Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv
 

freiheit schienen frau gitarre 564

Und ein Redner sagte:

"Sprich zu uns von der Freiheit."

Und er antwortete:

[er=der Prophet Almustafa, der 12 Jahre auf sein Schiff gewartet hatte, das ihn jetzt endlich in seine Heimat zurückbringen sollte. Vor seiner Abreise baten ihn einzelne Einwohner der Stadt Orphalese, ihnen ein letztes Mal seine Einsichten zu einem bestimmten Thema zu erläutern]

Am Tor der Stadt und an eurer Feuerstelle habe ich gesehen, wie ihr euch niederwerft und eure Freiheit anbetet,

wie Sklaven, die sich vor einem Tyrannen erniedrigen und ihn preisen, obgleich dieser sie tot schlägt.

Ja, im Gehölz des Tempels und im Schatten der Zitadelle habe ich die Freisten unter euch ihre Freiheit wie ein Joch und eine Handfessel tragen sehen.

Und mein Herz blutete in mir; ihr könnt nur frei sein, wenn ihr euren Wunsch zur Freiheit selbst zügelt, und wenn ihr damit aufhört, von Freiheit als ein Ziel und eine Erfüllung zu sprechen.

Ihr werdet tatsächlich frei sein, wenn eure Tage nicht ohne Sorge noch eure Nächte ohne einen Wunsch und ein Leid sind, sondern vielmehr, wenn diese Dinge euer Leben umzingeln und ihr euch dennoch über diese erhebt, nackt und ungebunden.

Und wie wollt ihr euch über eure Tage und Nächte erheben, wenn ihr nicht vorher eure Ketten zerbrecht, die ihr euch an der Morgendämmerung eures Verständnisses für eurer jetziges Leben angelegt habt?

In Wahrheit ist das, was ihr Freiheit nennt, die stärkste dieser Ketten, obgleich ihre Glieder in der Sonne glitzern und die [bzw. eure] Augen verwirren.

Und was sind es anderes als Fragmente eures eigenen Selbstes, die ihr fortwerfen würdet [bzw. müsstet], auf dass ihr frei werdet?

Wenn es ein ungerechtes Gesetz ist, welches ihr aufheben würdet [bzw. müsstet, um frei zu sein], dieses Gesetz wäre von eurer eigenen Hand auf eure eigene Stirn geschrieben.

Ihr könnt es nicht durch das Verbrennen eurer Gesetzbücher zerstören, noch durch das Waschen der Stirne eurer Richter, auch wenn ihr das [ganze] Meer über sie gießen würdet.

Und wenn es ein Despot ist, den ihr vom Thron vertreiben wollt, seht zuerst zu, dass ihr den Thron, den ihr ihm in euch errichtet habt, zerstört.

Denn wie kann ein Tyrann die Freien und die Stolzen gängeln, wenn diese nicht ihre eigene Freiheit tyrannisieren und sich ihres eigenen Stolzes schämen.

Und wenn es eine Sorge wäre, die ihr [zur Erlangung von Freiheit] loswerden wollt, so wäre diese Sorge eher von euch selbst gewählt als euch [von außen] auferlegt.

Und wenn es eine Furcht ist, die ihr vertreiben wollt, so hat diese ihren Sitz in eurem Herzen und nicht in der Hand des Gefürchteten.

Wahrlich, alle [diese] Dinge bewegen sich in eurem Wesen in konstanter halber Umklammerung, das Gewünschte und das Gefürchtete, das Abstoßende und das Gehegte, das Ersehnte und das, vor dem ihr entkommen wollt.

Diese Dinge bewegen sich in euch wie Licht und Schatten wie aneinandergeheftete Paare.

Und wenn der Schatten verblasst und nicht mehr ist, wird das Licht, das verbleibt, zum Schatten eines anderen Lichtes.

Und so wird eure Freiheit, wenn sie ihre Fesseln verliert, zur Fessel einer größeren Freiheit.

Aus: Khalil Gibran "Der Prophet"; Übersetzung mit Anmerkungen: Peter Bödeker (2018)
[...] = Einfügungen von Peter Bödeker

 

Bücher von Khalil Gibran

 

Weitere Beiträge zu: Yoga und Freiheit

Yoga Sutra IV-34: Die komplette Freiheit (Kaivalya) als Ziel des wahren Selbst (Purusha) überwindet die Gunas. Die Seele lebt in ihrer wahren Natur und besitzt die Kraft des absoluten Wissens

  
Purushârtha-shûnyânâm gunânâm pratiprasavah kaivalyam svarûpapratishthâ va chiti–shakter iti
पुरुषार्थशून्यानां गुणानांप्रतिप्रसवः कैवल्यं स्वरूपप्रतिष्ठा वा चितिशक्तिरिति

 

 

Yoga - Unsterblichkeit und Freiheit von Mircea Eliade

Eliades Yogabuch

Mircea Eliade war Professor für vergleichende Religionswissenschaft und lebte von 1907 (geboren in Bukarest) bis zum 22. April 1986 (Chicago). Sein Buch gehört für mich zu den grundlegenden Yoga-Werken, die von einem westlichen Autor verfasst worden sind.

Freiheit

ImageFreiheit ist das Geburtsrecht des Menschen. Freiheit ist Sat-Chid-Ananda (reines Sein – Bewusstsein – Glückseligkeit). Freiheit ist Unsterblichkeit. Freiheit ist Wissen, Frieden und Wonne. Bewusst oder unbewusst, wissentlich oder unwissentlich, strebt jeder nach dieser Freiheit. (…) In jedem Herzen liegt der Wunsch nach Freiheit, diese allesverzehrende Leidenschaft nach Freiheit. Der Wunsch nach  Freiheit liegt auch in den niedrigsten von Gottes Geschöpfen. Freiheit ist eine Eigenschaft der Seele. Du bist damit geboren. Keine Macht und kein menschlicher Plan kann diesen Wunsch unterdrücken. Die Flamme der Freiheit strahlt immer hell. Freiheit, Moksha, ist das letzte Ziel des Menschen. Freiheit ist Befreiung von der Knechtschaft von Geist und Materie.

Yoga Sutra II-25: Wenn das Nichtwissen endet, löst sich die Verbindung auf. Dadurch erlangt der Sehende absolute Freiheit

tad-abhābāt-saṁyoga-abhāvo hānaṁ taddṛśeḥ kaivalyam
तदभावात्संयोगाभावो हानं तद्दृशेः कैवल्यम्

 

Yoga Sutra II-18: Die wahrgenommenen Objekte haben die Eigenschaften Klarheit, Aktivität und Trägheit und bestehen aus Elementen und Wahrnehmungskräften. Alles Wahrgenommene dient der (genussvollen) Erfahrung und der Befreiung.

kuchen schoko erdbeere 150Prakâsha-kriyâ-sthit-–shîlam bhûtendriyât-makam bhogâpavargârtham drishyam
प्रकाशक्रियास्थितिशीलं भूतेन्द्रियात्मकं भोगापवर्गार्थं दृश्यम्

Wenn der Yogi langsam aus seiner Unwissenheit erwacht, nimmt er die Welt um sich herum mit Staunen wahr. Die Wirklichkeit ist eine geheimnisvolle Beziehung zwischen „Wahrnehmenden“ und „Wahrgenommenen“. Prakriti, die Natur, tanzt einen rätselhaften Tanz, der uns seit Urzeiten staunen lässt.

In dieser und den folgenden Sutra geht es um diesen Tanz, sprich die Eigenschaften der Natur, deren Wirkungsweisen und deren Nutzung durch den Menschen. Patanjali versucht zu beschreiben, „was da draussen ist“. Was unser wahres Selbst – Purusha – sehen und erfahren darf.

Freiheit von Kummer und Schmerz

 

Wer sich im Yoga übt,

wird von Schmerz und Kummer befreit,

er lebt sein Leben in ganzer Fülle

und echter Freude.

Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar in "Der Urquell des Yoga",
(14. Dezember 1918 - 20. August 2014 in Pune)

 

Persönliche Freiheit

Eines Abends kam der Meister auf dem Weg zur Bhajan Halle in das Büro. Dort lag eine Nachricht für ihn vor und er wollte sie lesen.

Der Beitrag ist eingeordnet unter:

Auch interessant