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Virâma–pratyayâ-abhyâsa–pûrvah samskâra–seso nyah
विरामप्रत्ययाभ्यासपूर्वः संस्कारशेषोऽन्यः

 

Wir tauchen tiefer in die Welt des Samadhi ein. Sutra I-18 erläutert Virama-Pratyaya. Dieser Zustand muss schon sehr wonnevoll und reich an intuitiven Erkenntnissen sein. Aber Achtung! Es droht Gefahr ... 

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrit

  • Virama, virâma = aufhören, fallen lassen, loslassen; ruhende, still-gewordene;
  • Pratyaya = richtige Wahrnehmung, Geistesinhalt, Erkenntnis, Gedanke, Begriff, Erfahrung, Glauben, Eindruck; Inhalt des Verstandes (der „Keim“ von Samprajñâta Samâdhi);
  • Abhyasa, abhyâsa = Übung; beharrliche Praxis;
  • Pura, pûrvah = vorher (oben) erwähnt; vorausgegangen; vorausgesetzt; das Vorherige, Vorangegangene;
  • Samskara, samskâra = psychische Eindrücke im Unterbewusstsein; Prägungen aus der Vergangenheit; erworbene Neigungen; Gewohnheiten;
  • Sheshah, sesa, sesah, seso = Rest; (übrig) geblieben; das Verschonte;
  • Anyah, anya = das andere

 

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Anders als Iyengar oder Deshpande (der übersetzt Virama-Pratyaya mit "eine andere Art von Versenkung ... die zur Erfahrung des Stillstandes führt") sieht R. Sriram wie auch weitere Interpreten in Sutra I-18 bereits die Beschreibung von Asamprajnata Samadhi.

buddha weiss 300Srirams Übersetzung: "Im höheren Zustand von Samadhi, genannt Asamprajnata Samadhi [die freie vollkommene Erkenntnis] der Abhyasa [Üben] voraussetzt, haben Samskaras [unbewusste Prägungen] nur einen kleinen Rest an Bedeutung für die Wahrnehmung. ... Es herrscht große innere Stille."

Ähnlich wie Sriram sieht es Govindan. Er ergänzt, dass Virama-Pratyaya mit "Nach ständigem Üben (ergibt sich) mit dem Gedanken des Loslassens der andere" Zustand. Govindan bezieht sich hier auf Sutra I-12 (beharrliche Praxis und Nichtanhaftung).

Coster nennt den Zustand in I-18 schlicht "unbewussten Samadhi", einhergehend mit "Aufhebung aller Denktätigkeit".

Ashtangayoga.info setzt wie gewohnt andere Akzente und schreibt "Wenn jegliche Wahrnehmung erlischt und nur unmanifeste Prägungen verbleiben, entsteht der andere [Iyengars Übersetzung endet mit "der andere", wohingegen Ashtangayoaga.info ergänzt:] Zustand der Erkenntnis. ..."

Chip Hartranft fasst es so zusammen: "Später, wenn die Praxis alle Gedanken zum Stillstand gebracht hat, fallen diese vier Zustände (aus Sutra I-17) weg. Es bleibt nur ein Rest latenter Impressionen im tiefen Gedächtnis."

Vyasa Houston ergänzt: " ... auch der individuelle Sinn von "Ich bin" entfällt."

Swami Vivekananda präzisiert in seiner Übersetzung von Sutra I-18: "Es ist eine andere Art Samadhi, ..., in dem Citta nur die unmanifestierten Eindrücke beibehält."

 

Empfehlung: Man lese zunächst den Artikel über Samadhi und dann die Erläuterungen zu Sutra I-17.

 
 

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Virama Pratyaya - der Zwischenzustand

Samprajnata Samadhi ist nicht das letztendliche Ziel des Yoga. Der Schüler muss sogar seine Anstrengung noch verstärken, um das "Absolute des Nirbija-Samadhi" (Iyengar) zu erreichen. Er dürfe nicht stehenbleiben, sonst verlasse er hier den Yoga-Pfad. Bleibt der Yogi dem Yogapfad treu, dann kommt er beim Durchlaufen von Samprajnata Samadhi (automatisch) zu Virama-Pratyaya.

Manche sehen in dieser Sutra schon Asamprajnata Samadhi beschrieben, nicht so Iyengar auf Seite 107: "Patanjali beschreibt einen Ruhezustand zwischen Sabija- und Nirbija-Samadhi, zwischen Samprajnata Samadhi und Asamprajnata Samadhi, den er Virama-Pratyaya nennt. Diesen Zustand zeichnet ein Freisein von Leidenschaften und Begierden aus. Nur die positiven Eindrücke im Geist (Samskaras) verbleiben. Es ist eine Art Zwischenzustand, den Patanjali einfach anya - anders - nenne. Hierbei (nächste Sutra I-19) verschmelze er dann (gemäß Iyengar) mit der Natur.

Iyengar schreibt weiter auf Seite 108, dass Virama-Pratyaya mit der seelischen Verfassung kurz vor dem Einschlafen vergleichbar sei, wenn die Gedanken nicht mehr vom Intellekt hervorgerufen werden, das Ich-Gefühl verlorengeht und eine innere Stille eintritt. Dieser Zustand erinnere an "Manolaya (=Ruhe/Auflösung des Geistes)". Er wird nicht absichtlich herbeigeübt, sondern stelle sich auf "natürliche Weise" ein.

Deshpande verweist auf Seite 45 darauf, dass der Mensch, der Asmita erreicht hat, noch nicht den Sinn der Beziehung Mensch-Welt erfahren kann. Er erlebt sich immer noch als Ich. Die Welt dort draußen ist Nicht-Ich. Dualität. Es bedarf einer "Explosion", um dies zu überwinden. Von dieser Explosion spreche Patanjali in Sutra I-18 in Form von Virama-Pratyaya, der Erfahrung des Stillstands bzw. Unterbrechung, frei von jeder Vritti (Bewegung des Geistes). Hierzu ist viel/tiefe Abhyasa - Übung notwendig.

Das "Ich" als Mittelpunkt der Erfahrung fällt weg, es bleibt die reine Erfahrung. Ein Buddhist würde dies vielleicht mit dem dauerhaften Verweilen eines Meditationsmeisters in "völliger Präsenz" ausdrücken.

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Samskaras

Deshpande schreibt auf Seite 46, dass mit der reinen Schau ohne Ich die (schlechten) Samskaras, die unbewussten Eindrücke vom Yogi abfallen, da diese keinen Kristallisationspunkt mehr hätten, an denen sie sich klammern können: wieder ein Stück Freiheit gewonnen.

Nicht stehenbleiben!

Der Zustand im Samprajnata muss viele Yogis dazu verführen, sich mit dem Erreichten zufriedenzugeben. Iyengar warnt dezidiert davor. Virama-Pratyaya sei ein unsicherer Zustand, der zwar zur Grundlage der Vollendung werden, anderseits den Yogi auch lange Zeit festhalten kann. Iyengar deutet die Sutra I-20 in diesem Sinne als Mahnung, die Anstrengungen bei Erreichen von Virama Pratyaya noch einmal zu erhöhen.

Videos zu Sutra I-18

Leider verbleiben nur noch englische Videos, die sich mit dieser Sutra beschäftigen. Wenn du ein deutschsprachiges Video kennst, nenne es bitte unten in den Kommentaren. Danke!

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