Stern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktivStern inaktiv
 

ying yang rahmenvitarka-bādhane pratiprakṣa-bhāvanam
वितर्कबाधने प्रतिपक्षभावनम्

Jeder spirituell Praktizierende kennt Phasen der Unsicherheit, des Zweifels, der Negativität und der geistigen Schwäche. In dieser Sutra empfiehlt Patanjali die sogenannte Pratipaksha-Bhavana-Methode zur Überwindung dieser unerwünschten Geisteszustände. Im Beitrag findest du neben den gewohnten Übersetzungsalternativen viele Tipps zur Anwendung der Methode.

Punkt 1

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Vitarka, Vitarkâ = Zweifel; schlechte (üble, unpassende) Gedanken (und Emotionen), üble Leidenschaften; Unsicherheit; Frage; Vermutung; analytisches Denken; ungesunde Gedanken; strafbare Gedanken; Ungewissheit;
  • Badhane, bâdhane = Umsetzung; Bedrängnis, Beunruhigung; Belästigung;
  • Paksa, pakṣa = Flügel;
  • Pratipaksha, pratipaksha, pratipakṣa = Gegensätze; Gegenteil; Gegenmeinung; wortwörtlich: „der andere Flügel“; andere Seite;
  • Bhavana, bhāvana, bhâvanam = Zielstrebigkeit; Weilen (der Gedanken); (ständiges) Nachdenken; Ausrichten auf ein Ziel; in Gedanken verweilen; erkennen;

2

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Roots: "Von diesen Regeln und Befolgungen [heißt es]: ... Wenn sie durch falsche Gedanken unterdrückt werden, sollte das Gegenteil kultiviert werden."
  • Sukadev: „Störende Gedanken ... Denken an ihr Gegenteil ...“
  • Deshpande/Bäumer: „... Behinderung durch störende Gedanken ... Gegenteil meditieren.“
  • Dr. R. Steiner: „Unsicherheit bei der Umsetzung ... Ausrichten auf das Gegenteil ...“
  • Coster: „Um unerwünschte ... Gewohnheiten des Denkens und Gefühle zu entwurzeln ... Gegensatz meditieren.“
  • Feuerstein: „Um negative Gedanken ... abzuwehren ...“
  • R. Palm: „... Anfechtung durch Zweifel ... Kultivierung des Gegenteils.“
  • R. Sriram: „Unsicherheit in Bezug auf die Umsetzung der Verhaltensregeln von Yama ... oder Niyama .. lässt sich durch ... die intensive Einstellung auf das Gegenteil ... lösen ...“
  • Govindan: „[Wenn man] durch negative Gedanken behindert wird ... gegenteiliger Gedanken ... befleißigen ...“
  • Iyengar: „Zweifelhaften Angelegenheiten ... Kontemplation des Gegenteils begegnen.“
  • Chip Hartranft: „Unheilsame Gedanken können neutralisiert werden, indem man gesunde kultiviert.“
  • R. Skuban: „Wenn uns negative Gedanken oder Gefühle umtreiben, ...“
  • T.K.V. Desikachar: „Wenn wir in einen Konflikt darüber geraten, wie wir uns verhalten sollen ... verschiedene andere Lösungswege vorzustellen ...“
  • G. Pradīpaka: „Über die Hemmung (bādhane) (dieser Yamas und Niyamas) durch (fehlerhafte) Denk- und Gefühlsweisen (vitarka) sollte (ein Yogī) kontemplieren (bhāvanam) über die Gegensätze (pratipakṣa)“
  • 12koerbe.de: „... sich den Gegengedanken vergegenwärtigen“
  • Hariharananda Aranya: „Wenn diese Einschränkungen und Beobachtungen durch abartige Gedanken gehemmt werden, sollten an die [jeweiligen] Gegensätze gedacht werden.“
  • I. K. Taimni: „Wenn der Geist durch unpassende Gedanken gestört wird, wird ständig über die Gegensätze nachgedacht (ist das Mittel).“
  • Swami Satchidananda: „Wenn jemand durch negative Gedanken gestört wird, sollte an entgegengesetzte [positive] gedacht werden. Dies ist Pratipaksha Bhavana.“
  • Swami Prabhavananda: „Um frei von Gedanken zu sein, die einen vom Yoga ablenken, müssen Gedanken gegenteiliger Art gepflegt werden.“
  • Swami Vivekananda: „Um Gedanken zu behindern, die für Yoga schädlich sind, werden entgegengesetzte Gedanken eingebracht.“
  • Wim van den Dungen (buddhistischer Kommentar zum Yogasutra): „Für die Abwehr ungesunder Gedanken kultivieren Sie das Gegenteil.“

Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

Die Seite wird zum Absenden NICHT neu geladen (die Antwort wird im Hintergrund abgesendet).

Punkt 3

Wo wir stehen

Hier findest du eine kurze Zusammenfassung des 2. Kapitels des Yogasutras bis zu Sutra II-32:

Yoga Sutra - 2. Kapitel - bis hierher

Wir befinden uns im zweiten Kapitel des Yogasutra von Patanjali. Es handelt von der „Praxis“. Patanjali beginnt das Kapitel mit dem Versprechen, dass Yoga die Leiden des Yogis vermindere und (irgendwann) zu Samadhi, zur allumfassenden Freiheit führe.

In Sutra II-3 bis II-11 schildert Patanjali die fünf Haupt-Hindernisse auf dem Yogapfad, die sogenannten Kleshas (Unwissenheit, Anhaftung, Ablehnung, Ego, Lebensdrang). Erste Wege zur Überwindung der Hindernisse werden angerissen (Gegenschöpfung, Meditation).

Sutra II-12 bis II-15 handeln von Karma (Folgen von Handlungen und Gedanken, die aufgrund der Kleshas geschehen) und dem inhärenten Leid von allem und jedem in dieser Welt. Grundübel ist dabei unsere Identifikation mit dem, was wir nicht sind.

Dann geht es bei den Sutras weiter mit den Schritten, das Leiden zu besiegen. Patanjali sieht es als „die“ Aufgabe des Yogis an, den Unterschied zwischen Sehenden und Gesehenem zu erkennen. Nach und nach sollte diese Erfahrung kultiviert und ausgebaut werden. So gelange man zur Freiheit – Kaivalya (auch mit „letzter Freiheit“, Isoliertheit (Alleinheit), höchster Befreiung oder „vollkommener Erlösung“ übersetzt.

Nachdem Patanjali in den Sutras II-18 und II-19 über Prakriti, die Natur/unsere Welt, gesprochen hat, geht er dann auf deren Beobachter, den Seher (Purusha) und dessen Wahrnehmung ein. Von Sutra II-20 bis Sutra II-27 erläutert Patanjali Grund und das Zustandekommen unserer Existenz, wie die Unwissenheit unser Dasein bestimmt und  dass Viveka Khyati, die Unterschreidungskraft oder unterscheidende Wahrnehmung, dauerhaft angewendet unsere Unwissenheit beendet. In den Sutras II-28 bis Sutra III-8 gibt Patanjali die konkrete Praxisempfehlung Ashtanga Yoga, um unser falsches Bild von der Welt – das Leid verursacht und unsere Befreiung verhindert – auch ohne großes spirituelles Talent zu überwinden. Den achtfachen Pfad des Raja Yoga, des königlichen Yoga.

In Sutra II-30 zählt Patanjali auf, was zur ersten Stufe des Pfades, den Yamas, gehört, in II-31 betont er deren universelle Gültigkeit. In II-32 listet er die Niyamas auf, die yogischen Empfehlungen für den Umgang mit uns selbst. Hier nun bespricht er, was wir tun können, wenn unser Geist sich weigert, die Yamas und Niyamas zu befolgen.

Punkt 4

Die Pratipaksha-Bhavana-Methode

Hier empfiehlt Patanjali die sogenannte Pratipaksha-Bhavana-Methode: wenn negative (Buddhismus: untugendhafte) Gedanken oder Wünsche im Yogi aufkommen, sollte man an das Gegenteil denken bzw. darüber meditieren. Von Pratipaksha „Gegenteil“ und Bhavana „Kultivierung“.

Beispiele

Ungeduld kommt auf – denke an die Segnungen von Geduld.

  • Begegne aufkommenden Hass mit Gedanken der Liebe.
  • Zweifel erheben sich – denke an die Gründe, warum du Vertrauen hast.
  • Angst kommt auf – bemühe dich um Gedanken des Mutes und der Zuversicht.
  • Wut – denke an Verbundenheit aller Lebewesen, Verzeihen oder Gleichmut. Oder versuche, dich in die andere / den anderen hineinzuversetzen. Ermittle die Wünsche hinter ihren/seinen Handlungen.

Patanjali bezieht sich mit seiner Empfehlung hier konkret auf die Anwendung in Bezug auf Zweifel über strikte Einhaltung der Yamas und Niyamas. Wenn also beispielsweise Unzufriedenheit aufkommt, denke an all die Umstände, für die du zufrieden sein kannst. Mache dir auch die Vorteile von Zufriedenheit bewusst.

Oder du ertappst dich bei dem Versuch, eine Notlüge einzusetzen. Halte dann kurz inne, mache dir bewusst, wieso die Lüge schädlich wäre und welche Vorteile es am Ende bringt, Wahrhaftig zu leben.

Dieses Prinzip kannst du in ähnlicher Form im Alltag auf alle Yamas und Niyamas anwenden.

Vorgehen

  1. Bemerke den negativen Gedanken / Zweifel (Achtsamkeit).
  2. Wenn negative Gedanken oder Gefühle aufkommen, spüre erst einmal genau hin, sobald du diese bemerkst.
  3. Halte dich in Handlungen zurück.
  4. Mäßige deine Emotionen.
  5. Beobachte deinen Geist, werde Zeuge des Geschehens (Zeugenbewusstsein).
  6. Reflektiere den negativen Gedanken/Zweifel (Vitarka). Erkenne die Täuschung darin, den Fehler.
  7. Prüfe, was du tun kannst, um deinen Absichten treu zu bleiben. Zum Beispiel das erwähnte Gegenteildenken. Du kannst aber auch die Situation verlassen oder andere Lösungswege gehen.

Weitere Tipps zur Methode

  • Siehe den negativen Vorfall als eine Gelegenheit an, etwas Positives zu üben, z. B. Gleichmut, Geduld, Gelassenheit, Großzügigkeit ...
  • Iyengar schreibt: „Viel besser [als nur an das Gegenteil zu denken] ist es jedoch, ganz in der Tiefe nach der Herkunft von Zorn und Anhaftung zu forschen.“
  • Swami Satchidananda empfiehlt nachdrücklich das Verlassen der Umgebung, die uns zu negativen Emotionen oder Gedanken führt – hin zu einer Umgebung, in der wir Frieden, Wohlgefühl, Zuneigung etc. verspüren. Beispiel: Streitende Eltern sollten (schweigend) ihr Baby aufsuchen. In dessen Gegenwart erleben beide Gefühle der Liebe und die negativen Gedanken verlieren ihre Kraft.

Umfrage

Hast du einen weiteren Tipp zur Pratipaksha-Bhavana-Methode?

Vielen Dank für jede Anregung:

 

Die Seite wird zum Absenden NICHT neu geladen (die Antwort wird im Hintergrund abgesendet).

Punkt 5

Was ist mit Vitarka gemeint?

Vitarka mit weiter Bedeutung

Sind es negative Gedanken? Oder negative Gefühle? Skuban schreibt: „negativ oder störend in didesm Sinne sind mentale Muster, die den Yamas und Niyamas zuwiderlaufen. ... nicht etwa deshalb, weil sie gegen ein moralisches Regelwerk verstoßen, sondern weil sie dem Ziel des Yoga entgegengesetzt sind: dem stillen Geist.“

Ganz ähnlich sieht es Iyengar: „Allem, was Yama und Niyama entgegensteht, muss mit rechter Erkenntnis und rechtem Bewusstsein begegnet werden.“

Eliade: Vitarka = Zweifel oder Ungewissheit

Eliade sieht in Vitarka vornehmlich den Zweifel und die Ungewissheit gemeint. Er schreibt: Während des Übens der Yamas und Niyamas „... kommt es offensichtlich zu Schwierigkeiten, die sich meistenteils aus dem Unbewussten erheben. Die durch den Zweifel hervorgerufene Störung ist das gefährlichste von allen Hindernissen auf dem Weg zur Konzentration. Patanjali empfiehlt zu ihrer Überwindung die Einpflanzung des entgegengesetzten Gedankens;“

Eliade übersetzt Sutra II-33 konkret mit: „für (die Vermeidung oder Beseitigung der) Störung durch den Zweifel Bewusstmachung der Gegensätze.“

Punkt 6

Erläuterungen zu Sutra II-33 im Pātañjalayogaśāstra

(Pātañjalayogaśāstra = Übersetzung und erster Kommentar des Yogasutras von der „mystischen Figur“ Vyasa.)
Dort heißt es:

Wenn in dem so praktizierenden Brahmanen falsche Gedanken der Gewalttätigkeit und dergleichen auftauchen, wie z.B. „Ich werde einen Übeltäter töten“, „Ich werde lügen“, „Ich werde mir seinen Reichtum aneignen“, „Ich werde Sex mit seiner Frau haben“, „Ich werde Herr über seinen Besitz werden“, [dann sollte er,] unterdrückt von dem lodernden Fieber solcher falschen Gedanken, die [ihn] auf einen falschen Pfad führen, ihre Gegensätze kultivieren.

Er sollte so denken: ›Während ich in den schrecklichen brennenden Kohlen der zyklischen Existenz gebacken wurde, habe ich Zuflucht zum Weg des Yoga (yogadharma) genommen, indem ich allen Lebewesen Schutz bot.‹ Man sollte die Vorstellung kultivieren, dass man sich wie ein Hund verhält, wenn man falsche Gedanken wieder aufgreift, nachdem man ihnen entsagt hat. Indem man etwas wieder aufnimmt, [dem man] entsagt hat, ist man wie ein Hund, der [sein eigenes] Erbrochenes aufsaugt. Eine solche [Argumentation] sollte auch auf die anderen sūtras angewandt werden. [...]

Wenn seine falschen Gedanken aufgrund der Kultivierung der Gegensätze unfähig werden, sich fortzupflanzen, ist die Meisterschaft, die dadurch entsteht, ein Zeichen für den Erfolg des Yogis. Zum Beispiel: [... hier geht es mit den folgenden Sutra II-34 ff weiter]

Quelle: Roots of Yoga

Punkt 7

Dein Feedback / deine offene Frage an den Text

Ist etwas unklar geblieben?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

Die Seite wird zum Absenden NICHT neu geladen (die Antwort wird im Hintergrund abgesendet).

Punkt 8

Übung

Übung zu Yoga Sutra II-33

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra II-33:

Achte in der kommenden Woche besonders auf die Zweifel in Bezug auf deinen spirituellen Weg und die Handlungsempfehlungen der Yamas und Niyamas. Spüre in dich hinein und suche deren Ursprung. Was wäre die gegenteilige Haltung?

Dann bemühe dich, das Gegenteil zu denken.

 

Punkt 9

Vergleiche die folgenden Sutra

Yoga Sutra I-33: Der Geist wird geklärt durch Kultivierung von Freundlichkeit, Empathie, Zufriedenheit sowie Gleichgültigkeit gegenüber Freude, Leid, Erfolg und Misserfolg

Yoga Sutra II-2: Der Kriya Yoga vermindert die Leiden des Yogi und führt zu Samadhi

Yoga Sutra II-10: Die subtilen Formen [der Kleshas, der schmerzbringenden Hindernisse] können überwunden werden, indem man sie zu ihrem Ursprung zurückführt

Yoga Sutra II-34: Gedanken und Zweifel, die zu schädigendem Verhalten führen – egal ob dies selbst getan, in Auftrag gegeben oder nur begünstigt wird, egal ob durch Gier, Ärger oder Verblendung motiviert, egal ob in der Ausführung mild, mittelmäßig

Punkt 10

Videos zu Sutra II-33

In den Tabs finden sich Videos zu dieser Sutra

 Punkt 11

Beliebt & gut bewertet: Bücher zum Yogasutra



Alte Schriften auf Yoga-Welten.de

alte yoga schriften 250

➔ Zu allen alten Schriften auf Yoga-Welten.de

Weitere oft aufgerufene alte Schriften

Der Beitrag ist eingeordnet unter:

Auch interessant