Yoga Sutras erklären

Atha yoga-anuśāsanam
अथ योगानुशासनम्

Jetzt ist Yoga-Zeit. Dies kann ein schönes Motto jeder Yogasitzung sein: Jetzt, hier - mein Yoga!

Womöglich verbirgt sich weiterer verborgener Sinn hinter dieser Sutra. Schauen wir uns Übersetzungsvarianten und die interessantesten Deutungen an.

1. Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • atha = jetzt;nun, sofort; Beginn von vielen Erklärungen; laut Sriram ein glücksverheißendes Wort; Dieses Wort wird oft als "Jetzt" übersetzt. Es markiert den Beginn einer neuen Phase oder eines neuen Abschnitts. Es symbolisiert den Moment des Jetzt, in dem wir uns bewusst dem Yoga zuwenden.

  • Yoga = Yoga; Einheit, Vereinigung, verbinden, Harmonie mit sich selbst; stammt von Yuga: Zaumzeug, kann also als Zügeln der Gedankenbewegung, als Selbstbeherrschung (Zügel dich!) oder als Zusammenspannen von Kräften für ein Vorankommen ausgelegt werden. Alternativerklärung: Das Wort "Yoga" stammt vom Sanskrit-Wort "Yuj" ab, was so viel wie "verbinden" oder "vereinigen" bedeutet. Es repräsentiert die Vereinigung von Körper, Geist und Seele.

  • anusasanam = Lehre, Auslegung, Erklärung, Darstellung, Erörterung. Weite; Das, was auf Erfahrung basiert, hier also: die Einführung in eine Erfahrung. Alternativerklärung: Dieses Wort kann als "Disziplin" oder "Unterweisung" übersetzt werden. Es bezieht sich auf die Lehren und Praktiken des Yoga;

2. Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Jetzt wird Yoga dargelegt.
  • Nun ist Yoga-Zeit.
  • Jetzt wird Yoga gelehrt.
  • Hier beginnt die Yoga-Eröterung.
  • Nun folgen die Instruktionen des Yoga.
  • Ab hier wird Konzentration erklärt.
  • Jetzt wird die Erfahrung der Einheit erläutert.
  • Jetzt folgt die Disziplin des Yoga.
  • Einssein erklärt sich im Jetzt.
  • Jetzt Yoga - eine Einführung in die Erfahrung.
  • Jetzt startet die Darlegung der Kunst des Yoga.
  • Ab hier erfolgt eine Einweisung in Yoga, die auf Erfahrung beruht.
  • Ab nun beginnt die Darlegung des Yoga.
  • Deshpande/Bäumer: „... die Disziplin des Yoga“
  • Coster: „... eine Erklärung des Yoga gegeben werden.“
  • Feuerstein: „Jetzt zur Erklärung ...“
  • R. Palm: „Wohlan!, die Yoga-Unterweisung.“
  • R. Sriram: „... Einführung in Yoga, die auf Erfahrung beruht.“
  • Govindan: „Jetzt ... Darstellung des Yoga.“
  • Iyengar: „Nun beginnt ... die Kunst des Yoga.“
  • R. Skuban: „... Die Einführung in den Yoga beginnt.“
  • T.K.V. Desikachar: „Hier nun beginnt der Text ...“
  • Swami Satchidananda: "Jetzt wird die Darstellung des Yoga gemacht."
  • ChatGPT:  "Jetzt beginnt die Unterweisung im Yoga."
Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Du findest die bisherigen LeserInnen-Übersetzungen und -Ergänzungen unten.

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Hier die bisherigen Antworten anschauen ⇓

Antwort 1
Hier beginnt Yoga

Antwort 2
Hier beginnt der Pfad des Yoga

Antwort 3
Und jetzt: Yoga

Antwort 4
Nun beginnt die Erklärung wie die Harmonie, die Vereinigung mit sich selbst, erfahren werden kann. :)

Antwort 5
Im jetzt ist die Erfahrung der Vereinigung

Antwort 6
Jetzt wird Yoga erklärt.

Antwort 7
Und so verstehe ich mich selbst.

Antwort 8
Ab jetzt: Yoga!

Antwort 9
Hier beginnt dein Yoga.

Antwort 10
Jetzt ist der Anfang von meinen Yoga

Antwort 11
Yoga ist jetzt

Antwort 12
Nun verbinde deinen Körper, Geist und Seele mit deinem Atem zum Yoga praktizieren. Ich führe dich mit meiner Stimme durch diese Übung.

Antwort 13
Nun folgt die Yogalehre

Antwort 14
Nun folgt die Disziplin des Yoga

Antwort 15
JETZT. Einheit. Erfahrung.

Antwort 16
Im Hier und Jetzt findet die Unterweisung von Yoga statt.

Antwort 17
Jetzt mit sich in Einklang kommen

Antwort 18
Nun die Einführung in die Erfahrung der Harmonie mit dir Selbst

Antwort 19
Jetzt bei sich ankommen, sich selbst finden, nur sich zu spüren um mit der Yogapraxis zu beginnen

Antwort 20
Jetzt bist du bereit.

Antwort 21
Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt. (man beginnt, Yoga zu leben..)

Antwort 22
Nur im JETZT kann ich der Lehre gemäß wirken.

Antwort 23
Wegweiser zur Erlangung des ewigen Lebens

3. Deutung

Sutra 1.1 spielt eine entscheidende Rolle in der Yoga-Philosophie. Es ist der Ausgangspunkt für die gesamte Yoga-Praxis und legt den Grundstein für das Verständnis des Yogawegs. Es ist der Moment, in dem der Praktizierende beschließt, den Weg des Yoga zu betreten und sich auf die Reise der Selbstentdeckung zu begeben.

Vermutlich sagt Patanjali also lediglich, dass er nun die Lehre des Yoga erklären wird. Aber tiefschürfende Geister sehen in den drei Sanskrit-Worten eine Vielzahl an Sinngehalten.

3.1. Der zeitliche Kontext

Iyengar weist darauf hin, dass Patanjalis Zeitgenossen die Bedeutung einzelner Worte wesentlich klarer gewesen sein dürfte als heutigen Lesern. Patanjali hatte die damaligen verstreuten Lehren ja (lediglich) zusammengefasst.

Der Altmeister für vergleichende Religionswissenschaft Mircea Eliade weist in "Yoga" auf Seite 15 darauf hin, dass Anusasanam als "Auslegung" zu deuten ist. Damit ist klar: Patanjali stellt hier keine neuen Hypothesen auf, er erfindet nichts Neues, er veröffentlicht und erklärt lediglich. Eliade sieht allerdings im Wort "Auslegung" einen Hinweis darauf, dass Patanjali an der einen oder anderen Stelle die bisherigen Yoga-Lehren korrigiert.

Samadhi, die Erfahrung der Einheit allen Seins ist das Ziel des Yogas. Anusasanam sagt laut Sriram ebenfalls, dass diese Erkenntnis (aus den Sutras, von Samadhi) auf Erfahrung beruht, nicht gedacht oder gefühlt werden kann.

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4. Was du heute kannst besorgen: Deutung von atha als "nun" bzw. "jetzt"

Sukadev sieht im Wort "atha" einen Ansporn, die Übung des Yogas nicht die Zukunft zu verschieben. Immer wenn der innere Schweinehund die Meditation auf den folgenden Tag verlegen will, sage man sich: atha! Oder man murmele "Atha Yoga" als Mantra vor jeder Übungseinheit, um die eigene Motivation zu fördern.

Andere sehen im Wort "atha - Jetzt" die Quintessenz aller Spiritualität. Das Leben im Augenblick, die völlige Hingabe an den gegenwärtigen Moment.

Auch in der Hatha-Yoga-Pradipika starten viele Übungserläuterungen mit "atha".

In Deshpande / Bäumer wird darüber hinaus gefordert, das, was vor dem "Nun/atha" liegt, aufhören muss um das darauf Folgende zu beginnen. Also ein Bruch mit der Vergangenheit, um dem Yoga zu folgen. Aus dem Zustand der Enttäuschung und des Nichtwissens (... der Identifizierung mit den eigenen seelisch-geistigen Vorgängen) aufmachen auf den Weg zur Freiheit.

R. Skuban sieht es erhebender: "Nun also ... Angekommen an diesem aussischtsreichen Moment, auf den euch euer bisheriges Leben vorbereitet hat, beginnt jener Weg, der euch [zur} ... wahren Natur ... zum Zustand von Yoga, ... inneren Licht ... reinen Gewahrsein" führen wird. Und weiter: Yoga sei "Gesundung", es oll uns "ganz und heil" machen.

Deshpande/Bäumer, Seite 22: "Das, was davor lag, bis zu diesem >>Nun<< , muss aufhören, damit man bereit ist, das Neue zu lernen ... Dieses Neue ist Yoga." Für dieses neue Yoga müsse völlig mit der Vergangenheit gebrochen werden, so würde es in den folgenden Sutras deutlich werden. Im Wort "atha" erkennen die Autoren einen Hinweis darauf, dass man einen "Zustand des Nichtwissens" einnehmen müsse, wenn man mit dem Yoga beginne. Zudem solle man stets "einen wachen Zustand der Aufmerksamkeit" aufrechterhalten, um Yoga zu lernen.

Desikachar hingegen sieht im Wort "Atha" den Charakter einer Bitte (S. 21). Einer Bitte darum, "die nun bevorstehende Aufgabe, das Weitergeben der Lehre des Yoga, unter günstigen Vorzeichen beginnen und erfolgreich zu Ende gebracht werden möge."

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5. Selbstachtung

Mit einigen gedanklichen Winkelzügen lässt die Auslegung des Wortes Yoga als "Harmonie" mit einer Ergänzung der Form "mit mir selbst" lesen. Yoga führt dazu, dass ich mich als der akzeptiere der ich bin. Dies führt zu Selbstwertgefühl und schafft Voraussetzung dafür, dass ich andere auch so sein lassen oder gar lieben kann, wie sie nun einmal sind.

5.1. Von Alpha bis Omega

Interessant mag noch sein, dass das Yogasutra mit dem Wort "atha - jetzt" beginnt und mit dem Wort "iti - So ist es" endet. Iti kam mir einmal auch mit "Ewigkeit" übersetzt unter.

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6. Kommentar von Vyasa zu Sutra 1.1

Vyasa war ein indischer Philosoph des 5. bzw. 6. Jahrhunderts nach Christi, der den ältesten überlieferten Kommentar zum Yogasutra des Patanjali schrieb. Der Text wird Yogabhashya (wörtlich "Kommentar (Bhashya) zur Yogaphilosophie") genannt und um 600 nach Christi datiert. Vyasas Kommentare zu den Sutras sind oftmals recht kurz.
Dieses Yogabhashya wurde im 8./9. Jh. von Shankara (788–820 n. Chr, indischer Gelehrter, Vedanta-Philosoph, Begründer der Advaitavedānta-Tradition) kommentiert. Sein Kommentar nennt sich Yogabhashyavivarana, Vivarana ist ein Unterkommentar. (Meine Quelle zu beiden Kommentaren: Legget)

Vyāsa kommentiert diese Sutra: Das Wort "jetzt" bedeutet hier einen Anfang, und das jetzt begonnene Thema wird als eine Darstellung des Yoga verstanden.
Yoga ist samādhi. Es ist eine Eigenschaft (dharma) des Geistes in allen fünf Geisteszuständen: Triebhaft, dumpf, wandelbar, auf einen Punkt gerichtet, gehemmt.
Vergnügen und Schmerz entstehen durch den Kontakt der Sinne und des Geistes mit den Objekten;
wenn dieser Kontakt nicht hergestellt wird, wenn der Geist im Selbst (ātman) verweilt, gibt es weder Vergnügen noch Schmerz für den verkörperten Menschen;
Yoga ist die innere Vereinigung (samyoga), die aus der Kontrolle von prāṇa und Geist entsteht.
Im wechselhaften Zustand des Geistes ist der samādhi dieser Wechselhaftigkeit unterworfen, und wird nicht als Yoga eingestuft.
Aber der samādhi im auf einen Punkt ausgerichteten Geist macht das Objekt, so wie es ist, deutlich, vernichtet die Befleckungen, löst die Karma-Bindungen und bringt den Zustand der Hemmung ins Blickfeld; es wird kognitiv genannt.
Dies folgt auf Meditationen mit verbalen Assoziationen (vitarka), Meditationen mit subtilen Meditationen mit subtilen Assoziationen (vicāra), Meditationen begleitet von Freude und Meditationen begleitet von der Ich-bin-Einheit; und wir werden später darüber sprechen.
Aber das Ultrakognitive (samādhi) ist, wenn es eine Hemmung aller mentalen Prozesse gibt. [Definition kognitiv: das Wahrnehmen, Denken, Erkennen betreffend.]
Das nächste sūtra (1.2) wird vorgestellt, um eine Definition davon zu geben.
Ultrakognitiv ist, wenn alle geistigen Prozesse gehemmt sind. Das Wort "Aber" hat die Bedeutung von Einschränkung. Das nächste sūtra wird vorgestellt, um eine Definition davon zu geben, vom reinen ultrakognitiven samādhi, der so beschrieben wird. Es ist also richtig, dass das sūtra nun sagt:

Yoga Sutra I-2: Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Bewegungen im Geist

Zur Sutra

Shankara erläutert den Kommentar (Auszüge daraus). Er beginnt mit einem Gedicht:

In dem weder Karma noch seine Früchte sind, sondern aus dem sie hervorgehen,
Dem die Befleckungen der Menschen niemals widerstehen noch ihn berühren können,
Den das Auge der Zeit, das alles zählt, nicht erfassen kann,
Dieser Herr der Welt, der den Dämon Kaiphabha tötet - vor ihm verneige ich mich.

Der allwissend, allherrlich und allmächtig ist,
der ohne Makel ist und der die Taten mit ihren Früchten belohnt,
der Herr, der die Ursache für das Entstehen, das Ende und die Erhaltung aller Dinge ist,
Ihm, dem Lehrer aller Lehrer, sei diese Verbeugung gewidmet.

Niemand wird den Praktiken und Beschränkungen des Yoga folgen, wenn nicht das Ziel und die damit verbundenen Mittel klar dargelegt worden sind und der Kommentator (Vyasa) erklärt zunächst, was der Autor des sūtra damit gemeint hat, damit die Menschen zur Praxis geführt werden können.

Zunächst zum Ziel. Es wird ein klärendes Beispiel aus der Medizin gegeben. In den Klassikern der Medizin ist die Darstellung in vier Bereiche gegliedert:

  1. Krankheit,
  2. Ursache der Krankheit,
  3. der gesunde Zustand,
  4. das Heilmittel.

Die medizinische Wissenschaft erklärt weiter diese Dinge in Form von Verordnungen und Einschränkungen.

So ist es auch im Yoga. 

Das Sutra (II.15) "Aufgrund der Leiden, die durch Veränderungen und Ängste und die samskara-s (dynamischen latenten Eindrücke bzw. unterbewusste Prägungen) von ihnen verursacht werden, und durch das Zusammentreffen der guna-s, ist für den Klarsichtigen alles nur Leid", was dem ersten Punkt (Diagnose von Krankheit) entspricht.
Die parallele Vierteilung dieses Werkes über Yoga ist wie folgt:

  • Was zu entkommen ist (= die Krankheit), ist Samsara voller Schmerz;
  • ihre Ursache ist die Verbindung von Seher und Gesehenem, verursacht durch Unwissenheit (Avidya);
  • das Mittel zur Befreiung ist ein unerschütterliches (aviplava) Wissen, dass sie verschieden sind.
  • Wenn dieses Wissen über den Unterschied (viveka-khyati) erscheint, hört die Unwissenheit auf;
  • Wenn die Unwissenheit aufhört, gibt es ein vollständiges Ende der Verbindung von Seher und Gesehenem, und dies ist die Befreiung, die kaivalya genannt wird.

Kaivalya (Shankara übersetzt mit: transzendentales Alleinsein) entspricht hier dem Zustand der Gesundheit, und so ist die Befreiung das Ziel.

.... Shankara diskutiert im Original dann einiges im Stile eines Frage-Antwort-Spieles. Das lasse ich hier weg ...

Zum "ultrakognitiven samadhi" aus Vyasas Kommentar schreibt Shankara dann noch:

Hier bemerkt der Kommentator, dass es besser ist, die Definition des ultrakognitiven (a-sam-prajñata) samadhi hier zu haben, als zuerst die Definition des kognitiven zu nehmen. Er sagt also: "Wir werden später darüber sprechen.
Dementsprechend soll hier nun die Definition des ultra-kognitiven Samadhi gegeben werden, um zu zeigen, dass er unabhängig vom Kognitiven ist und durch die beiden Praktiken des höchsten Losgelöstseins (para-vairagya) und der Idee des Anhaltens (virama-pratyaya, 1.18) vervollkommnet wird. Wenn die Definition des Kognitiven hier gegeben würde und die des anderen später, würde der Verdacht aufkommen, dass nur durch das Kognitive die Qualifikation für ultrakognitives Samadhi gegeben ist. (Das ist nicht der Fall, und) deshalb sagt er, dass er später über den kognitiven (kognitiv: das Wahrnehmen, Denken, Erkennen betreffend) Samadhi sprechen wird.

 

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7. Parallelen zwischen dem Yogasutra und anderen philosophischen Traditionen

Sutra 1.1 lautet: "Jetzt beginnt die Anweisung des Yoga." (In Sanskrit: अथ योगानुशासनम् - atha yogānuśāsanam). Und dann folgen viele Anweisungen zur Meditation bzw. zur Kontrolle der Geistesaktivitäten. Dieses Ansinnen findet sich in vielen Lehren, Philosophien und spirituellen Richtung. Zum Beispiel:

  • Stoizismus (Abendländische Philosophie): Die Stoiker legten großen Wert auf die Kontrolle des Geistes und die Disziplin des Denkens, ähnlich wie das Yogasutra. Sie glaubten, dass wir zwar nicht immer Kontrolle über die Ereignisse in unserem Leben haben, aber Kontrolle darüber haben, wie wir darauf reagieren. Marcus Aurelius, ein berühmter stoischer Philosoph, sprach oft über die Bedeutung der geistigen Disziplin, die ein Schlüsselaspekt vom Yogasutra ist.
  • Platonismus (Abendländische Philosophie): Platon betonte die Bedeutung der geistigen Welt und der Ideen, was Parallelen zur Betonung des Geistes und der Gedankenkontrolle im Yoga aufweist.
  • Buddhismus (Asiatische Philosophie): Der Buddhismus legt großen Wert auf Meditation und die Kontrolle des Geistes, ähnlich wie das Yogasutra. Die Vier Edlen Wahrheiten und der Achtfache Pfad des Buddhismus haben viele Parallelen zu den Prinzipien des Yoga.
  • Daoismus (Asiatische Philosophie): Der Daoismus betont das "Wu Wei" oder "Nicht-Handeln", was eine Form der mentalen Disziplin ist, die Parallelen zur Gedankenkontrolle im Yoga aufweist.
  • Konfuzianismus (Asiatische Philosophie): Der Konfuzianismus legt großen Wert auf Disziplin und Ordnung, was Parallelen zur Disziplin und Ordnung im Yoga aufweist.
  • Kartesischer Dualismus: René Descartes schlug das Konzept des Geist-Körper-Dualismus vor, das in gewisser Weise der yogischen Idee der Trennung von physischem und spirituellem Selbst ähnelt.
  • Existentialismus (Westliche Philosophie): Die existentialistische Idee, seinen eigenen Zweck und Sinn im Leben zu schaffen, kann lose mit dem yogischen Fokus auf Selbstverwirklichung und Verständnis des eigenen Geistes in Verbindung gebracht werden.

Bitte beachte, dass dies breite Parallelen sind und die genannten Philosophien ihre eigenen einzigartigen Konzepte haben und nicht als identisch mit den yogischen Philosophien angesehen werden sollten.

7.1. Parallelen im Buddhismus

Konkrete Parallelen der unterschiedlichen Lehren und Philosophien zu einzelnen Sutras werden bei der jeweiligen Sutra erläutert. Hier aber schon einmal einige relevante Schnittstellen zwischen Yogasutra und Buddhismus:

  1. Bewusstsein und Achtsamkeit: Die erste Sutra von Patanjali, "Jetzt beginnt die Anweisung des Yoga", legt den Schwerpunkt auf das Hier und Jetzt, was eine starke Parallele zur buddhistischen Praxis der Achtsamkeit darstellt. In vielen buddhistischen Texten, wie dem Satipatthana Sutta, wird die Bedeutung der Achtsamkeit und des Bewusstseins im gegenwärtigen Moment betont.
  2. Die Befreiung vom Leiden: Sowohl im Yoga als auch im Buddhismus ist das ultimative Ziel die Befreiung vom Leiden. Im Buddhismus wird dies durch das Erreichen des Nirvana angestrebt, ein Zustand, in dem alle Begierden erloschen sind und somit das Leiden endet. Dies ähnelt der yogischen Vorstellung von Kaivalya, der Befreiung von allen Bindungen und Illusionen.
  3. Die Praxis der Meditation: Sowohl im Yogasutra als auch im Buddhismus spielt die Meditation eine zentrale Rolle. In der ersten Sutra von Patanjali wird die Bedeutung der Meditation für die Kontrolle des Geistes und die Erreichung von Samadhi hervorgehoben. Ähnlich betont der Buddhismus die Praxis der Meditation als Weg zur Erleuchtung.
  4. Die Kontrolle des Geistes: Die erste Sutra von Patanjali legt den Grundstein für die folgenden Lehren zur Kontrolle des Geistes durch Yoga. Im Buddhismus wird dies durch die Praxis der rechten Anstrengung und der rechten Konzentration erreicht, die beide Teile des Achtfachen Pfades sind.
  5. Die Überwindung von Anhaftungen: Sowohl im Yogasutra als auch im Buddhismus wird die Überwindung von Anhaftungen als notwendig für die spirituelle Entwicklung angesehen. Im Buddhismus wird dies durch die Praxis des rechten Verstehens und der rechten Absicht erreicht, die das Loslassen von Anhaftungen fördern.

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8. Weitere Interessante Fakten rund um Sutra 1.1 und die Yogasutras

  1. Verbindung zur Vedischen Tradition: Die Yogasutras von Patanjali sind stark von der vedischen Tradition beeinflusst. Sie integrieren philosophische Konzepte aus den Vedas und den Upanishaden und geben ihnen eine systematische Struktur.
  2. Mehrere Übersetzungen: Es gibt viele verschiedene Übersetzungen der Yogasutras, da Sanskrit ein reichhaltiges und nuanciertes Sprachsystem ist. Jeder Übersetzer bringt seine eigene Interpretation und Betonung mit ein, was zu unterschiedlichen Übersetzungen und Interpretationen führt. Oben führen wir repräsentativ einige Beispielübersetzungen auf.
  3. Viele Schriften über die Yogasutras: Neben den klassischen Kommentaren von Yogis und Philosophen wie die obigen von Vyasa und Shankara gibt es zahlreiche moderne Werke, die sich mit den Yogasutras befassen. Diese Bücher bieten verschiedene Perspektiven und Ansätze, um das tiefe Wissen der Yogasutras zu vermitteln. Oben bei den Quellen findest du empfehlenswerte Werke aufgelistet.
  4. Yoga als globale Praxis: Auch der Einfluss der Yogasutras hat dazu geführt, dass Yoga heute weltweit praktiziert wird. Menschen aus verschiedenen Kulturen und Hintergründen entdecken die Vorteile des Yoga für Körper und Geist und integrieren es in ihren Lebensstil.
  5. Aktualität der Yogasutras: Obwohl die Yogasutras vor vielen Jahrhunderten niedergeschrieben wurden, sind ihre Lehren und Prinzipien nach wie vor relevant. Sie bieten zeitlose Weisheit und Anleitung für diejenigen, die nach innerer Transformation und Selbstverwirklichung streben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sutra 1.1 aus den Yogasutras von Patanjali für viele den Beginn der Yoga-Philosophie markiert. Es fordert uns auf, uns dem Yoga in diesem Moment zu widmen und eine disziplinierte Praxis zu entwickeln. Dieses Sutra hat einen großen Einfluss auf verschiedene Yoga-Texte und die heutige Yoga-Praxis. Es erinnert uns daran, die Gegenwart zu schätzen und uns dem Yoga als Weg zur Selbsterkenntnis hinzugeben. 

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9. Übungsvorschlag zu Sutra I-1

uebung-sutre-250.jpgDenke in dieser Woche bei jeder Übung, die du durchführst, über das Wort "Jetzt" und seine erweiterte Bedeutung nach:

  • Jetzt übe ich - nicht nachher, nicht morgen.
  • Jetzt beginnt etwas Neues, ich lasse etwas Altes hinter mir.

Was kann dies jeweils sein - ein Wunsch, einen körperlichen Zustand, eine Gewohnheit?

Meine Erkenntnisse/Erfahrungen bei/mit dieser Übung

 

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10. Hintergrundbild zur Sutra

Diese Sutra gibt es auch als Wallpaper/Hintergrundbild für deinen Rechner, Tablett oder dein Smartphone:

10.1.

 gb sutre i 1 564

Zum Gratis-Download für Rechner/Tablett/Smartphone

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11. Fazit

Iyengar schlägt am Ende seiner Besprechungen dieser Sutra noch eine weitere, umfassendere Sichtweise vor. Sinngemäß schreibt er: "Hier werden die Übungen, welche die Ganzheit des Seins zum Ziel haben, aufgezeigt. Damit die verborgene Seite des Menschen, welche den normalen Sinnen nicht zugänglich ist, erkannt und erforscht werden kann."

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12. Ergänzungen und Fragen von Lesern:innen

Ist etwas unklar geblieben? Kannst du etwas ergänzen oder korrigieren?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Oder kannst du etwas verdeutlichen oder berichtigen? Eine eigene Erfahrung schildern ... Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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13. Videos zur ersten Sutra

13.1. Einführung in das Yogasutra von Sukadev

Länge: 32 Minuten

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Erläuterungen zu den ersten vier Sutras:

Länge: 55 Minuten

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13.2. Srirams Einführung

Youtube-Video

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13.3. Überblick

Einen 10-minütigen Überblick über das gesamte erste Kapitel der Sutras, symphatisch vorgetragen, leider in nicht ganz so berauschender Tonqualität:

Youtube-Video

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13.4. Ausführliche Erläuterungen zur 1. Sutra:

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13.5. 1 Stunde Gespräch auf Englisch über die 1. Sutra:

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14. Beliebt & gut bewertet: Bücher zum Yogasutra


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14.1. Alte Schriften auf Yoga-Welten.de

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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