Der Busfahrer und der Pfarrer
Ein Busfahrer und ein Pfarrer starben zeitgleich. Sie erreichten gemeinsam das Yamas Dharma-Gericht – das Gericht vom Herrn über das Totenreich.
Zuerst kam der Busfahrer an die Reihe. Er wurde über all seine Taten zu Lebzeiten befragt. Seine Angaben wurden überprüft. Mit Erfolg. Er erhielt einen goldenen Schlüssel und ein Bediensteter des Totenreiches geleitete ihn in ein Areal des Luxus.
Der Pfarrer freute sich sehr, als er das sah. Er dachte bei sich: Wenn schon ein Busfahrer in solch ein Paradies gelangt, welch Lohn wird dann erst mir zustehen!" Schließlich hatte er Zeit seines Lebens Gottes Wort verkündet.
Die Reihe kam an ihn...
Nach kurzer Prüfung seiner Angaben während der Lebensbefragung kam es zum Urteil: Ab in die Hölle.
Der Pfarrer wurde zornig: "Wieso soll ich in die Hölle und der Busfahrer darf im Luxus schwelgen. Ich verlange eine Begründung!"
Yama erläuterte ihm: "Hier wird nicht vergolten, WAS du zu Lebzeiten vollbracht hast. Wir blicken auf die Folgen deiner Taten. Schau: Jedesmal, wenn der Busfahrer gefahren ist, fuhr er derart schnell und eng am Abgrund, dass die Leute Bus ununterbrochen an Gott dachten. Bei dir hingegen haben die meisten die ganze Zeit über geschlafen, während du Gottes Wort gepredigt hast."
Yogaphilosophische Perspektiven auf den Witz
Der Witz spielt auf charmante Weise mit einer Grundidee der indischen Philosophie: Entscheidend ist nicht der äußere Titel eines Menschen, sondern die innere Wirkung seines Handelns. Genau hier knüpft die Yogaphilosophie an, insbesondere der Gedanke des Karma. Nach klassischer Sichtweise zählt weniger, was jemand offiziell tut – Pfarrer, Busfahrer, Yogi oder Königin – sondern welche Schwingungen, Eindrücke und inneren Bewegungen das eigene Tun in der Welt hinterlässt.
Der Busfahrer ist in diesem Witz nicht heilig, weil er Bus fährt, sondern weil er – wenn auch unfreiwillig – seine Fahrgäste in die Tiefe des Göttlichen katapultiert. Er zwingt sie buchstäblich dazu, präsent zu sein. Todesangst führt schließlich schnell zu spiritueller Wachheit; niemand denkt so klar wie ein Mensch, der gerade um sein Leben bangt.
Der Pfarrer dagegen tut objektiv „das Richtige“, aber seine Wirkung verpufft. Seine Predigt lässt die Menschen einschlafen – und im humorvollen Sinne heißt das: Er berührt sie nicht. In der Yogatradition wäre das ein Hinweis darauf, dass Handlung und Bewusstheit, Form und Herz, Technik und Transparenz miteinander harmonieren müssen. Wenn spirituelles Tun zur Routine wird, verliert es sein Feuer.
Was lässt sich daraus yogisch ableiten?
1. Wirkung schlägt Absicht:
Im Karma-Yoga gilt: Nicht nur die gute Absicht zählt, sondern die Qualität der Präsenz, mit der ich handle. Manchmal erzeugt ein ungeplanter Moment der Intensität mehr spirituelle Klarheit als eine perfekt ausgearbeitete Predigt.
2. Spirituelle Rollen sind keine Freifahrtscheine:
Yogisch gesehen ist kein Mensch automatisch näher an der Wahrheit, nur weil er eine religiöse oder spirituelle Funktion innehat. Jeder Moment ist ein Prüfstein der inneren Ausrichtung, ganz gleich, ob man ein Bus lenkt oder ein Mantra rezitiert.
3. Wachheit ist kostbar:
Der Witz erinnert daran, dass Spiritualität nicht immer sanft und meditativ daherkommen muss. Manchmal bringt gerade das Rumpelige, das Unbequeme, der „Abgrund“ einen Menschen ins Jetzt. Die Yogaphilosophie spricht hier vom Tapas, dem inneren Feuer, das uns wachrüttelt.
Humorvolle yogische Ergänzung
Man könnte den Witz auch mit einem augenzwinkernden yogischen Kommentar fortführen:
„Als Yama das Urteil verkündete, seufzte der Pfarrer:
‚Hätte ich das gewusst, hätte ich bei jeder Predigt mindestens dreimal den Donnerhall der Endzeit beschworen.‘
Yama lächelte nur: ‚Zu spät. Aber nimm es sportlich – selbst in der Hölle gibt es Yoga. Nur eben Hot-Yoga der etwas intensiveren Sorte.‘“
Fazit
Der Witz zeigt mit einem liebevollen Seitenhieb, wie leicht wir Menschen dazu neigen, uns an äußeren Rollen festzuhalten. Aus yogischer Sicht ist das Entscheidende jedoch die innere Lebendigkeit, mit der wir durchs Leben gehen. Und manchmal, so sagt es der Witz, sorgt gerade derjenige für die größte spirituelle Wirkung, der es gar nicht darauf anlegt.
Eine kleine Erinnerung, die uns Yogis nur gut tun kann.
Noch ein Witz gefällig?

In den Berg herrschte Nebel. Ein Atheist übersah den Abgrund und fiel von einer Klippe. Im Fallen packte er die Wurzeln eines kleinen Baumes, der trotz aller Widrigkeiten im Hang wuchs. Daran hing er nun, über sich den Himmel, unter sich den todbringenden Abgrund.
Er merkte schnell, dass er sich nicht lange festhalten kann. Da kam ihm Gott in den Sinn: "Herr?", schrie er nach oben. Keine Antwort.
"Gott", brüllte er noch einmal, "so es dich gibt: errette mich! Ich verspreche dir, dass ich dann an dich glauben und auch anderen den Glauben nahebringen werde."
Schweigen.
Hier weiterlesen: Die Wurzel loslassen

Einst wohnte ein sehr frommer Mann am Ufer eines Flusses. Als ein Hochwasser kam, sendete die Stadt einen Jeep, der ihn und andere aus dem gefährdeten Gebiet abholen sollte. Doch der Fromme sprach: "Ich brauche keine Rettung. Gott wird mich erretten" und blieb.
Einige Stunden später war das Wasser bis in den ersten Stock gestiegen. Der Fromme bettete um seine Rettung. Da kam ein Schlauchboot ans Fenster gefahren. Die Rettungskräfte forderten ihn erneut auf, einzusteigen und sich retten zu lassen. "Nicht nötig", rief ihnen der Fromme zu, "Gott wird mich erretten. Ich bleibe." Das Schlauchboot fuhr davon und suchte nach weiteren Eingeschlossenen.
Hier weiterlesen: Gott und das Hochwasser
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