Yoga und Hüftdysplasie

Anika fragt:

Hallo,

ich habe folgendes Anliegen:

Ich habe beidseitig eine Hüftdysplasie, links eher leicht, rechts schwerer. Praktiziere seit 3 Jahren Yoga, allerdings eher laienhaft, d.h. ich gehe 1x die Woche zum Kurs und übe phasenweise zu hause, phasenweise aber auch nicht. Bisher habe ich alle Übungen super vertragen, auch wenn es um Hüfte und Becken ging. Ok, ich bin bestimmt im Becken und unteren Rücken steifer als andere - aber mir haben die Übungen immer gutgetan.

Seit 2-3 Wochen habe ich (nicht durch Yoga ausgelöst) Beschwerden in der rechten Hüfte. Beim Yoga arbeiten wir irgendwie auch noch gerade verstärkt mit der Hüfte (Heldin u. ä.) während der Stunde tun mir die Übungen total gut, aber 1-2 Stunden später tut die Hüfte dann weh. Ich kann dann nur vermuten, dass es eine der beckenöffnenden Übungen gewesen sein muss, aber während der Übung merke ich gar nichts.

Das macht mir jetzt Sorgen, weil es das erste Mal ist, dass nach dem Yoga Beschwerden auftreten. Einen Orthopäden Termin habe ich schon gemacht. In der nächsten Stunde spreche ich mit meiner Yogalehrerin.

Aber hat hier jmd. vielleicht ähnliche Probleme / Erfahrungen wie ich? Bzw. kennt sich hier jmd. so weit aus, dass er mir sagen kann, welche Übungen eher gut sind bei Hüftdysplasie und welche ich vielleicht lieber lassen soll?

Vielen Dank!

LG Anika

Die Antworten lauten wie folgt:

yeswecan antwortet

Hallo Anika,
mein Problem ist ähnlich. Durch intensive Sport-Belastung habe ich einseitig eine Hüftarthrose. Nach täglichem Hatha-Yoga Übungen von einer guten Stunde haben sich die Beschwerden in Form von Schmerzen nach ca. vier Monaten enorm verstärkt. Unternommen habe ich dagegen noch nichts, hoffe aber, dass sich das irgendwann auf niedrigerem Niveau einpegelt oder ganz verschwindet. Ich denke, dass das Üben nichts nachteiliges bewirkt, vorausgesetzt man findet bei der Belastung der Gelenke das richtige Maß. Das Yoga werde ich deswegen nicht aufgeben, ggf. bei der Auswahl der Übungen modifizieren.
Viele Grüße
Thomas

Ki-Meister

Liebe Anika,

ich würde bei Hüftdysplasie mit neuen Schmerzen etwas vorsichtig sein. Nicht ängstlich, aber aufmerksam. Gerade dass es während der Stunde gut tut und erst 1–2 Stunden später weh wird, kann ein Hinweis sein, dass die Belastung im Moment etwas zu viel oder zu endgradig war. Das Gelenk meldet sich dann nicht sofort, sondern verzögert.

Bis zum Orthopädentermin würde ich alles weglassen, was die Hüfte stark in die Tiefe oder an den Anschlag bringt: sehr tiefe Ausfallschritte, Taube, tiefe Heldinnen-Varianten, weite Grätschen, lange gehaltene Hüftöffner, starke Außenrotation und Positionen, bei denen das Knie weit nach außen fällt. Bei Dysplasie ist die Hüfte oft weniger knöchern überdacht; deshalb ist Stabilität häufig wichtiger als maximale Beweglichkeit.

Sinnvoller wären vorübergehend eher stabile, kleine Bewegungen: Tadasana, sanfter Stuhl, kleine Krieger-Varianten mit kürzerem Stand, unterstützte Brücke, leichte Balanceübungen an der Wand, sanfte Gesäß- und seitliche Hüftkräftigung. Die AAOS betont bei Hüftprogrammen besonders, dass kräftige unterstützende Muskulatur das Hüftgelenk stabilisieren und Schmerzen reduzieren kann.

Ich würde deiner Yogalehrerin konkret sagen: „Bitte heute keine tiefen Hüftöffner und keine Endpositionen für mich.“ Vielleicht kannst du mit Blöcken arbeiten, den Stand verkürzen und immer bei etwa 70 % bleiben. Nicht in den Schmerz hinein dehnen, und auch nicht in dieses „angenehm intensive Ziehen“, wenn danach Beschwerden kommen.

Ein guter Maßstab kann sein: Während der Übung maximal mildes Ziehen, kein Stechen, kein Einklemmen vorne in der Leiste, kein Nachschmerz am Abend oder nächsten Tag. Wenn doch: beim nächsten Mal weniger Tiefe, kürzer halten oder die Übung ganz ersetzen.

Wichtig finde ich auch: Hüftdysplasie ist kein reines „Dehnproblem“. Mehr Öffnung ist nicht automatisch besser. Oft geht es eher um Zentrierung, Kontrolle und Kraft rund um Gesäß, Becken und Rumpf. Ein aktueller Reha-Konsens zu Hüftdysplasie beschreibt ebenfalls, dass dynamische Gelenkstabilität entscheidend ist und manche kräftigenden Übungen erst sinnvoll sind, wenn diese Kontrolle aufgebaut ist.

Wenn möglich, wäre neben dem Orthopäden auch eine Physiotherapeutin sinnvoll, die sich mit Hüfte/Dysplasie auskennt. Sie kann dir zeigen, welche Bewegungsrichtungen für deine Hüfte günstig sind. Das ist sehr individuell.

Also mein Tipp: Yoga nicht aufgeben, aber vorerst weniger „Hüfte öffnen“ und mehr „Hüfte stabilisieren“. Sanft, klar, ohne Ehrgeiz. Dein Körper gibt dir gerade keine Absage an Yoga, sondern wahrscheinlich nur eine Bitte um Anpassung.

Alles Gute für deinen Termin und gute Besserung
Namasté

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

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