Khalil Gibran „Vom Beten“: Text und Interpretation aus Yogasicht
Dann sagte die Priesterin:
"Sprich zu uns vom Gebet."
Und er antwortete, sagte:
[er=der Prophet Almustafa, der 12 Jahre auf sein Schiff gewartet hatte, das ihn jetzt endlich in seine Heimat zurückbringen sollte. Vor seiner Abreise baten ihn einzelne Einwohner der Stadt Orphalese, ihnen ein letztes Mal seine Einsichten zu einem bestimmten Thema zu erläutern]
Ihr betet in Verzweiflung und Not.
Würdet ihr doch auch beten
in der Fülle eurer Freude und in euren Tagen des Überflusses.
Denn zu was anderem ist das Gebet da,
als für die Ausdehnung von euch selbst in den lebendigen Äther [Raum des Himmels]?
Und wenn es zu eurem Trost ist, wenn ihr [im Gebet] eure Dunkelheit in den Raum ausschüttet,
so ist es [das Gebet] auch zu eurer Freude, wenn ihr [darin] die Morgenröte eures Herzens verströmt.
Und auch wenn ihr [gerade] nicht anders könnt als zu weinen, wenn eure Seele euch zum Gebet ruft,
so sollte sie euch wieder und wieder [zum Gebet] anspornen, trotz aller Tränen,
bis ihr wieder lacht.
Wenn ihr betet, erhebt ihr euch in die Luft und trefft dort jene,
die ebenfalls zu dieser Stunde beten,
und welche ihr nur im Gebet treffen könnt.
Darum lasst euren Besuch dieses unsichtbaren Tempels für nichts anderes
als für Verzückung und süße Gemeinschaft sein.
Wenn ihr den Tempel für keinen anderen Zweck betretet als zu fragen [verlangen],
so werde ihr nicht erhalten:
Und wenn ihr eintretet, um euch selbst zu erniedrigen,
so werdet ihr nicht erhöht.
Sogar wenn ihr ihn betretet, um für das Wohl anderer zu bitten,
werdet ihr nicht erhört.
Es genügt, wenn ihr den unsichtbaren Tempel betretet.
Ich kann euch nicht lehren, wie man in Worten betet.
Gott hört nicht auf eure Worte,
außer, wenn er selbst diese Worte über eure Lippen spricht.
Und ich kann euch nicht das Gebet der Meere
und Wälder und Berge lehren.
Aber ihr, die ihr aus den Bergen, den Wäldern und den Meeren geboren seid,
könnt euer Gebet in euren Herzen finden.
Und wenn ihr nur der Stille der Nacht zuhört,
so werdet ihr sie in Stille sagen hören:
"Unser Gott, der unser geflügeltes Selbst ist, es ist dein Wille in uns, der will.
Es ist dein Begehren in uns, das begehrt.
Es ist dein Drang in uns, der unsere Nächte, die deine sind, in Tage wendet,
die ebenfalls dir gehören.
Wir können dich nicht wegen irgendetwas fragen,
denn du kennst unsere Bedürfnisse, bevor sie in uns [überhaupt] emporsteigen:
Dich brauchen wir; und indem du uns mehr von dir gibst, gibst du uns alles."
Aus: Khalil Gibran "Der Prophet"; Übersetzung mit Anmerkungen: Peter Bödeker (2019)
[...] = Einfügungen von Peter Bödeker
Was bedeutet Gebet für dich?

Yogaphilosophische Bezüge: Gebet als innere Ausrichtung
Gibrans Text über das Gebet lässt sich erstaunlich gut mit Gedanken aus der Yogaphilosophie lesen – allerdings nicht im Sinne von: „Das bedeutet jetzt eindeutig dies oder das.“ Gerade die Schönheit des Textes liegt darin, dass er sich nicht festnageln lässt. Er öffnet eher einen Raum. Und genau das kennt auch der Yoga: Nicht jede Wahrheit muss mit erhobenem Zeigefinger ausgesprochen werden. Manchmal genügt ein Satz, der im Inneren weiterarbeitet.
Besonders nah liegt der Bezug zu Īśvara-praṇidhāna, einem zentralen Begriff aus Patañjalis Yoga-Sūtra.
Yoga Sutra II-1: Strenge Übungspraxis [Tapas], Selbststudium [Svadhyaya] und Hingabe an Ishvara (Ur-Guru, Gott, göttliches Ideal) [Ishvara Pranidhana] – das ist der Kriya-Yoga
Gemeint ist eine Form von Hingabe, Ausrichtung oder innerem Sich-Anvertrauen an etwas Größeres. In den Yoga-Sūtren erscheint Īśvara-praṇidhāna mehrfach: als Weg zur Sammlung, als Teil des Kriyā-Yoga und als Niyama. Patañjali stellt diese Haltung nicht als sentimentales Bitten dar, sondern als eine geistige Bewegung weg vom engen Ich und hin zu einer tieferen Ordnung. Genau hier berührt sich Gibrans Gedanke mit dem Yoga: Gebet ist nicht bloß ein Wunschzettel an den Himmel, sondern eine Erweiterung des eigenen Wesens.
Wenn Gibran schreibt, man solle nicht nur in Not und Verzweiflung beten, sondern auch in Freude und Überfluss, klingt darin etwas an, das im Yoga oft unterschätzt wird: Spirituelle Praxis ist nicht nur Reparaturwerkzeug für schwierige Zeiten. Sie ist auch eine Art Feinjustierung des Herzens, wenn alles scheinbar gut läuft. Im Yoga wäre das verwandt mit Santoṣa, der Zufriedenheit, oder mit der Fähigkeit, Gegenwart nicht erst dann ernst zu nehmen, wenn sie weh tut.
Yoga Sutra II-42: Durch das Kultivieren von Zufriedenheit (Santosha) erreichen wir höchstes Glück
Auch die Passage vom „unsichtbaren Tempel“ lässt sich yogisch deuten. Im äußeren Sinn ist kein Ort gemeint, den man betreten kann. Eher entsteht ein innerer Raum, sobald der Mensch still wird, lauscht, sich sammelt. Das erinnert an Pratyāhāra, den Rückzug der Sinne, und an Dhyāna, die Meditation: Man zieht die Aufmerksamkeit aus der Zerstreuung zurück, nicht um weltfremd zu werden, sondern um nicht ständig vom Lärm der Welt hin- und hergezerrt zu werden. Patañjali beschreibt Pratyāhāra, Dhāraṇā, Dhyāna und Samādhi als innere Glieder des Yogawegs; Gibran spricht poetischer, aber die Bewegungsrichtung ist ähnlich: von außen nach innen, vom Habenwollen zum Lauschen.
Pratyahara Bedeutung und Praxis – Sinnesrückzug im Yoga verstehen Pratyahara beschreibt eine uralte Technik, die im Yoga dafür sorgt, dass du nicht länger von äußeren Eindrücken getrieben wirst, sondern deine Aufmerksamkeit bewusst steuern kannst. In einer Welt voller Reize und ständiger Ablenkung bietet dieser stille Sinnesrückzug einen praktischen, alltagsnahen Zugang zu mehr Klarheit, Präsenz und innerer Ruhe. Dieser Artikel erklärt, wie Pratyahara funktioniert, warum es weit mehr ist als theoretische Philosophie und wie du es gezielt in deinen Alltag integrieren kannst, ohne in Überforderung oder Vermeidung zu verfallen. Hier weiterlesen: Pratyahara Bedeutung und Praxis – Sinnesrückzug im Yoga verstehen Dharana: Konzentration im Yoga – Praxis, Bedeutung & Alltagstipps Wir leben in einer Zeit, in der Zerstreutheit zur Norm geworden ist. Selbst kurze Fokusphasen werden zur Herausforderung. Viele können keinen Film mehr schauen, ohne zwischendurch aufs Smartphone zu schauen. Dharana, oft als "Konzentration" übersetzt, ist das Gegenteil von Zerstreutheit. Dieser Artikel liefert dir einen tiefgründigen Blick auf Dharana – die Kunst der Konzentration im Yoga. Er zeigt, was Dharana traditionell bedeutet, wie es sich praktisch im Alltag üben lässt, wo es aus wissenschaftlicher Sicht wirkt, und welche Grenzen oder Missverständnisse es gibt. Du erhältst einen fundierten Leitfaden, wie du mit klarer Aufmerksamkeit bewusster leben kannst – für deine Yogapraxis, aber vielmehr noch für dein tägliches Leben. Hier weiterlesen: Dharana: Konzentration im Yoga – Praxis, Bedeutung & Alltagstipps Yoga Sutra III-2: Wenn die Wahrnehmung des Objektes ungebrochen fließt, ist es Dhyana (Meditation) In Sutra 3.2 kommen wir von der Konzentration zur Meditation. Dies ist eine der relevantesten Sutra für deine tägliche Yogapraxis. Entscheidend ist, dass du deine Konzentration auf dein Meditationsobjekt stetig verlängerst, so dass ein ununterbrochender Fluß entsteht. Wir werden im Artikel Übersetzung und Bedeutung untersuchen, Kommentare von Gelehrten betrachten und herausfinden, wie wir den Weg zu Dhyana in unseren Alltag integrieren können. In III-2 wird der Übergang von Konzentration zu Meditation erläutert: ► Der Weg zu Dhyana ► Daran erkennst du Dhyana ► Übungen für den Alltag ► Übersetzungsalternativen ► ... 6. Kapitel Gheranda Samhita: Dhyana Das sechste Kapitel der Gheranda Samhita widmet sich Dhyana. Dhyana wird in der Regel mit Meditation übersetzt und ist im achtgliedrigen Yoga-Pfad im Yogasutra von Patanjali die siebte Stufe auf dem Weg zur Erleuchtung. Danach folgt, wie auch in der Gheranda Samhita, der Samadhi. Die folgende Yogaschulung enthält keinerlei Stellungen bzw. körperliche Übung mehr, sondern widmet sich der inneren, geistigen Praxis. Gheranda beschreibt drei verschiedene Meditationstechniken und nominiert, welche Meditationsart (mit deutlichem Vorsprung!) die Beste sei.Beitrag: Pratyahara Bedeutung und Praxis – Sinnesrückzug im Yoga verstehen
Pratyahara: Bedeutung und Praxis – Sinnesrückzug im Yoga verstehen
Beitrag: Dharana: Konzentration im Yoga – Praxis, Bedeutung & Alltagstipps
Dharana: Konzentration im Yoga – Praxis, Bedeutung und Alltagstipps
Beitrag: Yoga Sutra III-2: Wenn die Wahrnehmung des Objektes ungebrochen fließt, ist es Dhyana (Meditation)
Tatra pratyaya-ikatānatā dhyānam
तत्र प्रत्ययैकतानता ध्यानम्Beitrag: 6. Kapitel Gheranda Samhita: Dhyana

Gebet ohne Forderung: eine Parallele zur Bhagavad Gītā
Auffällig ist Gibrans Skepsis gegenüber einem Gebet, das nur fragt, fordert oder sich selbst erniedrigt. Das bedeutet nicht, dass Not keinen Platz hätte. Tränen sind im Text ausdrücklich erlaubt. Aber das Gebet wird nicht auf ein Geschäft reduziert: Ich gebe Worte, du gibst Erfüllung.
Hier lohnt der Blick in die Bhagavad Gītā. Dort spielt Bhakti, die liebende Hingabe, eine große Rolle. Im 12. Kapitel steht Bhakti-Yoga im Zentrum; Krishna beschreibt Hingabe nicht als bloße Gefühligkeit, sondern als einen Weg der inneren Verbindung. Interessant ist auch Vers 9.26: Schon ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder Wasser genügen, wenn sie mit Hingabe dargebracht werden. Entscheidend ist nicht die Größe der Gabe, sondern die Qualität der inneren Haltung.
Bhagavad Gita Zusammenfassung verständlich erklärt Die Bhagavad Gita gehört zu den Texten, die sich nicht erschöpfen, egal wie oft man sie liest. Sie ist weder reine Philosophie noch bloße Erzählung, sondern ein Gespräch in einer Extremsituation – zwischen Zweifel und Pflicht, zwischen innerem Widerstand und äußerem Handlungsdruck. Wer sich mit ihr beschäftigt, begegnet weniger fertigen Antworten als einer Art gedanklichem Widerstandstraining. Dieser Artikel ordnet die zentralen Inhalte verständlich ein, klärt Begriffe, korrigiert verbreitete Missverständnisse und zeigt, warum die Gita auch heute noch relevant ist – nicht als Anleitung, sondern als Gegenüber. Hier weiterlesen: Bhagavad Gita Zusammenfassung verständlich erklärtBeitrag: Bhagavad Gita Zusammenfassung verständlich erklärt
Bhagavad Gita Zusammenfassung – verständlich und kompakt erklärt
Das passt gut zu Gibrans Satz: „Es genügt, wenn ihr den unsichtbaren Tempel betretet.“ Man könnte sagen: Der Wert des Gebets liegt nicht darin, dass es besonders kunstvoll formuliert, besonders fromm vorgetragen oder besonders nützlich ist. Sein Wert liegt darin, dass der Mensch für einen Moment durchlässig wird.
Das Gebet der Meere, Wälder und Berge
Eine der schönsten Stellen des Textes ist die Aussage, Almustafa könne das Gebet der Meere, Wälder und Berge nicht lehren. Aber der Mensch, der aus ihnen geboren sei, könne es im eigenen Herzen finden.
Wann entsteht bei dir am ehesten ein Gefühl von Verbundenheit?
Das ist keine platte Naturromantik. In der Yogaphilosophie gibt es immer wieder die Vorstellung, dass der Mensch nicht isoliert von der Welt existiert, sondern in ein größeres Gefüge eingebettet ist: Atem, Körper, Wahrnehmung, Elemente, Bewusstsein. In der Praxis spürt man das sehr einfach: Wer nach einer ruhigen Yogastunde sitzt und den Atem nicht mehr „macht“, sondern ihn kommen und gehen lässt, erlebt manchmal genau dieses leise Umschalten. Man betet nicht mehr. Etwas in einem betet.
Hier kann auch Nāda Yoga, der Yoga des Klangs, als feine Parallele dienen. In dieser Tradition wird das Lauschen auf äußeren und inneren Klang als Weg zur Stille verstanden. Besonders spannend ist dabei die Idee des anāhata nāda, des „ungeschlagenen“ oder nicht äußerlich erzeugten Klangs. Gibrans „Stille der Nacht“ ist keine tote Stille, sondern eine hörende Stille – eine Stille, in der etwas spricht, ohne laut zu werden.
Nada Yoga: Ursprung und Anleitung Nada Yoga bezeichnet eine Yogapraxis, die auf der Arbeit mit Klang und innerem Hören beruht. Die zugrunde liegenden Konzepte von Nada (Klang) und Anahata-Nada sind in klassischen indischen Texten seit über tausend Jahren belegt, auch wenn Nada Yoga als eigenständige Yogaschule erst in späteren Traditionen systematisiert wurde. Nada Yoga hat seinen Ursprung in der schöpferischen und heilenden Kraft des Klangs. Es beruht auf der Vorstellung, dass die gesamte Schöpfung aus Schwingungen besteht und darüber verbunden ist. In dieser Tradition gilt Klang nicht nur als Geräusch, sondern als Weg zur Wahrnehmung des eigenen Bewusstseins, zur Sammlung des Geistes und zur inneren Ruhe. Der folgende Text erklärt, wie Nada Yoga aufgebaut ist, was es unterscheidet und wie du es praktisch erleben kannst – ohne dich in esoterischen Verheißungen zu verlieren, aber mit Respekt für eine Praxis, die seit langem Menschen Orientierung in ihrer inneren Welt gibt.Beitrag: Nada Yoga: Ursprung und Anleitung
Nada Yoga – der Yoga des Ur-Klangs | Ursprung und Anleitung
Gebet und Yoga: zwei Sprachen für dieselbe Bewegung?
Im Yoga muss Gebet nicht zwangsläufig bedeuten, bestimmte Worte an eine bestimmte Gottheit zu richten. Es kann auch eine innere Haltung meinen: Hingabe, Sammlung, Dankbarkeit, Staunen, manchmal auch schlicht das ehrliche Eingeständnis: „Ich habe nicht alles in der Hand.“
In Patañjalis Yoga-Sūtra begegnet diese Haltung wie oben geschildert als Īśvara-praṇidhāna – die Ausrichtung auf Īśvara, auf ein höheres Prinzip, auf das, was größer ist als das kleine, planende Ich. Das kann religiös verstanden werden, muss aber nicht eng konfessionell gelesen werden. Für manche ist es Gott, für andere das Leben, das Bewusstsein, die Wahrheit, das Dharma oder schlicht jene stille Ordnung, die man nicht besitzen, aber manchmal spüren kann.
Gibrans Text erinnert daran, dass Gebet nicht erst dann beginnt, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht. Es kann auch in Momenten der Fülle entstehen: beim ersten Licht am Morgen, nach einer Yogapraxis, beim Blick in den Wald, beim bewussten Ausatmen nach einem schweren Tag. Dann ist Gebet weniger Bitte als Teilnahme. Nicht: „Gib mir.“ Eher: „Lass mich wach genug sein für das, was schon da ist.“
Gerade darin liegt eine feine Nähe zur Yogaphilosophie. Yoga will den Menschen nicht kleiner machen, sondern klarer. Nicht demütigen, sondern durchlässiger werden lassen. Das Gebet bei Gibran ist deshalb kein Kniefall vor einem strengen Himmel, sondern ein Öffnen: Die Enge des Ichs wird weiter, die innere Dunkelheit darf heraus, die Morgenröte des Herzens darf ebenso heraus. Beides gehört dazu. Der Mensch muss im Gebet nicht schön tun.
Und vielleicht stimmt folgender Gedanke: Das tiefste Gebet ist nicht immer das, was wir sagen. Sondern dass wir still werden.
Praktische Ergänzung aus der Yogawelt
Eine kleine Übung nach dem Lesen
Wer den Text nicht nur verstehen, sondern einen Augenblick lang schmecken möchte, kann sich nach der Lektüre drei Minuten Zeit nehmen:
Setze dich ruhig hin. Spüre den Atem, ohne ihn zu verbessern. Lege eine Hand auf den Brustraum oder einfach in den Schoß. Frage nicht sofort nach einer Antwort. Lausche nur.
Dann nimm innerlich einen der folgenden Sätze mit:
„Wofür bin ich gerade dankbar, ohne es festhalten zu müssen?“
„Was darf ich ablegen, ohne es zu bekämpfen?“
„Wo bete ich vielleicht längst, ohne es Gebet zu nennen?“
Diese Übung ist kein Ritual mit Erfolgsgarantie. Eher ein kleines Fenster. Manchmal bleibt es still. Manchmal zieht ein Gedanke vorbei. Manchmal merkt man erst später, dass sich innerlich etwas gelöst hat.

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FunFacts rund um Yoga und Khalil Gibran
- Khalil Gibrans „The Prophet“ ist erstaunlich weit gereist.
Nach aktuellen Angaben des Kahlil Gibran Collective liegt „The Prophet“ bei 117 verifizierten Übersetzungen. Für ein schmales Prosagedicht ist das beachtlich – fast so, als hätte Almustafa sein Schiff nie ganz verlassen, sondern nur den Hafen gewechselt. - Das Buch erschien bereits 1923 und besteht aus 26 poetischen Lehrreden.
„The Prophet“ wurde ursprünglich bei Alfred A. Knopf veröffentlicht. Die Form ist ungewöhnlich: keine klassische Abhandlung, kein Roman, sondern eine Reihe poetischer Antworten auf Lebensfragen – Liebe, Arbeit, Freude, Schmerz, Freiheit, Gebet und mehr. - Patañjali nennt Hingabe nicht am Rand, sondern mehrfach.
Īśvara-praṇidhāna taucht in den Yoga-Sūtren an mehreren Schlüsselstellen auf: unter anderem als möglicher Weg zur Sammlung, als Bestandteil des Kriyā-Yoga und als Niyama. Das ist bemerkenswert, weil Patañjali sonst sehr nüchtern und psychologisch formuliert. Hingabe ist dort also kein dekorativer Weihrauch, sondern eine ernsthafte Praxisdimension. - In der Bhagavad Gītā reicht theoretisch ein Blatt.
Vers 9.26 gehört zu den schönsten Minimalismus-Stellen spiritueller Literatur: Ein Blatt, eine Blume, eine Frucht oder Wasser genügen, wenn sie mit Hingabe dargebracht werden. Das ist fast die Anti-Luxus-Version des Opfergedankens: Nicht Prunk zählt, sondern Aufrichtigkeit. - Das berühmte Gāyatrī-Mantra steht im Rigveda.
Eines der bekanntesten Mantras der indischen Tradition findet sich in Rigveda 3.62.10. Inhaltlich geht es um Meditation über das göttliche Licht Savitṛs und um die Bitte, die Einsicht zu erhellen – also weniger um „Gib mir etwas“ als um „Richte meinen Geist aus“. - Om ist in der Yoga-Tradition nicht einfach ein Wellness-Klang.
Im Yoga-Sūtra 1.27 wird Praṇava, also Om, als Bezeichner für Īśvara verstanden. In der Māṇḍūkya-Upaniṣad wird Om noch weiter entfaltet: als Symbol für Bewusstseinszustände und für das Ganze. Man könnte sagen: Om ist einer der kürzesten Texte der Welt – aber mit sehr langem Nachhall. - Japa bedeutet wörtlich ungefähr „Murmeln“.
Die meditative Wiederholung eines Mantras heißt Japa. Das klingt unscheinbar, fast wie jemand, der leise vor sich hin brummelt. Aber genau diese Wiederholung kann im Yoga zu einer starken Form innerer Sammlung werden – schlicht, rhythmisch, unaufgeregt. - Die Mala hat meist 108 Perlen – plus oft eine Extra-Perle.
Eine Japa-Mala dient zum Zählen von Mantra-Wiederholungen und besteht häufig aus 108 Perlen. Oft gibt es zusätzlich eine größere Guru- oder Meru-Perle, die nicht mitgezählt wird. Praktisch betrachtet ist das ein analoger Meditationszähler – nur deutlich schöner als eine App mit Push-Mitteilungen. - Patañjali bietet auch eine Art „Herzenspsychologie“ an.
Im Yoga-Sūtra 1.33 empfiehlt er vier innere Haltungen: Freundlichkeit, Mitgefühl, Mitfreude und Gleichmut. Das passt gut zu Gibrans Vorstellung vom Gebet als „süßer Gemeinschaft“: Nicht Rückzug aus der Welt, sondern eine Verfeinerung der Art, wie man ihr begegnet.
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