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illusion dreieck
Viparyayo mithyâ–jñânam atad–rûpa–pratishtham
विपर्ययो मिथ्याज्ञानमतद्रूप प्रतिष्ठम्

In dieser Sutra geht es um Fehleinschätzungen. Nicht schön: Viele Yogalehrer betrachten unser Leben als ein Schwimmen im Meer des Irrtums. Doch es gibt bewährte Wege, Viparyaya zu besiegen.

Punkt 1

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Viparya, viparyaya = irrtümlicher Eindruck; falsches Wissen; falsche Wahrnehmungen, falsche Wahrnehmung bis zu Verblendung, Irrtum, falsche Meinung, falsche Auffassung, Fehler, Fehlwahrnehmung, Fantasie.
  • Mithyâ, Mithya = falsch, täuschend; anders, als es ist;
  • Jnana, jñânam = Wissen, Auffassung, Kenntnis.
  • a- = nicht 
    atad = nicht seiner eigenen;
  • Rupa, rûpa = Form, wirkliche Form; wahre Form, Natur.
  • Pratishtham = besitzend, beruhend (auf), verwurzelt, basierend, passt.

2

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Irriges Verstehen ist eine fehlerhafte Vorstellung von etwas Ideellem oder Gegenständlichem, deren wahre Natur sich von dieser Vorstellung unterscheidet.

  • Irrtum ist eine falsche Erkenntnis, die auf etwas basiert, was dem Wesen des Gegenstandes nicht entspricht.

  • Nur vorgestelltes oder falsches Wissen beruht auf Nicht-Tatsachen oder Nicht-Wirklichem.

  • Verblendung führt zu falschem Wissen; die Sache der Betrachtung wird anders verstanden, als sie ist.

  • Irrtum ist verkehrtes Wissen, das nicht auf der wahren Essenz der Sachen beruht.

  • Verworrenes Denken ist die falsche Vorstellung von einer Sache, deren wahre Natur dieser Vorstellung nicht entspricht.

  • Fehlwahrnehmung ist falsches Wissen, nicht basierend auf dem, was aktuell ist.

  • Das Falsche ist eine trügerische Erkenntnis, die auf Trugbildern basiert.

  • Viparyaya oder Illusion ist falsches Wissen geformt aus einer Sache, die anders genommen wird, als sie eigentlich ist.

  • Verkehrtes Wissen ist eine falsche Konzeption von einer Sache, dessen reale Form nicht mit der fehlerhaften Konzeption korrespondiert.

  • Viparyaya-Fehlwahrnehmung ist irrtümliches Wissen, gegründet auf einer Erscheinung, die so nicht ist.

  • Fehler ist falsches Wissen ohne objektive Basis.

  • Fehlwahrnehmung tritt auf wenn Wissen von etwas nicht auf dessen wahrer Form basiert.

  • Verkehrtes Wissen ist Wissen, das falsch ist und nicht auf der wahren Natur von dessen Objekt basiert.

  • Unterschiedslosigkeit ist falsches Wissen, das nicht in realer Natur gegründet ist.

  • Fantasie gründet sich auf falschem Wissen, das von falschen Vorstellungen hervorgerufen wird.

  • Fehlerhafte Meinungen entstehen aus fehlerhaftem Wissen.

  • Viparyaya ist illusorisches Wissen, das auf einer irrigen Verwechslung einer speziellen Form mit etwas komplett Verschiedenen basiert.

  • Fantasie beruht auf falscher Erkenntnis, welche auf einer verkehrten Vorstellung basiert.

  • Fehlwahrnehmung ist falsches Wissen, das nicht auf dem Erscheinungsbild des Objektes beruht.

Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Punkt 3

Deutung

Wer falsch sieht, schlussfolgert falsch

Kurz könnte man Viparyaya ergänzend zu oben zusammenfassen: Falsches Wahrnehmen führt zu fehlerhaftem Wissen.

Nur Illusionen?

Manche deuten die Zeilen so, dass sich Viparyaya nur auf das bezieht, was gar nicht existiert, sondern nur in unserer Vorstellung, im Geist auftaucht. Aber auch das betrifft ja ein weites Spektrum unseres Lebens, z.B. der berühmte 99-Prozent-Anteil an unseren Sorgen, der sich niemals manifestiert.

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Von "falschen" Gefühlen

Iyengar betont, dass aus diesen falschen Vorstellungen/Wahrnehmungen auch falsche Gefühlszustände resultieren, die dann den Geist des Yogi-Schülers "verderben" und somit die Erfahrung des Purushas verhindern.

Beispiele finden sich leicht: Die rosarote Brille der Verliebten, das "Alles ist düster und freudlos" des depressiven Pendants, unsere täglichen Fehldeutungen über das Verhalten unserer Mitmenschen ... (Nebenbei bemerkt: Letzteres ist Ursache für viel unnötiges Leid in unseren Beziehungen.)

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Vorurteile

Deshpande hebt einen weiteren Aspekt von Viparyaya hervor: Wenn du einen Menschen beispielsweise als Moslem oder als Christ etikettierst und mit deinen darin enthaltenen Vorstellungen überhäufst, irrst du zumeist. Derartige Etiketten haben weit gravierendere Folgen als das klassische Beispiel von Viparyaya, der Verwechslung eines Strickes mit einer Schlange. Diese Vorurteile aus Viparyaya führen Deshpandes Auffassung nach oftmals ins Verderben.

Punkt 4

illusion parallel 700

Doch ;-) Die beiden horizontalen Linien in der Mitte sind parallel!

Mittelchen gegen Viparyaya

Ein Weg, diese Realitätsfilter durchlässiger für die im Yoga angestrebte klare Sicht zu machen, führt über die Achtsamkeit: Versuche, bewusst Wahrnehmung und Beurteilung des Erkannten zu trennen.

Dies fällt uns übrigens leichter, wenn wir unsere Erwartungen an die Welt/Mitmenschen reduzieren bzw. auf Null schrauben: Sind bei uns keine Annahmen vorhanden, werden wir nicht enttäuscht, entsprecht verzerrt keine (negative) Emotion unsere Beurteilung eines Verhaltens.

Mehr Energie ergibt bessere Urteile

Randnotiz: Yoga und Meditation sind Wege, die (in der Regel) das Energieniveaus des Übenden erhöhen. Aus diesem gehobenen Energieniveau resultiert eine optimistischere Sicht auf unser Leben, ohne dass man irgendetwas daran positiv umdeuten muss.

Umgekehrt neigen wir in Zeiten der Energielosigkeit zu Sorgen und negativen Deutungen, dies führt zur schlechten Stimmung, alles wird zum Problem.

Punkt 5

Die berühmten zwei Seiten

Falsches Wissen kann auch mal gute Auswirkungen zur Folge haben. Nehmen wir an, du versprichst dir vom Fasten eine große Gewichtsabnahme, die dann doch nicht eintritt. Aber es war für dich die notwendige Motivation, um deinem Körper die Reinigungszeit zu gönnen. Die Körperreinigung alleine hätte als Antrieb vielleicht nicht gezogen.

Dein Feedback / deine offene Frage an den Text

Ist etwas unklar geblieben?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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Siehe auch:

Yoga Sutra II-5: Durch Avidya – Unwissenheit oder falsches Verständnis – hält man das Vergängliche für verlässlich, das Unreine für rein, das Leidbringende für gut und Nicht-Selbst für das wahre Selbst

laternen blume e3 250Anityâshuchi-duhkânâtmasu nitya-shuchi-sukhâtmakhyâtir avidyâ
अनित्याशुचिदुःखानात्मसु नित्यशुचिसुखात्मख्यातिरविद्या

Ohne Avidya würden wir nicht ständig nach Schokolade schielen, uns ausreichend bewegen und nicht falschen Dingen und Menschen hinterherlaufen. Doch was genau geschieht bei Avidya? Und was gehört alles dazu? Yoga und Buddhismus sind sich an dieser Stelle nicht ganz einig ...

Punkt 6

illusion kreis 700

Übung zu Yoga Sutra I-8

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche: Zu den Vrittis werden unter der Bezeichnung Viparyaya auch die Vorurteile bzw. Annahmen an unsere Mitmenschen gezählt. Diese Vorurteile fallen uns leider nicht auf, da sie automatisch ablaufen. Wir sind ja der Meinung, dass diese auf vergangener, korrekter Erfahrung beruhen.

Versuche diese Woche, alles Diesbezügliche einmal fallen zu lassen, gehe bewusst in jede Situation deines Tages unvoreingenommen hinein.

Das kann dahin führen, dass dir etwas schmeckt, bei dem du - voreingenommen - mit Ekel herangegangen bist. Die kalte Dusche am morgen zum ersten Mal Spaß macht. Ein Mensch sympathisch ist, der so gar nicht deine Weltsicht teilt, den du bisher in eine unsympathische Ecke gestellt hast.

Jeder hat seine eigenen Vorurteile, und es erfordert von dir Radikalität, diese überhaupt zu erkennen, dir selbst gegenüber ehrlich zu sein, dass du hier vorurteilsbeladen bist. Das "Seinlassen" ist danach oft gar nicht mehr so schwierig. Du darfst dich auf erhellende Erfahrungen gefasst machen!

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Punkt 7

Videos zur achten Sutra

Punkt 8

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