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omTatparaṁ puruṣa khyāte rguṇa vaitṛṣṇyam
तत्परं पुरुषख्यातेर्गुणवैतृष्ण्यम्

 

In dieser Sutra geht es um die Frucht fortgeschrittener yogischer Praxis. Patanjali formuliert, dass wir durch den irgendwann voll integrierten Verzicht in der Lage sein werden, unser wahres Selbst (Purusha) von dem zu unterscheiden, was nicht unser wahres Selbst ist. Dadurch sinkt das Begehren weiter. So kann uns die Freude des Purushas immer häufiger erreichen.

Doch wie werde ich zum unbeteiligten Betrachter meines eigenen Lebens?

Siehe als Einführung zunächst die Erläuterungen zu Sutra I-12.

Yoga Sutra I-12: Die bewusste Kontrolle der Bewegungen im Geist wird durch Übung und Verhaftungslosigkeit erlangt

Nicht-Anhaftung wird zur Gewohnheit

Govindan betont in seiner Besprechung von Sutra I-16, dass irgendwann die Wunschlosigkeit keine Anstrengung mehr erfordert. Der Zustand der Selbstverwirklichung wird dann immer dauerhafter. Er zitiert Svami Hariharananda Aranya:

"Das innere Wissen des Menschen führt direkt oder indirekt zur Beseitigung des Leidens. ... Danach gibt es nichts Höheres mehr zu wissen."

Und in der Katha Upanishad heißt es:

"Die Weisen, die die ewige Glückseligkeit kennen, suchen nicht nach dem Unwandelbaren in vergänglichen Dingen."

Mehr dazu zur Katha Upanishad auf Yoga-Vidya.

Sukadev verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass drei Viertel aller Raucher, die eine gewisse Zeit Yoga betreiben, zu Nichtrauchern werden. Ungefähr die Hälfte mutieren zu Vegetariern. "Der Wunsch, Fleisch zu essen, hört mehr oder weniger von selbst auf. Es geschieht einfach."

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Der Beobachter

Deshpande fasst zusammen: Wenn der Mensch sich von allen Begehren befreit hat, wird er zum reinen Betrachter von Allem. Sowohl der äußeren Phänomene als auch der Energien, welche die Welt am Laufen halten (Gunas). Diese reine Schauen - die Schau des Purusha (Purusa-Khyati) sei zwar auch eine Form der Energie, die sich aber grundlegend von den anderen unterscheidet. Khyati, das sehende Bewusstsein, wird unterschieden vom zerstreuten, in das physische verstrickte Bewusstsein.

Die Welt: komplex und chaotisch

Deshpande meint, dass Mensch und Welt ein (zu) verwirrendes Komplex seien. Aufgabe des Menschen sei es, zunächst das Geheimnis des Verhältnisses von Beobachter und Beobachtetem zu ergründen. Dieses Vorgehen verhindere zusätzlich, dass der Mensch sich als reines Objekt in der Welt sieht und sich als Manipulator einer äußeren Welt erlebt, so wie es beim rein intellektuellen Vorgehen der Wissenschaft der Fall sei.

Irgendwann erkennt der Yogi (er weiss! dann), dass Welt und Mensch in einem ständigen Wechselspiel verwoben sind. Alles ist miteinander verbunden. Diese Erkenntnis ist nur möglich, wenn der Mensch ohne die "geistigen Verstrickungen" sich und das Äußere betrachtet.

Ziel von Abhyasa und Vairagya sei es damit (auch), diese klare Sicht zu erreichen.

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