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genuegsam blume mauer 250Aparigrahasthairye janmakathantāsambodhaḥ
अपरिग्रहस्थैर्ये जन्मकथंतासंबोधः

Aparigraha – die Begierdelosigkeit oder Anspruchslosigkeit – ist laut Iyengar der subtilste Aspekt der Yamas und stellt hohe Anforderungen an Yoga-Aspiranten. Aber es helfe nichts: wenn wir uns darüber klar werden wollen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir gehen, müssen wir das Haben-Wollen loslassen. Die Begründungen dafür sind durchaus nachvollziehbar.

In II-39 werden die (wundersamen) Folgen von Aparigraha erläutert ► Was meint Aparigraha konkret? ► Übersetzungsalternativen ► Wirkungsabläufe ► Weiterer Nutzen von Aparigraha ► Übung

Punkt 1

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Aparigraha = Nicht–Besitzgier; Nicht-Annehmen von Geschenken; Unbestechlichkeit; Anspruchslosigkeit; Zufriedenheit; Habgier; Begierdelosigkeit; Nicht-Gier;
  • Sthairye, sthairya = Bekräftigtwerden; Stabilität; gefestigt in; fundiert in;
  • Janma = Geburt; Inkarnationen; Geburtenfolge; Erdenleben;
  • Kathamta, kathamtâ, kathaṁ = das Wie und Wofür; das Wie und Warum; Ziel; Sinn des Lebens;
  • Sambodhah, saṁbodha = (klares) Wissen; Verständnis;

2

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Roots: „Wenn [er] beständig in Nicht-Wissbegierde ist, entsteht für ihn vollständiges Wissen über die Umstände seiner [früheren] Geburten.“
  • Sukadev: „Ist Aparigraha (Unbestechlichkeit) fest begründet ...“
  • Deshpande/Bäumer: „... Nicht-Besitzergreifen ... erkennt man das Wesen des Lebens.“
  • Dr. R. Steiner: „... entsteht Wissen über das Ziel des Erden-Lebens.“
  • Coster: „Ist Wunschlosigkeit erreicht ... Verständnis des Lebensplanes ... Daseinsgrundes.“
  • Feuerstein: „Durch stete Begierdelosigkeit ...“
  • R. Palm: „... vollkommenes Wissen über das Wie der Geburt[en].“
  • R. Sriram: „... erfährt alles über seine Vergangenheit und seine vergangenen Leben.“
  • Govindan: „... erkennt er das Wie und Warum seines Lebens.“
  • Iyengar: „... wenn man frei von Habgier ist.“
  • Chip Hartranft: „Freiheit vom Wollen erschließt den wahren Sinn des Daseins.“
  • R. Skuban: „... erkennt den Grund seiner Existenz.“
  • T.K.V. Desikachar: „Jemand, der sich auf das beschränken kann, was er braucht ...“
  • G. Pradīpaka: „Wenn (eben jener Yogī) fest (sthairye) in Aparigraha oder Nicht-Besitz (Aparigraha) steht, entsteht volles Wissen (sambodhaḥ) über „das Wie, den Was-Zustand?“ (kathantā) über (seine vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen) Existenzen (janma) ...“
  • 12koerbe.de: „bei Nichtbesitzens-Festigkeit ... Geburts-“Wieheit“-Einsicht
  • Hariharananda Aranya: „Beim Erreichen der Vollkommenheit im Nicht-Annehmen entsteht das Wissen um vergangene und zukünftige Existenzen.“
  • I. K. Taimni: „Indem die Nicht-Besessenheit bestätigt wird, entsteht das Wissen um das ›Wie‹ und ›Warum‹ der Existenz.“
  • Swami Satchidananda: „Wenn die Nicht-Gier bestätigt ist, entsteht eine gründliche Erleuchtung über das Wie und Warum der eigenen Geburt.“
  • Swami Prabhavananda: „Wenn ein Mensch in seiner Enthaltsamkeit von Gier standhaft wird, erlangt er Wissen über seine vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Existenzen.“
  • Swami Vivekananda: „Wenn er im Nicht-Empfangen gefestigt ist, erhält er die Erinnerung an vergangene Leben.“
  • Wim van den Dungen (buddhistischer Kommentar zum Yogasutra): „Wenn man sich in der Gierlosigkeit niederlässt, erlangt man Wissen über den Grund der eigenen Geburten.“
  • Rainbowbody: „Wenn man in der Nicht-Besitznahme (Aparigraha) gut etabliert ist (sthairye), dann sind die räumlichen Bedingungen für die Offenheit des Herz-Geistes geschaffen, die wahre Einsicht in die Ursachen der Existenz erwecken, wie die Dinge erscheinen, wie sie aufhören und wie der spirituelle Fortschritt weiterfließt.“

Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Punkt 3

Wo wir stehen

Hier findest du eine kurze Zusammenfassung des 2. Kapitels des Yogasutras bis zu Sutra II-38:

Yoga Sutra - 2. Kapitel - bis hierher

Wir befinden uns im zweiten Kapitel des Yogasutra von Patanjali. Es handelt von der „Praxis“. Patanjali beginnt das Kapitel mit dem Versprechen, dass Yoga die Leiden des Yogis vermindere und (irgendwann) zu Samadhi, zur allumfassenden Freiheit führe.

In Sutra II-3 bis II-11 schildert Patanjali die fünf Haupt-Hindernisse auf dem Yogapfad, die sogenannten Kleshas (Unwissenheit, Anhaftung, Ablehnung, Ego, Lebensdrang). Erste Wege zur Überwindung der Hindernisse werden angerissen (Gegenschöpfung, Meditation).

Sutra II-12 bis II-15 handeln von Karma (Folgen von Handlungen und Gedanken, die aufgrund der Kleshas geschehen) und dem inhärenten Leid von allem und jedem in dieser Welt. Grundübel ist dabei unsere Identifikation mit dem, was wir nicht sind.

Dann geht es bei den Sutras weiter mit den Schritten, das Leiden zu besiegen. Patanjali sieht es als „die“ Aufgabe des Yogis an, den Unterschied zwischen Sehenden und Gesehenem zu erkennen. Nach und nach sollte diese Erfahrung kultiviert und ausgebaut werden. So gelange man zur Freiheit – Kaivalya (auch mit „letzter Freiheit“, Isoliertheit (Alleinheit), höchster Befreiung oder „vollkommener Erlösung“ übersetzt.

Nachdem Patanjali in den Sutras II-18 und II-19 über Prakriti, die Natur/unsere Welt, gesprochen hat, geht er dann auf deren Beobachter, den Seher (Purusha) und dessen Wahrnehmung ein. Von Sutra II-20 bis Sutra II-27 erläutert Patanjali Grund und das Zustandekommen unserer Existenz, wie die Unwissenheit unser Dasein bestimmt und  dass Viveka Khyati, die Unterschreidungskraft oder unterscheidende Wahrnehmung, dauerhaft angewendet unsere Unwissenheit beendet. In den Sutras II-28 bis Sutra III-8 gibt Patanjali die konkrete Praxisempfehlung Ashtanga Yoga, um unser falsches Bild von der Welt – das Leid verursacht und unsere Befreiung verhindert – auch ohne großes spirituelles Talent zu überwinden. Den achtfachen Pfad des Raja Yoga, des königlichen Yoga.

In Sutra II-30 zählt Patanjali auf, was zur ersten Stufe des Pfades, den Yamas, gehört, in II-31 betont er deren universelle Gültigkeit. In II-32 listet er die Niyamas auf, die yogischen Empfehlungen für den Umgang mit uns selbst. In II-33 und II-34 benennt er, welche Folgen sich daraus ergeben, wenn unser Geist sich weigert, die Yamas und Niyamas zu befolgen und was wir dagegen tun können: die Kultivierung des gegenteiligen Gedankens/Zweifels (Pratipaksha Bhavana). Die Sutra II-35 (Ahimsa-Nichtverletzen) bis II-39 (Aparigraha-Begierdelosigkeit) schildern die besonderen Kräfte und Fähigkeiten, die ein Mensch erlangt, wenn er die Yamas tief in sich verwurzelt.

Punkt 4

Was ist Aparigraha?

Hier wird der Yogi aufgefordert, seine Gier zu zügeln und im Leben nicht alles mitzunehmen, was irgendwie geht. Vor allem dann nicht, wenn vermeintliche Geschenke mit dem Ansinnen gegeben werden, unser Verhalten zu manipulieren.

Aparigraha meint in anderen Texten auch das Nichtannehmen von Geschenken, die mit einer Absicht gegeben werden. In anderen Worten: unbestechlich sein, sich nicht für Lohn verbiegen. Geschenke unter guten Freunden und Liebenden sind damit vermutlich nicht gemeint.

In einem noch weitergehenden Sinne fordert Aparigraha, sogar die Aufgabe von Gewinnsucht und keinen Besitz zu horten.

„Wer sein Leben lieb hat, wird es verlieren“

Aus: Bibel, Johannes 12,25

Aparigraha steht also für Zurückhaltung in allen Dingen, dem Aufgeben der Gier, des Haben-Wollens. Es beziehe sich aber nicht nur, so Iyengar, auf materielle Besitztümer, sondern auch „auf die Starrheit des Denkens“. Auch an Gedanken [und Meinungen] dürfe man nicht haften und müsse immer bereit sein, sie loszulassen.

Es ähnelt der Forderung „Dein Wille geschehe“, wenn wir wirklich danach leben, so Govindan: „sind wir frei von Begierden.“

Sukadev betont, dass wir Geschenke, die aus Liebe gegeben werden, natürlich annehmen dürfen, denn Liebe sucht immer einen Ausdruck. Geschenke zum Zwecke der Manipulation – wie subtil diese auch ist – sollten wir allerdings stets ablehnen.

Siehe auch: 

Beitrag: Sutra II-30 – die Yamas

Yoga Sutra II-30: Die förderlichen Selbstbeschränkungen (yamas) sind Nichtverletzen, Wahrhaftigkeit, Nichtstehlen, Enthaltsamkeit und Begierdelosigkeit

richtig falsch 250Ahimsâ-satyâsteya-brahamacharyâparigrahâ yamah
अहिंसासत्यास्तेय ब्रह्मचर्यापरिग्रहाः यमाः

Kern des Yogasutra und damit auch des Raja-Yoga sind die acht Elemente des achtfachen Pfades. Die Yamas sind die erste Etappe auf diesem Pfad. In Verbindung mit den Niyamas helfen diese Regeln und Einschränkungen dem Yogi dabei, heiter, ruhig und entspannt zu bleiben und sie fördern den spirituellen Fortschritt. Zudem glätten sie den zukünftigen Lebenspfad des Yogi, so dass dieser kein Leid befürchten muss und zukünftig weiter gute Bedingungen für seine Yoga-Bemühungen vorfinden wird.

Das sind Gründe genug, die Yamas und Niyamas genau anzuschauen und zu verstehen. Wir – und Patanjali – starten in II-30 mit den Yamas.

Beitrag: Yamas und Niyamas im täglichen Leben

Yamas und Niyamas im täglichen Leben

Die Gebote im Yoga

Keine spirituelle Richtung kommt ohne Verhaltensregeln aus. Diese legen fest, welche ethischen Handlungsweisen für einen Aspiranten (oder auch jeden Menschen) förderlich sind. Was dem Christen die zehn Gebote, das sind dem Yogi die Yamas und Niyamas. Gleichzeitig sind sie die ersten beiden Stufen im Raja Yoga, dem achtgliedrigen Yoga-Pfad (auch Ashtanga- oder Kriya-Yoga genannt). Patanjali definiert Yama und Nyama im Yogasutra.

Was sind die Yamas und Niyamas? Wie werden diese in den alten Schriften ausgelegt? Und wie wende ich die Yamas und Niyamas im Alltag an? Der Artikel gibt Antwort und hält zwei Downloads (Poster & Merkkarte) parat.

Punkt 5

Was meint „Sinn der Geburt“ erfahren?

Sukadev: Wenn man in Aparigraha gefestigt sei, „... weiß man, was seine Aufgabe im Leben ist.“ Welche Pflichten man zu erfüllen hat.

Von Buddha wird gesagt, dass er sich an tausende frühere Existenzen erinnerte, „... als würde er sie [seine früheren Existenzen] nochmals leben.“

Erläuterungen im Pātañjalayogaśāstra

(Pātañjalayogaśāstra = Übersetzung und erster Kommentar des Yogasutras von der „mystischen Figur“ Vyasa.)

›Wer war ich?‹, ›Wie bin ich entstanden?‹, ›Was könnte diese Geburt sein?‹, ›Wie ist diese Geburt zustande gekommen?‹ oder ›Was werden wir werden?‹ oder ›Wie werden wir [in der Zukunft] sein?‹ So wird sein Wunsch, seinen Zustand in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu kennen, automatisch erfüllt. Dies sind die übernatürlichen Kräfte [die entstehen], wenn man beständig in der Befolgung der Regeln (Yamas) ist. [...]

Quelle: Roots of Yoga

 Punkt 6

Sollte ein(e) YogiNi also völlig besitzlos sein?

Aparigraha wird gerne als Forderung nach einem Armutsgelübde gedeutet.

Manche Lehrer wie Sukadev raten davon ab, allen Besitz wegzugeben. Ihre Logik: Eine gewisse finanzielle Sicherheit beruhigt und erleichtert so spirituelle Aktivitäten.

Andere sehen das radikaler. Jesus sagte: „Eher gelangt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel“ und „Sorge dich nicht um das Morgen, der morgige Tag wird für das Seine sorgen.“

Punkt 7

Alles was du hast, hat irgendwann dich

Mit zunehmendem Alter wird es offenkundig: (Gewisser) Besitz verpflichtet. Wer Haus und Garten neben einer Vollzeitstelle und elterlichen Pflichten in Ordnung halten will, der/die wird kaum noch Zeit für spirituelle Übung finden.

Die folgenden Jesu-Worte meinen im Grunde das gleiche: „Niemand kann zwei Herren dienen“ und bezog sich dabei auf Gott und Mammon. Die Botschaft ist klar: Wer viel Zeit, Energie und Denkarbeit aufs Geldverdienen verwendet, wird keine Kraft mehr für spirituelle Praxis aufbringen. Wird somit eventuell nicht den Sinn seines Lebens erkennen.

Ganz abgesehen davon, dass diese beiden Lebenselemente (Besitzstreben und Spiritualität) in Konkurrenz zueinander stehen können. Beispiel: Wer auf Gewinn aus ist, könnte dazu neigen, nicht die volle Wahrheit über das eigene Produkt zu erzählen. Siehe dazu Sutra II-35 über Satya, Wahrhaftigkeit.

„Bindung besteht nur im Begehren, ohne Begierde ist Freiheit.“

Ashtavakra Gita, Kapitel 10, Vers 4

Punkt 8

Mögliche Wirkungsketten Aparigraha→“Wissen um den Sinn“

Unser Geist bzw. unsere klare Sicht der Realität wird „vernebelt“ von all den Objekten, die wir (unser Geist) anstreben. Sie sind wie aufgewirbelter Schlamm im Wasser eines Teiches. Erst wenn unser Geist frei davon wird (das Wasser des Teiches sich klärt), können wir den Dingen auf den Grund (des Sees) sehen.

Wenn wir von Gier und Verlangen wahrhaft befreit sind, wird das logischerweise auch unsere Meditation beflügeln: Wieso sollten die Gedanken hin und her wandern, wenn es dort doch nichts mehr zu begehren gibt? In diesem Sinne kann man sagen, dass Aparigraha Energie freisetzt und den Geist klärt. Vairagya – Nichtanhaften – als Turbo in Richtung Samadhi.

Rainbowbody schlägt folgende Deutung vor: „Sthairye bedeutet, fest, unerschütterlich, still und gelassen in der Praxis von Aparigraha zu sein. Eine Lesart dieses Sutras ist also, wenn wir fest, still und unbeweglich im Nicht-Brauchen werden, wenn dieser Zustand leicht und still ist, dann wird das Wie (kathamta) unserer vergangenen Existenz - wie wir HIERher gekommen sind (janma-kathamta) - erweckt (sambodhah).“

Anders ausgedrückt: „... wenn das Wie und Warum des Lebens (janma-kathamta) durch kathamta sambodhah offenbart wird, dann durch dieses tiefe Selbst-Erwachen eine starke natürliche Leichtigkeit des Nicht-Greifens und der Befreiung (Aparigraha) in unseren Aktivitäten zum Ausdruck kommt.“

Swami Venkatesananda sagt: „Wenn das innere Licht der Intelligenz den Zustand des Geistes erhellt, der alle Gier fest zurückgewiesen hat und Zufriedenheit mit dem besteht, was das Leben ungefragt bringt, dann entsteht Wissen über die Geheimnisse des Lebens und sein Warum und Wie.“ (Quelle. Rainbowbody)

R. Skuban verweist darauf, dass jemand, der in Aparigraha gefestigt sei, in den Zustand des Vairagya – der Nicht-Anhaftung – gelange. Dies öffne den Geist für viele Erkenntnisse. Zu Purusha (das wahre Selbst) gelange man nur, wenn man die Prakriti (das physische Universum) loslasse.

R. Palm verweist darauf, dass jedes Haben-Wollen (z. B. einen Apfel) auf unseren Überlebenstrieb hindeutet. Wenn wir dies intensiv beobachten, verstehen wir den Drang, mit dem wir nach dem Leben gegriffen haben. Und so entstehe das Wissen um die Wiedergeburten.

Aparigraha bringt wundervollen Nutzen

Swami Sivananda schreibt: Die Praxis von Aparigraha bringt wundervollen Nutzen hervor. Sie beseitigt auf einen Streich Furcht, Anhaftung, Enttäuschung, Beklemmung, Aufregung, Ruhelosigkeit, Hass, Eifersucht, Ärger, Lust, Gier, Kummer, Sorgen, Verzweiflung und Depression. Praktiziert deshalb Aparigraha und werdet zu einem dynamischen yogi.“

Punkt 9

Aparigraha auf spirituelle Artefakte

Swami Venkatesananda schreibt in „Die Yoga Sutras von Patanjali“ (gefunden bei: Rainbowbody):

„Auf geistiger Ebene kann man von spirituellem Materialismus besessen sein, indem man ständig oberflächlichen Artefakten oder Symbolen spiritueller Errungenschaften nachjagt, wie z.B. Malas, Asanas, Lehrern, Roben, Statuten, Mantras, Weihrauch, Texten, Lehren usw. Auch dies ist eine Krankheit, die man am besten ... aufgibt.

Durch das Entfernen der physischen Anhaftungen wird der Geist klar. Wenn der Geist klar wird, wird er erkennen, dass die wahre Quelle des Glücks und der Befreiung aus einem offenen, freien Geist kommt und nicht aus dem Festhalten an materiellen Objekten (oder dem Festgehaltenwerden von ihnen). Wenn der Geist klar ist, entsteht ganz natürlich ein Gefühl der Erfüllung und des Friedens (santosha).“

Punkt 10

Nicht übertreiben

Auf Rainbowbody lesen wir die Warnung, dass Aparigraha nicht Selbstverleugnung oder Aufopferung meint. Ahimsa – Nicht-Verletzen – ist immer noch oberste Yama-Regel. So sollen wir durchaus auf die Bedürfnisse unseres Körpers eingehen und uns mit lebensnotwendigen Dingen versorgen.

Punkt 11

Aparigraha im Sinne von Vereinfachung

Rainbowbody schlägt weiterhin vor, Aparigraha im Sinne von Vereinfachung und Entkomplizierung unseres Lebensstils zu verstehen. Sich tendenziell in Richtung eines „weniger ist mehr“ (modern: Minimalismus) zu bewegen. So kommt es zur Freiwerdung von Aufmerkstamkeit, Zeit und Energie.Punkt 12

Zaubertränke: Graha und Dankbarkeit

Sehr förderlich für Aparigraha ist Graha, die Freude am Geben bzw. Großzügigkeit und die Dankbarkeit für all die Fülle, welche die Natur uns bereitstellt.

Punkt 13

Die Yamas sind kein Selbstzweck

Verzicht, Verzicht, Verzicht ... für das große Ziel

Ok, Verzicht, Enthaltsamkeit, Wunschlosigkeit, das klingt erstmal nicht so toll. Aber Verzicht & Co. haben keinen Selbstzweck. Das Yogasutra mahnt uns an vielen Stellen, nicht das vorletzte (oder gar vorvorletzte) zu ergreifen/anzustreben und damit auf das Letzte (Moksha – Befreiung, unbeschreibliches Glück) zu verzichten. Konsum macht nicht glücklich und das Streben danach bindet Aufmerksamkeit, Kraft und Zeit. Vairagya (Nichtanhaften), Aparigraha (Nicht-Gier), Reinheit usw. werden nur angestrebt, um die Erleuchtung zu erreichen.

R. Skuban: „Die Früchte, die erntet, wer fest in Yamas und Niyamas gegründet ist, sind wundersam.“

Eliade schreibt auf Seite 60: „Auf eine Versuchung verzichten ist nicht nur ein sich "Reinigen" im negativen Sinn, sondern zugleich das Erreichen eines realen, positiven Gewinns; der Yogin dehnt dadurch seine Macht aus auf das, worauf er zuerst verzichtet hat.

Mehr noch: Er gelangt zur Meisterschaft nicht nur über die Gegenstände, auf welche er verzichtet hat, sondern über eine magische Kraft, die viel kostbarer ist als alle Gegenstände als solche."

Weiter schreibt Eliade: „Allerdings fühlt er sich getrieben, auf diese „magische Kraft“ (siddhi) wieder zu verzichten, wie er auf die menschlichen Leidenschaften verzichtet hat, wofür ihm diese Kraft zuteil wurde.“

Punkt 14

Dein Feedback / deine offene Frage an den Text

Ist etwas unklar geblieben?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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Punkt 15

Übung zu Sutra II-39

Übung zu Yoga Sutra II-39

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra II-39:

Bemühe dich diese Woche um völlige Begierdelosigkeit in allen Dingen. Nehme alles gelassen hin, was geschieht. Wie wirkt sich das auf deine Stimmung aus?

 

Punkt 16

Videos zu Sutra II-39

In den Tabs finden sich Videos zu dieser Sutra

 

Punkt 17

Beliebt & gut bewertet: Bücher zum Yogasutra



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