Yoga und Laufen
Yoga und Laufen mögen auf den ersten Blick nicht zusammengehören – doch gerade diese Mischung macht den Reiz aus. Wenn du deine Laufroutine um Yoga ergänzt, öffnest du nicht nur deinem Körper neue Wege, sondern schaffst dir auch mentale Ruhe und Ausgeglichenheit. Dieser Artikel zeigt dir, wie du mit gezielten Yoga-Übungen und achtsamer Atmung aus deinem Lauftraining mehr machen kannst – für mehr Beweglichkeit, weniger Verletzungen und ein rundum bewussteres Laufgefühl.
Kurz zusammengefasst
- Yoga + Laufen = starkes Team: Yoga verbessert Flexibilität, Kraft, Haltung und Beweglichkeit, was dir als Läufer hilft, effizienter zu laufen und Verletzungen vorzubeugen.
- Regeneration durch Yoga: Insbesondere nach dem Lauf helfen sanfte Dehnungen und Faszien-Yoga, Muskelverspannungen abzubauen und die Erholung zu beschleunigen.
- Effektive Yoga-Posen für Läufer: Mit gezielten Haltungen wie Herabschauender Hund, Ausfallschritte mit Rotation, dynamischen Sonnengrüßen oder Taube kannst du deine Hüften, Beinrückseiten und deinen Rücken mobilisieren: wichtige Regionen fürs Laufen.
- Atem und Achtsamkeit als Booster: Bewusste Atmung und geistige Ruhe aus der Yoga-Praxis unterstützen Laufstil, Konzentration und mentale Stärke auch bei längeren Einheiten.
- Wissenschaftlich belegte Effekte: Studien zeigen, dass regelmäßiges Yoga Beweglichkeit, Balance und Muskulatur stärkt und so Leistung und Stabilität beim Laufen unterstützen kann.
Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.
Warum Yoga die ideale Ergänzung zum Laufen ist
Für viele Läufer endet das Training mit dem letzten Schritt. Doch gerade danach beginnt der Teil, der langfristig vor Verletzungen schützt: Yoga. Was auf den ersten Blick wie ein sanfter Ausgleichssport wirkt, erweist sich bei näherem Hinsehen als ein erstaunlich kraftvoller Partner für alle, die gerne die Laufschuhe schnüren. Yoga und Laufen bedienen unterschiedliche körperliche und mentale Bedürfnisse – und genau darin liegt ihre Stärke.
Beim Laufen arbeitest du meist in klaren Bewegungsbahnen: vorwärts, rhythmisch, linear. Der Körper liebt diese Wiederholung, doch sie kann zu muskulären Dysbalancen führen. Yoga wirkt hier wie ein Gegengewicht. Durch gezielte Dehnungen öffnest du insbesondere die Bereiche, die beim Laufen oft verspannen: Hüftbeuger, Beinrückseiten, Waden und unterer Rücken. Und während im Lauftraining eher die großen Muskelgruppen gefordert sind, bringt Yoga die tiefer liegenden Strukturen ins Spiel – jene stillen Unterstützer, die deinen Laufstil stabilisieren.
Die Stärkung des Core ist ein Beispiel, bei dem Yoga und Laufen ineinandergreifen wie zwei Zahnräder. Ein kraftvoller Rumpf verbessert nicht nur die Haltung, sondern hält dich auch bei längeren Strecken ökonomischer. Die Schritte werden leichter, das Tempo gleichmäßiger, der Atem freier. Viele Läufer:innen, die regelmäßig Yoga einbauen, berichten davon, dass sich ihre Atmung natürlicher anfühlt, der Oberkörper weniger einknickt und das gesamte Lauferlebnis runder wird.
Was häufig unterschätzt wird: Yoga holt dich mental da ab, wo das Laufen dich manchmal zurücklässt. Nach einem schnellen Lauf kann der Geist noch im Sprintmodus hängen. Eine kurze Sequenz aus bewusster Atmung oder einfachen Standhaltungen bringt dich wieder ins innere Gleichgewicht. Dieser Wechsel zwischen Aktivität und Ruhe ist kein Luxus, sondern ein wichtiger Baustein, um langfristig verletzungsfrei zu bleiben. Denn stressbedingte Verspannungen, verkürzte Strukturen und fehlende Erholung sind oft die stillen Verursacher von Laufproblemen.
Weniger Verletzungen bedeuten auch mehr Freude am Training. Wenn du merkst, dass sich deine Beweglichkeit verbessert, du lockerer in der Hüfte wirst und der Rücken nicht mehr schon nach wenigen Kilometern meldet, entsteht eine neue Leichtigkeit. Und dann geschieht das, was viele Läufer:innen fast überrascht: Die Kombination aus Yoga und Laufen fühlt sich nicht wie zwei getrennte Welten an, sondern wie ein in sich stimmiger Trainingszyklus – durchdacht, wohltuend und langfristig wirksam.
Welche Vorteile erhoffst du dir durch Yoga + Laufen?
Yoga vor dem Laufen
Ein kurzer, dynamischer Yoga-Flow vor dem Lauf weckt die Muskulatur auf und sorgt dafür, dass du leichter ins richtige Tempo findest. Du musst nicht gleich eine ganze Matte ausrollen oder eine halbstündige Session einplanen. Oft reichen fünf bis sieben Minuten, um die Gelenke zu mobilisieren, die wichtigsten Muskelgruppen zu aktivieren und den Atem in einen ruhigen, aber wachen Rhythmus zu bringen.
Besonders hilfreich sind dynamische Sonnengrüße. Sie bringen die Hüften in Bewegung, wärmen Schultern und Rücken auf und holen den Kreislauf sanft aus dem Schlaf. Einige Ausfallschritte mit Rotation öffnen die Flanken, dehnen die Leisten und kräftigen gleichzeitig Gesäß und Oberschenkel – genau jene Muskelketten, die beim Laufen gefordert sind. Ein weiterer Pluspunkt: Diese Bewegungen erinnern den Körper daran, dass er sich nicht ausschließlich nach vorne ausrichten soll, sondern auch seitliche Stabilität braucht.
Wenn du dich schon einmal beim Laufen gefragt hast, warum manche Tage „rund“ laufen und andere nicht, lohnt sich ein Blick auf deinen Core. Ein wacher Rumpf ist wie ein interner Stoßdämpfer. Yogahaltungen wie Krieger 3, Plank-Variationen oder eine kurze Sequenz aus knienden Balancepositionen aktivieren diese tiefe Muskulatur, ohne sie zu ermüden. So gehst du mit mehr Kontrolle in den ersten Kilometer – und mit weniger Risiko, durch Fehlhaltungen in ein unruhiges Laufmuster zu fallen.
Die Atmung spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Beim Laufen versorgt sie dich nicht nur mit Sauerstoff, sondern beeinflusst auch dein Tempo und deine mentale Stabilität. Ein paar bewusste Atemzüge vor dem Start – lang, gleichmäßig, ohne Hast – können erstaunlich viel Ruhe ins System bringen. Viele Läufer:innen berichten, dass sie dadurch leichter ihren Rhythmus finden und weniger dazu neigen, zu schnell loszulaufen.
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen: Manche argumentieren, dass statisches Dehnen vor dem Lauf die Leistung kurzfristig minimieren könne. Und ja, für intensives, langes Dehnen ist vor dem Training nicht der beste Moment. Doch genau deshalb setzt Yoga in der Aufwärmphase auf Bewegungsfluss statt Stillstand. Das Ziel ist nicht, maximal zu dehnen, sondern den Körper zum Arbeiten einzuladen.
Wenn du Yoga vor dem Laufen fest in deine Routine integrierst, wirst du wahrscheinlich bemerken, wie sich dein Bewegungsgefühl verändert: weniger steif, weniger müde in den ersten Minuten, weniger „Anlaufzeit“, bis der Körper wirklich rund läuft. Yoga schenkt dir nicht nur körperliche Vorbereitung, sondern eine Art inneres Sortieren – eine kleine mentale Aufräumarbeit, die dir hilft, den Kopf frei zu bekommen, bevor der erste Schritt fällt.
Wann machst du Yoga?

Yoga nach dem Laufen
Nach einem intensiven Lauf schenkt eine zehnminütige Yin-Sequenz deinen Muskeln genau das, was sie brauchen: Entspannung und Raum. Während du beim Laufen Spannung aufbaust – ob du willst oder nicht –, lädt Yoga danach dazu ein, diese Spannung bewusst wieder abzubauen. Das ist ein Schritt, den viele überspringen, weil die Dusche ruft oder die To-do-Liste wartet. Doch gerade diese Phase entscheidet oft darüber, ob du morgen wieder locker aufstehst oder dich mit dem ersten Zwicken im Oberschenkel begrüßt.
Nach dem Laufen arbeitet der Körper auf Hochtouren: Stoffwechselprozesse laufen schneller, Mikroverletzungen in den Muskelfasern beginnen zu heilen, Laktat wird abgebaut. Wenn du jetzt längere Dehnpositionen einbaust – nicht hektisch, sondern mit Schwerkraft und Geduld – unterstützt du diesen Prozess. Besonders die Beinrückseiten, die oft schon während des Laufs leicht „ziehen“, profitieren von passiven Vorbeugen wie der sitzenden Vorwärtsbeuge oder dem liegenden „Hüftöffner“ (Happy Baby). Du gibst den Faszien Zeit, sich auszubreiten, statt sie in der gewohnten verkürzten Haltung zu belassen.
Auch der Hüftbeuger, ein Muskelnest, das bei jedem Schritt arbeitet, liebt Dehnung nach dem Lauf. Ein sanfter Low-Lunge oder eine Sphinx-Position wirkt wie ein Reset für die Frontlinie des Körpers. Viele Läufer:innen merken dort zum ersten Mal, wie viel Spannung sich über den Tag – nicht nur über den Lauf – angesammelt hat. Ähnlich verhält es sich mit den Waden: Eine kurze Dehnung vor der Wand oder im herabschauenden Hund mit leicht gebeugten Knien löst oft mehr als man zunächst glaubt.
Der Rücken verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Durch das Laufen sammelt sich dort eine subtile Kompression, die sich erst beim Liegen bemerkbar macht. Eine sanfte Drehung am Boden, kombiniert mit ruhigen Atemzügen, kann diesen Druck lösen und die Wirbelsäule wieder „aufatmen“ lassen.
Neben dem körperlichen Nutzen gibt es einen unmittelbaren mentalen Gewinn. Wenn du nach dem Lauf in die Stille einer Dehnung sinkst, ändert sich der innere Takt. Das Herz schlägt noch schnell, doch der Atem findet allmählich seinen Platz. In dieser stillen Phase passiert häufig das, wofür vielen im Alltag die Zeit fehlt: der Stress fällt ab, nicht abrupt, sondern wie Laub, das leise von einem Baum gleitet. So entsteht Erholung, die tiefer geht als reine Muskelpflege – sie berührt deinen mentalen Akku.
Und ja, es gibt Menschen, die lieber „nur laufen“ und nach dem Training alles Weitere lassen. Das funktioniert kurzfristig. Langfristig jedoch entsteht schnell jene Mischung aus Verspannung, Müdigkeit und fehlender Beweglichkeit, die irgendwann das Training bremst. Yoga nach dem Laufen ist kein Muss, aber ein Werkzeug, das dir oft mehr zurückgibt, als du investierst.

Die mentale Verbindung: Achtsamkeit im Laufen
Auf den ersten Blick scheinen Yoga und Laufen zwei völlig verschiedene Welten zu sein – hier die ruhige Matte, dort die pulsierende Bewegung. Doch im Kern teilen sie eine überraschend ähnliche Qualität: Achtsamkeit. Beide Disziplinen können dich in eine Form von Präsenz bringen, die nicht erzwungen ist, sondern sich aus dem Tun selbst entwickelt.
Wenn du schon einmal erlebt hast, dass der Kopf beim Laufen plötzlich still wird, kennst du diese Verbindung. Der Atem wird zum Taktgeber, die Schritte ordnen sich wie von selbst, und das Tempo entsteht nicht mehr aus dem Willen, sondern aus einem inneren Gleichmaß. Dieser Zustand ist dem meditativen Aspekt des Yoga sehr nah: eine Art Flow, bei dem du nicht mehr gegen den Körper arbeitest, sondern mit ihm.
Bewusstes Atmen spielt in beiden Welten eine Schlüsselrolle. Während im Yoga Atemtechniken wie Ujjayi oder tiefe Zwerchfellatmung als zentrierende Werkzeuge dienen, kannst du sie beim Laufen nutzen, um dein Tempo zu stabilisieren. Ruhige, gleichmäßige Atemzüge wirken wie ein inneres Metronom. Sie verhindern, dass du dich zu früh verausgabst oder in den ersten Minuten zu schnell startest. Viele Läufer:innen berichten, dass sie durch bewusste Atmung längere Distanzen mit weniger Erschöpfung zurücklegen können.
Doch Yoga bringt noch eine andere Dimension ins Laufen: die Fähigkeit, wahrzunehmen, ohne sofort zu reagieren. Statt bei jeder kleinen Anstrengung zu denken „Ich halte das nicht durch“, lernst du, Empfinden und Bewertung zu trennen. Du spürst die Müdigkeit, aber du wirst nicht von ihr dominiert. Dieser Abstand schafft Freiraum – und in diesem Freiraum entsteht Gelassenheit.
Gleichzeitig darf man nicht verschweigen: Achtsamkeit im Sport ist kein Zaubertrick. Nicht jeder Lauf wird ein meditatives Highlight, und es gibt Tage, an denen der Körper schwer, der Atem flach und der Kopf laut ist. Das gehört dazu. Doch gerade an solchen Tagen kann ein achtsamer Moment – vielleicht ein bewusst gesetzter Atemzug oder der Wechsel der Aufmerksamkeit vom Schmerz zur Umgebung – dafür sorgen, dass du dich nicht völlig aus dem Rhythmus werfen lässt.
Yoga und Laufen ergänzen sich auf dieser mentalen Ebene, weil sie unterschiedliche Wege zu einem ähnlichen Ziel bieten: Klarheit im Kopf, Leichtigkeit im Körper. Wenn du beides miteinander verbindest, entsteht ein Sporterlebnis, das nicht nur physisch, sondern auch seelisch trägt.
Herabschauender Hund
Konkrete Tipps für Läufer:innen
Wenn du Yoga und Laufen miteinander verbindest, entsteht ein Trainingsmix, der sowohl intuitiv als auch hochwirksam ist. Damit du direkt einsteigen kannst, findest du hier konkrete Werkzeuge, die nicht im Theoretischen hängen bleiben, sondern sich sofort in deinen Alltag einbauen lassen – egal, ob du täglich läufst oder nur ein paar Mal im Monat.
Diese 5 Yoga-Posen sollte jede Läuferin kennen
Die folgenden Haltungen sind so etwas wie das Notfall-Set für müde Beine, verspannte Hüften und einen Rücken, der nach langen Läufen gerne mal knurrt. Jede Pose bringt einen klaren Nutzen, und alle zusammen decken jene Bereiche ab, die beim Laufen besonders beansprucht werden.
- Herabschauender Hund (Adho Mukha Svanasana)
Die Klassikerpose für Läufer:innen. Sie verlängert die Beinrückseiten, entlastet die Waden und gibt dem Rücken eine wohltuende Weite. Ein paar sanfte „Pedalbewegungen“ helfen, beide Beine unterschiedlich zu mobilisieren. - Lunge (Ausfallschritt) mit Hüftöffnung (Low Lunge / Anjaneyasana)
Diese Haltung ist eine Erleichterung für den Hüftbeuger, der beim Laufen oft verkürzt. Sie öffnet den vorderen Körperbereich und sorgt für ein freieres Gefühl beim Laufen. - Taube (Eka Pada Rajakapotasana, Variation)
Ein Bein ist nach vorne gebeugt, das andere Bein ausgestreckt nach hinten und der Oberkörper beugt sich ebenfalls nach hinten. Intensiv, aber wirksam. Die Taube löst tief sitzende Spannung im Gesäß und in der äußeren Hüfte. Wer viel läuft, spürt hier oft sofort, wie eng dieser Bereich geworden ist. - Vorbeuge im Sitzen (Paschimottanasana)
Perfekt, um müde Hamstrings sanft, aber nachhaltig zu dehnen. Wichtig: Rücken entspannt lassen, nicht in die Dehnung ziehen – Schwerkraft erledigt die Arbeit. - Drehung im Liegen
Eine simple, aber erstaunlich effektive Haltung, die den unteren Rücken entlastet und die Wirbelsäule wieder „einrichtet“, wenn sie nach dem Laufen fest geworden ist.
Nähere Übungsanweisungen:
Herabschauender Hund | Adho Mukha Svanasana Adho Mukha Svanasana, der herabschauende Hund (oder auch nur "Hund" genannt) ist eine beliebte und bekannte Yoga Übung. Diese stehende Asana fordert Kraft und streckt den ganzen Körper. Sie wird energetisierend und beruhigt den Geist. Hier weiterlesen: Herabschauender Hund | Adho Mukha Svanasana Paschimothanasana – sitzende Vorwärtsbeuge Paschimothanasana (auch Paschimottanasana) - die Vorwärtsbeuge sollte 3-5 Minuten ausgehalten werden. Sie ist eine der zwölf Hauptasanas in der Hatha-Yoga-Padripika. Hier weiterlesen: Paschimothanasana – sitzende VorwärtsbeugeBeitrag: Herabschauender Hund | Adho Mukha Svanasana
Herabschauender Hund | Adho Mukha Svanasana
Beitrag: Paschimothanasana – sitzende Vorwärtsbeuge
Paschimothanasana – sitzende Vorwärtsbeuge: Anleitung, Video, Variationen und Tipps
Video: Einbeinige Taube
Länge: 4 Minuten
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Video: Lunge mit Rotation
Länge: 1 Minute
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Video: Drehung im Liegen
Länge: 7 Minuten
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Routine für 10 Minuten nach dem Joggen
Manchmal ist weniger mehr. Diese kurze Routine setzt gezielt an den Belastungsstellen eines Laufs an und kann deine Regeneration spürbar verbessern.
- 1 Minute: tiefe Atemzüge im Stehen, Schultern lösen
- 2 Minuten: Herabschauender Hund mit sanften Bewegungen
- 2 Minuten: Low Lunge rechts und links (je eine Minute)
- 2 Minuten: Taube oder sitzende Hüftöffnung
- 2 Minuten: Sitzen, Vorbeuge, Atem beruhigen
- 1 Minute: Rücken-Drehung liegend
Nach dieser Sequenz fühlt sich der Körper nicht „abgestellt“, sondern heruntergefahren an – wie ein Motor, der bewusst ausgeschaltet wurde, statt plötzlich stehen zu bleiben.
Atmungstechniken aus dem Yoga für ruhigen Laufstil
Die Atmung ist beim Laufen das, was beim Yoga das Fundament der Bewegung ist. Wenn du sie beherrschst, läuft vieles wie von selbst.
- Gleichmäßige Zwerchfellatmung
Setze den Atem in den Bauchraum statt in die Brust. Das stabilisiert den Oberkörper und verhindert hektisches Schnappen nach Luft. - 4-4-Rhythmus
Vier Schritte einatmen, vier Schritte ausatmen. Dieser Rhythmus wirkt wie ein innerer Temporegler. Wenn du das Gefühl hast, du rennst emotional voraus, bringt dich diese Methode zurück in ein ruhiges Gleichmaß. - Ujjayi-Atmung (sanfte Rauschatmung)
Besonders für ruhige Läufe geeignet. Die leicht verengte Stimmritze erzeugt ein leises Rauschen, das gleichzeitig beruhigt und fokussiert. Im Freien kann es dir helfen, Ablenkungen auszublenden und „im Takt“ zu bleiben.
Wissenschaftliche Aspekte
Wer Yoga und Laufen kombiniert, profitiert nicht nur subjektiv – es gibt zahlreiche wissenschaftliche Hinweise darauf, warum diese Kombination funktioniert. Einige der wichtigsten Mechanismen:
Wie Dehnung Faszien beeinflusst
Faszien, jene feinmaschigen Bindegewebsstrukturen, reagieren auf wiederholte Belastung mit Verdickung und geringerer Elastizität. Laufen beansprucht die Faszien in klaren, wiederkehrenden Mustern. Sanfte, länger gehaltene Dehnungen – wie im Yin Yoga – wirken wie ein Gegenimpuls: Sie erhöhen die Hydration des Gewebes, verbessern die Gleitfähigkeit und reduzieren das Risiko von Überlastungsverletzungen. Entscheidend ist die Dauer: Nicht kurz und ruckartig, sondern lang, ruhig, federlos.
Wirkung von Atemtechniken (Pranayama) auf die Herzfrequenz
Pranayama beeinflusst das autonome Nervensystem. Langsame, bewusste Atemzüge aktivieren den Parasympathikus – den „Ruhemodus“ des Körpers. Studien zeigen, dass dadurch die Herzfrequenzvariabilität steigt, ein Marker für bessere Belastungsregulation. Für Läufer:innen bedeutet das: Wer vor, während oder nach dem Training bewusst atmet, kann schneller in einen rhythmischen, ökonomischen Zustand finden.
Einfluss regelmäßiger Yoga-Praxis auf Laufeffizienz
Yoga schult drei entscheidende Komponenten der Laufökonomie:
- Beweglichkeit, die den Bewegungsumfang verbessert
- Kraft in stabilisierenden Muskeln, besonders Core und Fußgewölbe
- Koordination, weil Yoga häufig Balance- und Feinsteuerungsimpulse setzt
Das Ergebnis kann ein „geschmeidigerer“ Laufstil sein: weniger Energielecks, weniger unnötige Muskelspannung, ein harmonischeres Bewegungsmuster. Einige Untersuchungen zeigen, dass sogar der Sauerstoffverbrauch pro Kilometer sinken kann – ein Indikator für effizienteres Laufen.
Natürlich gilt: Yoga ersetzt kein Lauftraining. Aber es verbessert die Bedingungen, unter denen du läufst. Und genau dort entscheidet sich oft, wie weit, wie schnell und wie lange du wirklich laufen kannst.
Interessante Fakten zum Thema Yoga und Laufen
- Auch 6 Wochen reichen: Eine Studie zeigte, dass bereits nach sechs Wochen Yoga die Beweglichkeit und Balance spürbar verbessert waren.
- Yoga stärkt Gelenke und Faszien: Besonders passive Yoga-Stile wie Yin Yoga dehnen das Bindegewebe tief und können dadurch Faszienverspannungen lösen: für Läufer:innen eine subtile Form von Faszienarbeit.
- Verbesserte Atmung wirkt wie Tempomat: Yoga-Atemtechniken helfen, den Atem beim Laufen ruhiger und effizienter zu regulieren, was besonders bei längeren Läufen die Ausdauer unterstützt.
- Mehr Stabilität durch kleine Muskeln: Yoga aktiviert oft kleine, stabilisierende Muskeln in Füßen, Knöcheln und Rumpf: diese Muskeln sind beim Laufen wichtig, aber oft vernachlässigt.
- Mentale Ruhe im Flow: Wer Yoga regelmäßig praktiziert, berichtet oft von mentaler Gelassenheit selbst während intensiver Läufe: ein Bonus beim Training und in stressigen Alltagssituationen.
- Yoga kann Cardio ergänzen: Manche Studien deuten darauf hin, dass Yoga helfen kann, die Herz-Kreislauf-Regulation zu verbessern – nicht als Ersatz, aber als sinnvolle Ergänzung zu Ausdauertraining.
- Verletzungsrisiko senken durch Balance und Beweglichkeit: Laufverletzungen entstehen häufig durch Überlastung und wiederholte Bewegungsmuster; Yoga kann helfen, muskuläre Dysbalancen aufzudecken und auszugleichen.

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