständig in Unruhe ist. Diese Bewegungen entstehen aus:

  • Samskaras – gespeicherten Eindrücken
  • Vasanas – tief sitzenden Neigungen
  • Raga und Dvesha – Anziehung und Abneigung

Was passiert im Witz? Der Rektor hört eine Frage. Sein Citta färbt sie sofort ein. Seine eigene Lebenserfahrung liefert den Kontext – und zwar nicht den unschuldigsten. Benjamin hingegen reagiert ohne diese Überlagerung. Sein Geist scheint noch relativ klar, unverstellt, nicht durch sexuelle Konnotationen konditioniert.

Mit anderen Worten: Nicht die Frage ist „zweideutig“. Die Zweideutigkeit entsteht im Geist.

Die Projektion – oder: Wir sehen nie nur die Welt

Yoga sagt: Wir nehmen die Welt nicht objektiv wahr. Wir nehmen sie durch unsere inneren Filter wahr. Der Rektor hört nicht einfach Worte – er hört seine eigenen inneren Bilder.

Das ist im Alltag nicht anders:

  • Ein neutraler Kommentar wird als Angriff gehört.
  • Ein Blick wird als Ablehnung interpretiert.
  • Eine Pause im Gespräch wird als Kritik empfunden.

Der Witz hält uns liebevoll den Spiegel vor. Und ja – wir lachen. Aber vielleicht lachen wir auch ein bisschen über uns selbst.

Benjamin als kleiner Yogi?

Man könnte augenzwinkernd sagen: Benjamin verkörpert für einen Moment den Zustand von Yoga citta-vritti-nirodhah – das Zur-Ruhe-Kommen der Gedankenbewegungen.

Er antwortet funktional. Direkt. Ohne Zusatzfilm im Kopf.

Kein innerer Kommentar. Kein Drama. Keine peinliche Nebenbedeutung.

Ein Kind, das einfach die offensichtlichste Lösung nennt – während die Erwachsenen in ihrem eigenen Kopfkino gefangen sind.

Oder noch zugespitzter:

  • Der Ungeübte hört Zweideutigkeit.
  • Der Geübte hört Worte.
  • Der Weise hört nur Klang.

Die eigentliche Pointe

Der Witz funktioniert, weil wir uns im Rektor wiedererkennen. Unser Geist ist kreativ – manchmal ein bisschen zu kreativ. Yoga will diese Kreativität nicht zerstören, sondern transparent machen. Wenn wir sehen, wie unsere Projektionen entstehen, verlieren sie ihre Macht.

Und dann wird aus einem harmlosen Schulwitz eine kleine Lehrstunde in Selbsterkenntnis. Denn oftmals liegt der Irrsinn nicht da draußen begründet, sondern in unserem Kopf.

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Benjamin will in die dritte Klasse

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Humor: Benjamin will in die dritte Klasse

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Gesagt, getan, und am nächsten Tag steht der kleine Benjamin zusammen mit seiner Lehrerin vor dem Schulrektor.

"Benjamin," sagt der Schulrektor, "es gibt zwei Möglichkeiten. Wir stellen dir jetzt ein paar Fragen. Wenn du die richtig beantwortest, kannst du ab heute in die dritte Klasse gehen. Wenn du aber falsch antwortest, gehst du zurück in die erste Klasse und benimmst dich in Zukunft respektvoller!"

Hier weiterlesen: Benjamin will in die dritte Klasse


Gott und das Hochwasser

hochwasser bank

Einst wohnte ein sehr frommer Mann am Ufer eines Flusses. Als ein Hochwasser kam, sendete die Stadt einen Jeep, der ihn und andere aus dem gefährdeten Gebiet abholen sollte. Doch der Fromme sprach: "Ich brauche keine Rettung. Gott wird mich erretten" und blieb.

Einige Stunden später war das Wasser bis in den ersten Stock gestiegen. Der Fromme bettete um seine Rettung. Da kam ein Schlauchboot ans Fenster gefahren. Die Rettungskräfte forderten ihn erneut auf, einzusteigen und sich retten zu lassen. "Nicht nötig", rief ihnen der Fromme zu, "Gott wird mich erretten. Ich bleibe." Das Schlauchboot fuhr davon und suchte nach weiteren Eingeschlossenen.

Hier weiterlesen: Gott und das Hochwasser


 

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

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