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wellenringe


Yogash citta–vritti–nirodhah 
योगश्चित्तवृत्तिनिरोधः

 

Wenn ich festlegen müsste, welche Sutra die Bedeutsamste ist, dann würde ich diese wählen. Hier wird der Yogaweg in einem Satz zusammengefasst. Alle weiteren Sutras erläutern den Weg.

Auslegung und Deutung dieser Sutra erfolgt unterschiedlich. Lies hier, welche Prioritäten du gemäß der Sutras-Deuter bei deiner täglichen Praxis setzen solltest.

Deutung: Die große Stille

Yoga ist also - das ist eine grundlegende Definition und von großer Bedeutung im Yoga - das zur Ruhe-Kommen und/oder das Unterdrücken (je nach Auslegung der Lehren) der Bewegungen im Geist/Bewusstsein. Eliade (S. 44) sieht daraus die Notwendigkeit, sich aus eigener Erfahrung Kenntnis über alle möglichen Bewusstseinszustände zu verschaffen, die einen normalen, "profanen", nichterleuchteten Geist (Bewusstsein) im täglichen Leben in Wallung bringt.

Dies schafft die Voraussetzung für die "Vernichtung" dieser profanen Bewusstseinszustände. (Eliade S. 45) "... die Gruppen, Arten und Varietäten von Bewusstseinszuständen - citta-vritti - zu vernichten". Dies gelinge aber nur, wenn man diese vorher erkannt hat.

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Diese "Vernichtung der Bewusstseinszustände" ist ein Gedanke, der dem Samkhya gemäß Eliade noch fremd ist. Dort wird die Freiheit (einfach ;-) ) durch die metaphysische Erkenntnis erlangt.

Nebulös

Citta, Vritti und Nirodha - keines dieser Worte wird von Patanjali laut Deshpande im Yogasutra konkret erläutert. Demzufolge ergeben sich die vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten.

Zum Citta

Zum Vritti - dem Schleier

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Nirodha - die klare Sicht

Der Weg zur Klarheit

Wofür steht Nirodha: Unterdrücken oder locker lassen?

"Vernichtung", "Beherrschung" - diese Übersetzungen klingen nach krampfhafter Ruhigstellung der Vrittis. Aber Deshpande und andere beteuern, dass mit Nirodha nicht das zwanghafte Zur-Ruhe-Bringung des Geistes gemeint sei. Dies wäre ein "Akt des Wählens" und damit eine aus der Ego-Zentrierung hervorgegangene Tätigkeit, die zur weiteren "Konditionierung des Geistes" führe und nicht in die ersehnte Freiheit.

Nirodha meint, wie oben erläutert, laut Deshpande (S. 10) vielmehr "Nicht-Wählen". Es stehe hier nicht für eine Unterdrückung der Denktätigkeit, sondern deren langsames Zur-Ruhe-Kommen. Yoga sei keine Sache der egozentrischen Bemühung, der Anstrengung und Unterdrückung. Dazu gelte es, die eigene wahre Identität zu finden, Samadhi sei das Gegenteil bewusster Unterdrückung.

Ähnlich äußert sich Desikachar (Über Freiheit und Meditation), der eine Beruhigung des Geistes durch "strömenlassen" oder "lenken" favorisiert. Dazu muss der Geist aber die Fähigkeit trainiert bekommen, seine Aufmerksamkeit ganz auf ein Objekt strömen zu lassen:

Desikachar: Yoga ist die Fähigkeit, sich ausschließlich auf einen Gegenstand, eine Frage, oder einen anderen Inhalt auszurichten und in dieser Ausrichtung ohne Ablenkung zu verweilen.

Sriram: Einheit findet statt, wenn alle Gefühle und Gedanken zueinandergefunden haben.

Iyengar: Wenn Yoga erlangt ist, beruhigt sich der Geist wie "die Lampe an einem windlosen Ort".

Übung zu Yoga Sutra I-2

uebung sutre

Achte in dieser Woche darauf, wie du wählst. Anders ausgedrückt: Beobachte in dieser Woche dein Citta. Woraus besteht dein Geist alles?

Kannst du erkennen, was Vrittis sind? Was bewegt den Geist bei dir am meisten: Gedanken, Wünsche, Freude, Ängste, Alltagssorgen, Zeitstress ...?

Videos zur zweiten Sutra:

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Kommentare  

Sachit
#1 Sachit 2016-09-28 11:23
Cittavrittiniro dha erinnert mich an die Meditationsanwe isung von Bhante Vimalaramsi; beim Abschweifen vom Meditationsobje kt: Bemerken, Loslassen, Entspannen, Lächeln, zurück zum Meditationsobje kt, diese Schritte immer wiederholen... Nicht versuchen alles Abzuschotten und mit starker Konzentration dabeibleiben, sondern Loslassen, Raum geben ... dabei verflüchtigen sich störende Gedanken wie sich auflösender Neben oder Wolken.
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Peter
#2 Peter 2016-09-28 12:37
Danke für die Ergänzung
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Roman
#3 Roman 2016-10-15 08:04
Mich würde interessieren, wie ich im Alltag nirodha z.B. bei Auftauchen von Ärger umsetze. Gehe ich in die Position des Beobachters, wähle ich doch auch und bin von dem getrennt , was ich beobachte. Wie kann ich Tun und Lassen gleichzeitig erreichen oder ist nichts zu erreichen?
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Tina
#4 Tina 2016-10-16 17:21
Ich verstehe nicht ganz, was du meinst. Im Nirodha - Stillstand - gibt es keine Ärger-Vrittis. Wie du Nirdodha erreichst? Durch Yoga! :-)

Wenn du dich bemühst, die Ursache deines Ärgers zu ermitteln, wie der Ärger entsteht und wieder vergeht, dann ist das Selbsterkenntni s. Was dich wiederum auf dem Weg des Yoga voranbringt.

Alles dies mündet dann - hoffentlich, vielleicht - im Nirodha.
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Peter
#5 Peter 2016-10-18 11:11
Hallo Roman, vielleicht kann man Ärger generell als "Ablehnung" von irgendetwas definieren. Diese rät Patanjali generell zu überwinden, um den Geist ruhig zu bekommen. Siehe z.B. https://www.yoga-welten.de/sutras/kapitel-1/sutre-15.htm
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Roman
#6 Roman 2016-10-18 16:34
Hallo Peter!
Wenn ich dich richtig verstehe, meinst du, dass der Übende etwas zu überwinden hat, damit es nachher nicht mehr da ist. Also rätst du mir, meinen Geist zur Ruhe zu bringen, denn dann zieht mich nichts mehr an oder stößt mich auch nichts mehr ab. Kann man das dann Gelassenheit nennen? Bedeutet das, dass die Bewegungen des Geistes immer noch da sind, aber mein Selbst hält sich nicht mehr damit auf, oder sind die Bewegungen dann nicht mehr da? Geht es darum innerlich die Natur zu verwirklichen, die klar ist, wie der Bergkristall? Was klar ist, kann nicht zugleich düster sein, also schließt die Klarheit den Ärger aus. LG Roman
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Roman
#7 Roman 2016-10-18 17:00
@ Peter: Ich hätte eigentlich "nur" das nächste Sutra I.3 durchlesen müssen, da ist es genau erklärt. Danke nochmals für den passenden Hinweis.
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