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worte wissenShabda–jñânânupâtî–vastu–shûnyo–vikalpah
शब्दज्ञानानुपाती वस्तुशून्यो विकल्पः

Wortirrtum ist weit verbreitet, wir nehmen zu oft "Worte für bare Münze". Insbesondere die Manipulation durch Worte wird zum Problem. Der Yoga kennt Techniken, die dies bei dir verhindern.

Punkt 1

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Shâbda, sabda = Wort, Symbol; andere: verbale Kommunikation, Klang, Sprache.
  • Jñâna = Wissen; Erkenntnis.
  • Anupâtî = folgend, darauffolgend; Konsequenz.
  • vastu = Gegenstand, Objekt; wirklich vorhandene Substanz.
    sunya = abwesend, leer, ohne, nichts haben.
    Vastu–shûnyah = ohne Substanz, ohne Bezug zur Wirklichkeit.
  • Vikalpa = „Wortirrtum“; kann lediglich Vorstellung oder Gedanke heißen. Hier wohl eher als Einbildung, eingebildetes Wissen, falsche Vorstellung basierend auf Worten, kann aber auch für Zweifel und Unschlüssigkeit, Konzeptionalisierung, Fantasie, verbale Einbildung oder Täuschung stehen.
    Ashtangayoga.info schreibt: Vikalpa ist die Fähigkeit des Geistes, vom Großen (Weizenfeld) auf das Kleine (Weizenähre) zu schließen, das Gegenteil wäre Samkalpa.

2

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Wörtliche Täuschung beruht auf Identifikation mit Worten, die in der Realität keine Grundlage besitzen.
  • Eine Erkenntnis, die bloß auf Worten beruht und keine Wirklichkeit besitzt, ist eine Vorstellung.
  • Gewöhnliches Wortewissen ohne Essenz ist Illusion oder bloße Vorstellung.
  • Eine Vorstellung ist etwas, bei dem der zugrundeliegende Gegenstand gar nicht vorhanden ist. Daraus resultiert eine Wahrnehmung, die lediglich auf Worten basiert.
  • Wissen aus verbaler Kommunikation ohne reale Substanz hat falsche Vorstellung zur Folge.
  • Täuschung entspringt einem Wissen, dass nur auf Worten beruht, aber keine Tatsache ist.
  • Konzeptualisierung leitet sich von sprachlichen Wissen ab, das nicht mit realen Dingen in Kontakt ist.
  • Vorstelllung durch eine Wortlaut-Kenntnis-Folge ist von realen Dingen frei.
  • Die Modifikation genannt Vikalpa basiert auf verbaler Wahrnehmung in Bezug auf etwas, das nicht existiert.
  • Ein Bild hervorgerufen von Worten ohne jede Substanz dahinter ist Fantasie.
    Vikalpa-Konzeptualisierung ist ohne ein aktuelles Objekt, vertrauend auf einem Konzept der Sprache.
  • Konzeptualisierung kommt von Worten bar jeder Substanz.
  • Ein Bild, das aufgrund vom bloßen Hören von Worten ohne jede Realität dahinter aufsteigt, ist verbale Einbildung.
  • Verbale Wahnvorstellung steigt auf, wenn Worte nicht mit der Realität korrespondieren.
  • Verbale Einbildung folgt auf Worte, die keine korrespondierende Realität haben.
  • Irrtum wird durch Identifikation mit Worten, die keine reale Grundlage haben, hervorgerufen.
  • Vikalpa resultiert aus einer verbalen Wahrnehmung über etwas, das leer von Realität ist.
  • Mentale Konstruktion erfolgt auf Basis von Wortwissen, welches keinen Bezug zu einem realen Objekt aufweist.
  • Konzeptualisierung ist ohne wahrnehmbares Objekt, folgt lediglich verbalem Wissen.

Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Punkt 3

Deutung

Wir sehen: In den meisten Übersetzungen bezieht sich Vikalpa darauf, dass wir Worte für die Realität nehmen, obwohl sie so, wie wir sie deuten, in der Welt gar nicht vorkommen.

Wortwissen findet sich unserer Erkenntnis nach nur beim Menschen. Das mag sich irgendwann ändern, jedes Jahr werden neue Erkenntnisse zu den Kommunikationsfähigkeiten von Pflanzen und Tieren gewonnen.

Punkt 4

reden

Worte im Innen und Außen

Es kann sich hierbei um innere Worte, sprich Selbstsuggestionen, das innere Plappern, eine innere Stimme etc. handeln oder natürlich auf die Worte von jemand Anderes im Außen: Lob und Tadel, Nachrichten, Liebesgeflüster ... alles ist Wortwissen, aber damit nicht notwendig falsch.

Sukadev weist darauf hin, dass Wortirrtum, sowohl beim Tadel (zieht uns runter) als auch beim Lob (kann uns in eine vom anderen gewünschte Richtung hin manipulieren) oder in der Werbung (was ist an einem sportlichen Auto sportlich?) unser Verhalten stark beeinflussen kann.

Andererseits können Worte uns beflügeln, uns wie auf Wolken durch den Tag tragen.

Punkt 5

worte setzen

Vikalpa allerorten

Wer kennt das nicht: Ein Mensch kann klug daherreden, ohne etwas wirklich zu wissen. Vielleicht meint er sogar, zu wissen, wenn es sich dabei in Wirklichkeit nur um Wortewissen, ein totes Wissen ohne innere Erfahrung und Bestätigung. Phantasiewelten oder substanzlose Ideen handelt.

Von Vikalpa zu Pramana

Iyengar zeigt auf, dass Vikalpa mittels Analyse, Unterscheidungsvermögen sowie Try- and-Error zu wahrem Wissen geführt werden kann. Das Zaubermittel, diese Wortirrtümer oder Gedankenkonstrukte zu erkennen liegt aber zunächst - wie so oft - im achtsamen Beobachten der eigenen Gedanken.

Zu beachten: Das Grundproblem des Wortirrtums für den Yogaweg liegt darin, wie bei allen Vrittis, dass Vikalpa als Vritti unseren Geist bewegt und damit uns den Blick auf unser wahres Selbst verschleiert.

Die Ursache

Eliade verweist in Zusammenhang mit Sutra I-9 auf Seite 49 darauf hin, dass stets Unwissenheit die ontologische (vielleicht hier am besten mit "letztendliche" übersetzt) Ursache jeder Vritti ist.

Dein Feedback / deine offene Frage an den Text

Ist etwas unklar geblieben?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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Punkt 6

Übung zu Yoga Sutra I-9

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche: Achte diese Woche genau auf die Wirkung die Worte bei dir auslösen. Vielleicht hält dich jemand immer verbal am Boden, oder du merkst, wie du dich bei der Arbeit besonders anstrengst, weil dein Chef immer so nett lobt usw. Zudem: Welche Assoziationen laufen in dir ab, wenn du ein Wort hörst (das Wort Hund ist nicht der physische Hund). Manche Worte haben auf uns ungeheuerlichen Einfluss.

Du kannst diese Übung noch intensivieren:

Siehe auch

Yoga Sutra II-33: Bei einer Behinderung durch schädliche Gedanken sollte man zu deren Überwindung über das Gegenteil meditieren

vitarka-bādhane pratiprakṣa-bhāvanam
वितर्कबाधने प्रतिपक्षभावनम्

 

Punkt 7

Videos zur neunten Sutra

Punkt 8

Beliebt & gut bewertet: Bücher zum Yogasutra

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