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Dhauti in der Hatha Yoga Pradipika

Zunächst die Verse aus der Hatha Yoga Pradipika zu Dhauti:

Pradipika 2-24 Nach der Methode, die vom Guru gelehrt wird, soll ein nasses Tuch Stück für Stück geschluckt werden. Das Tuch soll vier Daumen breit und 15 Hand lang sein. Der Yogi soll das Tuch wieder herausziehen. Dieses wird Dhauti genannt.

Pradipika 2-25 Husten, Asthma, Milzbrand, Lepra, Verschleimung und 20 weitere Krankheiten | Verschwinden zweifelsohne durch Dhauti.

Ausführungen zur Pradipika-Dhauti-Ausübung: 

 

Die Pradipika-Variante von Dhauti stellt nur eine von 11 inneren Reinigungen dar, die in der Gheranda Samhita beschrieben werden. Diese seien "eine der größten Errungenschaften, die uns die alten Yogis hinterlassen haben". 

Lese selbst und schaue, ob du die eine oder andere Dhauti-Übung in deinen Alltag einbauen willst.

 

 

 
 

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4-fach Dhauti in der Gheranda Samhita

In der Gheranda Samhita wird Dhauti wesentlich ausführlicher als in der Pradipika in den Versen I-13 bis I-44 behandelt.

 

 

Generell gilt

Die Reinigungstechniken sind bei falscher Ausführung eventuell gesundheitsschädlich und sollten deshalb von fachkundiger Stelle erlernt werden. Auch die Konsultation eines Arztes vor Beginn der Reinigungsriten ist sicherlich anzuraten. Es können Gründe vorliegen, eine Reinigungstechnik zu meiden. Beispielsweise dürfen manche Herzkranke nicht zuviel Wasser trinken.

 

Zunächst wird Dhauti unterteilt in:

  1. Antar dhauti (innere Reinigung)
  2. Danta dhauti (Zahn-, Zungen-, Ohr-, Nasen-, Nebenhöhlenreinigung),
  3. Hrid dhauti (Herz- und Brustbereich) und
  4. Mula shodhana (Rektalreinigung).

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Antar Dhauti
Innere Reinigung

Antar Dhauti wird weiter vierfach unterteilt in

 

a) Vatsara Dhauti

Auch Vata Sara Dhauti genannt.

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 15: Den Mund wie einen Krähenschnabel (schnabelförmig gespitzter Mund) formen, die Luft sanft einziehen, den Bauch bewegen und die Luft durch den Darmtrakt wieder hinausbefördern (= durch den Anus hinauslassen, manche deuten es als hinauspressen).

kraehe rabe schnabel sonne wp 564Krähenschnabel

Vers I-16: Dies reinigt den Körper, vertreibt alle Krankheiten und steigert die Körperwärme. Vatsara soll streng geheim gehalten werden.


b) Varisara Dhauti – die große Darmspülung

Vers I-17 Trinke langsam Wasser, als ob du den Magen bis zum Halse füllen willst. Bewege es dann mit dem Bauch (schüttele es) und entleere es dann durch den After.

Vers I-18: Dies reinigt den Körper und macht ihn strahlend. Sie bedarf fleißiger Übung und soll ebenfalls geheim gehalten werden.

Vers I-19 ... man erlangt einen Prachtkörper.

c) Agnisara Dhauti – die Darmreinigung »durch Feuer«

Vers I-20: Bewege den Nabel hundertmal gegen die Wirbelsäule. Dies steigert das Verdauungsfeuer.

Vers I-21: Dies bringt Erfolg im Yoga, ist selbst für die Götter schwer zu erlangen, führt zu einem göttlichen Körper und soll ... geheim gehalten werden.

 


d) Bahishkrita (bahiskrtam) Dhauti – Luftreinigung des Magens

Gheranda Samhita, Vers I-22: Wieder formt man den Mund wie einen Krähenschnabel und füllt den Magen mit Luft. Darin halte man es für anderthalb Stunden. Dann bewege man sie abwärts durch den After hinaus. Auch diese Übung wirkt vorzüglich und soll geheim gehalten werden.

Die Verse I-23 bis I-25 kann ich (und andere) nicht vernünftig zuordnen. Gehören sie zu Bahishkrita Dhauti oder zu einer anderen Dhauti? Wenn du Näheres weist, hinterlasse bitte einen Kommentar.

I-23: Während man bis an den Nabel im Wasser steht, ziehe man die Shakti-Nadi (=Kraft-Rohr, vermutlich der Mastdarm) heraus und reinige sie mit beiden Händen, bis der Schmutz beseitig ist. Dann führe man sie (ihn, den Mastdarm) wieder in den Körper ein.

I-24: Diese Waschung ist geheim zu halten und selbst für Götter schwierig; Allein durch diese bloße Reinigung erhält man sicherlich einen göttlichen Körper.

25: Solange der Mensch nicht die Fähigkeit hat, den Atem anderthalb Stunden anzuhalten (Alternativdeutung: Die Luft im Magen zu halten; eine Übersetzung schreibt: solange man den Mastdarm nicht anderthalb Stunden herausziehen kann ...), so lange kommt auch die große Reinigung hahiskrtam (Bahishkrita Dhauti) nicht zustande.

 

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Danta Dhauti
Zähne, Zunge, Ohr und Stirnhöhle

Gheranda Samhita, Kapitel 1, Vers 26: Als Danta Dauti bezeichnet man die Reinigung der Zahnkronen, der Zungenwurzel, der Ohröffnungen und der Stirnhöhle (auch: Stirnvertiefungen, Nasen- und Nebenhöhlen).

Danta Dhauti wird wieder vierfach unterteilt in:

 

a) Danta Mula – Zahnreinigung

Vers I-27: Mit Katechu-Harzpulver (Extrakt der Khadirapflanze Acacia Catechu) oder mit gereinigtem Lehm (Heilerde) reibe man die Zähne, bis der Schmutz beseitigt ist.

Anmerkung: Hierzulande verwendet man heutzutage meist eine Zahnbürste :-)

Vers I-28: Der Yogi führt Danta Mula jeden Morgen aus. ...


b) Jihva Mula – Zungenreinigung

Auch: Jihva Dhauti – Reinigung der Zunge, heutzutage auch mit einem Zungenschaber.

I-29: Nun werde ich die Zungenreinigung (und Zungenverlängerung) erklären. Eine verlängerte (lange) Zunge beseitigt Alter, Krankheiten und Tod.

I-30: Den Zeige-, Mittel-, und Ringfinger (Triade) stecke man zusammen in den Hals und reibe die Zunge kräftig. Dadurch wird die Schleim-Unsauberkeit entfernt.

I-31: Reibe die Zunge immer wieder mit frischer Butter ein und melke die Zunge wieder und wieder (gemeint ist wohl ein Drücken und Abziehen der Zunge wie beim Melkvorgang). Dann halte die Zungenspitze mit einem eisernen Instrument und ziehe die Zunge ganz langsam immer weiter heraus.

I-32: Man tue dies regelmäßig mit Sorgfalt bei Aufgang und Untergang der Sonne. Dann wird die Zunge lang.

c) Karna Randha – die Ohrenreinigung

Karna = das Ohr betreffend;

I-33: Reibe den Gehörgang in beiden Ohröffnungen mit Zeige- und Ringfinger. So offenbart sich dir der innere (besondere) Ton.

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d) Kapala Randha – Stirnhöhlenmassage

Kapala = Schädel;

I-34: Mit dem Daumen der rechten Hand reinige man die Stirnvertiefung (Nasenbrücke); damit beseitigt man bei eifriger Ausführung Leiden durch Schleim.

I-35: Die Nadis werden dadurch rein, und der göttliche Blick (klare Sicht) entsteht. Man praktiziere es täglich nach dem Erwachen, vor dem Schlaf, am Abend und nach dem Essen.

 

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Hrid Dhauti
Herz- und Brustbereich

Hrid, hrd = Brust, Magen, Herz;

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 36: Man praktiziere die Hrid-Reinigung dreifach: mit einem Stock (Stängel; Danda Dhauti), durch Erbrechen (vomieren; Vaman Dhauti) und mit einem Tuch (Vastra Dhauti).

Hrid Dhauti wird somit unterteilt in:

 

a) Danda Dhauti – Stock im Schlund

Danda, Dandah = Stock;

I-37: Bewege einen Pisang-, Gelbwurz-, oder Rotang-Stock (andere Vorschläge: Bananen-, Kurkuma- oder Bambusstängel) in der Speiseröhre langsam hin und her.

I-38: Schleim, Galle und Verfaultes befördere man oben hinaus. Durch Danda Dhauti kann man sich von Leiden der Speiseröhre befreien.

 

elephant wasser strahl 5h 564Vielleicht wurde Vaman (=Elephant) Dhauti von diesem Waschritual inspiriert


b) Vaman Dhauti – Magenspülung mit Erbrechen

Vaman, Vamana = Elephant Vamana;

Vamana Dauti bezeichnet eine Magenspülung mit anschließendem Erbrechen.

I-39: Nach dem Essen (vielleicht besser: Nach Beendigung des Essens) trinkt der Verständige Wasser "bis zum Halse", richte für kurze Zeit den Blick nach oben und speie das Wasser dann wieder aus. Bei regelmäßiger Durchführung beseitigt man hierdurch Magenkrankheiten (basierend auf Schleim und Galle).

Anmerkung: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Vamana Dhauti zur Ausführung direkt nach dem Essen empfohlen wird. Schließlich erbricht man ja das Gegessene dann komplett wieder aus. Wahrscheinlicher scheint mir die Interpretation im Sinne von: "Wenn das Essen für diesen Tag beendet ist", sprich heute nichts mehr gegessen wird und das bisher Gegessene den Magen bereits wieder verlassen hat.

 

Tipps zu Vaman Dhauti

  • Einige empfehlen die morgendliche Ausführung auf leerem Magen, andere zum Abend hin, um unnötige Nahrungsreste aus dem Magen zu spülen und einen guten Schlaf herbeizuführen.
  • Die Wassermenge wird in manchen Anleitungen mit 2 Litern angegeben.
  • Das Wasser sollte lauwarm sein.
  • Zur Erhöhung der Effektivität der Reinigung kann ein Löffel Salz dem Wasser hinzugegeben werden. Wenn das zu Übelkeit führt, kann pures Wasser genommen werden.
  • Man trinke das Wasser so schnell wie möglich.
  • Eventuell führe man noch einige sanfte Magenkontraktionen (siehe Nauli), nachdem der Magen voller Wasser ist.
  • Das Erbrechen des Wassers gelingt am besten bei vorgebeugtem Oberkörper und kann mittels des Stecken eines Fingers in den Hals ausgelöst werden.
  • Wenn das letzte Wasser "herauskommt" wird es bitter schmecken. Dann sollte zum Abchluss der Übung ein Glas mit klarem Wasser getrunken werden. 
  • Am Ende empfiehlt sich eine Runde Shavasana.

Videos zur Ausführung von Vamana Dhauti

Eigentlich ist die Ausführung ziemlich klar. Aber zum völligen Verständnis hier noch einmal zwei Videos. Achtung: Die Bilder sind nichts für einen schwachen Magen :-) Viele weitere Tipps zu Vaman Dhauti enthält diese englischsprachige Seite.

 

c) Vastra Dhauti – Stoff im Schlund

Vastra = Tuch, Stoff;

I-40: Man verschlucke langsam ein schmales (vier Finger breit) und dünnes Stück Stoff und ziehe es langsam wieder heraus. Das wird Vastra Dhauti genannt.

I-41: Dies heilt Gastritis, Fieber, Milzerkrankung, Aussatz, Schleim und Galle und führt – bei täglicher Anwendung – zu Gesundheit, Kraft und Fülle.

Ausführung Vastra Dhauti (Videos)

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Mulasodhana
Reinigung des Anus/After

Mula = Wurzel; Sodhana = Reinigung;

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 42: Es besteht solange eine Unordnung (Rauheit) der Abwinde (Fürze), bis der Anus/After/Enddarm gereinigt wird. Deshalb praktiziere man fleißig die Afterreinigung.

I-43: Mit dem Stock der Gelbwurz (Kurkumastängel) oder dem Mittelfinger und Wasser wasche man fleißig immer wieder den After.

I-44: Durch diese Reinigung verhindert man eine Verhärtung der Eingeweide, beseitigt eine schlechte Verdauung, führt zu strahlender Haut und einem liebreizenden Körper und entflammt das Verdauungsfeuer.

Zu dieser Reinigung existieren leider keine Videos ;-) Siehe zur Enddarmreinigung auch die Beschreibung von Basti in der Hatha Yoga Pradipika.

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