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Samadhi ist das letzte Glied im achtfachen Yogapfad und soll mit fantastischen Erlebnissen einhergehen. Doch was passiert beim Samadhi genau, wie kann ich mir diesen Zustand vorstellen? In den Yogasutras und anderen Schriften wird Samadhi zur Verdeutlichung recht dezidiert in mehrere Stufen unterteilt. Dieser Artikel beschreibt bekannte Unterteilungen und nennt mögliche Meditationsobjekte für die jeweiligen Samadhi-Stufen. Eine Auswahl an Videos zum Thema Samadhi will das Verständnis vertiefen.

 

Wortherkunft und Kurzüberblick

Sanskrit-Wortwurzel: Sama = Ruhe (gemeint ist die Ruhe des Geistes); Überbewusstsein, Zusammensetzung, Verbindung, Vereinigung, das Bringen in Harmonie, Aufmerksamkeit auf das Höchste.

Die geläufigste Einführung in Samadhi lautet: Samadhi meint, dass du dich mit einem Mediationsobjekt vereinst und am Ende mit "dem Höchsten" verschmilzt. Eliade (Seite 89) bezeichnet ihn als einen Zustand, der für den Yoga spezifisch sei. Samadhi ermögliche (laut Eliade auf derselben Seite) die Selbstoffenbarung des Purusha - ich erkenne mein wahres Selbst. Diese Selbstoffenbarung führt zur Befreiung, zur Vereinigung (Union), dem Ziel des Yoga. "Freiheit von Leid erzeugenden Taten und Zielen, von den Gunas und von der Zeit".

 

* Hier endet die spirituelle Reise * (Iyengar)

 

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Samadhi in der Hatha-Yoga-Pradipika

Vor allem Kapitel 4 widmet sich dem Samadhi. Auszüge:

Viele Worte, ein Ziel

Erst einmal macht er aber in 4-3 und 4-4 darauf aufmerksam, dass im Yoga viele Begriffe für die Selbstverwirklichung bzw. Befreiung eigentlich dasselbe aussagen. Er nennt:

  • Raja Yoga
  • Samadhi
  • Hoher Intellekt
  • Intellekt ohne Intellekt
  • Unsterblichkeit
  • Ruhe bzw. Auflösung
  • Absolute Leere
  • Das-Sein
  • Allerhöchster Zustand (Weg)
  • Stiller Geist
  • Nicht-Dualität (Nicht-Zweiheit)
  • Niralamba (ohne Basis)
  • Jetzt-Bewusstsein
  • Lebendig befreite Seele (Jivamukti)
  • Der reine Zustand
  • Der natürliche Zustand
  • Der vierte Zustand (Turya)

Diese Aufzählung hilft zu erkennen, dass viele unterschiedliche spirituelle Lehren und Strömungen auf denselben/dieselbe Zustand/Erfahrung/Erkenntnis hinaus wollen.

Dann folgt eine interessante Veranschaulichung des Erleuchtungs-Zustandes:

4-5: So wie in Salz aufgelöstes Wasser eine Einheit von Salz und Wasser ergibt, so ist die Einheit von Geist und Seele (Atman, unveränderliches Selbst) im Samadhi.

Dann hört es sich so an, als wäre Samadhi nur in einem Zustand ohne Atmen erfahrbar:

4-6: Wenn das Prana völlig verschwindet und das Geistige sich auflöst, dann folgt die Einheit, die Samadhi genant wird.

Alternative Deutung: Übe viel Pranayama und dein Geist kommt zur Ruhe.

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Svatmarama schildert in den folgenden Versen weitere Merkmale von Samadhi:

4-7: .... wenn sich alle geistigen Ideen/Konstruktionen auflösen

4-9 ... die völlige Entsagung der Sinnesobjekte ...

4-11: ... das Erwachen und Aufsteigen der Shakti (Kundalini) und das komplette Aufgeben des Handelns ... erreicht der Yogi seinen natürlichen Zustand (also ist Samadhi etwas Natürliches!) von selbst (also auch ohne etwas zu forcieren)

Dann folgen Verse, welche die Wichtigkeit der Guru-Belehrung für das Erlangen von Samadhi betonen (siehe Anmerkung oben).

4-9: „Schwierig sei es ... ohne einen wahren Lehrer ...“.

Hier ist Swatmarama ganz in der Nath-Tradition.

 

Die Ernte

Weiter geht es in der Pradipika mit einigen Beschreibungen der Früchte des Samadhi-Zustandes:

4-105: ... durch das jederzeitige Ausrichten des Geistes auf Nada verschwinden alle Übel und die Anhäufungen (Sünden?) lösen sich auf ...

4-107: ... ein solcher Yogi ist aller Sorgen ledig, befreit ...

4-108: ... wird nicht mehr vom Tod geplagt und nicht mehr dem Gesetz des Karma unterworfen ...

4-109: ... nimmt seinen Körper nicht mehr wahr, noch einen anderen ...

4-110: ... sein Geist schläft nicht, auch wacht er nicht, er ist frei von erinnern und vergessen ... er ist befreit ...

4-111: ... fühlt weder heiß noch kalt, weder Leid noch Freude, weder Anerkennung noch Verachtung, wenn er vollständig in der Versenkung konzentriert ist.

4-113: Ein Yogi im Samadhi ist nicht zu töten, kann durch keine Waffe bezwungen werden, von keinem verkörperten Wesen mehr gegriffen werden, nicht durch Zaubersprüche oder magische Diagramme.

 

Samadhi Einteilungen

Der Samadhi wird in zwei Hauptstufen unterteilt:

  1. Sabija Samadhi, Savikalpa Samadhi, Bija Samadhi, Sabija Samadhi oder Samprajnata-Samadhi:
    (Sam-Prajnata = mit Bewusstheit von etwas) bewusstes Bemühen mittels eines Objektes, eines Gedankens, einer Idee oder indem man das Denken auf einen Punkt im Raum richtet - eines Keimes. Hier ist der Yogi noch nicht befreit, dieser Samadhi-Zustand bringt immer noch Samen hervor. Der noch dualistische Samadhi.
  2. Asamprajnata Sadamdhi, Nirbija Samadhi Nirvikalpa Samadhi oder Nirbija Samadhi:
    (Asam-Prajnata = ohne Bewusstheit von etwas) Samadhi ohne ein Hilfsmittel. Außerhalb jeder äußeren oder inneren Beziehung (Eliade S. 90). Der nicht dualistische Samadhi. Reines Begreifen des Seins.

 

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Erweiterte Einführung in den Samadhi

Patanjali erläutert Samadhi in verschiedenen Sutras quer durch das gesamte Yogasutra. Man kann mit diesen Sutras Samadhi wie hier in diesem Artikel untergliedern und erläutern, es gibt in der Yoga-Philosophie aber weitere/andere Unterteilungen.

(In Klammern findet sich im folgenden Text die jeweilige Sutra, in welcher die Aussage zu finden ist) Die Basis für Samadhi bildet ein ruhiges Bewusstsein, Citta Vritti Nirodha (I-2) - herausgebildet durch Übung und Verhaftungslosigkeit bzw. Entsagung (I-12). Damit erreicht der Yogi die achte Stufe des achtfachen Pfades (Yama, Nyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) hin zu:) Samadhi.

R. Sriram schreibt (Seite 23): "Das Ziel des Yoga, dass das Citta still und innehaltend die Wahrnehmung durchlässt, kann nur durch die lange konzentrierte Beschäftigung mit einem gleichbleibenden Thema erreicht werden." Für "Thema" könnte man auch "Meditationsobjekt" oder nur "Objekt" oder auch "Meditationskeim" schreiben. Auf diesem Weg erhalten wir immer tiefergehende Erkenntnisse über das jeweilige Objekt. Die Stufen dieser Erfahrungen werden im folgenden beschrieben.

 

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1. Samprajnata Samadhi - der "kleine" Samadhi

Die erste Stufe des Samadhi ist laut Patanjali Samprajnata Samadhi - noch dualistisch, noch mit Trennung von Meditationsobjekt und Meditierendem.

  • Prajnata = Erkenntnis;
  • Sam = Richtige;
  • Samprajnata = richtige Erkenntnis oder wahre Einsicht;

Weitere Übersetzungen von Samprajnata: deutlich erkennen, wirklich wissen, vollkommenes Wissen; unterscheidende, objekt-orientierte kognitive Versenkung;

Patanjali beschreibt unterschiedliche Unterteilungen des Samprajnata Samadhi. Es folgen hier vier Formen oder Stufen der Verwirklichung von Samprajnata Samadhi, die gemäß vielen Interpreten jeweils eine "Perfektionierung" des Samadhi-Zustandes bedeuten. Sie werden in I-41 als Samapatti (Erlangungen, Zusammenwachsen) bezeichnet. Es beginnt mit:

 

a) Vitarka (I-17): logisch-analytisch, urteilend

Tarka ist logisches Denken, das zu einem systematischen Schluss kommt. Vitarka die Fähigkeit zu logischer Überlegung. Aber Vitarka ist hier ein yogischer Zustand und von daher natürlich anders als das normale logische Denken. Im Vitarka wird alles negiert und nicht beachtet, was nicht für "das Dasein als Ganzes" (Deshpande S. 43) von Bedeutung ist.

Govindan: "Vitarka ist Beobachtung und Analyse der physischen Natur." Diese gehe bis zu deren elementaren Merkmalen.

Vitarka wird unterteilt in:

Savitarka (I-42) - Die 1. Samprajnata-Samadhi-Stufe

Savitarka meint: Mit Überlegung im Rahmen von Raum und Zeit, argumentierend. Hier identifiziert sich das Denken mit dem Objekt der Meditation in seiner "wesentlichen Totalität" (Eliade). Man konzentriere sich in der Meditation auf die groben (substantiellen) Aspekte des Meditationsobjektes. Vergangenheit und Zukunft des Objektes sind im Blick. Beispiel laut Vijnana Bhiksu: Wenn man auf den Gott Vishnu meditiert, sieht man ihn seiner Körperlichkeit in seinen himmlischen Regionen, seine Vergangenheit und das, was er künftig sein wird.

Sukadev schlägt vor, dass wir auch versuchen können, diese Erfahrung in der Natur zu machen. Wir spüren die Luft, wir hören Vogelgesang. Dabei bemühen wir uns, diese sinnlichen Erfahrungen innerlich wahrzunehmen, streben danach, diese "in ihrem Wesen zu erfassen, in sie hineinzugehen". Savitarka gehe soweit, das ganze Universum und darüber hinaus sogar das Unendliche zu erspüren.

und:

Nirvitarka (I-43) - Die 2. Samprajnata-Samadhi-Stufe

Nirvitarka meint: gereinigt von Überlegung, nicht-argumentierend, Identifikation mit dem Meditationsobjekt.

Vyasa erläutert gemäß Eliade diesen Zustand wie folgt: Der Geist - Citta - wird Nirvitarka, wenn die Erinnerung ihre Tätigkeit einstellt. Wenn das Meditationsobjekt keinen Namen und keinen Sinn mehr hat. Anders: Das Denken ist das Objekt, nimmt sich nicht mehr als getrennt wahr. Von anderer Seite ebenfalls schön ausgedrückt: Man sieht das Objekt in seiner "existentiellen Nacktheit".

Sukadev schreibt, dass wir uns mit dem Bewusstsein hinter der Gesamtheit des Universums identifizieren.

Savitarka und Nirvitarka sind laut Eliade "Erkenntniszustände, die durch Meditation über die formale Einheit der Objekte erreicht werden. Diese Stufen gilt es nun zu überschreiten, wenn man in die "Wesen der Dinge" eindringen will. Beide Stufen werden ausgiebig in den Kommentaren zum Yogasutra diskutiert und erläutert.

Mögliche Meditationsobjekte für Vitarka

  • Die berühmte Kerzenflamme
  • Meeresrauschen
  • Den Klang von OM
  • Iyengar: Kontemplation über grobstoffliche Elemente oder sinnlich erfahrbare Gegenstände

 

b) Vicara (I-17): Nachdenken/Vernunft

Hier kommen nun Erläuterungen zu Stufe drei und vier von Asamprajnata Samadhi.

Vicara geht über Vitarka hinaus. Vicara wird von Deshpande als "prüfende Überlegung" übersetzt. Dieser Zustand ist "eine nicht endende Erforschung des eigentlichen Wesens des Lebens und des Seins". Govindan schreibt, dass Vicara die Reflexion über die feinstoffliche Natur sei. Man erfasse die Wahrheit begrifflicher Gegenstände, allerdings "ohne Bezug zur Beobachtung auf der materiellen Ebene".

Vicara wird von Patanjali unterteilt in:

Savicara (I-44) - Die 3. Samprajnata-Samadhi-Stufe

Savicara meint: Betrachtung (mit relativer Veränderung), reflektierend;

Deshpande: Savicara ist eine Versenkung mit forschender Überlegung. Sukadev nennt es das Fühlen des "kosmischen Gemütes" mit all seiner Energie und der Veränderungen darin.

und

Nirvicara (I-44)- Die 4. Samprajnata-Samadhi-Stufe

Nirvicara meint: Nicht-Betrachtung (Identifikation mit dem kosmischen Geist als Einheit), nicht-reflektierend.

Sukadev schreibt: "Nirvichara bedeutet, dass wir jenseits aller Bindungen gehen. Wir spüren das kosmische Gemüt an sich als eine allumfassende Wirklichkeit, die irgendwie eine Einheit bildet."

Mögliche Meditationsobjekte für Vicara

  • Elemente nichtkörperlicher Art:
  • Mantren
  • die Chakren
  • Gott/Götter
  • Iyengar: Kontemplation über feinstoffliche Elemente
  • Mathematik
  • Wahrheit
  • Liebe
  • Weisheit

 

Von der Erkenntnis zum Zustand

Eliade sieht auf Seite 90 das Vertiefen des Samadhi - Zustandes als einen Prozess von aufeinander aufbauenden Erkenntnis-Zuständen und der jeweiligen Kontemplation darüber. Kontemplation/Meditation über eine Erkenntnis führt zu einem neuen yogischen Zustand, ein immer tieferes Eindringen in die Wirklichkeit. Dieser Übergang von "Erkenntnis" zu "Zustand" ist für Eliade DAS Charakteristikum des Samadhi und jeder indischer Meditation. Hierbei findet der ersehnte Niveaubruch, das Voranschreiten, der Übergang vom Sein zum Erkennen.

 

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Warum Bija - Samadhi - mit Samen?

Eliade zitiert Vijnana Bhiksu, welcher in seinen Werken einst erläuterte, dass alle obigen Stufen noch in Relation zu einem Substrat - einer Stütze - stehen und auch noch Tendenzen - Samen (Bija) - hervorbringen. Das Rad der Wiedergeburten ist noch nicht gestoppt, Gedanken und Taten des Yogis haben weiterhin karmische Folgen und es ist obendrein ein Rückfall in der spirituellen Entwicklung möglich.

 

Und der Übergang von Samprajnata zu Asamprajnata?

Vijnana Bhiksu meint in seinem Kommentar zum Yogasutra laut Eliade (S. 90), dass göttliche Gnade ein Überspringen der vorigen vier Stufen (Savitarka, Nirvitarka, Savicara, Nirvicara) ermöglicht. Ansonsten muss der Yogi sein Samprajnata Samadhi von Stufe zu Stufe unter Beibehaltung des Meditationsobjektes vertiefen.

Wenn ein Yogi alle vier obigen Stufen des Samprajnata-Samadhis vollzieht, erlangt er die Fähigkeit zur absoluten Erkenntnis. Hieraus ergeben sich:

 

Weitere Grade der Samadhi-Vervollkommnung

 

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Und wie geht es nach Samprajnata Samadhi weiter?

Was fehlt dem Yogi denn jetzt noch, bei so viel Wonne, Wissen und Fähigkeiten? Deshpande (S. 45) schreibt: ".... obwohl dies [Asmita im Samprajnata Samadhi] eine existentielle Weisheit ist, fehlt ihr eines: die Offenbarung des Mysteriums der Beziehung von Mensch und Welt." Der Yogi erlebe noch die Welt, beschränke sich nicht rein aufs Schauen und kann so noch nicht alle Zusammenhänge erkennen. Es müsse zu einem Bruch mit dem Ich kommen, und dieser werde in Sutra I-18 mit virama-pratyaya geschildert.

 

Nicht stehenbleiben!

Wim van den Dungen übersetzt Samadhi mit "Union=Einheit, Vereinigung" und sieht es ebenfalls als Endresultat der Beschränkung der Fluktuationen im Geist. Samadhi ist das "letzte Mitglied im achtfachen Yoga". Der Samadhi "mit Samen" sei immer mit bliss=tiefer Freude verbunden. Wie auch Iyengar mahnt er ebenfalls sehr deutlich: Attachment to this bliss may become a very strong hindrance. (Anhaftung an diese tiefe Freude kann ein sehr starkes Hindernis werden). Der Yogi darf sich nicht in Samprajnata Samadhi einrichten, sondern muss weitergehen.

 

Was geschieht dann im Asamprajnata Samadhi

Patanjali formuliert die Erfahrung von Asamprajnata Samadhi in Sutra I-18:

Es gibt keinen Gedanken mehr, alle geistigen Aktivitäten enden. Ich und Du gibt es nicht mehr, auch nicht "Ich erfahre". Es bleibt reines Sein, die Selbstverwirklichung.

Beim Durchlaufen des Asamprajnata Samadhi erfährt der Yogi das 25. Prinzip: Purusha. Der Yogi erkennt: Purusha ist anders als die anderen 24 von der Prakriti abhängigen Prinzipien. Laut Eliade (S. 94) wird sich dann das 26. Prinzip, Gott Isvara, dem Yogi offenbaren.

Es kommt zur Überwindung von Avidya - der Unwissenheit - Sutra II-25.

 

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Müssen wir erleuchtet sein, um Asamprajnata Samadhi zu erfahren?

Letztendlich wohl schon. Aber Sukadev meint, dass wir auch vorher schon "andeutungsweise" diese Erfahrung von "Ich bin das Bewusstsein hinter dem physischen Universum, ich bin das Bewusstsein hinter dem kosmischen Gemüt" erahnen können, indem wir unser Bewusstsein immer weiter ausdehnen.

Wenn dann das Mantra in der Meditation verschwindet, deine Identifikation mit der Schwingung der Wiederholung verschwindet, und du nur noch "reines Bewusstsein" bist, dann (soll) es Asamprajnata-Samadhi sein.

Eliade (S. 90) spricht von einem "Raptus" (hier gemeint: Abreißen, Zerreißen, Riss). Es kommt plötzlich. Er schreibt: Auch Asamprajnata Samadhi ist eine Folge der Bemühungen des Yogis ("kein Zustand der Gnade"), Krönung unzähliger Meditationen, doch er kommt schlagartig, ohne "Veranlassung".

 

Das Ende des spirituellen Weges

Die letzten Stufen der Bewusstseinsentwicklung - es kommt zu Nirbija-Samadhi - Vers I-51:

Yoga Sutra I-51: Wenn auch diese Prägungen (Samskaras) zur Ruhe gebracht worden sind, tritt der Yogi in Nirbija (samenlosen) Samadhi ein – die Erleuchtung

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tasyāpi nirodhe sarva-nirodhān-nirbījaḥ samādhiḥ
तस्यापि निरोधे सर्वनिरोधान्निर्बीजः समाधिः

 

Patanjali endet hier mit der Beschreibung der Stufen des Yogapfades. Nirbija Samadhi – Samenlose Versenkung. Erleuchtung! Wie kann man sich das konkret vorstellen? Einige Autoren versuchen sich an der Beschreibung des Nichtbeschreibbaren.

 

Man nennt dies dann auch Dharma Megha Samadhi: Sutra IV-29:

Yoga Sutra IV-29: Wer den höchsten Bewusstseinszustand erlangt hat und weiterhin Unterscheidungskraft übt und alle Wünsche aufgibt, erlangt Dharma-Meghah-Samadhi, erhält einen "Regen von Tugenden"

  
prasaṁkhyāne-'py-akusīdasya sarvathā vivekakhyāteḥ dharma-meghas-samādhiḥ
प्रसङ्ख्यानेऽप्यकुसीदस्य सर्वथा विवेकख्यातेर्धर्ममेघः समाधिः

 

 

 

... bei "der sich jedoch auf eine Überfülle von Tugenden zu beziehen scheint, die sich mit einem Schlag über den Yogi ausgießt. Dann habe der Yogi ein Gefühl von "genug" in Bezug auf Erkenntnis und Bewusstsein. Er/Sie übt totalen Verzicht, und das führt zu Asamprajnata Samadhi.

Es kommt zur Freiheit von Leidverursachenden Taten, Sutra IV-30:

Yoga Sutra IV-30: Dann folgt das Ende aller Leiden und des Karma

  
tataï kleåa-karma-nivëttiï
ततः क्लेशकर्मनिवृत्तिः

 

 

 

Und zur Freiheit von Zielen, Gunas und sogar der Zeit, Sutra IV-34:

Yoga Sutra IV-34: Die komplette Freiheit (Kaivalya) als Ziel des wahren Selbst (Purusha) überwindet die Gunas. Die Seele lebt in ihrer wahren Natur und besitzt die Kraft des absoluten Wissens

  
Purushârtha-shûnyânâm gunânâm pratiprasavah kaivalyam svarûpapratishthâ va chiti–shakter iti
पुरुषार्थशून्यानां गुणानांप्रतिप्रसवः कैवल्यं स्वरूपप्रतिष्ठा वा चितिशक्तिरिति

 

 

 

Maha-Samadhi ist übrigens die bewusste Entscheidung eines im Samadhi verwirklichten Meisters, seinen Körper zu verlassen.

 

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Früchte des Samadhi

Man sagt, man erlange im Samadhi Erkenntnisse intuitiver Natur. Man gelange zu Einsichten, die mit dem logischen Verstand nicht erreichbar seien. Manche nennen die Erkenntnisse göttlich, andere übersinnlich.

Vijnana Bhiksu soll in Yoga-Sara-Samgraha auf Seite 4 (laut Eliade S. 89) postulieren, dass schon Samprajnata Samadhi als Mittel zur Befreiung gelten kann, da dieser das "Begreifen der Wahrheit" ermöglicht und "Leiden aller Art" ein Ende setzt.

Asamprajnata Samadhi kann noch mehr: Es werden die Samskaras, die unbewussten Eindrücke, aufgelöst und es können sogar eigentlich notwendigerweise auftretende karmische Folgen verhindert / aufgelöst werden. Theoretisch könntest du also bei Karstadt eine Hose klauen und die karmischen Folgen durch eine Runde Asamprajnata Samadhi verhindern. ;-)

 

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Der Weg zum Samadhi

Samadhi ist die letzte Stufe im achtfachen Yogapfad. Viele Meditationsstunden sind notwendig, der Geist muss zur Ruhe kommen. Man kann Samadhi nur durch eigene Kraft oder göttlichen "Schubs" erlangen. Tiefe Meditation ist  das Mittel der Wahl.

Sivananda schreibt in "Göttliche Erkenntnis": "Samadhi ist keine Erfahrung, die durch ein wenig Übung erreicht werden kann. Niemand kann Samadhi erreichen, wenn er nicht eine sehr, sehr reine Seele ist. Um Samadhi zu erreichen, muss striktes Brahmacharya eingehalten werden, Mäßigung in der Nahrung, und man muss ein reines Herz haben. Der Geist muss völlig gereinigt sein."

Immer wieder wird von der Notwendigkeit eines starken Sehnens nach Befreiung als Voraussetzung gesprochen. Lange und intensiv zu praktizieren. Den Lebensstil komplett auf eine spirituelle Ebene zu heben (Körper, Nahrung, Gedanken, Umfeld, Tätigkeiten).

Hilfreich soll es sein, auch im Alltag das Ego zu überwinden: Selbstloser Dienst, Anhaftung auflösen, nicht mehr nach den Früchten einer Tat schielen, gleichmütig gegenüber Kritik und Lob zu werden, oder gar sich einem göttlichen/überdimensionalen Willen anvertrauen.

 

Der alles verändernde Schlag

Zum Schluss noch einmal Sivananda in "Göttliche Erkenntnis":

Ein plötzlicher Schlag mystischer Erleuchtung macht der gesamten empirischen Erfahrung mit einem Schlag ein Ende, und der Gedanke der Erinnerung an so etwas wie diese Welt oder die enge Individualität des Geistes in dieser Welt verlässt den Menschen absolut.

 

Videos über Samadhi

 

Sutras, die Samadhi behandeln

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