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Die Gebote im Yoga

Keine spirituelle Richtung kommt ohne Verhaltensregeln aus. Diese legen fest, welche ethischen Handlungsweisen für einen Aspiranten (oder auch jeden Menschen) förderlich sind. Was dem Christen die zehn Gebote, das sind dem Yogi die Yamas und Niyamas. Gleichzeitig sind sie die ersten beiden Stufen im Raja Yoga, dem achtgliedrigen Yoga-Pfad (auch Ashtanga- oder Kriya-Yoga genannt). Patanjali definiert Yama und Nyama im Yogasutra.

Was sind die Yamas und Niyamas? Wie werden diese in den alten Schriften ausgelegt? Und wie wende ich die Yamas und Niyamas im Alltag an? Der Artikel gibt Antwort und hält zwei Downloads (Poster & Merkkarte) parat.

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Punkt 1

Ausgangspunkt: Was sind Yamas und Niyamas?

Die Yamas und Niyamas werden bei Patanjali im Yogasutra ab Sutra II-38 besprochen. Yamas und Niyamas – Bedeutung:

Yoga Sutra II-29: Die acht Glieder des Yoga-Weges sind: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi

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Yamas & Niyamas als Poster

Wir haben ein Poster von den Yamas und Niyamas erstellt:

yamas niyamas poster 564

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Das Bild als DIN A4 - Poster:

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PDF  Poster Yamas und Niyamas

Yamas & Niyamas als Merkkarte

Alternativ/ergänzend kannst du dir die Yamas & Niyamas auch als kleine Merkkarte für die Geldbörse herunterladen. Einfach runterladen, ausdrucken und ausschneiden:

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PDF  Merkkarte Yamas und Niyamas

Punkt 2

Die Yamas – Selbstkontrolle

Sanskrit

  • Yama: Enthaltung; Selbstkontrolle;

Die Yamas sind Bestandteil des Sadharana Dharmas, allgemeine Verhaltensregeln der Hindus.

Yoga Sutra II-30: Die Yamas gründen auf Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, reinem Lebenswandel und Begierdenlosigkeit

Yoga Sutra II-31: Dieses große Gelübde ist universell, durchdringt alle Bereiche des Lebens und ist unabhängig von Status, Ort, Zeit oder äußeren Umständen

 

1. Ahimsa – Gewaltlosigkeit

Sanskrit

  • Himsa: Gewalt, Grausamkeit
  • Ahimsa: Nicht-Gewalt

Zugehörige Sutras:

Yoga Sutra II-34: Negative Gedanken der Gewalt - egal ob als Täter, Auftraggeber oder Begänstigter verübt, egal ob durch Gier, Ärger oder Getäuschtsein veranlasst, egal ob in der Ausführung mild, mittelmäßig oder übermäßig - führen zu endlosem Leid.

Yoga Sutra II-35: Ist die Gewaltlosigkeit im Yogi fest begründet, verschwindet jede Feindseligkeit in seiner Umgebung

Vom Wortlaut her fordert Ahimsa zunächst einmal ein Vermeiden von Gewalt. Meist wird es darüber hinaus als ein grundlegendes Nichtverletzen interpretiert. Dieses Nichtverletzen kann auf mehreren Ebenen ausgelegt werden:

Keine körperliche Gewalt gegen kein fühlendes Wesen
Beispielhaft steht hier das Leben von Mahatma Gandhi, der seinen Protest gegen die Besetzung Indiens durch die Engländer auf strikte Gewaltlosigkeit gründete. Doch nicht nur Schläge verursachen Schmerzen, auch Worte können tief verletzen. Von daher wird Ahimsa auch als Freundlichkeit in Worten verstanden.

Zudem sehen viele in Ahimsa eine Forderung des Yoga nach einem vegetarischem wenn nicht sogar veganem Leben.

Keine gewalttätigen Gedanken
Doch was nützt ein friedliches äußeres Gebaren deinem yogischen Fortschritt, wenn du in deinem Inneren jedem Zweiten die Pest an den Hacken wünscht? Wenig bis gar nichts. Darum wird Ahimsa auch als Forderung zu freundlichen Gedanken gegenüber jedermann verstanden.

Warum ist Ethik so wichtig im Yoga?

Manche sagen, weil man mit Yoga so außergewöhnliche Kräfte entwickele, brauche man hohe ethische Maßstäbe für das eigene Handeln. Wahrscheinlich hatten die alten Yogis bei der Formulierung der Yamas und Niyamas aber vor allem die Förderung der Geistesruhe des Yogis durch Einhalten bestimmter Regeln im Sinn.

Auch kein Himsa bei dir selbst
Doch nicht nur den anderen Wesen solltest du Freundlichkeit angedeihen lassen, du solltest auch nett zu dir selbst sein. Dich nicht ständig in Gedanken schelten, weil du heute wieder nicht alles geschafft hast. Deinen Körper nicht durch ungesundes Verhalten schädigen.

 

2. Satya – Wahrhaftigkeit

Sanskrit

  • Satya = Wahrhaftigkeit, Wahrheit;

Zugehörige Sutra:

Yoga Sutra II-36: Wenn Wahrhaftigkeit fest im Wesen des Yogis verankert ist, erhält er Früchte der Arbeit ohne zu handeln

Satya heißt im Grunde genommen vor allem, dass wir nicht lügen sollen. Was wie eine ethische Pflichtübung daherkommt, kann für die eigene Persönlichkeitsentwicklung und auf die Zusammensetzung unseres Umfeldes erhebliche Auswirkungen haben. Jeder, der ernsthaft versucht, die tausenderlei Notlügen, Verdrehungen oder „Lügen durch Übergehen“ im Alltag zu vermeiden, wird einschneidende Veränderungen in seinem Leben feststellen. Meist wird von (sehr) positiven Auswirkungen berichtet. Man muss sich aber erst einmal trauen, den Weg der Wahrhaftigkeit zu betreten ...

Zudem kann Satya in Konflikt mit Ahimsa (Nichtverletzen) geraten. Manchmal ist dann Schweigen der bessere Weg. Als Lösung bietet es sich hin und wieder auch an, diplomatisches Geschick bei der Wahl seiner Worte zu entwickeln. Ein andermal sollten wir vielleicht unsere negative Sicht über den Kritisierten oder dessen Verhalten überdenken. Wenn wir alle anderen als Idioten ansehen und uns ethische Pluspunkte davon versprechen, dies jedem offen mitzuteilen, könnten wir uns auf dem Holzweg befinden ...

Satya sollte ebenfalls auf sich selbst angewendet werden. Wir sollten uns nichts vormachen oder uns selbst belügen. Gedanken sind schnell gedacht und auch schnell verdreht gedacht. Darum ist das Führen eines spirituellen Tagebuches eine große Hilfe dabei, sich selbst gegenüber ehrlich zu werden.

Artikel: Ein spirituelles Tagebuch führen

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Ein spirituelles Tagebuch führen: Diese Ereignisse gehören hinein – mit Merkkarte und Vorlage zum Download

Das Niederschreiben unserer Erlebnisse, Gedanken und Gefühle hat mehrere erfreuliche und fördernde Wirkungen. Wir reflektieren das Geschehene, halten wertvolle Erkenntnisse fest und sind durch die Niederschrift zu Präzision und Klarheit angehalten. Im folgenden Artikel geben wir Tipps und Empfehlungen, wie man ein spirituelles Tagebuch führen kann. Inklusive Vorlage zum Gratis-Download.

 

3. Asteya – Nicht-Stehlen

Sanskrit

  • Steya: Stehlen, Diebstahl;
  • Asteya; Nicht-Stehlen;

Zugehörige Sutra:

Yoga Sutra II-37: Wenn Nichtstehlen fest im Wesen des Yogis verankert ist, wird aller Reichtum zu ihm kommen

„Du sollst nicht stehlen“. Das kommt bekannt vor. Aber es geht auch darum, kein geistiges Eigentum missbräuchlich zu verwenden oder gar als unsere Leistung auszugeben.

 

4. Brahmacharya – Selbstbeherrschung

Sanskrit

  • Brahma: das Wesentliche, das Eine Wahre;
  • Char: bewegen;
  • Brahmacharya: Mäßigung; Bewegung auf das Wesentliche hin; sexuelle Enthaltsamkeit; sexuelles Fehlverhalten vermeiden; Selbstbeherrschung; Maß halten;

Zugehörige Sutra:

Yoga Sutra II-38: Ist der reine Lebenswandel im Leben des Yogis fest begründet, erlangt er große Kraft

Wir sehen: Brahmacharya wird recht unterschiedlich übersetzt. Oft wird es als sexuelle Enthaltsamkeit oder sexuelle Zurückhaltung interpretiert. Manchmal als Aufforderung, treu zu sein. Ein andermal als Aufforderung zum reinen Lebenswandel. In modernen Interpretationen gerne auch als „Maß halten“.

Vom Prinzip her dürfte es darum gehen, den spirituellen Fortschritt nicht durch sexuelle Fehltaten oder andere Zügellosigkeiten zu verzögern.

 

5. Aparigraha – Nicht-Greifen

Sanskrit

  • Parigraha: Begehren; Gier;
  • Aparigraha: Nicht-Greifen; Nicht-Zugreifen; Nichtannehmen von Geschenken; Nicht-Begehren;

Zugehörige Sutra:

Yoga Sutra II-39: Wenn Begierdelosigkeit im Wesen des Yogis fest begründet ist, erkennt er den Sinn seiner Geburt

Hier wird der Yogi aufgefordert, seine Gier zu zügeln und im Leben nicht alles mitzunehmen, was irgendwie geht. Vor allem dann nicht, wenn vermeintliche Geschenke mit dem Ansinnen gegeben werden, unser Verhalten zu manipulieren.

Geschenke unter guten Freunden und Liebenden sind damit sicherlich nicht gemeint.

 

Um die Einhaltung welcher der Yamas bemühst du dich im täglichen Leben?

Perfekt ist wohl niemand von uns. Darum: In welchem Yama gibst du dir Mühe?

 

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Punkt 3 

Niyamas – Verhaltensregeln

Sanskrit

  • Niyama: Verhaltensregel; Einschränkung;

Grundlegende Sutra:

Yoga Sutra II-32: Die Nyamas lauten Reinheit, Zufriedenheit, Selbstdisziplin, Selbststudium und Hingabe

 

1. Saucha – Reinheit

Sanskrit

  • Sauca, Saucha: Sauberkeit; Reinheit, das Geklärte;

Zugehörige Sutras:

Yoga Sutra II-40: Durch Reinheit entsteht Abneigung gegenüber dem eigenen Körper und gegenüber der Berührung mit anderen Körpern

Yoga Sutra II-41: Mit der Reinheit entstehen auch Klarheit im Geist, innere Freude, Konzentration, Herrschaft über die Sinne und Selbstverwirklichung

Die Yogis wussten schon lange, dass innere und äußere Reinheit dem Menschen zuträglich ist. Saucha wird vielschichtig ausgelegt. Man versteht darunter unter anderem:

  • körperliche Hygiene
  • saubere Gedanken zu pflegen
  • vornehmlich sattvige, reine Nahrung zu sich zu nehmen
  • innere Reinheit anzustreben (hierfür stehen dem Yogi Pranayama, Asana und verschiedene Kriya-Yoga-Reinigungstechniken zur Verfügung)
  • eine saubere Wohnumgebung
  • einen aufgeräumternund sauberen Arbeitsplatz

Unter Saucha wird von mancher Stelle sogar die Aufforderung zu einer Lebensweise verstanden, die heutzutage mit Minimalismus bezeichnet wird. Siehe den Artikel "Warum Minimalismus?".

Artikel: Die 6 Yoga-Reinigungsübungen

 

2. Santosha – Zufriedenheit

Sanskrit

  • Santosha, Samtosa: Sanskrit Genügsamkeit, Bescheidenheit; Zufriedenheit;

Zugehörige Sutra:

Yoga Sutra II-42: Durch Zufriedenheit erfahren wir größte Freude.

Santosha steht für folgende Geisteshaltungen:

  1. Ich nehme alles so, wie es kommt.
  2. Ich bin mit dem zufrieden, wie es ist.

Das reicht von der Empfehlung, die geistige Haltung der Abneigung bzw. Ablehnung (von Erlebnissen, Menschen, Umständen usw.) immer weiter abzulegen bis hin zur Forderung, sich nicht mit anderen zu vergleichen.

Dies bedeutet nicht, dass man in seinem Leben nichts verändern darf. Es geht vielmehr darum, die negativen Folgen geistigen Haderns mit der Welt und den eigenen Erfahrungen zu vermeiden.

 

3. Tapas – Selbstzucht

Sanskrit

  • Tapas: Hitze, Glut; Intensität; Enthusiasmus; den Körper „erhitzen“; etwas mit Freude tun; Askese;

Zugehörige Sutra:

Yoga Sutra II-43: Selbstzucht löst die Unreinheiten von Körpern und Sinnen auf und zu führt zu deren Beherrschung und großer Kraft

Tapas hat viele Bedeutungen, auch im Yoga-Bereich. Hier bei den Niyamas wird es meist im Sinne von Selbstzucht verstanden. Gemeint ist sowohl die Disziplin beim Üben von Meditation, Asana und Co. als auch der bewusste Verzicht auf Annehmlichkeiten, die uns auf lange Sicht schwächen. Ziel ist ein Stärken von Körper und Geist.

 

4. Svadhyaya – Selbststudium

Sanskrit

  • Sva, Swa: selbst: „zu mir gehörig“;
  • Adhyaya: Untersuchung; Erforschung; nahe herangehen;
  • Svadhyaya, Swadhyaya: Selbststudium; Selbsterforschung; Selbstreflexion;

Zugehörige Sutra:

Yoga Sutra II-44: Durch Selbststudium wird man eins mit der ersehnten Gottheit (bzw. dem Ideal)

Hier fordert uns die Yogalehre dazu auf, uns selbst immer besser kennenzulernen. Uns unserer Gedanken und Einstellungen bewusst zu werden. Die Motive unseres Handelns zu erkennen.

Ideal zum Selbststudium: Ein spirituelles Tagebuch führen

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Ein spirituelles Tagebuch führen: Diese Ereignisse gehören hinein – mit Merkkarte und Vorlage zum Download

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Svadhyaya wird aber auch als Aufforderung zum „Studium der heiligen Schriften“ verstanden.

 

5. Ishvarapranidhana – Verehrung des Göttlichen

Sanskrit

  • Ishvarapranidhana, Ishvara Pranidhana: Verehrung des Göttlichen; Hingabe an Gott; Gottvertrauen;

Zugehörige Sutra:

Yoga Sutra II-45: Die Hingabe an Ishvara führt zu Samadhi und großen Kräften

Patanjali definiert „das Göttliche“ im Yogasutra nicht konkret. Es scheint, als will er jedem selbst überlassen, ob und wie er an etwas Göttliches glaubt. Allgemein könnte man Ishvarapranidhana als die Forderung nach einer Kultivierung einer Beziehung zu Gott verstehen.

Alle Sutras zu Ishvara / dem Göttlichen

Ishvarapranidhana lässt sich aber auch so deuten, dass man alles in Gottes Hände gibt. Sich schon selbst im Leben bemüht, aber das Ergebnis Gott überlässt.

Im täglichen Leben kannst du probieren, alles als göttlich anzusehen. So durch die Welt zu gehen kann sehr inspirierend sein.

 

Um die Einhaltung welcher der Niyamas bemühst du dich im täglichen Leben?

Wie oben bereits gesagt: Perfekt ist wohl niemand von uns. Darum: In welchem Niyama gibst du dir Mühe?

 

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Punkt 4

Die Yamas und Niyamas in der Hatha Yoga Pradipika

 Aus dem 1. Kapitel der Hatha-Yoga-Pradipika:

Vers I-15: Übermaß an Essen, zu starke Anstrengung, Geschwätz, Befolgung falscher Regeln, falsche Gesellschaft und Unbeständigkeit - diese sechs Sünden machen Yoga wirkungslos.

Vers I-16: Fester Wille/Enthusiasmus, Mut, Beharrlichkeit/Geduld, Wahrheit, wahres Wissen über das Sein und das Aufgeben von [nur unförderlicher?] Gemeinschaft mit Menschen – diese sechs Dinge führen den Yoga zum Erfolg.

Dann folgen die Regeln von Yama und Niyama, nahezu verdoppelt gegenüber den Sutras des Patanjali:

Hinweis: Die folgenden beiden Verse I-17 und I-18 wurden vermutlich erst späteren Textfassungen der Pradipika hinzugefügt.

Vers I-17: Nun folgen die Yama und Niyama: Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Selbstbeherrschung, Nachsicht, Entschlossenheit, Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Mäßigung und Reinheit sind gewiss Yama.

Vers I-18: Selbstzucht, Zufriedenheit, Gläubigkeit, Freigebigkeit, Gottes-Verehrung, Studium der Aussagen der heiligen Schriften, Schamhaftigkeit, Einsicht, Opfer und Japas [Mantrawiederholung, Gebete], das sind die 10 Niyamas, die von denjenigen genannt werden, die mit den Yoga-Schriften vertraut sind.

Punkt 5

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