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erinnerung muschelAnu-bhūta-viṣaya-asaṁpramoṣaḥ smṛtiḥ
अनुभूतविषयासंप्रमोषः स्मृतिः

Smrti, die Erinnerung kann schön, neutral oder unerquicklich ausfallen. Doch warum halten einige die Fähigkeit des Geistes zur Rückbesinnung für das größte Hindernis auf dem Weg zum Samadhi?

Inhalt: Yogasutra Kapitel 2, Vers 11

Punkt 1

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Anubhata, anubhûta = (von) Erfahrenem; folgend auf vergangene, erfahren, aus Vergangenem.
  • Vishayâ = Gegenstand, Situation, Objekt, Phänomen, Erfahrung
  • a- = nicht
    sam- = völlig
    pramosa = beseitigt, stehlen, verblassen, beseitigen,
    asampramoshah = „Nicht–Diebstahl“, nicht loslassen; auch: nicht vergessen, Nicht-Erlauben-Zu-Stehlen.
  • Smrti, smritih, smrtih = Erinnerung, Gedächtnis.
  • Vritti = Welle, seelisch-geistige Vorgänge, Gedanken(wellen), Gefühlsaufwallungen etc., auch: Bewusstseinszustand, Strukturen, Geistesbewegungen, dazu gehören auch Prägungen, Neigungen, Impulse, Glaubenssätze, Vorurteile, das Wesen des Menschen, Vritti verändert wie eine Fehleinschätzung die Wahrnehmung, Wellen auf der Wasseroberfläche, die den Blick ins Wasser trüben oder verzerren.

2

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Die Vritti Erinnerung ist das Festhalten an den Erfahrungen der Vergangenheit.
  • Erinnerung ist, wenn frühere Sinnesgegenstände nicht abhandengekommen sind.
  • Erinnerung ist ein Aufheben von Wissen und Erfahrungen.
  • Wenn frühere Situationen im Geist noch nicht völlig verschwunden sind, tritt Erinnerung auf. Auch sie ist eine Wahrnehmung.
  • Erinnerung ist eine korrekte Zusammensetzung von früherer Erfahrung.
  • Erinnerung ist die Aufbewahrung von Erfahrungen.
  • Erinnerung ist, wenn man des Empfindungsobjektes nicht beraubt ist.
  • Rückbesinnung ist eine mentale Modifikation verursacht von der Reproduktion vorhergehender Eindrücke über ein Objekt, ohne irgendetwas von anderen Quellen hinzuzufügen.
  • Gedächtnis erlaubt einem Objekt, das man erfahren hat, nicht zu entkommen.
  • Smrti - der Akt der Erinnerung - ist das Nicht-Entkommen der Vishaya-erfahrenen Objekte. (Vishaya ist die Welt der Sinnesobjekte)
  • Gedächtnis ist die Rückbesinnung auf Objekte, die ein Mensch erfahren hat.
  • Wenn eine mentale Modifikation eines Objektes, das vorher erfahren wurde und nicht vergessen wurde, zurück in das Bewusstsein kommt, nennt man es Erinnerung.
  • Erinnerung ist, wenn wahrgenommene Objekte nicht vergessen sind sondern zurück ins Bewusstsein getreten sind.
  • Gedächtnis ist, wenn die Vrittis von erlebten Subjekten nicht davonschlüpfen.
  • Erinnerung kommt von vergangenen Erlebnissen, wenn diese nicht verblichen sind.
  • Smrti ist die Reproduktion von Dingen, die erfahren wurden, ohne dass andere Quellen hinzugezogen werden.
  • Wenn die Erfahrung aus der Vergangenheit noch nicht verblasst ist, entwickelt sich Erinnerung.
  • Erinnerung ist, wenn man des erfahrenen Objektes nicht beraubt wird.

Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

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Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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 Punkt 3

Deutung

Zunächst: Dass die Erinnerung eine der Erscheinungsformen des Geistes ist, dürfte für jeden klar und akzeptabel sein.

Smrti trennt Gutes vom Schlechten

Richtiges Erinnern korrekten Wissens hingegen führt zum jederzeitigen Abrufen gemachter Erfahrungen und legt damit eine Grundlage für unser Unterscheidungsvermögen. Insofern leistet die Erinnerung einen wichtigen Dienst für unser Funktionieren in dieser Welt.

Doch Vorsicht!

Festzuhalten ist auch, dass jede Erinnerung korrekt oder falsch sein kann. Darüber hinaus kann die Erinnerung richtig sein, aber (damals schon) eine Falschwahrnehmung, eine Fehlschlussfolgerung oder ein Wortirrtum gewesen sein.

erinnerung gedanken

Ein Vritti halt ...

Es handelt sich bei Smrti auch um eine Vritti, wie alles in den Sutras I-5 bis I-11. Manche bewerten Smrti sogar als eines der hartnäckigen Hindernisse auf dem Weg zur Selbsterkenntnis. Wieso das?

Nehmen wir einmal an, du hast ein besonders schönes Gefühl oder ein mystisches Erleben an einem außergewöhnlichen Ort. Am nächsten Tag möchtest du diese Erfahrung wiederholen, aber durch die aufkommende Erinnerung an das gestrige Erlebnis wird deine unmittelbare Präsenz im Augenblick verhindert. Die Folge: Das schöne Erlebnis bleibt heute aus ...

Wir können noch weitergehen:
Das Leiden im Geist beruht (zum Teil) auf dessen Wohnen in der Vergangenheit. Man beruft sich auf eine Erinnerung und rechnet mit einem schlechten Ausgang in der Zukunft. Ein anschauliches Beispiel dafür, dass der Geist seine Schmerzen selbst erzeugen kann.

erinnerung maenner

Deshpande

Da Erinnerung auf vergangenen Erfahrungen beruht und diese jeweils eine vom Ego ausgehende Antwort auf das Erlebte waren, ist Erinnerung auch ein Vritti.

Deshpande sagt weiter: Alle fünf Vrittis unterscheiden sich voneinander, doch Smrti, die Erinnerung, ist "allumfassend". Sie schließt die Erfahrungen mit jedem der fünf Vrittis in der Vergangenheit ein.

Von daher muss auch die Erinnerung in der Meditation zur Ruhe kommen, um Samadhi zu erfahren. Der erste Schritt liegt auch hier in der Bewusstmachung der Vritti Erinnerung, diese neutral zu beobachten.

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Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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Siehe auch:

Yoga Sutra II-5: Durch Avidya – Unwissenheit oder falsches Verständnis – hält man das Vergängliche für verlässlich, das Unreine für rein, das Leidbringende für gut und Nicht-Selbst für das wahre Selbst

laternen blume e3 250Anityâshuchi-duhkânâtmasu nitya-shuchi-sukhâtmakhyâtir avidyâ
अनित्याशुचिदुःखानात्मसु नित्यशुचिसुखात्मख्यातिरविद्या

Ohne Avidya würden wir nicht ständig nach Schokolade schielen, uns ausreichend bewegen und nicht falschen Dingen und Menschen hinterherlaufen. Doch was genau geschieht bei Avidya? Und was gehört alles dazu? Yoga und Buddhismus sind sich an dieser Stelle nicht ganz einig ...

Übung zu Yoga Sutra I-11

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche: Manche Erinnerungen neigen dazu, unaufgefordert zu uns zu kommen und uns durch ihr Kommen in diese oder jene Gefühlslage zu versetzen. Achte die folgende Woche bewusst auf dieses Phänomen, harre seiner. Wenn du es bemerkst, halte kurz inne, beobachte. Werde dir der Wirkung der Erinnerung auf deine Stimmungslage und dein Handeln gewahr.

Stufe 2: Notiere am Abend die Erinnerungs-Erlebnisse des Tages. Sinne darüber nach.

 

Video zur elften Sutra

Erläuterungen zu den Sutras I-8 bis I-11.

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