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om 250Tadâ drashtuh swarûpe ‘vasthânam 
तदा द्रष्टुः स्वरूपेऽवस्थानम्

 

Hier wird das erste große Versprechen des Yoga verkündet. Die Tragweite dieser Zusicherung wird in den Kommentaren zur Sutra erläutert:

Deutung: Geist in Stille

Was geschieht nun, wenn das Nirodhah aus Sutra I-2 den Geist zur Ruhe gebracht hat? "Der Seher" ruht in seiner "wahren Natur". Was ist damit gemeint?

Die wahre Natur

Yogisch erläutert: Wenn wir in diesem reinen, nicht durch Vrittis - die sind dann nicht vorhanden - beschmutzen Bewusstsein verweilen, ruhen - ein Ausdruck von Frieden und Zufriedenheit, die unsere Vorstellungskraft übersteigen soll - wir in unserem wahren Wesen. Dieser Zustand wird als Sat-Chid-Ananda, Sein-Wissen-Glückseligkeit, zusammengefasst.

Ruhe

 
 

Wie wir gesehen haben: Mit Vrittis betrachtet der Mensch die Welt immer durch seine Erfahrungen gefärbt (die zu unseren Urteilen führen, dem Wählen). Er verzerrt den reinen Akt des Sehens, des Wahrnehmens. Der Geist, so kann man sagen, spielt uns Streich um Streich.

Das Citta ist in ständiger Veränderung, das wahre Selbst, das Drashtu, das sehende Prinzip, aber in völliger Ruhe. Auch unsere Sicht auf unser wahres Selbst wird durch ein aktives Citta verzerrt.

Du Mensch ...

Was hier implizit auch gesagt wird: Du, Mensch, bist nicht Körper und nicht Geist. Dies sind nur Instrumente, damit dein wahres Selbst wahrnimmt. Die Welt hier ist geschaffen, dass du wahrnimmst. Dein wahres Selbst, deine Seele, ist aber von allem unberührt, was draußen vor sich geht. Gleichzeitig ist alles eins ;-)

Swarupa

Im Swarupa, seiner wahren Natur, erfährt/sieht der Mensch ohne Verzerrungen. Die Aufwühlungen des Geistes in Form von Gedanken, Wünschen, Emotionen etc. haben sich beim Meistger-Yogaschüler gelegt, beruhigt und überlagern nicht länger das Erscheinungsbild des Purushas, des wahren Selbstes, der Seele. Der Geistsee hat zu einer klaren Oberfläche gefunden und das wahre Selbst kann hervorscheinen. Wir erkennen es und werden seiner wahren Größe gewahr.

Gewahr werden - wie erleben wir das konkret? Man sieht den Purusha - unsere Seele - also nicht? Sondern fühlt ihn irgendwie? Denn sehen kann ja nicht sein, da dies wie auch das Hören ein vom Gehirn erzeugtes Wahrnehmen ist und diese Wahrnehmungsformen nach dem Tode in dieser Form nicht mehr vorhanden sind. Wie könnte das Erkennen des Purusha dennoch erfahren werden?

Den Worten Patanjalis zufolge kann Swarupa als Ruhen, sich Niederlassen, in der eigenen wahren Natur beschrieben werden.

Auswirkungen

Deshpande/Bäumer erweitern das "Ruhen" um die Zusage, dass sich dann "vollkommene Freiheit und Kreativität" entfalten.

Andere gehen noch weiter und sagen, der Seher sieht sich als nicht mehr getrennt vom Wahrgenommenen - die Einsicht in die Einheit allen Seins ist erreicht. Man ist nicht der eigenen Körper, die eigenen Gefühle, Gedanken, Meinungen, Handlungen, nichts, was wir erfahren. Wir erfahren.

Übung zu Yoga Sutra I-3

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche: Stelle dir vor, wie dieser Zustand sein könnte, wenn alles in dir zur Ruhe gekommen ist und da etwas durchscheint.

Sat Chit Ananada: Sein, Wissen und Glückseligkeit. Wenn du magst, schildere deine Gedanken hier als Kommentar oder im Forum.

Videos zur zweiten Sutra:

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