Die Geschichte von Jada Bharata
Einst lebte Jada Bharata in jenem Landstrich, der später Indien genannt wurde. Sein Vater war König von Bharata, seine Mutter Jayavantryambika galt im Volk als fromme Frau. Jada war zunächst ein großer Herrscher, der viel Gutes für sein Volk veranlasste. Man sagt sogar, dass das spätere Indien zunächst von den Einwohnern "Bharata Varsha" betitelt wurde – Land von (Jada) Bharata.
Jada verzichtete in seinen späteren Jahren auf die Herrscherwürde, übergab die Verantwortung seinem Nachfolger und widmete sich seiner spirituellen Praxis in den weitläufigen Wäldern. Voller Eifer übte er viele Jahre die Meditation und erreichte so die ersten Zustände von Samadhi. Zunächst wurde Jada dabei kalt und gefühllos.
Doch dann geschah etwas, was Jada lange Zeit auf dieser Stufe seiner Entwicklung festhielt.
An einem wunderschönen Frühsommertag beschloss Jada, im Fluss ein Bad zu nehmen. Während des Bades schleppte sich ein großes, schwangeres Reh vom Wald an den Fluss, direkt zu Jadas Badestelle. Auf einmal donnerte es über ihnen und die Hirschkuh gebar vor Schreck ihr Kalb. Sie starb bei der Geburt, unmittelbar vor Jadas Augen.
Das Rehkitz drohte im Fluss unterzugehen und Jada griff instinktiv nach dessen Kopf. In diesem Moment verliebte er sich in das Tier und zog von da an das Rehkitz von Hand auf. Er erwarb Milch und gab dem Kleinen die Flasche. Jada widmete sich viele Jahre diesem kleinen Reh, so dass sein letzter Gedanke bei seinem Tod besorgt der Zukunft seines Rehkindes galt.
Es kam, wie es kommen musste: Jada wurde als Hirsch wiedergeboren. Doch sein entwickelter Geist beeinflusste alles, er wurde ein merkwürdiger Hirsch, der sich von den anderen Tieren fernhielt, die sich ganz ihren tierischen Instinkten hingaben. Jada bemühte sich auch als Hirsch um einen klaren Geist, seine Sehnsucht in unbewusster Form galt weiterhin der Befreiung.
Im nächsten Leben wurde Jada dann als Sohn des Brahmanen Angirasas geboren. Jada erinnerte sich sofort seiner Vorleben und schwor sich, die alten Fehler niemals wieder zu wiederholen. Er nahm seine spirituellen Übungen erneut auf, machte dort weiter, wo er vor zwei Inkarnationen zuvor geendet hatte, als die hochschwangere Hirschkuh vor ihn trat.
Jada sprach von Anfang an in diesem Leben kein Wort. Das Dasein war ihm merkwürdig gleichgültig, einige hielten ihn sogar für wahnsinnig. Doch Jada hielt sich eisern daran, sich nie wieder der Verhaftung an Irgendetwas unterzuordnen. An nichts und niemanden. Oft wirkte es so, als ob er nicht verstünde und ... Kurzum: Jada wurde in Ruhe gelassen. Aus dieser Zeit stammt sein Name Jada Bharata - der dumme, nutzlose Bharata. Früh zog er von zuhause aus und wanderte ziellos durchs Land.
Es trug sich in dieser Zeit zu, dass ein örtlicher Herrscher der Göttin Kalimata ein Menschenopfer darbringen wollte. Er ließ nach einem passenden Opfer suchen. Wer wäre hierfür besser geeignet als der wiedergeborene Jada, der in völliger Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber gerade in der Stadt weilte. Die Häscher des Herrschers zerrten ihn auf den Opferplatz. Jada leistete keinen Widerstand, sprach weiterhin kein Wort. Schon wollte der Herrscher den Befehl zur Tötung Jadas verkünden.
Da erschien unter Donner und Blitz die Göttin Kalimata persönlich und tötete statt Jada den Herrscher und sein Gefolge. Jada Bharata war wieder frei.
Er zog daraufhin als wandernder Weiser nach Sind, wo der König des Landes zu dieser Zeit als spirituell Suchender den Worten des Weisen Kapila lauschte. Eines Tages traf der König in seiner Sänfte auf Jada. Da in dem Moment einer der Träger in einen Nagel trat und nicht mehr weitergehen konnte, forderten die anderen Träger Jada auf, mit anzupacken. Dies tat er bereitwillig.
Jada wollte keine Tiere auf dem Erdboden zertreten. Darum schritt er in einem ganz anderen Rhythmus als die restlichen Träger, so dass diese völlig aus dem Gleichschritt gerieten. Sie beschimpften Jada ob seines Unvermögens, drohten ihm gar mit harscher Bestrafung, wenn er nicht ohne diese Ausfallschritte seinen Dienst ableisten würde.
Da sprach Jada zum ersten Mal in diesem Leben. Er sagte: "Wen bedroht ihr, wen sollen eure Beleidigungen treffen? Sie gelten nur diesem Körper. Mein Selbst bleibt von euren Worten völlig unberührt."
Den auf der Trage um Erleuchtung ringenden König trafen diese Sätze ins Mark. Er zwängte sich aus seiner Sänfte und verneigte sich vor Jada. Der König bat: "Verzeiht uns unsere Kränkungen, oh großer Weiser. Wir waren blind für eure Weisheit."
Jada gewährte die Entschuldigung gelassen und zog daraufhin als Lehrer in das Schloss des Königs ein. Beide erreichten in diesem Leben völlige Selbstverwirklichung.
Nacherzählt von Peter Bödeker
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Sanskrit: Jada heißt gefühllos, dumm, stumpf, leblos, faul oder nutzlos. Jada Bharata: Der "faule/dumme" Bharata.
Bezüge der Geschichte zu zentralen Ideen der Yoga-Philosophie
Die Erzählung von Jada Bharata ist mehr als nur eine Lebensgeschichte: In ihr spiegeln sich klassische Konzepte der yogischen Lebenskunst und Weisheit, wie sie in den alten Quellen der indischen Philosophie überliefert sind. Sie lädt ein, nicht nur zu lesen, sondern zu „spüren“, was Yoga im Kern meint.
Erinnerung über Geburt hinweg – Samskara und Vasana
Dass Jada Bharata sich in seinem späteren Leben sofort an frühere Existenzen erinnert, verweist auf das Konzept der Samskaras: tiefe geistige Eindrücke, die Handeln, Neigungen und Reaktionen prägen. In der frühen Yogaphilosophie gelten Samskaras als eine Art inneres Gedächtnis, das nicht an ein einzelnes Leben gebunden ist.
Eng damit verbunden sind die Vasanas, latente Tendenzen, die sich wie feine Strömungen durch das Bewusstsein ziehen. Jadas spontane Rückkehr zur spirituellen Praxis wirkt nicht wie eine Entscheidung – eher wie ein inneres Wieder-Erkennen. Genau so beschreiben frühe Yogatexte den Weg: Nicht alles beginnt bei null, manches wird erinnert, ohne bewusst gelernt zu sein.
Avidya – die feine Unwissenheit trotz spiritueller Höhe
Bemerkenswert ist, dass Jada bereits Samadhi-Erfahrungen gemacht hatte und dennoch in Bindung geriet. In der frühen Yogaphilosophie wird dies nicht als Scheitern verstanden, sondern als Ausdruck von Avidya – einer subtilen Unwissenheit, die selbst in fortgeschrittenen Stadien wirken kann.
Avidya bedeutet nicht Dummheit. Es ist vielmehr das feine Übersehen, dass selbst Mitgefühl, Fürsorge und Liebe zur neuen Identifikation werden können. Die Geschichte zeigt eindrücklich: Auch „gute“ Bindungen können den Geist binden, wenn sie unbewusst bleiben.
Purusha und Prakriti – wer wird hier eigentlich beleidigt?
Jadas berühmte Worte an die Träger der Sänfte berühren einen Kernbegriff früher Yogalehre: die Unterscheidung zwischen Purusha und Prakriti.
- Prakriti: Körper, Persönlichkeit, Rollen, soziale Zuschreibungen
- Purusha: das unveränderliche, beobachtende Bewusstsein
Wenn Jada sagt, die Beleidigungen träfen nur den Körper, spricht daraus keine Arroganz, sondern eine klare innere Trennung zwischen dem, was erlebt wird, und dem, der erlebt. Diese Unterscheidung ist ein zentrales Ziel des Yoga, wie es etwa im Yoga Sutra beschrieben wird: Leid entsteht dort, wo Beobachter und Beobachtetes verwechselt werden.
Mauna – das Schweigen als Praxis
Dass Jada über Jahre kein Wort spricht, lässt sich als Ausdruck von Mauna lesen – dem bewussten Schweigen. In frühen yogischen und vor-yogischen Traditionen galt Schweigen nicht als soziale Verweigerung, sondern als Disziplin des Geistes.
Mauna bedeutet nicht, nichts zu sagen, sondern nichts Unnötiges. Sprache wird erst dann eingesetzt, wenn sie aus Klarheit entsteht. Dass Jada erst spricht, als es inhaltlich unumgänglich wird, passt präzise zu diesem Ideal.
Tapas – die Hitze der inneren Konsequenz
Jadas konsequente Weigerung, sich erneut zu binden, kann als Tapas verstanden werden. Tapas ist in der frühen Yogaphilosophie keine Askese um der Askese willen, sondern die „innere Hitze“, die entsteht, wenn ein Mensch seiner Erkenntnis treu bleibt – auch wenn es unbequem wird.
Diese innere Strenge zeigt sich nicht im Leiden, sondern in der Klarheit: Jada wirkt äußerlich passiv, innerlich jedoch hoch wach. Tapas muss nicht laut sein. Manchmal ist es einfach die stille Entscheidung, alte Muster nicht mehr zu bedienen.
Gewaltlosigkeit in radikaler Konsequenz – Ahimsa jenseits der Moral
Jadas ungewöhnlicher Gang beim Tragen der Sänfte, um keine Lebewesen zu verletzen, verweist auf Ahimsa, eines der ältesten ethischen Prinzipien des Yoga. Bemerkenswert ist dabei die Konsequenz: Ahimsa wird nicht als Regel, sondern als Wahrnehmung gelebt.
In der frühen Yogaphilosophie ist Gewaltlosigkeit kein moralisches Gebot, sondern die natürliche Folge eines feiner werdenden Bewusstseins. Wer mehr wahrnimmt, tritt vorsichtiger auf – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Jnana Yoga – Erkenntnis ohne Lehrrede
Schließlich verkörpert Jada Bharata den Geist des Jnana Yoga, des Weges der Erkenntnis. Er lehrt nicht durch Vorträge oder Systeme, sondern durch einen einzigen, klaren Satz – und durch seine Haltung.
Frühe Yogaphilosophie ist voll von solchen Momenten: Erkenntnis wird nicht vermittelt, sondern ausgelöst. Oft reicht ein einziger Satz zur rechten Zeit, um jahrelanges Suchen zu bündeln. Auch die Upanishaden arbeiten genau mit dieser Verdichtung.
Weg des Wissens: die Jnana Yoga Praxis Jnana Yoga, der Yoga der spirituellen Erkenntnis bzw. der Weg des Wissens, ist die Praxis der Selbsterkenntnis durch Einsicht in die wahre Natur des Selbst. Er verbindet philosophische Untersuchung mit meditativer Verwirklichung. Ziel ist nicht theoretisches Wissen, sondern unmittelbare Erkenntnis der Einheit allen Seins. Der Mensch sollte sich Fragen stellen wie: Wer bin ich? Wer ist dieser Handelnde? Woher komme ich, woher kommt die Welt? Was ist der Sinn des Lebens? Was ist wirklich usw.? Haupttechniken sind Meditationen und Reflektionen über Schlüsselwahrheiten, um die Antworten auf existenzielle Fragen in sich zu finden.Beitrag: Weg des Wissens: die Jnana Yoga Praxis
Jnana Yoga – der Weg des verwirklichten Wissens in den alten Schriften
Weitere Bezüge zur Yogalehre
1. Der Weg des spirituellen Suchens (Sadhana)
Jada’s Übergang vom Herrscher zum Suchenden zeigt etwas, das in den Yoga-Sutras von Patanjali klar formuliert ist: Yoga ist eine Praxis, ein Weg – Sadhana –, der über Jahre Hingabe und innere Arbeit verlangt. Bereits seine Hinwendung zur Meditation, sein Rückzug in die Wälder und sein ausgeprägtes Kontemplieren entsprechen dem, was als ernsthafte spirituelle Praxis verstanden wird.
2. Samadhi und die Herausforderung der Meditation
Die Erzählung berichtet, dass Jada in Samadhi-Zustände kam, aber dann „kalt und gefühllos“ wurde. In der Philosophie des Yoga bedeutet Samadhi das vollständige Verschwinden der geistigen Ablenkungen, doch echte Reife entsteht erst, wenn ein Mensch diese Zustände nicht als Flucht nutzt, sondern sie in den Alltag integriert. Diese Spannung zwischen innerer Sammlung und dem Leben in der Welt findet sich in den Yoga-Sutras als Fortschritt von Dharana zu Dhyana und schließlich Samadhi.
Der achtfache Yoga-Pfad
Das Ziel des Yoga ist ein stiller Geist, siehe dazu Yoga-Sutra I-2. Patanjali empfiehlt hierfür dem achtfachen Pfad zu folgen:
- Yama – 5 ethische Verhaltensregeln
- Niyama – 5 Regeln der Selbstdisziplin
- Asana – Körperstellungen, bei Patanjali nur Sitzhaltungen
- Pranayama – Atemübungen zur Atemkontrolle
- Pratyahara – Zurückziehen der Sinne nach innen
- Dharana – Konzentration auf ein einzelnes Objekt
- Dhyana – Meditation; Ziel: die Stille
- Samadhi – Nach längerer Stille und innerer Entwicklung kommt es zum Überbewusstsein, zu völliger Selbsterkenntnis; Erleuchtung
Wichtig: Alle Stufen sind wichtig und notwendig zur Erreichung des Yoga-Zieles. Also auch Yama und Niyama nicht vergessen ;-)
➔ Hintergründe und alte Schriften zum achtfachen Pfad des Raja Yoga
3. Karma und nicht-Anhaften
Jadas Begegnung mit dem Rehkitz ist ein bewegendes Bild: Zunächst reagiert er aus Mitleid und Bindung – und gerade darin liegt die Ursache, warum er im nächsten Leben als Hirsch wiedergeboren wird. Das Konzept von Karma im Yoga bedeutet nicht „Belohnung oder Bestrafung“, sondern die Wirkung unseres Handelns und unserer Bindungen. Yoga-Weisheit lehrt, dass es nicht darum geht, Gefühlen auszuweichen, sondern sie bewusst zu durchschauen und nicht an ihnen haften zu bleiben.
Handeln ohne Anhaftung: Karma Yoga erklärt Dieser Artikel zeigt dir, wie Karma Yoga – der Yoga der Tat – in einer fordernden Gegenwart trägt: mit klaren Prinzipien, geerdeten Übungen und ehrlicher Selbstprüfung. Ein jahrtausendealter spiritueller Pfad, den eigenen Alltag yogisch zu durchweben. Statt Erfolgsfixierung lernst du, im Tun selbst Halt zu finden: aufmerksam arbeiten, dienen ohne Pose, Ergebnisse loslassen und dabei innerlich frei werden. Theorie und Praxis greifen zusammen – ohne Hochglanz, mit Kanten, damit du den Weg im ganz normalen Alltag gehen kannst. Hier weiterlesen: Handeln ohne Anhaftung: Karma Yoga erklärtBeitrag: Handeln ohne Anhaftung: Karma Yoga erklärt
Handeln ohne Anhaftung: Karma Yoga erklärt – Philosophie, Ethik, Beispiele
4. Nicht-Verhaftung (Vairagya)
Ein wiederkehrender Themenfaden ist Jadas Gleichgültigkeit, seine Nicht-Bindung an Worte, Reaktionen und Besitztümer. Das entspricht dem yogischen Begriff der Vairagya – der bewussten Loslösung von mentalen und emotionalen Fixierungen, ohne gleichgültig oder apathisch zu werden. Yoga-Philosophie betont, dass Freiheit nicht durch Abspaltung vom Leben entsteht, sondern durch das Aufgeben der Identifikation mit Rollen, Ego und Vorstellungen.
Welche Form subtiler Anhaftung kennst du von dir selbst?
Das Yogasutra zu Vairagya:
Yoga Sutra I-12: Übung (Abhyasa) und Nichtanhaften (Vairagya) führen zur Beruhigung der Bewegungen des Geistes (Nirodha)
Yoga Sutra I-15: Verhaftungslosigkeit ist erreicht, wenn das Verlangen nach sichtbaren und unsichtbaren Dingen erloschen ist
Yoga Sutra I-16: Das Nichtbegehren nach den Elementen der Erscheinungswelt führt zur Wahrnehmung des wahren Selbstes, des Purushas – die höchste Form der Verhaftungslosigkeit
Yoga Sutra III-51: Wenn ein Yogi auch an diese (Allmacht, Allwissenheit …) nicht anhaftet wird der letzte Samen des Bösen zerstört und vollständige Befreiung (Kaivalya) erlangt
5. Dharma, Pflicht und innere Wahrheit
Als Jada schließlich spricht, äußert er eine Aussage über das Selbst jenseits äußerer Zuschreibungen. Diese Haltung erinnert an Dharma – das Leben in Übereinstimmung mit dem, was tief im Inneren wahr ist, jenseits sozialer Bewertungen oder Rollen. In der Bhagavad Gita wird Dharma als Pfad des rechten Handelns beschrieben – nicht aus Angst oder Erwartung, sondern aus innerer Klarheit.
6. Begegnung mit dem König: Lehrer-Schüler-Dynamik
Die schlichte, klare Antwort von Jada rührt den König ins Herz: In Yoga-Traditionen ist die Begegnung mit einem verwirklichten oder reifen Menschen oft ein entscheidender Impuls für den eigenen Weg. Hier zeigt sich, dass Inspiration nicht aus Theorien entsteht, sondern aus Präsenz, Authentizität und gelebter Wahrheit.

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Aidan Lavette, der unsterbliche Geist, lebte auch mehrere Jahrhunderte in China. In einem Dorf am Huashan Berg, der für sein famoses Wolkenmeer weit über China hinaus berühmt ist, hörte er von folgender Geschichte:
Eine ältere chinesische Hausdienerin holte jeden Morgen zwei Krüge Wasser aus dem Fluss im Dorf. Sie legte dafür eine Holzstange über ihren buckligen Rücken und hängte an jedes Ende einen Krug.
Einer der beiden Krüge bekam eines Tages in der Mitte einen Sprung. Fortan verlor er aus diesem Riss auf ihrem Weg vom Fluss bis zum Haus die Hälfte seines Wassers. Der Krug bemühte sich nach Kräften, das Wasser in sich zu bewahren. Doch vergebens. So sehr er sich auch anspannte, stets verlor er einen Teil seiner Fracht.
Der Krug wurde sehr zornig mit sich.
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Vor langer Zeit lebte ein Hase am Rande eines kleinen Dorfes. An einem strahlenden Frühlingsmorgen entdeckte er eine saftige Möhre. Eine so große Möhre, wie er noch nie eine Möhre gesehen hatte. Die Rübe glänzte im morgendlichen Tau hinter einem hohen Maschendrahtzaun. Vor Freude lief unserem Hasen das Wasser im Hasenmunde zusammen.
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Einst fragte Zen-Schüler Callum seinen Meister: Wie schaffe ich es, mich nicht mehr über den Egoismus meiner Mitmenschen zu ärgern?
Der Zen-Meister antwortete: "Stell dir vor, du gehst am frühen Morgen durch einen sonnigen Park. Du spürst einen zarten Wind im Gesicht, ansonsten ist alles ruhig. Dein Blick wird von hellgrün leuchtenden Trauerweiden angezogen, deren Zweige sanft die Oberfläche eines Teiches voller Seerosen streicheln. Ein zartblauer Eisvogel gleitet über das Wasser, landet auf der Bank vor dir und stimmt sein zauberhaftes Lied an. Völlig versunken lauschst du dem Gesang des winzigen Stimmwunders. Plötzlich wirst du grob an der Schulter gerempelt.
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Der Alte am Fenster
Ein 48-jähriger Obsthändler mit Namen Callum erlitt eines Morgens auf dem Weg zum Marktplatz einen schweren Unfall mit seinem Transporter. Er schlug hart mit den Rippen auf das Lenkrad. Der Befund im Krankenhaus kam zu dem Ergebnis: mindestens zehn Wochen Bettruhe im Stützkorsett, ohne Aufrichten, ohne sonstige Bewegung im Rücken. Mit etwas Glück würde er danach wieder auf seinen Beinen gehen können.
Niedergeschlagen ließ Callum sich von der Schwester in ein Zwei-Bett-Zimmer schieben. Seinen Bettnachbarn an der Fensterseite, einen betagten Herrn mit ungesunder Gesichtsfarbe, grüßte er kaum. Ihn umhüllte düstere Schwermut. Würde er je wieder laufen? Wie würde es überhaupt mit ihm weitergehen? Würde er wieder auf dem Marktplatz verkaufen können? Welche Wahlmöglichkeiten gab es denn sonst? Apathisch starrte er auf die Decke.
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Viele Jahre hielt sie diesem belastenden Alltag stand, dann wurde es ihr zu viel. Sie begann um Hilfe zu beten. Und ein Gott war ihr gnädig.
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