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fliege brummer 564

Auf meinem Schreibtisch stand einst ein Einmachglas, das mein Töchterlein im Waldkindergarten mit formschönen Blättern beklebt hatte. Ein Teelicht im Glas zauberte ein wunderschönes Licht und bizarre Formen auf die Wände.

Damit es nicht so zustaubt, haben wir das Einmachglas am Tage einfach umgedreht. Da sich eines Morgens ein Bleistift unter den Rand des Glases gemogelt hatte, gab es einen Spalt zwischen Tischplatte und Glas. Hier hinein quetschte sich eine dicke Fliege.

Nachdem der Brummer den Schreibtischboden unter dem Einmachglas ausreichend erkundet hatte, hob er nach Fliegenart ganz normal ab. Da er sich aber nun mal noch unter dem Einmachglas befand, prallte er mit seinem Fliegenkopf oben gegen den Glasboden. Verwirrt landete Brummerchen wieder am Boden.

Zweimal kurz geschüttelt und einen neuen Versuch gestartet. Diesmal schwungvoller. Rums – Brummerchen landete wieder auf dem Boden, nun deutlich weniger elegant. Brummerchen wollte es nicht wahrhaben. Immer wieder flog er gegen die Wände und die Decke des Einmachglases, mit jeder Wiederholung schwirrte er hektischer umher. Auch als seine Flügel schon schmerzten, verstärkte Brummerchen seine Bemühungen weiter. Bis Brummerchen nicht mehr konnte. Bis zu Brummerchen’s Tod.

Das Tragische daran: Den Ausgang hatte Brummerchen stets in Sichtweite. Was veranlasste ihn, jedes Mal wieder denselben, erfolglosen Ausweg zu versuchen? Warum meinte er, dass ein Verstärken immer derselben Vorgehensweise irgendwann zum Erfolg führen würde? Warum hielt Brummerchen nicht einfach inne, um über das Problem nachzudenken? Um sich umzuschauen und aus der Ruhe am Boden den richtigen Weg zu erkennen?

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