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Die Gebote im Yoga

Keine spirituelle Richtung kommt ohne Verhaltensregeln aus. Diese legen fest, welche ethischen Handlungsweisen für einen Aspiranten (oder auch jeden Menschen) förderlich sind. Was dem Christen die zehn Gebote, das sind dem Yogi die Yamas und Niyamas. Gleichzeitig sind sie die ersten beiden Stufen im Raja Yoga, dem achtgliedrigen Yoga-Pfad (auch Ashtanga- oder Kriya-Yoga genannt). Patanjali definiert Yama und Nyama im Yogasutra.

Was sind die Yamas und Niyamas? Wie werden diese in den alten Schriften ausgelegt? Und wie wende ich die Yamas und Niyamas im Alltag an? Der Artikel gibt Antwort und hält zwei Downloads (Poster & Merkkarte) parat.

Punkt 1

Ausgangspunkt: Was sind Yamas und Niyamas?

Die Yamas und Niyamas werden bei Patanjali im Yogasutra ab Sutra II-38 besprochen. Yamas und Niyamas – Bedeutung:

Yoga Sutra II-29: Die acht Glieder des Yoga-Weges sind: Yama (Umgangsregeln), Niyama (Enthaltungen), Asana (Stellungen), Pranayama (Atemregulierung), Pratyahara (Sinnesrückzug), Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Erleuchtung)

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Yamas & Niyamas als Poster

Wir haben ein Poster von den Yamas und Niyamas erstellt:

yamas niyamas poster 564

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Yamas & Niyamas als Merkkarte

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Punkt 2

Die Yamas – Selbstkontrolle

Sanskrit

  • Yama: Enthaltung; Selbstkontrolle;

Die Yamas sind Bestandteil des Sadharana Dharmas, allgemeine Verhaltensregeln der Hindus.

Yoga Sutra II-30: Die förderlichen Selbstbeschränkungen (yamas) sind Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Enthaltsamkeit und Begierdelosigkeit

Yoga Sutra II-31: Die Yamas sind überall einzuhalten, unabhängig vom eigenen Status, dem Ort, der Zeit oder den äußeren Umständen – sie stellen das Große Gelübde dar

 

1. Ahimsa – Gewaltlosigkeit

Sanskrit

  • Himsa: Gewalt, Grausamkeit
  • Ahimsa: Nicht-Gewalt

Zugehörige Sutra:

Yoga Sutra II-34: Gedanken und Zweifel, die zu schädigendem Verhalten führen – egal ob dies selbst getan, in Auftrag gegeben oder nur begünstigt wird, egal ob durch Gier, Ärger oder Verblendung motiviert, egal ob in der Ausführung mild, mittelmäßig

Vom Wortlaut her fordert Ahimsa zunächst einmal ein Vermeiden von Gewalt. Meist wird es darüber hinaus als ein grundlegendes Nichtverletzen interpretiert. Gewaltlosigkeit meint, niemals einem Lebewesen in irgendeiner Form Schaden zuzufügen. Ahimsa wird auch als Grundlage für die folgenden Yamas und Niyamas gedeutet.

Dieses Nichtverletzen kann auf mehreren Ebenen ausgelegt werden:

  • Keine körperliche Gewalt gegen kein fühlendes Wesen
    Beispielhaft steht hier das Leben von Mahatma Gandhi, der seinen Protest gegen die Besetzung Indiens durch die Engländer auf strikte Gewaltlosigkeit gründete. Doch nicht nur Schläge verursachen Schmerzen, auch Worte können tief verletzen. Von daher wird Ahimsa auch als Freundlichkeit in Worten verstanden.
    Zudem sehen viele in Ahimsa eine Forderung des Yoga nach einem vegetarischem wenn nicht sogar veganem Leben.
  • Keine gewalttätigen Gedanken
    Doch was nützt ein friedliches äußeres Gebaren deinem yogischen Fortschritt, wenn du in deinem Inneren jedem Zweiten die Pest an den Hacken wünscht? Wenig bis gar nichts. Darum wird Ahimsa auch als Forderung zu freundlichen Gedanken gegenüber jedermann verstanden.

Im Patanjalayogasastra (beinhaltet den Kommentar zum Yogasutra vom mystischen Vyasa, zitiert aus „Roots of Yoga“), wird Ahimsa  als Grundlage für die folgenden Yamas und Niyamas gedeutet. Dort heißt es:

"Von diesen bedeutet Gewaltlosigkeit, niemals einem Lebewesen in irgendeiner Weise Schaden zuzufügen. Die anderen Regeln und Observanzen sind darin verwurzelt. Sie werden praktiziert, um sie zu praktizieren, mit dem Ziel, sie zu vervollkommnen. Sie werden nur deshalb dargelegt, um seine reine Form herbeizuführen. Und so heißt es: „In der Tat, je mehr dieser Brahmane hier viele Gelübde ablegen möchte, desto mehr praktiziert er eben jene Gewaltlosigkeit in ihrer reinen Form, indem er von den Ursachen der aus Unachtsamkeit ausgeübten Gewalt Abstand nimmt."

Warum ist Ethik so wichtig im Yoga?

Manche sagen, weil man mit Yoga so außergewöhnliche Kräfte entwickele, brauche man hohe ethische Maßstäbe für das eigene Handeln. Wahrscheinlich hatten die alten Yogis bei der Formulierung der Yamas und Niyamas aber vor allem die Förderung der Geistesruhe des Yogis durch Einhalten bestimmter Regeln im Sinn.

Auch kein Himsa bei dir selbst

Viele Kommentatoren verstehen die Forderung nach Ahimsa weit: Die Gewaltlosigkeit müsse auch der eigenen Person zuteilwerden, auch „dem eigenen Wesen“ (R. Palm). Nicht nur den anderen Wesen solltest du Freundlichkeit angedeihen lassen, du solltest auch nett zu dir selbst sein. Dich nicht ständig in Gedanken schelten, weil du heute wieder nicht alles geschafft hast. Deinen Körper nicht durch ungesundes Verhalten schädigen.

Ich soll weder in Taten, noch Worten und (vor allem?) auch nicht in Gedanken verletzen, nicht andere, nicht mich, auch kein Tier, gar kein fühlendes Wesen.

Grenzen von Ahimsa

Diese Forderung – radikal gedeutet – würde wohl zum eigenen Verhungern führen (was manche Jainas wohl wegen dieser Deutungsart auch so vollziehen). Neben anderen plädiert Skuban dazu, den gesunden Menschenverstand bei der Befolgung der Forderung nach Nichtverletzen einzuschalten, um zu beurteilen, wie weit Ahimsa in unserem Leben reichen kann. Für den einen ist es die klare Forderung danach, vegan zu leben, ein anderer sieht es so, wie Cicero einst schrieb: „Töte mich, um zu essen, aber morde nicht, um besser zu essen.“

Die Antwort nach den Grenzen von Ahimsa sei individuell, so mehrere Kommentatoren, müsse aber entschieden weiter reichen, als das, womit sich die Menschheit zur Zeit begnügt.

R. Skuban betont die große Wirksamkeit von Ahimsa. Er sagt: „... würde die Mehrheit der Menschen nur diesen ersten Schritt des Yoga-Weges beherzigen, wären wir dem Paradies auf Erden schon sehr nah.“

Sutra II-35: Was folgt, wenn wir Ahimsa befolgen

Yoga Sutra II-35: Ist die Gewaltlosigkeit im Yogi fest begründet, verschwindet jede Feindseligkeit in seiner Umgebung

Ahimsâ-pratishthâyâam tat-samnidhau vaira-tyâgah
अहिंसाप्रतिष्ठायं तत्सन्निधौ वैरत्याघः

 

 

2. Satya – Wahrhaftigkeit

Sanskrit

  • Satya = Wahrhaftigkeit, Wahrheit;

Im Patanjalayogasastra (beinhaltet den Kommentar zum Yogasutra vom mystischen Vyasa, zitiert aus „Roots of Yoga“) heißt es:

„Wahrhaftigkeit ist, wenn Rede und Geist mit ihrem Objekt übereinstimmen und wenn Rede und Geist mit dem übereinstimmen, was gesehen oder gefolgert wird. Wenn sie geäußert wird um einem anderen die eigenen Gedanken mitzuteilen, sollte die Rede nicht trügerisch, verworren oder ohne Information sein. Sie sollte unternommen werden, um allen Wesen zu nützen, nicht um Wesen zu verletzen. Und selbst wenn die Rede auf diese Weise [d.h. wahrheitsgemäß] geäußert wird, aber mit der alleinigen Absicht, den Wesen zu schaden, dann liegt keine Wahrhaftigkeit vor, sondern nur Sünde. Durch diesen bloßen Schein der Tugend, diese Fälschung der Tugend, würde man in schrecklicher Dunkelheit enden. Deshalb sollte man, nachdem man das Wohl aller sorgfältig bedacht hat, die Wahrheit sprechen.“

Siehe auch: Die drei Siebe des Weisen von Sokrates

tempel griechenland verfallen himmel 1000

Drei Siebe des Sokrates (bzw. des Weisen, der Weisheit oder der Wahrheit)

Zum weisen Sokrates kam der junge Polimus gelaufen und er rief bereits von Weitem: "Höre, Sokrates. Ich muss dir etwas erzählen!"

"Halte ein!" unterbracht ihn der Weise, "hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?"

"Drei Siebe?", fragte Polimus voller Verwunderung.

 ➔ Hier weiterlesen auf blueprints.de

Satya heißt im Grunde genommen vor allem, dass wir nicht lügen sollen. Was wie eine ethische Pflichtübung daherkommt, kann für die eigene Persönlichkeitsentwicklung und auf die Zusammensetzung unseres Umfeldes erhebliche Auswirkungen haben. Jeder, der ernsthaft versucht, die tausenderlei Notlügen, Verdrehungen oder „Lügen durch Übergehen“ im Alltag zu vermeiden, wird einschneidende Veränderungen in seinem Leben feststellen. Meist wird von (sehr) positiven Auswirkungen berichtet. Man muss sich aber erst einmal trauen, den Weg der Wahrhaftigkeit zu betreten ...

Konfliktpotenzial

Satya kann in Konkurrenz zu Ahimsa stehen, wenn das wahre Wort jemand anderen verletzen würde. Hier gilt es abzuwägen. Im Thirukkural heißt es sogar:

„Auch eine Lüge ist als Wahrheit zu bewerten, wenn diese Lüge niemanden schadet aber bei jemand anderen Gutes bewirkt.“

Manchmal ist dann Schweigen der bessere Weg. Als Lösung bietet es sich hin und wieder auch an, diplomatisches Geschick bei der Wahl seiner Worte zu entwickeln. Ein andermal sollten wir vielleicht unsere negative Sicht über den Kritisierten oder dessen Verhalten überdenken. Wenn wir alle anderen als Idioten ansehen und uns ethische Pluspunkte davon versprechen, dies jedem offen mitzuteilen, könnten wir uns auf dem Holzweg befinden ...

Weite Auslegung

Mehrere Kommentatoren legen – wie bei den anderen Yamas auch – dieses Yama weit aus. Satya meine auch:

  • nicht übertreiben
  • nichts vortäuschen
  • nicht heucheln
  • nicht betrügen
  • Ehrlichkeit in der Werbung
  • völlige Aufgabe von Selbsttäuschungen
  • nur das aussprechen, was erbaulich und/oder sinnvoll ist
  • usw.

Satya sollte ebenfalls auf sich selbst angewendet werden. Wir sollten uns nichts vormachen oder uns selbst belügen. Gedanken sind schnell gedacht und auch schnell verdreht gedacht. Darum ist das Führen eines spirituellen Tagebuches eine große Hilfe dabei, sich selbst gegenüber ehrlich zu werden.

Sutra II-36: Was folgt, wenn wir Satya befolgen

Yoga Sutra II-36: Wenn Wahrhaftigkeit fest im Wesen des Yogis verankert ist, erhält er Früchte der Arbeit ohne zu handeln

Satyapratiṣṭhāyāṁ kriyāphalāśrayatvam
सत्यप्रतिष्ठायां क्रियाफलाश्रयत्वम्

 

Artikel: Ein spirituelles Tagebuch führen

Spirituelles Tagebuch führen

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Ein spirituelles Tagebuch führen: Diese Ereignisse gehören hinein – mit Merkkarte und Vorlage zum Download

Das Niederschreiben unserer Erlebnisse, Gedanken und Gefühle hat mehrere erfreuliche und fördernde Wirkungen. Wir reflektieren das Geschehene, halten wertvolle Erkenntnisse fest und sind durch die Niederschrift zu Präzision und Klarheit angehalten. Im folgenden Artikel geben wir Tipps und Empfehlungen, wie man ein spirituelles Tagebuch führen kann. Inklusive Vorlage zum Gratis-Download.

 

3. Asteya – Nicht-Stehlen

Sanskrit

  • Steya: Stehlen, Diebstahl;
  • Asteya; Nicht-Stehlen;

„Du sollst nicht stehlen“. Das kommt bekannt vor. Aber es geht auch darum, kein geistiges Eigentum missbräuchlich zu verwenden oder gar als unsere Leistung auszugeben.

Im Patanjalayogasastra (beinhaltet den Kommentar zum Yogasutra vom mystischen Vyasa, zitiert aus „Roots of Yoga“) heißt es:

„Stehlen ist die unrechtmäßige Aneignung von fremdem Besitz für sich selbst; seine Ablehnung dagegen ist Nicht-Stehlen, das sich in Form von Lustlosigkeit äußert.“

Manche Kommentatoren sehen die moralische Forderung weiter. Auch Missgunst über Hab und Gut anderer gilt es zu vermeiden. Man sollte am besten gar nicht erst das haben wollen, was jemand anderes hat.

Sutra II-37: Was folgt, wenn wir Asteya befolgen

Yoga Sutra II-37: Wenn Nichtstehlen fest im Wesen des Yogis verankert ist, wird aller Reichtum zu ihm kommen

Asteya-pratishthâyâm sarva-ratnopasthânam
अस्तेयप्रतिष्ठायां सर्वरत्नोपस्थानम्

 

 

4. Brahmacharya – Selbstbeherrschung / Enthaltsamkeit

Sanskrit

  • Brahma: das Wesentliche, das Eine Wahre;
  • Char: bewegen;
  • Brahmacharya: Mäßigung; Bewegung auf das Wesentliche hin; sexuelle Enthaltsamkeit; sexuelles Fehlverhalten vermeiden; Selbstbeherrschung; Maß halten;

Wir sehen: Brahmacharya wird recht unterschiedlich übersetzt. Oft wird es als sexuelle Enthaltsamkeit oder sexuelle Zurückhaltung interpretiert. Manchmal als Aufforderung, treu zu sein. Ein andermal als Aufforderung zum reinen Lebenswandel. In modernen Interpretationen gerne auch als „Maß halten“.

Brahmacharya heißt wörtlich „brahmischer Wandel“ und meint ein Verhalten, das zum Ziel die Allseele (R. Palm) oder im yogischen Sinne auch „Purusha – das wahre Selbst“ hat. Also eine Lebensweise, die zur Erleuchtung, zum höchsten Ziel führt. Enthaltsamkeit in diesem Sinne würde „das rechte Maß einhalten“ bedeuten, vernünftig leben. Ein Zuviel aber auch ein Zuwenig vermeiden. In diesem Sinne wäre es zu kurz gegriffen, Brahmacharya nur auf den Sex zu beziehen.

Meist wird Brahmacharya aber auf sexuelle Enthaltsamkeit bezogen oder als Aufforderung zu moralisch einwandfreier Sexualität verstanden (zu deuten als: Sex, der niemanden verletzt, erniedrigt oder Lügen nach sich zieht).

Vom Prinzip her dürfte es darum gehen, den spirituellen Fortschritt nicht durch sexuelle Fehltaten oder andere Zügellosigkeiten zu verzögern.

Govindan schreibt: mit Enthaltsamkeit „kann man vieles loslassen, was ... gewöhnlich eine große Quelle der Ablenkung und des Leids ist.“

Im Patanjalayogasastra (beinhaltet den Kommentar zum Yogasutra vom mystischen Vyasa, zitiert aus „Roots of Yoga“) heißt es:

„Sexuelle Enthaltsamkeit ist Enthaltsamkeit des verborgenen Organs, der Genitalien.“

Sutra II-38: Was folgt, wenn wir Brahmacharya befolgen

Yoga Sutra II-38: Ist der reine Lebenswandel im Leben des Yogis fest begründet, erlangt er große Kraft

brahmacarya pratiṣṭhāyāṁ vīrya-lābhaḥ
ब्रह्मचर्यप्रतिष्ठायां वीर्यलाभः

 

Details zur Enthaltsamkeit in alten Yoga-Schriften

Liṅgapurāṇa-Detaianweisungen sexuellen Enthaltsamkeit: 

1.8.16 Für Asketen, die sexuelle Enthaltsamkeit (brahmacarya) praktizieren, heißt [sexuelle Enthaltsamkeit], sich nicht durch Handlungen des Geistes, der Rede oder des Körpers am Geschlechtsverkehr zu beteiligen.

1.8.17 Dies bezieht sich insbesondere auf Einsiedler, die ohne Ehefrauen leben. Ich werde dich auch über die sexuelle Enthaltsamkeit von Haushältern belehren, die mit Ehefrauen leben.

1.8.18 Für sie heißt sexuelle Enthaltsamkeit, dass sie [den Geschlechtsverkehr] mit ihren Frauen vorschriftsmäßig vollziehen und sich ansonsten immer in Gedanken, Taten und Worten davon zurückhalten.

1.8.19 Nachdem die rituell reine Ehefrau den Geschlechtsverkehr vollzogen hat, sollte sie ein Bad nehmen. Indem er sich so verhält, ist der disziplinierte Hausvater sicherlich sexuell enthaltsam.

Brahmacharya : diese vier Fehler meiden

Wim van den Dungen schreibt in seinem Kommentar zu Brahmacharya:

"Sexuelles Fehlverhalten : wird im Hinblick auf die „Vier Fehler“ analysiert:

  1. falsches Objekt: jedes ungeeignete Objekt der Aufmerksamkeit: für einen zölibatären Mönch (Nonne): jede andere Person, für einen Laien: der Partner eines anderen, unsere eigenen Eltern , ein Kind, ein Mönch (Nonne), eine schwangere Frau, Tiere, jede nicht zustimmende Person;
  2.  falsches Organ: falscher Ort im Körper;
  3.  falscher Ort: Orte, die andere beleidigen (öffentlicher Raum oder heiliger Raum);
  4. falsche Zeit: während der Schwangerschaft, Krankheit oder wenn man Gelübde abgelegt hat;"

Eliade schreibt in "Yoga" auf Seite 58:

"Der Yoga legt ein besonderes Gewicht auf jene -verborgenen Kräfte der Zeugungsfähigkeit-, deren Ausgeben die kostbarste Energie verschwendet, die Kraft des Gehirns schwächt und die Konzentration erschwert ... Und zwar bedeute sexuelle Enthaltsamkeit (brahmacarya) nicht nur Verzicht auf sexuelle Akte, sondern auch das -Verbrennen- der fleischlichen Versuchung selbst. Der Instinkt darf weder ... im Unterbewusstsein sich ausbreitend erhalten bleiben , noch ... sublimiert werden, sondern er wird ganz einfach zertstört ..."

5. Aparigraha – Nicht-Greifen, Verzicht auf Gier

Sanskrit

  • Parigraha: Begehren; Gier;
  • Aparigraha: Nicht-Greifen; Nicht-Zugreifen; Nichtannehmen von Geschenken; Nicht-Begehren; Nichtumfassen;

Im Patanjalayogasastra (beinhaltet den Kommentar zum Yogasutra vom mystischen Vyasa, zitiert aus „Roots of Yoga“) heißt es:

„Nicht-Erwerbstätigkeit ist, die Objekte der Sinne nicht für sich selbst zu nehmen, weil man die Fehler des Erwerbens, Beschützens, Verlierens, Anhaftens oder Schädigens an ihnen sieht.“

Hier wird der Yogi aufgefordert, seine Gier zu zügeln und im Leben nicht alles mitzunehmen, was irgendwie geht. Vor allem dann nicht, wenn vermeintliche Geschenke mit dem Ansinnen gegeben werden, unser Verhalten zu manipulieren.

Aparigraha meint in anderen Texten auch das Nichtannehmen von Geschenken, die mit einer Absicht gegeben werden. In anderen Worten: unbestechlich sein, sich nicht für Lohn verbiegen. Geschenke unter guten Freunden und Liebenden sind damit vermutlich nicht gemeint.

In einem noch weitergehenden Sinne fordert Aparigraha, sogar die Aufgabe von Gewinnsucht und keinen Besitz zu horten.

Sutra II-39: Was folgt, wenn wir Aparigraha befolgen

Yoga Sutra II-39: Wenn Begierdelosigkeit im Wesen des Yogis fest begründet ist, erkennt er den Sinn seiner Geburt

Aparigrahasthairye janmakathantāsambodhaḥ
अपरिग्रहस्थैर्ये जन्मकथंतासंबोधः

 

 

Umfrage: Welches Yama hälst du ein?

Um die Einhaltung welcher der Yamas bemühst du dich im täglichen Leben?

Perfekt ist wohl niemand von uns. Darum: In welchem Yama gibst du dir Mühe?

 

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Punkt 3 

Niyamas – Verhaltensregeln

Sanskrit

  • Niyama: Verhaltensregel; Einschränkung;

Grundlegende Sutra:

Yoga Sutra II-32: Die Nyamas lauten Reinheit, Zufriedenheit, Selbstdisziplin, Selbststudium und Hingabe an Gott

 

1. Saucha – Reinheit

Sanskrit

  • Sauca, Saucha: (innere und äußere) Reinheit; Klarheit; Sauberkeit; Entschlackung; das Geklärte;

Zugehöriges Element: Erde (körperliche Hülle);

Die Yogis wussten schon lange, dass innere und äußere Reinheit dem Menschen zuträglich ist. Saucha wird vielschichtig ausgelegt. Man versteht darunter unter anderem:

  • körperliche Hygiene (äußere Reinheit)
  • saubere Gedanken zu pflegen (energetische und mentale Ebene)
  • vornehmlich sattvige, leichte, vegetarisch/vegane und reine Nahrung zu sich zu nehmen (gesunde Ernährung)
  • innere Reinheit anzustreben (hierfür stehen dem Yogi Pranayama, Asana und verschiedene Kriya-Yoga-Reinigungstechniken zur Verfügung)
  • eine saubere Wohnumgebung
  • einen aufgeräumternund sauberen Arbeitsplatz
  • Asana und Pranayama zur inneren Reinigung zu üben

Deshpande/Bäumer schreiben: "Der Yogaweg verlangt Reinigung" wie die Gewinnung von reinem Gold die Entferfnung der Schmutzklumpen im Golderz notwenig mache.

Etwas darüber hinausgehend kann man unter Saucha auch die Forderung sehen, sich nicht durch die ungefilterte Aufnahme von schlechten Nachrichten innerlich zu verschmutzen. Buddha spricht in diesem Zusammenhang davon, dass er Schlechtes nicht in sein "Herz einlässt". Siehe dazu auch Sutra II-33, in der eine Kultivierung positiver Gedanken angemahnt wird. Vyasa (Kommentator des Yogasutra) fügt hinzu, dass Sauca auch meine, Unreinheiten des Geistes zu reinigen (Eliade, Yoga, S.58f).

Unter Saucha wird von mancher Stelle sogar die Aufforderung zu einer Lebensweise verstanden, die heutzutage mit Minimalismus bezeichnet wird. Siehe den Artikel "Warum Minimalismus?".

Deshpande/Bäumer hingegen wollen eine Betonung der "Reinigung des Sehens" bei Saucha verstanden wissen. Der Yogi müsse zum "reinen Schauen" finden, dies führe zu "Loslösung und Befreiung" und sei "der Kern der Reinigung".

Im Yoga wurden Techniken entwickelt, auch das Innere des Körpers mechanisch zu reinigen:

Artikel: Die 6 Yoga-Reinigungsübungen

Ähnliche Reinigungstechniken finden sich übrigens im  Evangelium der Essener, wie man bei Ralph Skuban nachlesen kann.

Sutras: Was folgt, wenn wir Saucha befolgen{/source Yoga Sutra II-40: Durch Reinheit entsteht Abneigung gegenüber dem eigenen Körper und gegenüber der Berührung mit anderen Körpern Weiterlesen ... Yoga Sutra II-41: Mit der Reinheit entstehen auch Klarheit im Geist, innere Freude, Konzentration, Herrschaft über die Sinne und Selbstverwirklichung Weiterlesen ... {source}

 

2. Santosha – Zufriedenheit

Sanskrit

  • Santosha, Samtosa: Sanskrit Genügsamkeit, Bescheidenheit; Zufriedenheit;

Zugehöriges Element: Wasser (physiologische Hülle);

Santosha steht für folgende Geisteshaltungen:

  1. Ich nehme alles so, wie es kommt.
  2. Ich bin mit dem zufrieden, wie es ist.

Das reicht von der Empfehlung, die geistige Haltung der Abneigung bzw. Ablehnung (von Erlebnissen, Menschen, Umständen usw.) immer weiter abzulegen bis hin zur Forderung, sich nicht mit anderen zu vergleichen.

Dies bedeutet nicht, dass man in seinem Leben nichts verändern darf. Es geht vielmehr darum, die negativen Folgen geistigen Haderns mit der Welt und den eigenen Erfahrungen zu vermeiden.

Hariharananda Aranhya (1869-1947), Kommentar des Yogasutra, verdeutlicht:

"Um Dornen zu entgehen, ist es lediglich nötig, Schuhe zu tragen, nicht jedoch, die ganze Erde mit Leder zu überziehen."

Ramana Maharshi (1879-1950) geht noch einen Schritt weiter: Wenn der Wunsch eines Menschen erfüllt wird, er (mehr oder weniger kurz) zufrieden ist, "kehrt er in Wirklichkeit zu seinem Ursprung zurück und erfreut sich an dem Glück, das das Selbst ist" (beides zitiert aus Ralph Skuban). Mit Santosha würde ein Mensch also nur seine eigentliche Natur empfinden.

Deshpande/Bäumer sehen in Santosha, dass Begierden, Wünsche, Gier und der unstillbare Hunger nach einem Mehr von allem, was man für wünschenswert hält, zur Ruhe kommen. Irgendwann sei nichts mehr von Bedeutung, was nicht "das reine Schauen und das rechte Verstehen der existenziellen Situation fördert."

Sutra: Was folgt, wenn wir Santosha befolgen

Yoga Sutra II-42: Durch Zufriedenheit erfahren wir größte Freude.

 

3. Tapas – Selbstzucht

Sanskrit

  • Tapas: Hitze, Glut; Intensität; Enthusiasmus; den Körper „erhitzen“; etwas mit Freude tun; Askese; Selbstzucht; Selbstdisziplin; inneres Feuer; Hitze; Intensität der Disziplin; ständige Übung; Anstrengung;

Zugehöriges Element: Feuer (psychische Hülle);

Tapas hat viele Bedeutungen, auch im Yoga-Universum. Hier bei den Niyamas wird es meist im Sinne von Selbstzucht verstanden. Gemeint ist sowohl die Disziplin beim Üben von Meditation, Asana und Co. als auch der bewusste Verzicht auf Annehmlichkeiten, die uns auf lange Sicht schwächen. Ziel ist ebenfalls über innere und äußere Reinheit ein Stärken von Körper und Geist.

Es geht bei den Tapas auch darum, Wiederstände zu überwinden (morgens aufstehen und meditieren), sich ungesunder Vergnügungen zu enthalten (die fünfte Tasse Kaffee ...) und dem Bewahren eines klaren und positiven Geistes trotz widriger äußerer Umstände (z. B. bei einer Beleidigung innerlich nicht aufzubrausen).

Sutra: Was folgt, wenn wir Tapas befolgen

Yoga Sutra II-43: Selbstzucht löst die Unreinheiten von Körpern und Sinnen auf und zu führt zu deren Beherrschung und großer Kraft

 

4. Svadhyaya – Selbststudium (Studium)

Sanskrit

  • Sva, Swa: selbst: „zu mir gehörig“;
  • Adhyaya: Untersuchung; Erforschung; nahe herangehen;
  • Svadhyaya, Swadhyaya: Selbststudium; Selbsterforschung; Selbstreflexion; (innere) Reflexion; lernen von sich selbst; auf sich selbst achten;

Zugehöriges Element: Luft (intelektuelle Hülle);

Hier fordert uns die Yogalehre dazu auf, uns selbst immer besser kennenzulernen. Uns unserer Gedanken und Einstellungen bewusst zu werden. Die Motive unseres Handelns zu erkennen.

In einem engeren Sinne wird Svadhya als Studium spiritueller Schriften ausgelegt. Aber auch dieses Lesen heiliger Texte soll uns letzlich zur Selbsterforschung, zum Gang nach Innen motivieren.

Sutra: Was folgt, wenn wir Svadhyaya befolgen

Yoga Sutra II-44: Durch Selbststudium wird man eins mit der ersehnten Gottheit (bzw. dem Ideal)

Ideal zum Selbststudium: Ein spirituelles Tagebuch führen

Spirituelles Tagebuch führen

Tagebuch Mönch

Ein spirituelles Tagebuch führen: Diese Ereignisse gehören hinein – mit Merkkarte und Vorlage zum Download

Das Niederschreiben unserer Erlebnisse, Gedanken und Gefühle hat mehrere erfreuliche und fördernde Wirkungen. Wir reflektieren das Geschehene, halten wertvolle Erkenntnisse fest und sind durch die Niederschrift zu Präzision und Klarheit angehalten. Im folgenden Artikel geben wir Tipps und Empfehlungen, wie man ein spirituelles Tagebuch führen kann. Inklusive Vorlage zum Gratis-Download.

 

5. Ishvarapranidhana – Verehrung des Göttlichen

Sanskrit

  • Ishvarapranidhana, Ishvara Pranidhana: Verehrung des Göttlichen; Hingabe an Gott; Verehrung Gottes; Verehrung des Göttlichen; Gottvertrauen; Annehmen des Schicksals;

Zugehöriges Element: Äther (spirituelle Hülle);

Patanjali definiert „das Göttliche“ im Yogasutra nicht konkret. Es scheint, als will er jedem selbst überlassen, ob und wie er an etwas Göttliches glaubt. Allgemein könnte man Ishvarapranidhana als die Forderung nach einer Kultivierung einer Beziehung zu Gott verstehen.

Ralph Skuban schreibt: "Die Hingabe ... kann eine Art Schnellstraße zum inneren Licht sein."Er zählt darunter auch das Sprechen (heiliger) Mantras, Gebete, rituelle Handlungen oder Karmayoga.

Dr. Steiner übersetzt Iishvara-Pranidhana als "Annehmen seines Schicksals" – eine der wenigen Übersetzungen, die ohne Gott auskommt.

Ishvarapranidhana lässt sich aber auch so deuten, dass man alles in Gottes Hände gibt. Sich schon selbst im Leben bemüht, aber das Ergebnis Gott überlässt.

Im täglichen Leben kannst du probieren, alles als göttlich anzusehen. So durch die Welt zu gehen kann sehr inspirierend sein.

Mystiker gehen noch weiter. Sie erstreben völlige Selbstaufgabe, eine Art Sterben im Leben, gemeint ist vermutlich die völlige Aufgabe des Ego über die bedingungslose Hingabe (Liebe) zum Höchsten bzw. der Quelle, aus der alles entstand, meist Gott genannt. Im Zen (ohne Gott) heißt es ähnlich:

"Der Suchende wird zum Tal."

Dann werden alle Geheimnisse der Seele offenbart (Johannes vom Kreuz, 1542-1591, schrieb dies im Dunklen einer Gefängniszelle, inmitten der Folter durch die Inquisition in der Schrift "Die dunkle Nacht der Seele", gefunden bei Ralph Skuban). 

Sutra: Was folgt, wenn wir Ishvarapranidhana befolgen

Yoga Sutra II-45: Die Hingabe an Ishvara führt zu Samadhi und großen Kräften

Alle Sutras zu Ishvara / dem Göttlichen bzw. der Hingabe daran

 

Umfrage: Welches Niyama hälst du ein?

Um die Einhaltung welcher der Niyamas bemühst du dich im täglichen Leben?

Wie oben bereits gesagt: Perfekt ist wohl niemand von uns. Darum: In welchem Niyama gibst du dir Mühe?

 

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Punkt 4

Die Yamas und Niyamas in der Hatha Yoga Pradipika

 Aus dem 1. Kapitel der Hatha-Yoga-Pradipika:

Vers I-15: Übermaß an Essen, zu starke Anstrengung, Geschwätz, Befolgung falscher Regeln, falsche Gesellschaft und Unbeständigkeit - diese sechs Sünden machen Yoga wirkungslos.

Vers I-16: Fester Wille/Enthusiasmus, Mut, Beharrlichkeit/Geduld, Wahrheit, wahres Wissen über das Sein und das Aufgeben von [nur unförderlicher?] Gemeinschaft mit Menschen – diese sechs Dinge führen den Yoga zum Erfolg.

Dann folgen die Regeln von Yama und Niyama, nahezu verdoppelt gegenüber den Sutras des Patanjali:

Hinweis: Die folgenden beiden Verse I-17 und I-18 wurden vermutlich erst späteren Textfassungen der Pradipika hinzugefügt.

Vers I-17: Nun folgen die Yama und Niyama: Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Selbstbeherrschung, Nachsicht, Entschlossenheit, Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Mäßigung und Reinheit sind gewiss Yama.

Vers I-18: Selbstzucht, Zufriedenheit, Gläubigkeit, Freigebigkeit, Gottes-Verehrung, Studium der Aussagen der heiligen Schriften, Schamhaftigkeit, Einsicht, Opfer und Japas [Mantrawiederholung, Gebete], das sind die 10 Niyamas, die von denjenigen genannt werden, die mit den Yoga-Schriften vertraut sind.

Punkt 5

Warum sollten wir die Yamas und Niyamas im täglichen Leben einhalten?

Die Gründe in Kurzform:

  • Um spirituell wachsen zu können
  • Um Leiden zu vermeiden
  • Um positive Gefühle und gutes Karma anzusammeln
  • Als Richtschnur für den spirituellen Pfad und zum Selbstschutz
  • Wir werten uns nicht ab
  • Um eine ungünstige / leidvolle Wiedergeburt zu umgehen
  • Um gesund zu bleiben und tiefer zu meditieren

Erläuterungen zu diesen Gründen in Sutra II-30 (die Yamas) und Sutra II-32 (Niyamas).

 Spezifische Vorteile der Yamas

Punkt 5

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Yamas & Niyamas als Poster

Wir haben ein Poster von den Yamas und Niyamas erstellt:

yamas niyamas poster 564

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Angebote zu Yamas Niyamas:



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