meditation sonne berg 250Bhuvana-jnânam sûrye samyamât
भुवज्ञानं सूर्येसंयमात्

Patanjali schlägt weitere Samyama-Praktiken vor. In dieser und den folgenden Sutras geht es um eine kosmische Ausrichtung der Meditation. Durch Samyama auf Sonne, Mond und Polarstern erhält man die Kräfte, die mit diesen galaktischen Objekten in Verbindung gebracht werden. In dieser Sutra geht es um die Meditation auf die Sonne. Eventuell spielt Patanjali hier auch auf die “innere Sonne” an.

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Hier sind zunächst die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Wörter, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis anpassen kannst:

  • Samyama, samyamah, saṁyamā = Ausdruck für die Triade Dharana, Dhyana und Samadhi; Selbstbeherrschung; Abfolge von Dharana, Dhyana und Samadhi;
  • Samyamat, samyamât = durch Ausführung von Samyama über;
  • Bhuvana = Welt; Sonnensystem; physische Welten; feinstoffliche Welten; Wesen; Existenzort; Weltall; Welten; Kosmos; die geschaffene Welt; das Universum; Himmel; Himmelskörper;
  • Jnana, jñāna, jnânam = Wissen; Verständnis; Erkenntnis;
  • Surye, sûrye = über die Sonne;

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Roots: „(3.26 ab 3.22 bei Roots eine Nummer kleiner als übliche Einteilungen) Durch die Konzentration auf die Sonne ... Wissen über die Welten.“
  • Sukadev: „ ... auf die Sonne ... Wissen um die Welt.“
  • Deshpande/Bäumer: „Wendet man die Sammlung auf die Sonne hin …“
  • Dr. R. Steiner: „... entsteht Wissen ... über die feinstofflichen und physischen Welten.“
  • Coster: „-“
  • Feuerstein: „Durch samyama mit Bezug auf die Sonne …“
  • R. Palm: „Aus der Gesamtausrichtung auf die Sonne …“
  • R. Sriram: „Meditation über die Sonne …“
  • Govindan: „Durch Eins-Werden mit der Sonne … Welt und den Kosmos.“
  • Iyengar: „… erlangt man Erkenntnis des Universums.“
  • Chip Hartranft: „Wenn Sie sich mit perfekter Disziplin auf die Sonne konzentrieren, erhalten Sie Einblicke in das Universum.“
  • R. Skuban: „Indem der Yogi sich auf die Sonne ausrichtet …“
  • T.K.V. Desikachar: „… Wissen um das Planetensystem und die kosmischen Regionen.“
  • G. Pradīpaka: „Durch Saṁyama ... auf die Sonne -- d.h. den solaren Eingang im Körper -- (sūrye) ... Wissen (jñānam) der Welten (bhuvana) (erreicht)“
  • 12koerbe.de (dort: 26): „... das Bewusstsein auf die Sonne zu fokussieren
  • Hariharananda Aranya: „... Üben von Samyama auf die Sonne (dem Punkt des Körpers, der als Sonneneingang bekannt ist) ... Wissen über die kosmischen Regionen erworben.“
  • I. K. Taimni: „Wissen über das Sonnensystem durch Ausführen von Samyama ...“
  • Vyasa Houston: „Durch Samyama auf die Sonne ...“
  • Barbara Miller: „Durch vollkommene Disziplin an der Sonne hat man ...“
  • Swami Satchidananda: „... erhält man Wissen über das gesamte Sonnensystem.“
  • Swami Prabhavananda: „... erlangt man Wissen über die kosmischen Räume.“
  • Swami Vivekananda: „Indem man Samyama auf die Sonne ... (erlangt man) das Wissen über die Welt.“
  • Wim van den Dungen (buddhistischer Kommentar zum Yogasutra): „Durch die Beschränkung [englisch: constraint; gemeint ist vermutlich auch bei Wim van den Dungen: Samyama] auf die Sonne ...“
  • Rainbowbody: „Samyama auf das solare Prinzip (surya) im Innern sowie die Sonne ermöglicht den Zugang zur universellen Ordnung aller Elemente ... sowohl des äußeren als auch des inneren Universums, einschließlich der Chakras (bhuvana-jnanam).”

Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Du findest die bisherigen LeserInnen-Übersetzungen und -Ergänzungen unten.

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Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Einordnung dieser Sutra im Yogasutra

Samyama ist die Schlüsselübung im dritten Kapitel des Yogasutra zum Erreichen der geistigen Kräfte. In den Sutras III-1 bis III-7 erläutert Patanjali zunächst, was Samyama ist: die Kombination aus Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Überbewusstsein). In Sutra III-8 erläutert Patanjali, dass der Yogi zur Erlangung der Erleuchtung über Samyama hinausgehen muss.

In den Sutras III-9 bis III-15 erläutert Patanjali, welche Wandlung der Geist (Chitta) vollziehen muss, um Samyama bis zur Perfektion ausüben zu können. Aufeinander aufbauend sind das die Stadien Nirodha-Parinama (Wandel durch Sammlung, einfache Konzentration), Samadhi-Parinama (Wandlung durch länger andauernde Konzentration) und Ekagrata-Parinama (Wandel/Transformation durch vollkommene Versenkung auf einen Punkt/ein Thema). Der notwendige Wandel des Geistes erfolgt nach und nach, ist keine sprunghafte Entwicklung.

In den Sutras III-16 bis III-49 macht Patanjali eine ganze Reihe von Vorschlägen, worauf man Samyama lenken könnte und welche Folgen (Siddhis) sich jeweils daraus ergeben.

In dieser Sutra schildert Patanjali, dass mittels Samyama auf die Sonne Erkenntnisse über unser Universum gewonnen werden.

Besondere Kräfte (Siddhis) mit Samyama erlangen

Besondere Kräfte (Siddhis) mit Samyama erlangen

Patanjalis Anleitungen zur Erlangung der Siddhis lauten generell, dass der Praktizierende Samyama gezielt auf ein Meditationsobjekt anwendet. Samyama ist die Verbindung aus anhaltender Konzentration, Meditation und schlussendlich Samadhi (Überbewusstsein) auf ein Objekt der Meditation. Skuban sieht den Vorgang von Samyama als “mentales Eindringen in ein Objekt, das den Übenden schließlich zu den feinstofflichsten Bereichen des Seins führt.” Dadurch werden die drei Eigenschaften (siehe Sutra III-13) eines Objektes voll erkannt. So wird das Objekt voll verstanden und über die Gunas auch beherrschbar. Alle Objekte sind nämlich laut Yogalehre Erscheinungsformen der drei Gunas, auch das Bewusstsein des Menschen. Der Yogi diszipliniert sein Bewusstsein und kann über bzw. in Samyama die Gunas auch außerhalb seines Bewusstseins beeinflussen oder verändern. So erklären sich gemäß Yogalehre die Siddhis. 

Vibhutis, der andere Name für die Siddhis, bedeutet wörtlich weg (vi) von den Elementen (bhutas) und steht damit laut einiger Kommentatoren auch für die Abwendung von der Identifikation mit den materiellen Grundlagen unseres Lebens, yogisch: Prakriti. Hin zur Erkenntnis unserer wahren Natur: Purusha.

Die Sutras III-16 bis III-49  nennen die Objekte, auf die ein Yogi seine Samyama-Konzentration legen sollte, um besondere Kräfte zu entfalten. Iyengar betont jedoch, dass diese Siddhis sich erst bei weit fortgeschrittenen Yoga-SchülerInnen zeigen.

Was ist Samyama?

Was ist Samyama?

Samyama besteht aus drei Stufen: Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Überbewusstsein). Nur die erste Stufe von Samyama, die Konzentration auf ein Objekt, lässt sich willentlich steuern. Die darauf aufbauenden Geisteszustände Dhyana (Meditation) und Samadhi (Überbewusstsein) müssen sich laut der meisten Kommentatoren des Yogasutras von alleine einstellen und werden durch lang anhaltende Konzentration und Beseitigung der Geisteshindernisse erlangt. Feuerstein bezeichnet Samyama als 'Bündelung' von Konzentration, Meditation und Samadhi. Du findest Samyama ausführlicher in den ersten Sutras des dritten Kapitels des Yogasutra hier auf yoga-welten.de besprochen. Siehe vor allem:

Yoga Sutra III-4: Die drei (Dhahrana, Dhyana, Samadhi) zusammen auf ein Objekt oder einen Ort angewendet wird Samyama genannt

Zur Sutra


Yoga Sutra III-5: Aus der Meisterung von Samyama entsteht vollkommenes Wissen über das Wahrgenommene

Zur Sutra


Yoga Sutra III-6: Der Fortschritt im Samyama erfolgt in Stufen

Zur Sutra


Voraussetzungen und Umgang mit den Siddhis

Empfehlungen zu Voraussetzungen und zum Umgang mit den Siddhis

Viele Kommentatoren empfehlen, mit den Siddhis sehr bewusst umzugehen. Folgendes wird oft geraten:

Wer sich den Siddhis zuwendet, sollte die Yamas und Niyamas in seinem Leben verwirklicht haben. Diese sind:

Die Yamas – Selbstkontrolle

  • Ahimsa – Gewaltlosigkeit
  • Satya – Wahrhaftigkeit
  • Asteya – Nicht-Stehlen
  • Brahmacharya – Wandel in Brahma / Selbstbeherrschung / Enthaltsamkeit
  • Aparigraha – Nicht-Greifen, Verzicht auf Gier

Niyamas – Verhaltensregeln

  • Saucha – Reinheit
  • Santosha – Zufriedenheit
  • Tapas – Selbstzucht
  • Svadhyaya – Selbststudium (Studium)
  • Ishvarapranidhana – Verehrung des Göttlichen

Siehe dazu die Erläuterungen in "Yamas und Niyamas im täglichen Leben".

Siddhis sollten nicht zum Vergnügen, zur Selbsterhöhung oder anderen ungünstigen, egoistischen Zielen angewendet werden. Vielmehr zeigen die Siddhis (so Iyengar und andere), dass die Yogapraxis “richtig angelegt” sei.

Selbstverständlich sollte man Siddhis auch nicht dazu nutzen, um jemand anderen damit zu schaden.

Stattdessen wird eher ein “Nicht-Beachten” der Siddhis angeraten, wenn diese sich denn zeigen sollten. Iyengar schreibt, (S. 244), die Übungen bei Auftreten der Siddhis mit Glauben und Begeisterung weiterzuentwickeln, die Siddhis aber mit völligem Gleichmut zu betrachten.

Dem Yogi wird also geraten, sich nicht auf die Siddhis einzulassen, sich nicht von ihnen “mitreissen zu lassen”, um sie nicht für eigenen selbstsüchtige Bedürfnisse zu verwenden, woraus späteres Leiden folgen würde. Stattdessen solle er/sie weiter auf dem Pfad der Befreiung zu wandeln und die Siddhis eher als Prüfung ansehen, ob man nicht doch noch - trotz fortgeschrittener yogischer Entwicklung - den Verlockungen der Dualität und des Ego-Daseins nachgibt.

Swami Sivananda sagt über Siddhis:

„Yoga ist nicht dazu da, Siddhis, Kräfte, zu erlangen. Wenn ein Yogaschüler die Versuchung verspürt, Siddhis zu erlangen, wird sein weiterer Fortschritt ernsthaft verzögert. Er hat den Weg verloren. Ein Yogi, der darauf konzentriert ist, höchsten Samadhi zu erreichen, muss Siddhis zurückweisen, wo auch immer sie auftauchen. Siddhis sind Einladungen von Devatas. Nur wenn man diese Siddhis zurückweisen kann, kann man Erfolg im Yoga erlangen.“

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Was ist in dieser Sutra gemeint? Meditation über die reale Sonne?

Sonnen-Samyama und Siddhi “Wissen um die Welt/das Universum”

Welches Wissen ist mit “Bhuvana-jnânam” in dieser Sutra gemeint? Hier wird von den Kommentatoren ein breites Spektrum geöffnet. Zum einen kann es ganz bodenständig um “die Zusammenhänge der Natur und des Sonnensystems zu verstehen” (Sukadev) gehen. Doch man sollte sich nicht blind auf diese derart gewonnenen Erkenntnisse verlassen: Dieses so gewonnene “physikalische Wissen”, so Sukadev weiter, müsse aber in der Praxis stets überprüft werden.

Laut Sukadev kann durch Samayama auf das Sonnenlicht auch ein intuitives Wissen um den eigenen Platz in der Welt erworben werden. Zudem könne die Astralwelt erkannt werden, sogar ein Kontakt zu feinstofflichen Wesen sei möglich.


Oder Meditation über die "innere Sonne"?

Iyengar sieht hier hingegen (auch) die Forderung Patanjalis an den Sadhaka (yogischer Schüler), “... sich dem inneren Körper zuzuwenden, um die Seele zu erforschen und zu erkennen.” Denn wie Sonne die äußere Welt erleuchtet, so dringt das “Licht der Seele” ins innere vor.

Iyengar weiter (S. 251): “Das Licht, das aus der Seele leuchtet, ist die Sonne des Lebens. Durch dieses Licht wird es hell in den sieben Erkenntnisbereichen des Bewusstseins eines Yogi.” Mit den "Erkenntnisbereichen" meint er vermutlich die sieben Hauptchakra:

  1. Muladhara (Beckenboden),
  2. Svadhisthana (Kreuzbein),
  3. Manipura (Nabelgegend),
  4. Anahata (Herz),
  5. Visuddhi (Kehle),
  6. Ajna (Punkt zwischen den Augenbrauen) und
  7. Sahasrara (Scheitel des Kopfes)

Iyengar verweist in dieser Sutra ähnlich wie Vyasa auch darauf, dass es gemäß  “indischer Philosophie” 14 Welten bzw. Bereiche im Universum gäbe: 7 höhere und 7 niedere Bereiche.

Ähnlich Rainbowbody: „Samyama auf das solare Prinzip (surye-samyamat) bringt bhuvana-jnanam hervor, was wörtlich Wissen über das Universum, den Kosmos oder den Makrokosmos bedeutet.”

meditation sushumna nadi 333Oder Meditation über einen Nadi, einen der zahlreichen Energiekanäle, die von den Yogis postuliert werden?

Auch Skuban empfindet die Auslegung dieser Sutra zu Samyama auf die reale Sonne als unbefriedigend. Für ihn spricht vieles dafür, dass Patanjali hier Surya-Nadi meine, den Energiekanal auf der rechten Seite der Wirbelsäule, auch Pingala-Nadi genannt.

Bei Govindan (S. 125) lesen wir hingegen von der Deutung des Wortes “Sonne” als das “Sonnentor im menschlichen Körper” und das wiederum sei Sushumna-Nadi, der zentrale Energiekanal entlang der Wirbelsäule zum Scheitel. Er schildert noch, dass der yogin nach seinem Tod zu den höheren astralen Ebenen der devas (Götter) gelange (oder sogar noch darüber hinaus zu den “kausalen Ebenen der Wahrheit”), wenn sie/er den Körper durch Sushumna-Nadi verließe.

Umfrage: Welches Meditationsobjekt ist hier deiner Meinung nach gefragt?

Welches Meditationsobjekt ist deiner Meinung nach in dieser Sutra mit Surye gemeint?

 

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Wie genau soll man bei Samyama über ein Meditationsobjekt vorgehen?

Samyama, der Dreiklang aus Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Überbewusstsein) auf ein Meditationsobjekt ist das Mittel der Wahl für den Yogi, um die in Kapitel III des Yogasutra besprochenen Siddhis auszuüben. In diesem Fall ist das Meditationsobjekt zumeist die reale  Sonne.

Üblicherweise gelingt tiefe Versenkung bei voller Bewusstheit am besten mit tiefer Meditation. Es soll auch mit Yoga Nidra funktionieren, wenn du die darin enthaltenen Schritte mit Konzentration ohne einzuschlafen durchführen kannst. Zu beiden Techniken findest du Anleitung (& Downloads) auf Yoga-Welten.de:

Beitrag: Meditation lernen

Meditation lernen

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Meditation lernen – die grundlegende Anleitung aus dem Buddhismus

Der Begriff Meditation hat viele Facetten. Das Spektrum reicht vom Nachsinnen über ein Thema (vornehmliche Betrachtungsweise der Philosophen) bis zur völligen Gedankenstille. Im Folgenden findest du eine konkrete Anleitung der Schritte, welcher der Buddha himself seinen Schülern zum Lernen einer tiefen Meditation gegeben hat. Sicherlich nicht die schlechteste Herangehensweise, wenn du persönliche Entwicklung oder gar Erleuchtung zum Ziel deiner Meditationsreise auserkoren hast.

Am Ende findest du eine Merkkarte zum Ausdruck – z. B. für das Portemonnaie.

Hier weiterlesen: Meditation lernen

Beitrag: Yoga Nidra

Yoga Nidra

Einzelner Baum im Feld, tiefe Wolken

Yoga Nidra | Anleitung, MP3, Text und Variationen

Willkommen zu der Entspannungstechnik des Yogas: Yoga Nidra. Die yogische Tiefenentspannung, auch "yogischer Schlaf" genannt, ist eine Tiefenentspannungsübung der tantrischen Yoga-Lehre. Ihr Ursprung liegt in weit entfernten Zeiten.

Yoga Nidra führt in tiefe Entspannungszustände, die mit einiger Übung bei vollem Bewusstsein erfahren werden können. Zusätzlich besteht über einen sogenannten Sankalpa die Möglichkeit, Persönlichkeitsentwicklung tief ins Unbewusste einzuprägen.

Hier findest du Yoga Nidra erläutert und dazu eine einfache Anleitung, einen Gratis-MP3-Download, den Text zum Ausdrucken und viele Varianten für fortgeschrittenes Üben, auch als Videos.

Hier weiterlesen: Yoga Nidra

Aber sei vorsichtig: Das Schauen in die Sonne ist schmerzhaft für die Augen. Längeres Blicken in die Sonne kann zu Augenproblemen führen.

Relativ unbedenklich ist der Blick in die Sonne bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Du könntest auch bei geschlossenen Augen den Blick auf die Sonne richten und Samyama darauf üben.

Oder du setzt dich mit geschlossenen Augen in die Sonne und führst Samyama über das Licht und die Wärme aus, die du spürst. Gleichzeitig kannst du dir die Sonne vorstellen.

In Indien gibt es eine Technik, Tratak (eigentlich ein langes, konzentriertes Schauen auf eine Kerzenflamme, siehe folgende Artikel und Sutra zuvor), um mit Blick direkt auf die Sonne zu üben. Sukadev berichtet von seinem Meister Swami Sivananda, der dies beherrscht haben soll und direkt in die pralle Mittagssonne geschaut haben soll.

Beitrag: Tratak und Meditation

Tratak und Meditation

Tratak und Meditation

Melinah fragt:

Guten Abend,

ich hoffe, es ist okay, wenn ich hier Fragen stelle. Bin noch sehr neu hier im Forum.

Sehr gerne würde ich regelmäßig meditieren, ich probiere es auch öfter mal, aber so richtig klappen will es noch nicht. Die Gedanken schweifen zu sehr ab. Ich halte es nie länger als 2 oder 3 Minuten aus. Ich habe das Gefühl, ich mache es falsch und breche dann ab. Ist das richtig so, oder sollte ich einfach immer weiter machen? Zur Info: Ich sitze meistens im Schneidersitz, mit geradem Rücken, Hände offen und nach oben zeigend auf dem Oberschenkel, Augen geschlossen, Gesicht nach vorne. Ist das überhaupt richtig?

Außerdem interessiere ich mich für Tratak. Ich würde es gerne versuchen, habe aber auch hierzu ein paar Fragen. Zuerst: Blinzeln ist nicht erlaubt? Soll man ganz aufhören, wenn man blinzelt, oder einfach so lange nicht blinzeln, wie es geht und nach Bedarf aufhören? Ich bin eine Brillen- oder eher Kontaktlinsenträgerin. Sollte ich Tratak ohne beides ausführen? Ich habe auch gelesen, dass Augenprobleme langsam verbessert werden, oder irre ich mich?

Ich glaube, das wars erst einmal. So viele Fragen, ich hoffe wirklich, ihr könnt mir weiterhelfen. :) Mein Interesse ist groß. Ich habe auch erst vor kurzem mit Yogastunden begonnen, bin also wirklich noch sehr neu auf dem ganzen Gebiet.

Euch allen einen schönen Abend! Melinah

Die Antworten lauten wie folgt:

Hier weiterlesen: Tratak und Meditation

Beitrag: Tratak oder Trataka – die Augenreinigung

Tratak oder Trataka – die Augenreinigung

Trataka in der Hatha Yoga Pradipika

Zunächst die Verse aus der Hatha Yoga Pradipika zu Trataka (auch Tratak), der Augenreinigung oder auch Augenmeditation:

2-29 Achtsam soll der Yogi mit starrem Blick auf einen kleinen Punkt schauen, bis Tränen entstehen.

2-32 Dieses hält die Augen frei von Krankheiten, Erschöpfung und verhindert andere Krankheiten. Der Yogi soll Trataka geheim halten.

Ausführungen zur Ausübung mit weichem Blick:

Hier weiterlesen: Tratak oder Trataka – die Augenreinigung

Alternativ/ergänzend kann man sich gemäß der Deutungen obiger Kommentatoren auf die “innere Sonne” oder Sushumna-Nadi (Energiekanal entlang der Wirbelsäule) oder auf Surya-Nadi, den Energiekanal auf der rechten Seite der Wirbelsäule, auch Pingala-Nadi genannt, bei seiner Meditation konzentrieren.

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goetterwelten nach vyasa 1000

Vyāsas Kosmologie im Kontext zu Sutra 3.27 – eine erläuternde Zusammenfassung

Erläuterungen zu Vyasa

Vyasa war ein indischer Philosoph des 5. bzw. 6. Jahrhunderts nach Christi, der den ältesten überlieferten Kommentar zum Yogasutra des Patanjali schrieb. Der Text wird Yogabhashya (wörtlich "Kommentar (Bhashya) zur Yogaphilosophie") genannt und um 600 nach Christi datiert. Vyasas Kommentare zu den Sutras sind oftmals recht kurz.
Dieses Yogabhashya wurde im 8./9. Jh. von Shankara (788–820 n. Chr, indischer Gelehrter, Vedanta-Philosoph, Begründer der Advaitavedānta-Tradition) kommentiert. Sein Kommentar nennt sich Yogabhashyavivarana, Vivarana ist ein Unterkommentar. Auch Vachaspati Mishra hat einen frühen, berühmten Kommentar zum Yogasutra geschrieben. (Meine Quellen für diese Kommentare waren unterschiedliche Bücher und Webseiten, zum Beispiel Legget (siehe Literatur) und wisdomlib.org/hinduism/book/yoga-sutras-with-commentaries/). Ich gebe hier diese Kommentare in für mich relevanten Auszügen in Worten wieder, die für mich den Sinn in heutigen Worten am besten wiedergeben. Dies ist explizit kein Bemühen, die Originalkommentare wortgetreu wiederzugeben. Fehlinterpretationen sind natürlich in meiner Verantwortung.

Du siehst etwas anders, hast einen Fehler gefunden oder möchtest etwas ergänzen? Bitte schreibe dies unten bei "Ergänzungen von dir".

Die Kommentare von Vyasa, Mishra und Shankara sind oft wörtlich übersetzt worden, zum Beispiel bei den oben angegebenen Quellen.

Vyāsa, einer der bekanntesten Kommentatoren zum Yoga Sūtra von Patañjali, beschreibt in seinem Kommentar zu Sutra 3.27 eine umfassende kosmische Ordnung – ein vielschichtiges Weltbild, das die äußeren wie inneren Welten umfasst. Dabei greift er auf traditionelle vedisch-puranische Vorstellungen zurück. Was folgt, ist keine wörtliche Übersetzung, sondern eine verständlichere, erläuternde Wiedergabe dieser vielschichtigen Beschreibung – speziell für Menschen mit Interesse an Yogaphilosophie und spiritueller Praxis.

🪐 Die sieben Ebenen der Welt (Bhuvanas)

Vyāsa nennt sieben „Welten“ bzw. Ebenen der Existenz. Diese sind nicht nur physische Räume, sondern symbolisieren auch Bewusstseinszustände oder subtile Dimensionen der Wirklichkeit:

  1. Die irdische Welt – von der untersten Höllenregion Avīci bis zum Gipfel des mythischen Bergs Meru.
  2. Zwischenraum (Antarīkṣa) – von Meru bis zum Polarstern, umfasst die Sternenregionen.
  3. Der Himmel – beginnt mit der Welt des Gottes Indra und führt durch mehrere höhere Ebenen:
  4. Prajāpatis Welt – eine schöpferische Ebene,
  5. Jana-Loka – Welt göttlicher Wesen,
  6. Tapas-Loka – Sphäre der spirituellen Kraft,
  7. Satya-Loka – die höchste Welt der Wahrheit.

Diese Ebenen werden in einem Vers zusammengefasst:

„Dreifach ist die Welt von Brahmā, darunter liegt die Welt des Prajāpati, dann die des großen Indra – all das wird als Himmel bezeichnet. In ihm: die Sterne. Auf der Erde: die Lebewesen.“

🔥 Die niederen Welten: Höllen und Unterwelten

Unterhalb der irdischen Ebene beschreibt Vyāsa mehrere dunkle Bereiche:

  • Sechs große Höllen – z. B. Mahākāla, Raurava, Andhatāmisra, in denen Lebewesen das Karma ihrer Handlungen erfahren.
  • Die sieben Pātālas – Unterwelten, u. a. Sutala, Vitala, Mahātala, die von verschiedenen Wesenheiten wie asuras, rākṣasas, piśācas usw. bewohnt sind.

Diese Bereiche symbolisieren stark leidvolle, unbewusste oder karmisch belastete Zustände des Daseins.

🌍 Die kosmische Geographie: Die Erde und darüber hinaus

Die Erde, Vasumatī genannt, ist eine von acht Hauptwelten. In ihrem Zentrum erhebt sich der Berg Sumeru, mit Gipfeln aus Edelmetallen und Edelsteinen. Die Erde ist in sieben Inselkontinente (dvīpas) gegliedert:

  • Jambudvīpa – die uns bekannte Welt,
  • weitere sechs: Śaka, Kuśa, Krauñca, Sālmala, Gomedha, Puṣkara – jeweils doppelt so groß wie der vorherige.

Diese dvīpas sind von sieben Ozeanen umgeben, die symbolisch verschiedene „Elemente“ darstellen: Salz, Zuckerrohrsaft, Wein, Ghee, Quark, Haferschleim und Milch.

Im Zentrum: Ilāvṛta, das spirituelle Herz der Welt. Dort liegt der Garten der Götter mit Städten, Palästen und Versammlungsorten.

✨ Die höheren Regionen: Astral- und Götterwelten

Oberhalb des Sumeru-Gipfels beginnt die astrale Region, in der Planeten und Sterne kreisen. Angetrieben werden sie von vāyus – feinstofflichen Kräften oder „Winden“.

  • Mahendra-Loka – Heimat verschiedener Götterklassen, die sich durch bloße Gedanken Wünsche erfüllen können.
  • Prajāpatya-Loka – hier leben Götter, die sich von Kontemplation nähren. Ihre Lebenszeit beträgt mehrere Kalpas (Weltzeitalter).

🧘 Die Brahma-Welten: Stufen spiritueller Verwirklichung

Vyāsa beschreibt drei Welten, die direkt mit spiritueller Reifung zusammenhängen:

  1. Janaloka – Welt der Priester-Götter mit Kontrolle über grobe Elemente und Sinne.
  2. Tapoloka – Heimat von Göttern mit Macht über die feinstofflichen Elemente (tanmātras).
  3. Satyaloka – die Welt der Wahrheit, Wohnsitz höchster spiritueller Wesen, z. B. der Suddhanivāsas, die in tiefer Meditation verweilen. Diese Wesen leben vollständig in sich selbst und symbolisieren höchste Formen von Trance (samādhi):
    • Savitarka-Samādhi (analytisch unterscheidende Trance),
    • Dhyāna-Seligkeit,
    • ānanda (Glückseligkeit),
    • Ego-Transzendenz.

🌀 Über die phänomenale Welt hinaus

Vyāsa erwähnt außerdem Wesen, die sich nicht mehr im Kreislauf der Erscheinungen befinden:

  • Videhas – körperlose Seelen,
  • Prakṛtilayas – in die Urnatur zurückgekehrte Seelen.

Sie stehen an der Schwelle zur vollständigen Befreiung (kaivalya).

🧭 Praxisrelevanz: Samyama als Mittel zur Erkenntnis

All diese Ebenen der Wirklichkeit – sichtbar und unsichtbar – können durch Saṁyama erschlossen werden. Das bedeutet: durch konzentrierte Kontemplation auf die innere „Sonne“ (sūrya) und ihre Entsprechung im Körper (z. B. das Sonnentor oder die Sushumna-Nadi) kann der Yogi tiefere Einsichten in die kosmische Ordnung erlangen.

Vyāsa schließt:

„Der Yogi soll üben, bis alles klar wird.“

📝 Fazit

Vyāsas Ausführungen sind keine geografische Beschreibung im modernen Sinn, sondern ein spirituelles Weltmodell. Die verschiedenen „Welten“ stehen für Bewusstseinszustände, kosmische Kräfte und spirituelle Entwicklungspfade. Wer sich mit diesen Vorstellungen beschäftigt, bekommt eine Vorstellung davon, wie tief Patañjalis Yoga Sūtra in ein ganzheitliches spirituelles Weltbild eingebettet ist – ein Bild, das auch innere Reisen und Transformation einschließt.

Übungsvorschlag zu Sutra III-27

Meditiere über die reale Sonne oder deine innere Sonne. Verschmelze möglichst tief mit deinem Meditationsobjekt und öffne dich für aufkommende Informationen.

Meine Erkenntnisse/Erfahrungen bei/mit dieser Übung

 

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Siehe auch folgende Sutra

Yoga Sutra II-27: Die Anwendung der reinen Unterscheidungskraft führt zur siebenfachen Erkenntnis

Hier weiterlesen


Ergänzungen und Fragen von dir zur Sutra

Ist etwas unklar geblieben? Kannst du etwas ergänzen oder korrigieren?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Oder kannst du etwas verdeutlichen oder berichtigen? Eine eigene Erfahrung schildern ... Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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Videos zu Sutra III-27

Sonnen-Meditation - Intuition über die Welt – Kommentar von Sukadev zu Yoga Sutra - Kap. 3, Vers 27

Länge: 3 Minuten

Youtube-Video

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Anvita Dixit zur Meditation über die Sonne (bei ihr Sutra III-26)

Länge: 8 Minuten

Youtube-Video

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Video von Ahnand Krishna zur Sutra

Kräfte von Samyama: Asha Nayaswami zu Sutra 3:26-27

Länge: 68 Minuten

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

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