Cakri – die Reinigungstechnik zur Reinigung des Enddarmes | Anleitung und Erläuterungen
Es finden sich in den Hatha-Yoga-Schriften noch mehr Reinigungstechniken als die, welche in der Hatha-Yoga-Pradipika oder in der Gheranda-Samhita erläutert werden. Zum Beispiel die hier besprochene Cakri-Übung. Diese Reinigungstechnik lehrt Śrīnivāsa, Autor der Haṭharatnāvalī, einer "Ergänzungsschrift" zur Hatha-Yoga-Pradipika. Er ergänzte damit auf acht Reinigungstechniken und kritisiert Svātmārāma, den Verfasser der Hatha-Yoga-Pradipika, rundheraus dafür, dass er die Praxis der Reinigung des Afters nicht in sein Werk einbezieht. Vielleicht hat Svatmarama allerdings diese Reinigungsübung nicht ohne Grund in der Pradipika unerwähnt gelassen ...
Einordnung im Yoga
Cakri (auch Chakri) ist eine Reinigungstechnik zur Reinigung des Enddarms, die dem Bereich der Shatkarma (klassische yogische Reinigungstechniken) zugeordnet wird. Sie ist nicht Teil der Asana- oder Pranayama-Praxis, sondern eine fortgeschrittene körperliche Reinigungsübung mit stark physiologischem Fokus.
Cakri gehört damit zu den Darm- und Beckenreinigungen, ähnlich wie:
- Basti (Darmreinigung mit Wasser oder Luft)
- Shankhaprakshalana (komplette Darmpassage)
Im Unterschied zu diesen Methoden konzentriert sich Cakri gezielt auf den Enddarm (Rektum).
Ziel und Wirkprinzip
Ziel von Cakri ist es,
- Ablagerungen im Enddarm zu lösen,
- die Ausscheidungsfunktion zu normalisieren,
- Apana Vayu (abwärts gerichtete Energie) zu regulieren,
- vorbereitend für Pranayama, Bandhas und Meditation zu wirken.
Yogisch betrachtet wird der Muladhara-Bereich gereinigt, was als Grundlage für Stabilität, Erdung und energetische Durchlässigkeit gilt.
Grundprinzip der Technik
Die klassische Beschreibung umfasst:
- Aufnahme von Wasser in den Enddarm (zum Beispiel in Form eines Einlaufs, meist lauwarm, teilweise leicht gesalzen)
- Aktivierung der Beckenboden- und Bauchmuskulatur
- Spezielle Kontraktionen (ähnlich Ashwini Mudra / Mula Bandha), vielleicht eine Kerze zur tieferen Verteilung des Wassers.
- Gezielte Entleerung des Enddarms
Die Reinigung erfolgt nicht mechanisch, sondern durch Druck- und Muskelsteuerung.
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Cakri in der Hatha Ratnavali
Grundlegendes
Dazu die Verse I-25 bis I-31 aus der Hatha Ratnavali:
(I-25) In der ersten Phase der Praxis fließen Kapha und andere [Flüssigkeiten] vorwärts. Wenn man die reinigenden Praktiken vernachlässigt, werden viele Krankheiten entstehen. Von diesen [Reinigungspraktiken] werden wir gemäß der Tradition unseres Gurus die acht Reinigungstechniken, beginnend mit Cakri, aufzählen.
(I-26) Die acht Reinigungstechniken werden genannt: cakri, nauli, dhauti, neti, basti, gajakaraṇī, trāṭaka und mastakabhrānti.
(I-27) In der Haṭhapradīpikā [es gibt den folgenden Vers]: „Sie sagen, dass es sechs Reinigungstechniken gibt: basti, dhauti, neti, trāṭaka, nauli und kapālabhrānti.“ Wie kann eine solche Lehre berücksichtigt werden, wenn cakri nicht enthalten ist? Diese Lehre ist falsch, weil sie dem Zweck [der Unterweisung in den Reinigungstechniken] zuwiderläuft.
Das Bestreben, das, was in Haṭhapradīpikā gelehrt wird, abzulehnen und zu widerlegen, wäre so, als würde man sich beim Erklimmen eines hohen Gipfels den Körper brechen. Ich werde davon ablassen: Es hat keinen Sinn, Fingernägel mit einer Axt zu schneiden.(I-28) Diese acht Reinigungstechniken, die zur Reinigung des Körpers dienen, sollten geheim gehalten werden. Man sollte mit niemandem darüber sprechen, so wie man nicht über das Sexualleben einer ehrbaren Frau spricht.
Nun zur Cakri-Technik:
(I-29) Führe einen Finger halbwegs in den Enddarm ein und bewegen Sie ihn furchtlos herum, bis sich der Anus erweitert. Dies nennt man die Cakri-Technik.
(I-30) mit Hilfe der Cakri-Technik werden Störungen des Afters und Erkrankungen der Milz sowie Wassersucht geheilt, Unreinheiten gereinigt und [das Verdauungsfeuer] entfacht.
(I-31) Ich erkläre, dass Cakri über allen anderen Reinigungstechniken steht, aber der Meister Svātmārāma [Verfasser der Hatha Yoga Pradipika] empfiehlt Cakri nicht. […]
Mögliche Wirkungen (traditionelle Sicht)
- Linderung bei funktioneller Verstopfung
- Verbesserung der Darmwahrnehmung
- Unterstützung bei trägem Apana Vayu
- Vorbereitung auf intensive Atem- und Meditationspraktiken
Wichtige Risiken und Einschränkungen
Cakri gilt als fortgeschrittene Kriya und sollte nicht eigenständig erlernt werden.
Kontraindikationen:
- Hämorrhoiden, Analfissuren
- Entzündliche Darmerkrankungen
- Schwangerschaft
- Nach Operationen
- Reizdarmsyndrom (oft kontraindiziert)
Aus westlich-medizinischer Sicht besteht bei falscher Anwendung das Risiko von:
- Schleimhautreizungen
- Elektrolytstörungen
- Störung des natürlichen Defäkationsreflexes
Praxisempfehlung
- Wenn möglich unter Anleitung eines sehr erfahrenen Yogalehrers oder eines Arztes oder Heilpraktikers
- Selten anwenden, nicht als Routinepraxis
- Moderne Yogaschulen ersetzen Cakri häufig durch sanftere Alternativen (Beckenbodenarbeit, Atemlenkung, Ernährung)
Kurzfazit
Cakri ist eine klassische, heute selten praktizierte Reinigungstechnik zur gezielten Enddarmreinigung. Sie besitzt eine klare traditionell-yogische Logik, ist jedoch physisch invasiv und für die meisten Übenden nicht notwendig. In der modernen Yogapraxis wird sie meist durch weniger riskante Methoden ersetzt.

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