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Pramâna–viparyaya–vikalpa–nidrâ–smritayah
प्रत्यक्षानुमानागमाः प्रमाणानि

Weiter geht es mit der Einteilung der Geistesaktivitäten. Die nachfolgenden Übersetzungsvarianten liefern Alternativdeutungen für die jeweilige Vritti:

Deutung: Patanjalis Geistesaktivitäten

Patanjali untergliedert hier die Aktivitäten (Vrittis) unseres Geistes:

  1. Wahrhaftes Wissen (Pramana) - erläutert in Sutra 1.7.
  2. Falsche Auffassung (Viparyaya) - erläutert in Sutra 1.8.
  3. Wortirrtum/bloße Vorstellung (Vikalpa) - erläutert in Sutra 1.9.
  4. Tiefer traumloser Schlaf (Nidra) - erläutert in Sutra 1.10.
  5. Erinnerung (Smriti) - erläutert in Sutra 1.11.

Verschaffen wir uns einen ersten Überblick über diese fünf Aktivitäten:

 
 

Pramana

Pramana ist als korrektes Wissen zunächst unproblematisch. Beachte jedoch, dass auch Pramana ein Vritti ist. Wenn du also dein wahres Selbst schauen möchtest, muss nach Patanjali auch Pramana zur Ruhe kommen.

Viparyaya

Die falschen Wahrnehmungen führen zu falschem Wissen, wenn diese als (komplette) Realität angesehen werden. Ein anschauliches Beispiel für dieses Phänomen sind die sechs Blinden, die jeweils unterschiedliche Stellen eines Elefanten berühren und daraus folgend völlig divergierende Beschreibungen des Elefantens abgeben.

Doch man muss nicht blind sein, um Viparyaya zu erleiden. Bedenke zum Beispiel, dass wir mit unseren Augen nur ein gewisses Spektrum innerhalb des Lichtes erkennen, Farben nur in unserem Kopf existieren, alle Gegenstände eigentlich zu mehr als 99 Prozent aus Nichts bestehen, entsprechende Analogien im Hörbereich anzufinden sind und viele weitere solcher "Sinnestäuschungen" bei uns vorliegen. So gesehen könnte man jeden Menschen als nahezu blind und taub ansehen. Wir leben in der Höhle.

Harmonie

Vikalpa

Wortirrtum umfasst ein weites Feld. Es umfasst alle verbalen Aussagen, denen keine Realität zugrunde liegt. Zu Vikalpa gehören z.B. auch Lob und Tadel.

Smritayah

Das Gedächtnis Smrti führt zur Erfahrung, Erinnerung an vorhergehende Erlebnisse. Auch Erinnerung ist eine Gedankenwelle, eine Fluktuation, ein Schleier, der die klare Sicht auf das wahre Selbst trübt.

Nidra

Überraschung! Auch der Schlaf ist eine Geistesbewegung. Ansonsten wäre der Schlaf ja schon Nirodha und immer wenn wir schliefen, befänden wir uns in Samadhi. Dem ist aber leider offenkundig nicht so ... :-(

Geisteszustände und ihr Wechsel

Der Geist besitzt laut Iyengar ebenfalls fünf Arten von Intelligenz (Achtung Zahlensymbolik - gibt es hier einen Zusammenhang?):

  • Mudha: töricht und unwissend
  • Ksipta: nachlässig oder abgelenkt
  • Viksipta: aufgewühlt oder zerstreut
  • Ekagrata: auf einen Punkt gerichtet oder konzentriert aufmerksam
  • Nirodha, Niruddha: gezügelt oder beherrscht

Nur die letzten beiden gilt es auf dem Weg des Yoga anzustreben. Doch wie komme ich zum Beispiel aus einer depressiven Mudha-Stimmung zu einer konzentrierten Ekagrata-Verfassung? Du könntest zum Beispiel:

  • Achtsam deinen Geisteszustand beobachten.
  • Diese Zustände benennen, ihre Zeitdauer und Auftreten einige Wochen lang notieren.

Vielleicht findest du hier schon erste Anhaltspunkte, wie du einen ungünstigen Geisteszustand verlässt. In den folgenden Sutras wirst du noch viele Tipps finden. Auf jeden Fall hilft dir dieses Gewahrwerden dabei, dich der Identifizierung mit deinen Geisteszuständen bewusst zu werden. Dies ist stets ein erster Schritt zu dessen Aufhebung.

Übung zu Yoga Sutra I-6

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche: Blicke diese Woche abends zurück und mache dir jeweils drei Beispiele für korrektes Wissen, falsche Auffassung, Wortirrtum und Erinnerung bewusst. Denke jeweils darüber nach, inwiefern hier eine Bewegung des Geistes vorliegt.

Noch nicht genug? Frage dich jeweils: Wie kann die jeweilige Bewegung zur Ruhe gebracht werden?

Videos zur sechsten Sutra

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