meditierender fluss gruen iii 14 250Shântoditâvyapadeshya-dharmânupâti dharmî
शान्तोदिताव्यपदेश्यधर्मानुपाती धर्मी

Diese und die folgenden Sutra beschreiben, was geschieht, wenn der nun gewandelte Yogi seine neue Weisheit in der Welt ausübt - einer Welt in „yogischer Wirklichkeit“. Sie wird nicht mehr die Gleiche für den Yogi sein. Doch wie erklärt sich dieser Wandel der Welt und der im Bewusstsein des Yogis? Patanjali erläutert dies in dieser und den folgenden Sutra.

Inhalt: Yogasutra Kapitel 3, Vers Sutra 14

1. Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Santa, shânta, śānta = das Abgeklungene; Vergangene; Latente; das Beruhigte; das Nachgelassene; friedlich; ruhig; gelassen; still; zurückgegangen; besänftigt; abgeklungen; ungestört;
  • Udita = das Aufgekommene; Gegenwärtige; das Manifestierte; aufgestiegen; entstanden; sichtbar; augenscheinlich; ins Gewahrsein gekommen; erscheinend; hochgekommen; geboren; produziert; manifestiert;
  • Avyapadeshya, avyapadeśya = das Zukünftige; das Unmanifeste; das in der Zukunft liegende; das Unnenbare; unbestimmt; undefiniert; nicht enthüllt; noch nicht erschienen;
  • Dharma = Beschaffenheit; Eigenschaft; (sichtbare) Form; Gesetz; Regel; Aufgabe; essentielle Eigenschaften; Natur; Charakter; Wesensart;
  • Anupati, anupâtî = aufeinander bezogen; gemeinsam; basierend auf; entsprechend; verwandt; folgend; entsprechend;
  • Dharmi, dharmî, dharmī = Objekt, Thema oder Person, das die Eigenschaften besitzt; die Grundlage, der die Eigenschaften innewohnen; Rechtschaffend; Pflicht befolgend; Substanz; Wahrheit; Wirklichkeit; wesentliche Natur;

2. Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Sukadev: „... aller vergangenen, gegenwärtigen und künftigen Eigenschaften.“
  • Deshpande/Bäumer: „Der Träger der Eigenschaften (darmi) macht die drei gleichen Wandlungen wie die Eigenschaften durch: …“
  • Dr. R. Steiner: „Die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Aufgaben ...“
  • Coster: „Alle Dinge sind potentiell in der Prakriti enthalten. …“
  • Feuerstein: „Die form-beinhaltende Substanz (dharmin) …“
  • R. Palm: „Die beruhigte [vergangene], erregte [gegenwärtige] oder unnenbare [zukünftige] Beschaffenheit …“
  • R. Sriram: „Die Verwandlungen … leiten sich alle von den wesentlichen Eigenschaften ab, die im Objekt enthalten sind.“
  • Govindan: „… ist in seinem Wesen zur Ruhe gekommen, manifestiert und unbestimmt.“
  • Iyengar: „Der Träger der Eigenschaften … Wandlungen …: die Ruhe (das Vergangene), das Erwachen (die Gegenwart) und das nicht zu Benennende …“
  • Chip Hartranft: „Die Grundlage bleibt unverändert, egal ob es vorher, während oder nachher eine bestimmte Form annimmt.“
  • R. Skuban: „Formenwandel vollzieht sich auf der Ebene des allen Formen gemeinsamen … Substrats …“
  • T.K.V. Desikachar: „Jede Substanz enthält alle ihre Eigenschaften. Je nachdem, welche Form sie annimmt, erscheinen diejenigen Charakteristiken, die mit der Form übereinstimmen. …“
  • G. Pradīpaka: „Das charakterisierte Objekt (dharmī) ist (das, was) weiterhin existiert (anupātī) durch (die folgenden drei) Eigenschaften (dharma): besänftigt -- d.h. Vergangenheit -- (śānta), auferstanden -- d.h. Gegenwart -- (udita) und undefinierbar -- d.h. Zukunft -- (avyapadeśya).“
  • 12koerbe.de: „... von dort aufgetauchte bezeichnungslose Bestimmungs-Befolger ...“
  • Hariharananda Aranya: „Das, was seine Existenz durch die verschiedenen Eigenschaften hindurch fortsetzt, nämlich das Ruhende (Quiszierende), d.h. die Vergangenheit, das Aufgehende, d.h. die Gegenwart oder das Unmanifestierte (aber als potente Kraft verbleibend), d.h. die Zukunft, ist die Grundlage (oder das charakterisierte Objekt).“
  • I. K. Taimni: „Die Grundlage ist dasjenige, in dem die Eigenschaften - latent, aktiv oder unmanifestiert - innewohnen.“
  • Vyasa Houston: „Die Form-Grundlage (dharmi) entspricht der charakteristischen Form, die sein kann Ruhend, entstanden und ununterscheidbar (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft).“
  • Barbara Miller: „Die Grundlage, die den wesentlichen Eigenschaften der materiellen Natur zugrunde liegt, bleibt bestehen, ob diese Eigenschaften in Ruhe, entstanden oder unmanifestiert sind.“
  • Swami Satchidananda: „Es ist die Grundlage (Prakriti), das von Natur aus durch latente, aufsteigende und unmanifestierte Phasen geht.“
  • Swami Prabhavananda: „Ein zusammengesetztes Objekt hat Attribute und unterliegt der Veränderung, entweder in der Vergangenheit, in der Gegenwart oder in der noch zu manifestierenden Phase.“
  • Swami Vivekananda: „Dasjenige, auf das Transformationen einwirken, entweder vergangen, gegenwärtig oder noch zu manifestieren, ist das Qualifizierte.“
  • Wim van den Dungen (buddhistischer Kommentar zum Yogasutra): „Der Formträger ist das, was dem Ruhenden, dem Aufstrebenden oder dem Unbestimmbaren folgt.“
  • ChatGPT: „Das hat eine ständige Existenz, da es die Eigenschaften von Dauer, Veränderung und Zustand hat.“
Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Du findest die bisherigen LeserInnen-Übersetzungen und -Ergänzungen unten.

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Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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3. Wo wir stehen

Samyama ist die Schlüsselübung im dritten Kapitel des Yogasutra zum Erreichen der geistigen Kräfte. In den Sutras III-1 bis III-7 erläutert Patanjali zunächst, was Samyama ist: die Kombination aus Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Überbewusstsein). In Sutra III-8 erläutert Patanjali, dass der Yogi zur Erlangung der Erleuchtung über Samyama hinausgehen muss.

In den Sutras III-9 bis III-15 erläutert Patanjali, welche Wandlung der Geist (Chitta) vollziehen muss, um Samyama bis zur Perfektion ausüben zu können. Aufeinander aufbauend sind das die Stadien Nirodha-Parinama (Wandel durch Sammlung, einfache Konzentration), Samadhi-Parinama (Wandlung durch länger andauernde Konzentration) und Ekagrata-Parinama (Wandel/Transformation durch vollkommene Versenkung auf einen Punkt/ein Thema). Der notwendige Wandel des Geistes erfolgt nach und nach, ist keine sprunghafte Entwicklung.

In dieser Sutra erklärt Patanjali, dass es einen unveränderlichen Eigenschaftsträger von jeder beliebigen Wandlung dieser Urform gibt.

4. Zeit als Schlüssel

In vielen Interpretationen wird die Bedeutung der Zeit hervorgehoben. Die Sutra betont, dass Zeit ein entscheidender Faktor für die Entwicklung eines Zustands ist. Dies kann sowohl auf physische als auch auf spirituelle Zustände angewendet werden. Du gelangst nicht von jetzt auf gleich zu Samadhi.

5. Veränderung als Konstante

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der oft diskutiert wird, ist die Rolle der Veränderung. Die Sutra betont, dass Zustände in unserer nicht statisch sind, sondern sich ständig verändern, beeinflusst durch verschiedene Umstände. Dies wird auch in der Lehre Buddhas als wichtige Erkenntnis betont.

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Was bleibt gleich in dieser Welt?

6. Was bleibt gleich?

Die "materielle" Deutung: Gemäß Yogaphilosophie hat unsere so bunte Wirklichkeit eine gemeinsame Grundlage, ein verbindendes „Substrat“ (dharmi) – die prakriti: Urmatiere, Ursubtanz, Urenergie. In prakriti wirken die drei gunas (tamas, rajas und sattva), deren Anteile in den Substanzen im Laufe der Zeit Veränderungen unterlegen. So entsteht Wandel - parinama. Prakriti bleibt unberührt, genauso wie Purusha, der Beobachter.

Desikachar verweist darauf (S. 107), dass zwei Grundgedanken über das Universum für Patanjali wesentlich sind:

  • satvada: es existiert eine von unserem Geist unabhängige Realität, ist nicht nur Fiktion unseres Geistes
  • parinamavada: alles, dessen wir gewahr werden können, ist dem Wandel unterworfen

Patanjali sprach in den Sutras zuvor viel von Veränderungen in unserem Dasein. Veränderungen von Formen, Sinnen, Zeit und Elementen. Hier spricht er nun davon, dass eine Sache unverändert bleibt. Was hat er dabei im Sinn?

Sukadev deutet: “... bleibt etwas gleich, und das ist natürlich unser Selbst, Purusha oder der Atman.” Im Laufe unseres Lebens würden wir uns auf vielen Ebenen verändern. Am offenkundigen ist das am Körper zu sehen. Aber auch unser Verstand, unsere Meinungen, unser Verhalten und unsere Gewohnheiten bleiben nicht gleich. Doch eines, so Patanjali hier, bleibe bei all diesen Veränderungen stets unverändert.

Sukadev schlussfolgert ferner, dass darum Purusha das Wichtigste an uns sei, unser Kern. Das höchste Selbst. Dies könne ein Trost sein, wenn unsere übrigen Fähigkeiten schwinden. Auch darum sei es sehr zu empfehlen, sein wahres Selbst wahrzunehmen, zu erkennen. Darauf könne man dann im ganzen Leben bauen, vor allem, aber nicht nur, wenn es mal nicht so läuft. Wenn uns Dinge misslingen oder wir uns irren etc. Dieses Rückbesinnen auf unser wahres Selbst geschehe ohnehin ständig im Tiefschlaf, daraus schöpfen wir jede Nacht neue Kraft.

Deshpande/Bäumer interpretieren so (S. 145): “Sutra 14 spricht vom Bewusstsein als einem dharmi, der die drei Eigenschaften santa (Ruhe), udita (Erwachtsein) und avyapadesya (Undefinierbarkeit) mit sich trägt und in ihnen gegenwärtig ist.” Wenn der Yogi im Samyama seinen Geist betrachtet und ihm dabei diese drei Eigenschaften gewahr werden, wendet er seine Bewusstheit auf diese drei Eigenschaften. Dabei erkennt er unter anderem, dass “die erste, santa, der untätige oder unbewegliche Zustand des Bewusstseins, ein Ergebnis vergangener Eindrücke (samskaras) ist.” Er erkennt dabei auch seine Vergangenheit und Zukunft, siehe Sutra III-16.

Anders interpretiert Skuban das Unveränderliche in dieser Sutra. Seiner Meinung nach bezieht sich dharmi, das “gemeinsame Substrat” oder “die Grundlage, auf der die Eigenschaften aufbauen”, auf prakriti, die Urmaterie. Später ergänzen auch Deshpande/Bäumer: "Man muss hier bemerken, dass die drei Eigenschaften (dharma) des Bewusstseins (dharmi), die in Sutra 14 erwähnten werden, den drei Merkmalen des >Gesehenen< (drsya) oder der objektiven Welt von Sutra III-18 entsprechen."

Dharmi ist der Nominativ Singular von dharmin und kann als “Träger des Dharma” oder “der den Dharma hat” und damit auch als “Träger der wesentlichen Beschaffenheit” übersetzt werden (Palm).

Auch für Skuban gilt (S. 176): “Geburt, Alter, Krankheit und Tod … vollziehen sich, damit wir zu uns selbst kommen und erkennen, dass wir im Kern unveränderlich sind und nicht leiden. Das, was den Wandel beobachtet, ist nicht das, woran der Wandel sich vollzieht.”

Ähnlich schreibt Iyengar (S. 239): „Die Wurzel-Natur (mula-prakrti), die Natur in ihrer unmanifestierten Wesenheit, hat drei Zustände:

  1. befriedet oder ruhig (santa),
  2. manifest (udita) und
  3. latent (avyapades).”

Diese Wurzel-Natur sei zu allen Zeiten gleich und unverändert. Wenn sich eine Erscheinungsform im Bewusstsein verändere, so liege das an wechselnden Gewichtungen bei den drei Gunas.

Für Deshpande/Bäumer deutet Patanjali mit dieser Sutra an, dass Zeit, obgleich tief in uns verwurzelt, letztlich ein Konstrukt unseres Geistes ist und der fortgeschrittene Yogi das Zeitkonzept erkennen und überwinden kann. Aus dieser Einsicht erklären sich dann auch die in den folgenden Sutras geschilderten Siddhis/übermenschlichen Fähigkeiten.

Ähnlich die Interpretation von ChatGPT: “Dieses Sutra spricht von der Zeitlosigkeit des Geistes und wie er durch verschiedene Zustände, Veränderungen und Dauer existiert. Es betont, dass der Geist, obwohl er sich verändert und verschiedene Zustände durchläuft, eine konstante Existenz hat. Dies ist ein wichtiger Punkt für die Praxis des Yoga, da es zeigt, dass trotz der Veränderungen im physischen Körper und der äußeren Welt, der Geist seine Essenz behält.”

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7. Parallelen zu Meditation und Übung

Für Iyengar wird in Sutra III–9 bis III-14 deutlich, dass das Bewusstsein drei Phasen umfasse:

  • äußeres Bewusstsein
  • inneres Bewusstsein
  • innerstes Bewusstsein

Praktische Umsetzung:

  • Sich bildende Gedanken (aufsteigendes Chitta) würde im Körper wahrgenommen, darum stehe damit das Beobachten aufkommender Gedanken (bahiranga-sadhana) für das äußere Bewusstsein.
  • Das Zurückdrängen der Gedanken wende dann das Bewusstsein des Meditierenden nach innen.
  • Die Ausdehnung der Stille in der Pause zwischen zwei Gedanken sei dann die “innerste Übung” bzw. antaratma-sadhana.

Ähnlich schreibt Sriram: „Alle Wandlungen, in denen unser Geist je war oder sein wird, sind abzuleiten von den grundlegenden Eigenschaften, die das Wesen des Geistes bilden.”

„Die auf einen Punkt gerichtete Aufmerksamkeit muss mit der zerstreuten Aufmerksamkeit zu ungerichteter Aufmerksamkeit verschmolzen werden – das ist die eigentliche Aussage dieses Sutra.”

Iyengar, Der Urquell des Yoga, S. 241

Kannst du bis hierhin etwas ergänzen oder korrigieren?

Vielen Dank für jeden Hinweis!

 

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8. Gegenthese zur Atman/Purusha-Lehre

Im Buddhismus wird das mit dem Atman/Purusha ein wenig anders als in der Yogalehre gesehen. Wim van den Dungen verweist auf den Hinweis von Vyasa auf das entgegengesetzte Konzept des “anatman” oder “kein Selbst” im Buddhismus, speziell den Erläuterungen von Nagarjuna dazu, hin. Es gibt demzufolge keine inhärent existierenden Objekten, sowohl subjektiv (persönliches Selbst), als auch objektiv (andere Personen & Objekte) nicht.

Auf Wikipedia wird es so formuliert:
“Die buddhistische Logik geht gemäß der zentralen Lehre vom Nicht-Selbst davon aus, dass A nicht mit sich selbst identisch ist, das heißt: A ist nicht A (das isoliert geglaubte Selbst ist in Wirklichkeit ein fehlerhafter Eindruck, der dadurch zustande kommt, dass der Prozess ständig neu zusammentretender und wieder auseinanderfallener Gruppierungen von Daseinsfaktoren mit einem beständigen Ich verwechselt und diese Verwechslung durch Anhaften verstärkt und aufrechterhalten wird). Dies bedeutet, die Grundprämisse der formalen Logik – Selbstidentität (A = A) – wird von vorneherein verneint. Doch im nächsten Schritt wird ebenso die Differenz negiert: A ist also genauso wenig Nicht-A (es ist auch kein Selbst inner- und außerhalb der Daseinsfaktoren zu finden).”

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9. Zum Wort Dharma

Rainbowbody schreibt dazu: “In diesem Fall wird das Wort „dharma“ als eine bezeichnete oder teilweise repräsentierte Realität verwendet, die vom Geist aus den Aggregaten konstruiert wird. Daher ist es wertvoll, die verschiedenen Bedeutungen von „dharma“ zu beachten, um einerseits einen partiellen oder darstellenden Aspekt des universellen dharma zu bezeichnen, und andererseits das Wort „dharma“, um die wahre Natur der Realität in ihrem universellen, unbegrenzten und direkten Sinn zu bezeichnen.”

10. Kommentar von Vyasa zu Sutra 3.14

Erläuterungen zu Vyasa, Shankara und Co.

Vyasa war ein indischer Philosoph des 5. bzw. 6. Jahrhunderts nach Christi, der den ältesten überlieferten Kommentar zum Yogasutra des Patanjali schrieb. Der Text wird Yogabhashya (wörtlich "Kommentar (Bhashya) zur Yogaphilosophie") genannt und um 600 nach Christi datiert. Vyasas Kommentare zu den Sutras sind oftmals recht kurz.
Dieses Yogabhashya wurde im 8./9. Jh. von Shankara (788–820 n. Chr, indischer Gelehrter, Vedanta-Philosoph, Begründer der Advaitavedānta-Tradition) kommentiert. Sein Kommentar nennt sich Yogabhashyavivarana, Vivarana ist ein Unterkommentar. (Meine Quellen für diese Kommentare: Legget (siehe Literatur) und wisdomlib.org/hinduism/book/yoga-sutras-with-commentaries/)

Vyasa schreibt: „Charakteristisch ist die Tugend (oder Kraft) eines Objekts, das sich durch seine Eignung unterscheidet. Das Vorhandensein dieser tauglichen und angemessenen Tugend eines Gegenstandes wird durch die Erzeugung spezifischer Ergebnisse davon gefolgert, die in einem Gegenstand von einer Art und in einem anderen von einer anderen Art sind. Von diesen Eigenschaften ist die gegenwärtige diejenige, die sich im Betrieb zeigt; und sie unterscheidet zwischen denen, die latent geworden sind, und denen, die noch nicht vorhersehbar sind. Wenn sie aber mit der allen diesen Zuständen gemeinsamen Gattungseigenschaft zusammenfällt, dann wird sie zum eigentlichen Wesen des Gegenstandes allein; was ist sie dann an sich, und wodurch unterscheidet sie sich?

Von den Eigenschaften eines Objekts, die entweder latent, aufsteigend oder unvorhersehbar sind, sind die latenten diejenigen, die in Funktion gewesen sind und aufgehört haben. Die aufsteigenden Merkmale sind diejenigen, die in Funktion sind. Sie sind die unmittelbaren Vorläufer der noch nicht manifestierten sekundären Eigenschaft. Diejenigen, die vergangen sind, sind die Vorläufer der gegenwärtigen. Warum sind die gegenwärtigen nicht die unmittelbaren Folgen der vergangenen? Wegen des Fehlens der Beziehung von Vorgeschichte und Nachgeschichte (zwischen den beiden). So wie zwischen der Gegenwart und der Zukunft das Verhältnis von Vorrang und Nachrang besteht, so nicht zwischen ihr und der Vergangenheit. Sie ist also nicht die unmittelbare Vorgeschichte der Vergangenheit. Aus diesem Grund ist nur das noch nicht Manifestierte das Vorgängige der Gegenwart.

Was sind dann die Unvorhersehbaren? Alle sind von der Natur des Ganzen. Diesbezüglich wurde gesagt: "Die Vielfalt aller Formen von Säften usw., die auf die Veränderungen der Erde und des Wassers zurückzuführen sind, wird in stationären Objekten gesehen. Das Gleiche gilt für das Unbewegliche im Selbstbeweglichen und für das Selbstbewegliche im Unbeweglichen. So ist alles von der Natur des Ganzen ohne die Zerstörung der Arten. Dies unterliegt den Beschränkungen von Zeit, Raum, Form und veranlassender Ursache. Ihre Naturen manifestieren sich gewiss nicht gleichzeitig.

“Das charakterisierte Objekt" ist dessen konstante Natur, die all diesen manifestierten und unmanifestierten Eigenschaften gemeinsam bleibt und die das Substrat sowohl des Allgemeinen als auch des Besonderen ist. Bei demjenigen aber, für den dies nur ein Merkmal ohne Substrat ist, muss die Erfahrung fehlen. Wie ist es möglich, eine Erkenntnis als den Genießer einer Handlung anzunehmen, die von einer anderen ausgeführt wird? Ferner gäbe es keine Erinnerung daran, denn niemand kann sich an das erinnern, was ein anderer gesehen hat. Außerdem gibt es ein gemeinsames Substrat für die wechselnden Zustände, denn die Objekte werden ins Gedächtnis zurückgerufen und als solche erkannt. Es ist dieses konstante Substrat, das als solches identifiziert wird, auch wenn es eine andere Eigenschaft angenommen hat. Aus diesem Grund ist es kein bloßes Merkmal, das den verschiedenen Zuständen nicht gemeinsam ist.“

 

11. Übungsvorschlag zu Sutra III-14

Übungsvorschlag zur Sutra für die kommende Woche: Versuche die oben erläuterte Dreiteilung:

  • äußeres Bewusstsein
  • inneres Bewusstsein
  • innerstes Bewusstsein

in deiner Meditation nachzuvollziehen. Bemühe dich auch immer mal wieder um das (sehr subtile) Verlängern der Pause zwischen den Gedanken in der Meditation.

Meine Erkenntnisse/Erfahrungen bei/mit dieser Übung

 

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12. Siehe auch folgende Sutras

Dies ist eine weitere Bestätigung von II.18-23:

Yoga Sutra II-18: Die wahrgenommenen Objekte haben die Eigenschaften Klarheit, Aktivität und Trägheit und bestehen aus Elementen und Wahrnehmungskräften. Alles Wahrgenommene dient der (genussvollen) Erfahrung und der Befreiung.

Zur Sutra


Yoga Sutra II-19: Die Stufen der Eigenschaftszustände von den Grundbausteinen der Natur (den Gunas) sind spezifisch, unspezifisch, subtil-differenziert und undefinierbar.

Zur Sutra


Yoga Sutra II-20: Der sehende ist reines Bewusstsein; doch er sieht [die Welt] durch den [täuschungsanfälligen] Geist

Zur Sutra


Yoga Sutra II-21: Die Welt existiert nur für den Sehenden

Zur Sutra


Yoga Sutra II-22: Die Welt verschwindet für den, für den sie ihren Zweck erfüllt hat; für alle anderen existiert sie als gemeinsame Realität weiter

Zur Sutra


Yoga Sutra II-23: Der Sinn der Vereinigung unseres Wahren Selbstes mit der äußeren Welt besteht darin, dass wir unsere Wahre Natur und deren Kräfte erkennen.

Zur Sutra


Siehe auch II.54, II.55, I.18, III.35, III.36, III.49, und III.55

Yoga Sutra I-18: Ein weiterer Zustand des Samadhi - Virama Pratyaya - ist nach intensiver Übung erreicht, wenn alle geistigen Aktivitäten aufhören und nur (ein Rest) unmanifestierter Eindrücke im Geist (eine Form der Leere) verbleiben

Zur Sutra


Yoga Sutra II-54: Pratyahara ist das Zurückziehen der Sinne auf das Innere, auf das Eigenwesen des Geistes, weg von den äußeren Objekten

Zur Sutra


Yoga Sutra II-55: Dadurch wird die Beherrschung der Sinne gemeistert

Zur Sutra


Yoga Sutra III-35: Samyama auf das Herz führt zum Wissen über die Natur unseres Bewußtseins

Zur Sutra


Yoga Sutra III-36: Äußeres Vergnügen beruht auf fehlender Unterscheidung zwischen wahrem Selbst und Intellekt. Samyama auf die Interessen des wahren Selbstes führt zum Erkennen des wahren Selbstes

Zur Sutra


Yoga Sutra III-49: Daraus folgt die Schnelligkeit des Geistes, unabhängig von den äußeren Sinnen, und Meisterschaft der Urnatur

Zur Sutra


Yoga Sutra III-55: Das Wissen der höchsten Unterscheidungskraft befähigt den Yogi, alle Dinge in Raum und Zeit gleichzeitig ganzheitlich in voller Transzendenz zu erfassen

Zur Sutra


13. Ergänzungen und Fragen von Lesern:innen

Ist etwas unklar geblieben? Kannst du etwas ergänzen oder korrigieren?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Oder kannst du etwas verdeutlichen oder berichtigen? Eine eigene Erfahrung schildern ... Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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14. Videos zu Sutra III-14

Anvita Dixit zu Sutra III-14

Länge: 9 Minuten

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Sukadev-Erläuterungen zur Konzentration in Sutra III-12 bis III-15

Länge: 5 Minuten

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Video von Ahnand Krishna zur Sutra

Asha Nayaswami zu Sutra III-11 bis III-15

Länge: 73 Minuten

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15. Beliebt & gut bewertet: Bücher zum Yogasutra


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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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