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hirsch kopf geweih 564

Einst lebte Jada Bharata in jenem Landstrich, der später Indien genannt wurde. Sein Vater war König von Bharata, seine Mutter Jayavantryambika galt im Volk als fromme Frau. Jada war zunächst ein großer Herrscher, der viel Gutes für sein Volk veranlasste. Man sagt sogar, dass das spätere Indien zunächst von den Einwohnern "Bharata Varsha" betitelt wurde - Land von (Jada) Bharata.

Jada verzichtete in seinen späteren Jahren auf die Herscherwürde, übergab die Verantwortung seinem Nachfolger und widmete sich seiner spirituellen Praxis in den weitläufigen Wäldern. Voller Eifer übte er viele Jahre die Meditation und erreichte so die ersten Zustände von Samadhi. Zunächst wurde Jada dabei kalt und gefühllos.

Doch dann geschah etwas, was Jada lange Zeit auf dieser Stufe seiner Entwicklung festhielt.

An einem wunderschönen Frühsommertag beschloss Jada, im Fluss ein Bad zu nehmen. Während des Bades schleppte sich ein großes Reh vom Wald an den Fluss, direkt zu Jadas Badestelle. Da donnerte es über ihnen und die Hirschkuh gebar vor Schreck ihr Kalb. Sie starb bei der Geburt, unmittelbar vor Jadas Augen.

Das Rehkitz drohte im Fluss unterzugehen und Jada griff instinktiv nach dessen Kopf. In diesem Moment verliebte er sich in das Tier und zog von da an das Rehkitz von Hand auf. Er erwarb Milch und gab dem Kleinen die Flasche. Jada widmete sich viele Jahre diesem kleinen Reh, so dass sein letzter Gedanke besorgt der Zukunft seines Rehkindes galt.

Es kam, wie es kommen musste: Jada wurde als Hirsch wiedergeboren. Doch sein entwickelter Geist beeinflusste alles, er wurde ein merkwürdiger Hirsch, der sich von den anderen Tieren fernhielt, die sich ganz ihren tierischen Instinkten hingaben. Jada bemühte sich auch als Hirsch um einen klaren Geist, seine Sehnsucht in unbewusster Form galt weiterhin der Befreiung.

 
 

Im nächsten Leben wurde Jada dann als Sohn des Brahmanen Angirasas geboren. Jada erinnerte sich sofort seiner Vorleben und schwor sich, die alten Fehler niemals wieder zu widerholen. Er nahm seine spirituellen Übungen erneut auf, machte dort weiter, wo er vor zwei Inkarnationen zuvor geendet hatte, als die hochschwangere Hirschkuh vor ihn trat.

Jada sprach von Anfang an in diesem Leben kein Wort. Das Dasein war ihm merkwürdig gleichgültig, einige hielten ihn sogar für wahnsinnig. Doch Jada hielt sich eisern daran, sich nie wieder einer Verhaftung unterzuordnen. An nichts und niemanden. Oft wirkte es so, als ob er nicht verstünde und ... Kurzum: Jada wurde in Ruhe gelassen. Aus dieser Zeit stammt sein Name Jada Bharata - der dumme, nutzlose Bharata. Früh zog er von zuhause aus und wanderte ziellos durchs Land.

Es trug sich in dieser Zeit zu, dass ein örtlicher Herrscher der Göttin Kalimata ein Menschenopfer darbringen wollte. Er ließ nach einem passenden Opfer suchen. Wer wäre hierfür besser geeignet als der wiedergeborene Jada, der in völliger Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber gerade in der Stadt weilte. Die Häscher des Herrschers zerrten ihn auf den Opferplatz. Jada leistete keinen Widerstand, sprach weiterhin kein Wort. Schon wollte der Herrscher den Befehl zur Tötung Jadas verkünden.

Da erschien unter Donner und Blitz die Göttin Kalimata persönlich und tötete statt Jada den Herrscher und sein Gefolge. Jada Bharata war wieder frei.

Er zog daraufhin als wandernder Weiser nach Sind, wo der König des Landes zu dieser Zeit als spirituell Suchender den Worten des Weisen Kapila lauschte. Eines Tages traf der König in seiner Sänfte auf Jada. Da in dem Moment einer der Träger in einen Nagel trat und nicht mehr weitergehen konnte, forderten die anderen Träger Jada auf, mit anzupacken. Dies tat er bereitwillig.

Jada wollte keine Tiere auf dem Erdboden zertreten. Darum schritt er in einem ganz anderen Rhythmus als die restlichen Träger, so dass diese völlig aus dem Gleichschritt gerieten. Sie beschimpften Jada ob seines Unvermögens, drohten ihm gar mit harscher Bestrafung, wenn er nicht ohne diese Ausfallschritte seinen Dienst ableisten würde.

Da sprach Jada zum ersten Mal in diesem Leben. Er sagte: "Wen bedroht ihr, wen sollen eure Beleidigungen treffen? Sie gelten nur diesem Körper. Mein Selbst bleibt von euren Worten völlig unberührt."

Den auf der Trage um Erleuchtung ringenden König trafen diese Sätze ins Mark. Er zwängte sich aus seiner Sänfte und verneigte sich vor Jada. Der König bat: "Verzeiht uns unsere Kränkungen, oh großer Weiser. Wir waren blind für eure Weisheit."

Jada gewährte die Entschuldigung gelassen und zog daraufhin als Lehrer in das Schloss des Königs ein. Beide erreichten in diesem Leben völlige Selbstverwirklichung.

Nacherzählt von Peter Bödeker

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Sanskrit: Jada heißt gefühllos, dumm, stumpf, leblos, faul oder nutzlos. Jada Bharata: Der "faule/dumme" Bharata.

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