Yoga-Humor
Lass einfach los
Ein Ungläubiger klettert in den Berg und stürzt von einem Felsvorsprung in die Tiefe. Im Fallen packt er den Zweig eines dürren Bäumchens.
Der Atheist schaut herunter: 300 Meter geht es unter seinen baumelnden Füßen in Abgrund hinab.
Schon schwinden seine Kräfte.
Da kommt ihm eine Idee. Er hebt seinen Kopf gen Himmel.
"Gott", ruft er.
Niemand antwortet.
"Gott", ruft er noch einmal, diesmal schreit er, so laut er kann. "Wenn es dich gibt, dann rette mich. Ich verspreche auch, dass ich dafür immer an dich glauben und meinen Glauben verbreiten werde."
Immer noch hört er keinen Mucks aus dem Himmel. Doch dann lässt er vor Schreck fast den Zweig los, als eine Stimme durch das Tal dröhnt:
"Das sagt ihr alle, wenn ihr in der Not seid. Nachher vergesst ihr mich wieder."
"Aber Gott, bei mir ist es anders." Der Tonfall des Noch-Atheisten klang hoffnungsvoller. "Ich glaube doch schon, spürst du es nicht? Ja, ich bin wohl der gläubigste Mensch auf der Welt. Gepriesen sei dein Name, Gott!"
"Nun gut", dröhnte die Stimme, "dann will ich dir helfen. Lass einfach den Zweig los."
"Was? Den Zweig loslassen – hältst du mich für verrückt?"
Loslassen als zentrales yogisches Prinzip
Im Yoga bedeutet Loslassen nicht Aufgabe im Sinne von Resignation, sondern Befreiung von Anhaftungen und Vorstellungen, die uns die Sicht auf das Wesentliche verstellen. In den Yoga Sutras von Patañjali heißt es, dass neben beständiger Übung (abhyāsa) vor allem Vairāgya – also Nicht-Anhaften – der Weg zu geistiger Freiheit ist. Ohne diese innere Freigabe kann der Geist nicht zur Ruhe kommen.
- Anhaftung versus Frieden:
Der Atheist in der Geschichte klammert sich an den Ast – ein kraftvolles Bild für Raga, den Anhang an angenehme Zustände und Vorstellungen, der in der klassischen Yogaphilosophie als eines der Hindernisse auf dem Weg zum inneren Frieden beschrieben wird. - Vertrauen (Shraddhā, Pranidhāna):
Der Ruf nach Hilfe – und die Idee, dass jemand außerhalb von uns helfen könnte – lässt sich als Symbol dafür lesen, wie der Geist zu oft außerhalb der eigenen Erfahrung Halt sucht. Im Yoga spricht man von Ishvara Pranidhāna, der Hingabe an das Leben oder an eine höhere Ordnung, nicht als passives Warten, sondern als bewusste Ausrichtung des Geistes. - Kontrolle versus Hingabe:
Die Pointe – der Rat loszulassen – ist eine Einladung, den inneren Drang nach Kontrolle zu überdenken. Yoga lehrt nicht schlechte Selbstfürsorge, sondern die Unterscheidung zwischen dem, was du beeinflussen kannst, und dem, was du akzeptieren musst. Das ist kein Widerspruch zur Lebenskraft, sondern ihre beste Nutzung.
Diese Parallelen lassen viel Raum zur eigenen Interpretation ohne belehrend zu wirken: Der Witz bewirkt vielleicht, dass wir innehalten und fragen „Wo klammere ich mich fest, obwohl ich weiß, dass es mir nicht hilft?“.
Was bedeutet Loslassen für dich persönlich in deiner Yoga-Praxis oder im Alltag?
Das Yogasutra zum Thema "Loslassen"
In Sanskrit steht Vairagya für das Thema des Loslassens:
Yoga Sutra I-12: Übung (Abhyasa) und Nichtanhaften (Vairagya) führen zur Beruhigung der Bewegungen des Geistes (Nirodha)
Yoga Sutra I-15: Verhaftungslosigkeit ist erreicht, wenn das Verlangen nach sichtbaren und unsichtbaren Dingen erloschen ist
Yoga Sutra I-16: Das Nichtbegehren nach den Elementen der Erscheinungswelt führt zur Wahrnehmung des wahren Selbstes, des Purushas – die höchste Form der Verhaftungslosigkeit
Yoga Sutra III-51: Wenn ein Yogi auch an diese (Allmacht, Allwissenheit …) nicht anhaftet wird der letzte Samen des Bösen zerstört und vollständige Befreiung (Kaivalya) erlangt

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Der Busfahrer und der Pfarrer
Ein Busfahrer und ein Pfarrer starben zeitgleich. Sie erreichten gemeinsam das Yamas Dharma-Gericht – das Gericht vom Herrn über das Totenreich.
Zuerst kam der Busfahrer an die Reihe. Er wurde über all seine Taten zu Lebzeiten befragt. Seine Angaben wurden überprüft. Mit Erfolg. Er erhielt einen goldenen Schlüssel und ein Bediensteter des Totenreiches geleitete ihn in ein Areal des Luxus.
Der Pfarrer freute sich sehr, als er das sah. Er dachte bei sich: Wenn schon ein Busfahrer in solch ein Paradies gelangt, welch Lohn wird dann erst mir zustehen!" Schließlich hatte er Zeit seines Lebens Gottes Wort verkündet.
Die Reihe kam an ihn...
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