Frau sitzt im Meditationssitz vor einem Eimer mit Steinen. Text: Geschichte: Das Wertvollste zuerst

Inhalt: Geschichte – Das Wertvollste zuerst

Geschichte

Das Wertvollste zuerst

Ein Harvard-Professor hält einen erlebnisorientierten Vortrag vor einer Gruppe BWL-Studenten. Er möchte den Studenten einen wichtigen Punkt im für das eigene Selbstmanagement unvergesslich vermitteln. Nachdem er sich der Zuhörerschaft dieser angehenden Wirtschaftsbosse vorgestellt hat, sagt er: „Okay, nehmen wir uns die Zeit für ein Rätsel.“

Er holt einen leeren 5-Liter-Wassereimer hervor und stellt ihn vor sich auf das Rednerpult. Danach legt er 15 faustgroße Steine einzeln in das Gefäß. Nachdem der Eimer bis zum Rand mit den großen runden Steinen angefüllt ist, blickt er zu den Zuhörern und fragt: „Ist der Eimer nun voll?“.

Alle antworten unisono: „Ja!“. Er fragt erneut: „Wirklich?“

Er greift unter den Tisch und holt einen zweiten Eimer gefüllt mit Kieselsteinen hervor. Er schüttet diese vorsichtig in den Wassereimer und schüttelt diesen so, dass sich die Kiesel in die Lücken zwischen den runden Steinen verteilen. Er fragt erneut: „Ist der Eimer jetzt voll?“.

Die meisten sagen: „Wahrscheinlich nicht!“.

„Richtig“, antwortet er.

Abermalls greift er unter den Tisch und zieht einen Sack voll feinem Sand hervor. Er lässt den Sand in den schon gut gefüllten Eimer rieseln. Nun sind alle Zwischenräume ausgefüllt. Er fragt erneut: „Ist der Eimer jetzt voll?“.

„Vielleicht. Nein!“, die Zuhörer klingen unsicher.

„Schaut!“. Der Professor holt einen Krug mit Wasser hervor und träufelt es in den mit Steinen und Sand gefüllten Eimer. Es passt noch eine ganze Menge Wasser hinein.

„Was soll uns diese kleine Demonstration lehren?“. Fragend schaut sich der Professor um.

Ein Zuhörer hebt die Hand und verkündet: „Es bedeutet: Egal wie gefüllt dein Tag auch zu sein scheint, wenn du es nur versuchst, kannst du noch etwas dazwischen einschieben.“ Zufrieden schaut er den Professor an.

„Nein!“, antwortet dieser, „das ist hier nicht gemeint. Die Lehre dieser Demonstration lautet: Wenn du nicht zuerst die großen Steine in dein Leben füllst, passen diese später nicht mehr hinein. Fragt euch also: Was sind die großen Steine in eurem Leben? Eure Kinder, Menschen, die ihr liebt, euer Studium, euer Glauben, eure Wünsche ...?

Haltet euch immer daran, zu Anfang die wesentlichen Steine in euer Leben zu integrieren, sonst bekommt ihr diese nicht mehr unter. Wenn ihr zuerst mit den unwichtigen Dingen beginnt, den kleinen Steinen oder dem Sand, füllt sich euer Dasein mit diesen Nebensächlichkeiten. Ist das von Wert? Ihr werdet dann nie über Zeit für bedeutende Dinge, die essenziellen Elemente eures Lebens verfügen.

Heute noch oder morgen früh, wenn ihr über dieses Gleichnis nachdenkt, stellt euch folgende Frage: "Was sind die großen Steine in meinem Leben?‘ Wenn ihr sie kennt, füllt euren Lebenseimer zuerst damit.“

(Quelle unbekannt, nacherzählt von Peter Bödeker)

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Die Geschichte mit yogischen Augen gelesen

Die Erzählung vom Eimer, den großen Steinen, dem Kies, dem Sand und schließlich dem Wasser, hat etwas fast schon sutrahaft Klares: wenig Aufwand in der Form, viel Resonanz im Inneren. Aus Sicht der Yogaphilosophie steckt darin nicht bloß der gut gemeinte Rat, Prioritäten zu setzen. Es geht tiefer. Es geht um die Frage, wodurch ein Leben eigentlich getragen wird.

Ein erster starker Bezug führt zu Aparigraha, einem der fünf Yamas im Yoga Sutra.

Yoga Sutra II-30: Die förderlichen Selbstbeschränkungen (Yamas) sind Nichtverletzen (Ahimsa), Wahrhaftigkeit (Satya), Nichtstehlen (Asteya), Enthaltsamkeit (Brahmacharya) und Begierdelosigkeit (Aparigraha)

Zur Sutra


Yoga Sutra II-39: Ist Begierdelosigkeit (Aparigraha) [im Wesen eines Menschen] gefestigt, erkennt er den Sinn seiner Geburt

Zur Sutra


Gemeint ist nicht nur das schlichte „Nicht-Horten“, sondern auch das Loslassen von Anhaftung, von dem inneren Reflex, alles vollstopfen, festhalten oder kontrollieren zu wollen. Der Eimer in der Geschichte wird ja gerade nicht dadurch sinnvoll gefüllt, dass möglichst viel hineinpasst. Entscheidend ist, was zuerst hineinkommt. Genau darin liegt die yogische Pointe:

Nicht alles, was Platz findet, ist auch wesentlich.

Ebenso deutlich klingt Santosha an, also Zufriedenheit.

Yoga Sutra II-42: Durch das Kultivieren von Zufriedenheit (Santosha) erreichen wir höchstes Glück

Zur Sutra


In der Yogatradition ist Zufriedenheit keine matte Resignation nach dem Motto „Dann eben weniger“. Sie ist eher eine stille, tragfähige Kunst: zu erkennen, wann genug genug ist. Die Geschichte lädt genau dazu ein. Nicht noch mehr Termine, noch mehr Reize, noch mehr Füllmaterial – sondern ein wacher Blick darauf, was dem Leben Gewicht, Richtung und Wärme gibt.

Ein weiterer Faden führt zu Svadhyaya, der Selbstreflexion.

Yoga Sutra II-44: Durch Selbstserforschung (Svadhyaya) wird man eins mit der ersehnten Gottheit (bzw. dem Ideal)

Zur Sutra


Der Professor liefert keine fertige Liste der „großen Steine“. Er stellt eine Frage in den Raum. Das ist sehr yogisch. Yoga will nicht alles vorkauen; Yoga schärft die Wahrnehmung. Es geht weniger darum, eine Moralkeule zu schwingen, sondern darum, dass jemand plötzlich innehält und merkt: Womit fülle ich eigentlich meine Tage – und warum?

Auch Tapas schwingt mit – die Kraft der inneren Disziplin.

Yoga Sutra II-43: Durch Selbstdisziplin (Tapas , auch Entsagungen, Selbstzucht) verschwinden Unreinheiten; dies führt zu Vollkommenheit und Beherrschung vom Körper und den Sinnen

Zur Sutra


Denn die großen Steine zuerst ins Leben zu legen, klingt poetisch, ist in Wahrheit aber oft unerquicklich konkret. Es kann heißen:

  • früher ins Bett gehen, um morgens zu meditieren.
  • Das Handy weglegen, um einem Menschen wirklich zuzuhören.
  • Eine Verabredung absagen, um nicht auszubrennen.

Tapas ist nicht Härte um der Härte willen, sondern das bewusste Ordnen der eigenen Energie.

Schön passt hier auch die Spannung von Abhyasa und Vairagya: beständige Übung und gelassene Loslösung.

Yoga Sutra I-12: Übung (Abhyasa) und Nichtanhaften (Vairagya) führen zur Beruhigung der Bewegungen des Geistes (Nirodha)

Zur Sutra


Vairagya – nicht jeder Impuls verdient ein Ja
Yoga ist nicht bloß die Kunst, sich zu öffnen. Es ist auch die Kunst, sich nicht von jeder Kleinigkeit kidnappen zu lassen. Der Sand in der Geschichte erinnert an all das, was rasend dringlich wirkt und doch oft nur Nebel produziert: Termine, Vergleichsdramen, Mikroverpflichtungen, inneres Gehetztsein. Vairagya heißt nicht Weltflucht, sondern die Freiheit, nicht jeden Reiz sofort zu bedienen.

Die Geschichte sagt ja nicht, dass Kies, Sand und Wasser „schlecht“ wären. Auch Kleines, Alltägliches, Pragmatisches hat seinen Platz. Yogisch wird es dort, wo man lernt,

das Wichtige zu üben, ohne vom Unwichtigen beherrscht zu werden.

Diese Balance beschreibt das Yoga Sutra als Weg zur inneren Ruhe.

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"Zeitmangel" im Yoga

In der Yogaphilosophie wäre die Frage nach den „großen Steinen“ keine reine Frage des Zeitmanagements. Sie berührt etwas Grundsätzlicheres: Worauf richte ich mein Leben aus? Patanjalis Yogaweg erinnert daran, dass Klarheit nicht dadurch entsteht, dass wir immer mehr unterbringen, sondern dadurch, dass wir das Wesentliche zuerst erkennen. Begriffe wie Aparigraha – das Loslassen von Übermaß und Anhaftung – oder Svadhyaya – die ehrliche Selbstbefragung – werfen auf diese kleine Geschichte ein stilles, aber sehr aufschlussreiches Licht.

Vielleicht sind die großen Steine gar nicht die lautesten Themen unseres Lebens. Vielleicht sind es gerade die stillen Dinge, die man leicht verschiebt: Gesundheit, innere Ruhe, Verbundenheit, Sinn, ein verlässlicher Tagesrhythmus, eine Praxis, die einen wieder bei sich selbst ankommen lässt. Yoga würde hier nicht vorschnell sagen, was für alle wichtig sein soll. Aber es würde freundlich, beharrlich und ziemlich unbequem fragen: Was nährt dich wirklich – und was beschäftigt dich nur?

Wer mag, kann die Geschichte deshalb als eine Art Meditationsimpuls lesen. Nicht als Appell zur Selbstoptimierung, sondern als Einladung zu mehr innerer Ordnung. Denn auch auf der Matte zeigt sich oft dasselbe wie im Alltag: Wenn alles gleichzeitig Vorrang hat, verliert der Körper an Atem, der Geist an Weite und das Herz an Richtung. Erst wenn etwas in uns wieder an seinen Platz fällt, entsteht jene besondere Qualität, die Yoga so oft sucht: Stabilität ohne Verhärtung, Weite ohne Beliebigkeit.

Drei Reflexionsfragen aus der Yogawelt:

  • Welche drei Dinge nähren mich wirklich – auch dann, wenn niemand applaudiert?
  • Womit fülle ich meinen Alltag, nur weil es laut, schnell oder gewohnt ist?
  • Was wäre in dieser Woche ein „großer Stein“, dem ich bewusst zuerst Raum gebe?

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Geschichte: Aidan Lavette und der wertvolle Krug

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Aidan Lavette, der unsterbliche Geist, lebte auch mehrere Jahrhunderte in China. In einem Dorf am Huashan Berg, der für sein famoses Wolkenmeer weit über China hinaus berühmt ist, hörte er von folgender Geschichte:

Eine ältere chinesische Hausdienerin holte jeden Morgen zwei Krüge Wasser aus dem Fluss im Dorf. Sie legte dafür eine Holzstange über ihren buckligen Rücken und hängte an jedes Ende einen Krug.

Einer der beiden Krüge bekam eines Tages in der Mitte einen Sprung. Fortan verlor er aus diesem Riss auf ihrem Weg vom Fluss bis zum Haus die Hälfte seines Wassers. Der Krug bemühte sich nach Kräften, das Wasser in sich zu bewahren. Doch vergebens. So sehr er sich auch anspannte, stets verlor er einen Teil seiner Fracht.

Der Krug wurde sehr zornig mit sich.

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Der Hase vor der Möhre

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Vor langer Zeit lebte ein Hase am Rande eines kleinen Dorfes. An einem strahlenden Frühlingsmorgen entdeckte er eine saftige Möhre. Eine so große Möhre, wie er noch nie eine Möhre gesehen hatte. Die Rübe glänzte im morgendlichen Tau hinter einem hohen Maschendrahtzaun. Vor Freude lief unserem Hasen das Wasser im Hasenmunde zusammen.

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Geschichte: Die Schuld und ihr Zorn

Alter weiser Mann und junger Mann sitzen an einem See. Text: Geschichte: Die Schuld und ihr Zorn

Geschichte

Die Schuld und ihr Zorn

Einst fragte Zen-Schüler Callum seinen Meister: Wie schaffe ich es, mich nicht mehr über den Egoismus meiner Mitmenschen zu ärgern?

Der Zen-Meister antwortete: "Stell dir vor, du gehst am frühen Morgen durch einen sonnigen Park. Du spürst einen zarten Wind im Gesicht, ansonsten ist alles ruhig. Dein Blick wird von hellgrün leuchtenden Trauerweiden angezogen, deren Zweige sanft die Oberfläche eines Teiches voller Seerosen streicheln. Ein zartblauer Eisvogel gleitet über das Wasser, landet auf der Bank vor dir und stimmt sein zauberhaftes Lied an. Völlig versunken lauschst du dem Gesang des winzigen Stimmwunders. Plötzlich wirst du grob an der Schulter gerempelt.

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Der Alte am Fenster

Ein alter Mann im Krankenhaus mit Fenster auf eine Stadt. Text: Geschichte: Der Alte am Fenster

Der Alte am Fenster

Ein 48-jähriger Obsthändler mit Namen Callum erlitt eines Morgens auf dem Weg zum Marktplatz einen schweren Unfall mit seinem Transporter. Er schlug hart mit den Rippen auf das Lenkrad. Der Befund im Krankenhaus kam zu dem Ergebnis: mindestens zehn Wochen Bettruhe im Stützkorsett, ohne Aufrichten, ohne sonstige Bewegung im Rücken. Mit etwas Glück würde er danach wieder auf seinen Beinen gehen können.

Niedergeschlagen ließ Callum sich von der Schwester in ein Zwei-Bett-Zimmer schieben. Seinen Bettnachbarn an der Fensterseite, einen betagten Herrn mit ungesunder Gesichtsfarbe, grüßte er kaum. Ihn umhüllte düstere Schwermut. Würde er je wieder laufen? Wie würde es überhaupt mit ihm weitergehen? Würde er wieder auf dem Marktplatz verkaufen können? Welche Wahlmöglichkeiten gab es denn sonst? Apathisch starrte er auf die Decke.

Hier weiterlesen: Der Alte am Fenster


Der übereifrige Dschinn

Ein Dschinn

Geschichte: Der übereifrige Dschinn

Einst lebte eine Mutter alleine mit ihren drei Kindern in einem baufälligen Haus am Rande des Tronerwaldes. Tagein, tagaus wusch sie Wäsche, kochte für ihre Kinder, half bei den Hausaufgaben, putzte, hielt den Garen in Ordnung und kümmerte sich um auch alle sonstigen anfallenden Sorgen und Nöte der Familie. Am Vormittag arbeitete sie außerdem noch halbtags im Lebensmittelgeschäft des Ortes.

Viele Jahre hielt sie diesem belastenden Alltag stand, dann wurde es ihr zu viel. Sie begann um Hilfe zu beten. Und ein Gott war ihr gnädig.

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Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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