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herbst himmel klar r 250

 

nirvicâra-vaishâradye dhy-âtma-prasâdah
निर्विचारवैशारद्येऽध्यात्मप्रसादः

 

Hier beginnt die letzte Etappe auf der Reise des Yoga. Wenn der Yogi durchhält und treu den Zustand des Nirvichara weiter übt, nähert er sich nach und nach der Erleuchtung. Wie ist das genau zu verstehen?

 
 

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Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Nirvicara, Nirvichâra = Samadhi ohne Fragestellung; der subtilste der vorangegangenen vier Zustände von Samapatti;
  • Vaisaradye, vaishâradye = Klarheit; Reinheit; durch Verfeinerung, durch Erlangen höchster Reinheit; durch Routine; geübt; in der Tüchtigkeit; tüchtig; routiniert, erfahren;
  • adhy = davor stehen;
  • Atma, ātma = das Absolute;
  • Adhyatma; adhyâtma = geistig; innen; höchstes Selbst; innerstes Selbst; der höchste Geist;
  • Prasada, prasâdah, prasadanam = Helligkeit, Klarheit; geht hervor; das Lichte, das Licht; ungestörte Ruhe; Beruhigung, Befriedung; Klärung; geht als Wirkung hervor;

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Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hinweis zu den folgenden Sutra-Übersetzungen: Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • sanskrit-sanscrito.com.ar: " Wenn man ... Geschicklichkeit oder Können ... erlangt, Klarheit oder Reinheit ... in den inneren Instrumenten des Wissens ... entwickelt"
  • R. Steiner: "... dann steht die Erfahrung des Absoluten in Klarheit direkt vor einem."
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  • Swami Satchidananda: "In der Reinheit von Nirvichara Samadhi scheint das höchste Selbst."
  • R. Sriram: "Wenn die Fähigkeit zu Nirvicara-Samapatti ... wächst ..."
  • Hariharananda Aranya: "Wenn man Kenntnisse in Nirvichara erlangt, wird Reinheit in den inneren Instrumenten der Erkenntnis entwickelt."
  • Iyengar: "... Meisterschaft in Nirvicara ... vollkommene Gemütsruhe."
  • Sukadev "... kommt innere Erleuchtung."
  • R. Steiner: "Wenn Nirvichara-Samapatti ... regelmäßig erfahren wird ..."
  • Wim van den Dungen: "Wenn in ultra-subtiler Vereinigung eine herbstliche Helligkeit herrscht ..."
  • Vyasa Houston: "Die Klarheit des höheren Selbst ...
  • R. Skuban: "... beginnt das innere Licht zu leuchten."
  • Swami Prabhavananda: ... Nirvichara Samadhi erreicht, wird der Geist rein.
  • Coster: "Auf der höchsten Stufe des bewussten Samadhi ..."
  • Govindan: "Im reinen Zustand von Nirvicara Samadhi ..." komme das "... Höchste Selbst in ungestörte Ruhe."
  • R. Palm: "... [kommt es] zum ruhigen Glänzen des innersten Selbst."
  • Feuerstein: "Herrscht ... Herbstklarheit" so käme es zur "... Wesensverklärung".
  • Deshpande/Bäumer: "... führt zur inneren Abgeklärtheit."
  • Chip Hartranft: "... wird die Natur des Selbst deutlich."
  • 12koerbe.de: "... ist das höchste Selbst ganz rein."
  • Barbara Miller "... bringt innere Ruhe."
  • Swami Vivekananda: "... die Citta wird fest fixiert."

herbst himmel vogelschwarm h 640Der Schwarm der Gedanken im Geist lichtet sich

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Wo wir stehen

Wir nähern uns dem Ende des ersten Kapitel des Yoga Sutra von Patanjali. Das Kapitel heißt "Samadhi Pada", übersetzt: "Von der Erleuchtung". Begonnen hat die Reise mit Sutra I-2:

"Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen im Geist"

Damit ist Pfad und Ziel des Yoga definiert. Patanjali beschreibt im ersten Kapitel bereits viele Wege bzw. Unterstützungen und Hindernisse an, die uns zu diesem Ziel führen bzw. – vice versa – uns das Erreichen des Zieles erschweren.

Sutra I-41 bis I-46 beschreiben den Zustand des Samdhi mit Keim/Samen. Dieser Zustand ist der Erleuchtung schon sehr nahe, beinhaltet aber immer noch geringe Bewegungen im Geist, da die Meditation weiterhin eines Objektes bedarf.

Die letzten fünf Sutra – I-47 bis I-51 beschreiben nun den letzten Pfad zur Befreiung:

Erlangung und Kultivierung des keimlosen, objektfreien Samadhi.

Hin zur Erleuchtung.

kreise bunte fenster zentrum 564

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Nirvichara dauerhaft machen

R. Skuban schreibt auf Seite 76:

"Nirvicara ist der Horizont, hinter dem erstmals die Sonne unseres wirklichen Selbst aufscheint."

Damit beschreibt er anschaulich, wie Nirvichara zur Erleuchtung – der Erkenntnis des wahren Selbst (oder wie immer du den Zustand nennst) – steht.

Wie habe ich mir das "Verfeinern", das "Meistern" von Nirvichara genau vorzustellen? Govindan konkretisiert: "Ungestört durch jegliche Regung – selbst der subtilsten Art – verharrt der Yogin in einem Zustand erhöhter Bewusstheit ...". Es bliebe nur das Gefühl "Ich bin". Aus einer kurzfristig aufflackernden Erfahrung wird eine dauerhafte.

"Man bleibt in der Welt, aber ist nicht mehr von dieser Welt."

Govindan

Das bedeute aber nicht, dass der Yogi nun gar keine Geistesregungen mehr haben dürfe. Deshpande erläutert: "Es besagt, dass ein Geist, der von jeder Denkbewegung frei ist, aus sich selbst eine Erfahrung gewinnt, eine neue Fähigkeit, in diesem regungslosen Zustand ohne jede Anstrengung zu verharren."

Aus einem solchen Geist würden Segnungen entstehen, der Mensch erhält Eigenschaften, die einem Weisen zugeschrieben werden: Er möchte nichts für sich selbst, wird gütig, ist allem gegenüber offen und erfüllt von Ruhe und Anmut.

yogi herbst klarheit u 564Die Kommentatoren nutzen als Metapher gerne die "Herbsthelligkeit"

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Prasadah – das Lichte

Wenn nun der Zustand des Nirvichara etabliert ist, kommt es zu Dhyatma-Prasadah. Die Übersetzungen zu dieser Begriffskombination variieren von innerem Licht über vollkommene Gemütsruhe bis zu Erleuchtung. Iyengar schreibt, dass im geübten Nirvichara-Zustand "das Lichte" ungestört im Yogi fließe und "das spirituelle Selbst" entzündet werde.

R. Palm verweist darauf, dass dieser Fortschritt natürlich des Willens (zur Übungsdisziplin) bedürfe, dass die "Kippmomente", der Zeitpunkt der Meisterung einer Ebene, eher "Momenten der Gnade" ähneln.

Es sei so, als ob man etwas lange übe und "plötzlich kann".

R. Palm macht im Zusammenhang mit dieser Sutra auf Shakespeare aufmerksam: "Reif sein ist alles". Der Yogi verweilt diszipliniert in Nirvichara, wird reif und ... erhält die Gnade des "Aufleuchtens des inneren Selbstes."

Wim van den Dungen schreibt, der Yogi erfahre "... eine durchsichtige und strahlende Innerlichkeit, die durch eine Über-Wachheit gekennzeichnet ist, in der der Yogi der absoluten Natur aller Phänomene gegenübersteht."

Feuerstein übersetzt mit "Herbstklarheit" in Anspielung auf das nahe Ziel "Erleuchtung". Der Herbsthimmel in Nordindien – ich habe ihn bisher noch nicht sehen dürfen – soll von besonderer Klarheit sein.

Dennoch ...

Der Yogi ist mit Nirvichara noch nicht am Ziel. Er muss diesen Zustand immer wieder verlassen. Jedoch transformiert dieser Zustand den Yogi und bereitet ihn auf den letzten Schritt zur Erleuchtung vor.

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Siehe auch

Yoga Sutra I-3: Dann ruht der Wahrnehmende in seiner wahren Natur


Tadâ drashtuh swarûpe ‘vasthânam 
तदा द्रष्टुः स्वरूपेऽवस्थानम्

 

Hier wird das erste große Versprechen des Yoga verkündet. Die Tragweite dieser Zusicherung wird in den Kommentaren zur Sutra erläutert:

Punkt 7

Übung zu Yoga Sutra I-47

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra 1-47:

In Sutra I-47 geht es darum, Nirvichara, diese stille klare Erkenntnis des Subtilen, dauerhaft zu machen. R. Skuban schreibt, der Yogi betrachte dann wie von einem Hügel die Leiden der Menschen in der Ebene unter ihm. Gemeint ist eine gleichmütige (nicht gleichgültige!) Betrachtung allen Geschehens – ohne geistig aus der Ruhe zu kommen.

Diesen Zustand kannst du auch ohne Samadhi-Erfahrung üben. Bemühe dich diese Woche, alles um dich herum unter Beibehaltung deiner inneren Ruhe zu betrachten. Sei aktiv, aber innerlich ruhig.

 

Punkt 8

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