Themenbereich
Patanjali Yogasutra Kapitel 3: Vibhūti Pāda - Über die hohen Kräfte (Siddhis)
In diesem Kapitel geht es um die außergewöhnlichen Kräfte, auch Siddhis genannt. Es kann sein, dass diese dem Yogi aus intensiver Praxis erwachsen. Jedoch sollte man sich ihrer nicht (zu eigenem Vorteil) bedienen und nicht geistig von ihnen abhängig werden.
Vibhuti sind kosmische Kräfte. Von Swami Vishnu wird Vib-huti als „göttliche Manifestationen der Kraft“ übersetzt. Gemeint sind die übernatürlichen Fähigkeiten.
Das Kapitel beschäftigt sich viel mit Konzentrationstechniken für den Geist, deren Ziel im Erreichen von Sarvikalpa Samadhi besteht. Bei manchen Übersetzung hat es nur 55 Sutras, dann wird Sutra III-23 weggelassen.
Laut Oberhammer beschreibt Patanjali im Yogasutra vier Arten der Meditation
- Eine Reduktion des Bewusstseinsinhalts, welche zu einer uneingeschränkten Selbsterkenntnis der wahren Natur des Subjektes (puruṣa) führt.
- Der zweite Art ähnelt der ersten, jedoch auf theistische Weise: Das individuelle Selbst wird mit einem höchsten (oder persönlichen Gott identifiziert (îúvara, iṣṭadevatâ).
- Bei der dritten Art der Meditation, samâpatti genannt, verdrängt das erinnerte Objekt der Meditation das sichtbare Objekt vollständig und wird tief verfeinert.
- Die vierte Art der Meditation schließlich wird hier im dritten Kapitel erläutert. Diese hat bestimmte Kräfte, Siddhis, zum Ziel.
Eliade erläutert auf Seite 94: "Der Yogin sucht danach, sich verborgene Zustände des Bewusstseins zu erobern. Durch Konzentration, Meditation und Samadhi auf ein jeweiliges Objekt oder eine Klasse von Objekten – also Samyama – erwirbt der Yogi die Siddhis im Hinblick auf dieses Objekt." Also was alles passieren kann, wenn der Geist sich wirklich tief und dauerhaft konzentrieren kann. Die Samyama-Techniksoll bis zu Sarvikalpa Samadhi führen können.
Sukadev sieht das dritte Kapitel als oft stiefmütterlich behandelt, obwohl darin "wertvolle, spezielle Techniken zur Kontrolle des Geistes und zur Anwendung geistiger Fähigkeiten [enthalten sind], die auch weniger Fortgeschrittene im Sinne der Konzentration auf etwas praktizieren können." Er schreibt weiter: "Trotzdem ist das dritte Kapitel eigentlich bisher nahezu unerforscht und es gibt hier noch vieles an sehr schönen und wirkungsvollen Techniken zu entdecken." Fangen wir gleich damit an: