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Shraddhâ–vîrya–smriti–samâdhi–prajnâ-pûrvaka itareshâm
श्रद्धावीर्यस्मृति समाधिप्रज्ञापूर्वक इतरेषाम्

In dieser Sutra wird Patanjali angenehm konkret. Er richtet sich an uns Fußvolk, die nicht von Geburt aus Begnadigten. Wir brauchen vier oder fünf Mittel, um uns dem Ziel des Yoga zu nähern.

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrit

  • Shraddha, shraddhâ = Glaube, Vertrauen, innere Überzeugung, starkes Interesse, tiefe Hingabe;
  • Virya, vîrya = Stärke, fester Wille, Energie; Kraft, Handlungsbereitschaft; Mut, Würde;
  • Smriti = Gedächtnis; Erinnerung;
  • Prajna = Wahrnehmung, Erkenntnis, Wissen / Ahnung; Achtsamkeit;
  • Samadhi-Prajna, samâdhi–prajñâ = „hohes Wissen“, scharfer Intellekt, wesentlich für Samadhi;
  • Purvaka, pûrvaka = dem vorangeht; geht voraus; verbunden mit;
  • Itaresâm = für andere (Menschen);

 

 
 

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Wille!

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

  • Deshpande übersetzt einfach: "Die anderen ... erreichen ... Samadhi durch Glauben, Mut, Erinnerung, Sammlung und Weisheit." Ähnlich Iyengar: "Die anderen Menschen müssen ...".
  • Coster setzt scharfe eigene Akzente: "Der Schüler, der das Ziel ... erreichen will, muss bereit sein, alles andere zu opfern. Er bedarf der Energie, der genauen Erinnerung an frühere Erfahrungen und eines guten Unterscheidungsvermögens." Coster verweist darauf, dass die exakte Erinnerung an vergangene Erfahrungen auch eines der Hauptziele der Psychoanalyse sei.
  • Swami Prabhavananda deutet so: "Die Konzentration des wahrhaften Spirituellen kann durch Glauben, Erinnerung und Kontemplation über Einsicht kommen."
  • Manchmal liest man "Andere erreichen die innere Stille durch ..."

Die fünf Mittel

Eliade fasst in einer Fußnote auf Seite102 zusammen: !Patanjali nennt hier fünf Mittel, durch den ein Yogi den Asamprajnata erreicht".

1. Den Glauben an den Weg des Yoga

Das dürfte klar sein. Wer nicht zuerst ein wenig an die Verheißungen des Yogas glaubt, wird sich nicht auf den Weg machen. Später wird dieser Glaube durch eigenen Erfahrungen gestärkt.

2. Die Energie, diesen Weg zu gehen

Sukadev ergänzt, dass Energie, die wir in den Yogaweg stecken, uns wieder frische Energie zuführt, so dass wir unsere Anstrengungen weiter ausbauen können. Iyengar schreibt ähnlich, dass der Schüler nach dem Erreichen von Samprajnata Samadhi seine Energie in den Yogaweg noch einmal verstärken muss, um zu Asamprajnata Samadhi zu gelangen und nicht steckenzubleiben.

3. Gedächtnis

Wahrscheinlich ist das Erinnerungsvermögen, uns an die Gründe zu erinnern, diesen Weg zu gehen, gemeint. Aber auch die Geistesarbeit, uns über den Tag ständig auf die Yogapraxis zu besinnen. Coster sieht es so, dass hiermit die Klarheit über vergangene Erfahrungen gemeint ist.

4. Samadhi

Das Wissen um und später das eigene Erleben dieses besonderen Bewusstheitszustandes.

5. Weisheit/Wissen (Prajna)

Sukadev fasst die letzten beiden Punkte zu samadhi-prajna zusammen und nennt dies hohes Wissen/Bewusstsein. Man brauche dies, um jederzeit achtsam durch die Welt zu gehen.

 
 

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Von Glaube und Zweifel

Zweifelt man an einem dieser Wege, sieht Vijnana Bhiksu immer noch die Gnade Gottes als mögliches Mittel zum Asamprajnata Samadhi.

Iyengar schreibt auf Seite 114, dass Glaube nur eine unzureichende Übersetzung von Sraddha sei. Der Schüler müsse zudem mental und intellektuell gefestigt sein. Er sieht (siehe unten) in dieser Sutra eine dezidierte Aufforderung Patanjalis an den Schüler, seine Anstrengungen zu intensivieren. Sraddha sei dann ein "Vertrauen", dass der Schüler durch Offenbarung und Bewusstsein bestätigt findet.

Sutra I-20 als Alternative für Normalsterbliche

Deshpande schreibt auf Seite 46/47: Den Wesen mit Körper wird neben dem yogischen Weg (bei Patanjali der achtfache Pfad) in dieser Sutra I-20 ein alternativer, vierfacher Befreiungsweg angeboten, wenn diese sich nicht für das "Nicht-Wählen (er meint Citti Vritti Nirodha)" entscheiden können oder wollen. Diese bräuchten etwas, an das sie glauben können. Deshpande sieht Sutra I-20 so, dass diesen Menschen hier der Glaube an die "Disziplin des Yoga" vorgeschlagen wird. Der intensive Glaube an den Yoga entfalte eine eigene Kraft, die zur Quelle von Energie wird. Diese Energie führe zu einem Zustand der Sammlung, der ebenfalls eine erhellende Schau ermöglicht, welche gleichfalls zu Samadhi führt.

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Sutra I-20 als Mutmacher

Iyengar sieht in dieser Sutra eine Ermunterung und einen Fingerzeig für diejenigen, die bereits eine gewisse Tiefe im Samadhi verwirklicht haben. (Upaya-Pratyaya laut dem Kommentator Vyasa). Er verweist ebenfalls auf die Geschichte von Jada Bharata, der kalt und gefühllos wurde, als er Samadhi erfuhr. Er brauchte dann mehrere Leben, um wieder an seinen einmal erreichten Zustand anzuknüpfen und im Samadhi fortzuschreiten.

Ursprung im Buddhismus

Die Formulierung in dieser Sutra findet sich ganz ähnlich in Buddhas Lehrreden (Buddhadharma) von den fünf geistigen Fähigkeiten bzw. Heilskräften:

  • Vertrauen
  • Wille/Tatkraft
  • Achtsamkeit/Achtsamkeitsgegenwart
  • Sammlung/Herzenseinigung
  • Weisheit

Einige Kommentatoren meinen, Patanjali habe diese Sutra direkt aus Buddhas Lehre entnommen.

Videos zu Sutra I-20

Leider verbleiben nur noch englische Videos, die sich mit dieser Sutra beschäftigen. Wenn du ein deutschsprachiges Video kennst, nenne es bitte unten in den Kommentaren. Danke!

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