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 auge feld 250Vitarka–vichâra-ânandâ-asmitâ-rupa-anugamât samprajñâtah
वितर्कविचारानन्दास्मितारुपानुगमात्संप्रज्ञातः

 

Es ist hochinteressant, wie (unterschiedlich) sich der Weg hin zum und der Entwicklungsverlauf im Samadhi vollzieht. Bei der Deutung von Sutra I-17 weisen die Übersetzungen jedoch deutliche Unterschiede auf. Was nicht verwundert, da wir in einen Bereich des Yoga vordringen, der erst nach langer Praxis erreicht wird: Samadhi. Zudem werden die Erfahrungen hier subjektiv durchlebt und können schwer in Worte gefasst werden.

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrit

  • Vitarka = logisches Denken, urteilen, argumentieren; oberflächliches, grobstoffliches Wissen; Beobachtungsvermögen, diskursives Denken;
  • Vichar, Vichara, vichâra = überlegen, nachdenken; Reflexion, Urteilskraft; Vernunft; tief greifendes, feinstoffliches Wissen;
  • Ananda, ânanda = endloses Glück, Glückseligkeit, Freude;
  • Asmita, asmitâ = Einssein mit sich selbst; Bewußtheit des Selbst; Ich–Sein; Gefühl der Individualität, Gefühl reinen Seins; Gefühl: Ich bin angekommen; Gefühl: Ich bin identisch geworden mit dem Ziel;
  • Rupa = die Form, die Erscheinung (dieses Zustandes/Gefühles), das Wesen;
  • Anugamat, anugamât = in Verbindung, aus diesen Schritten heraus; begleitet von, folgend;
  • Samprajna, samprajñâ = deutlich erkennen, wirklich wissen, vollkommenes Wissen; unterscheidende, objekt-orientierte kognitive Versenkung;

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Grundlegend sind sich alle Übersetzungen einig, dass Patanjali hier Entwicklungsstufen des Samprajnata Samadhi beschreibt:

  • Erkenntnis/Denken
  • Vernunft
  • Freude/Glückseligkeit
  • Einssein mit sich selbst

Zum Beispiel Iyengar: Durch logisches Denken, Vernunft, Glückseligkeit und Einssein mit sich selbst gelangt man zu einem Zustand des Samadhi ...

Yoga-Roots: "Weil es die Form von Aufmerksamkeit (vitarka), Reflexion (vicāra), Glückseligkeit (ānanda) und Egoismus (asmitā) annimmt, ist es -[samādhi] mit Erkenntnis-."

Sukadev auf Yoga-Vidya: Samprajñâta Samâdhi (Samadhi mit Bewusstsein) wird von Denken, Unterscheidung, Wonne und dem Bewusstsein der Individualität begleitet.

buddha weiss 300Oder R.Sriram: Zunächst definiert er Samprajnata Samadhi als vollkommene Erkenntnis in Bezug auf ein Thema. Dann: "... Dieser Entwicklung folgen der innere Glückszustand und dann das Einswerden mit dem Thema ..." Bemerke: Sriram bezieht die Einheitswahrnehmung vor allem auf das Meditationsthema.

Oder Coster: Es gibt vier Stufen des bewussten Samadhi, die noch an äußere Erscheinungsformen gebunden sind (=Samprajnata Samadhi), an die Ursache der Erscheinungen (eine andere Variante von Vitarka), an Rhythmus (Vichara) oder Freude und an das Wesen des Seins (Purusha). Samprajnata Samadhi wird von diesen Bewusstseinszuständen "begleitet".

Deshpande verweist am Anfang seiner Übersetzung auf die Vorbedingung (Nirodha, ruhiger Geist) für Samadhi hin: "Wenn (das Zur-Ruhe-Kommen[Vritti-Nirodha]) mit Hilfe von logischem Denken, prüfender Überlegung, Seligkeit oder Ich-Bewusstsein erlangt wird, führt es zu .... Versenkung ... die mit Erkenntnis verbunden ist. Ähnlich äußert sich auch Vyasa Houston: "Nirodha, der Prozess der Beendigung der Vrittis, wird zu Samprajnata, wenn es mit Formen verbunden wird ..."

Interessant vielleicht auch: Die Übersetzung von Deshpande legt nahe, dass die vier in I-17 beschriebenen Stufen erst zu Samprajnata Samadhi hinführen, nicht schon dieser Zustand sind. Auch Iyengars Übersetzung kann dahingehend ausgelegt werden. Allerdings weiß ich nicht, ob dies nicht auch bei der Übersetzung vom Englischen ins Deutsche fehlinterpretiert wurde.

Die Deutung von Charles Johnston (eigene Übersetzung aus dem Englischen) sieht Sadmadhi als: "Meditation mit einem Objekt folgt verschiedenen Stufen: Zuerst äußere Untersuchung, dann innere Beurteilung, dann Freude und dann die Realisierung individuellen Seins".

Swami Prabhavananda beginnt seine Übersetzung von Sutra I-17 mit "Konzentration auf ein einzelnes Objekt kann vier Stufen erreichen: ..." Ähnlich übersetzt Swami Vivekananda: "Die Konzentration genannt 'Richtiges Wissen' ist das, was gefolgt wird von ..."

12koerbe.de sieht denjenigen, der Samprajnata erlangt, bereits als "vollkommenen Weisen".

Wim van den Dungen übersetzt Samadhi mit "Union=Einheit, Vereinigung" und sieht es ebenfalls als Endresultat der Beschränkung der Fluktuationen im Geist. Samadhi ist das "letzte Mitglied im Achtfachen Yoga". Der Samadhi "mit Samen" (Samprajnata Samadhi wird auch Sabija Samadhi (Samadhi mit Samen) genannt) sei immer mit bliss=tiefer Freude verbunden.

Neben Iyengar mahnt er sehr deutlich: Attachment to this bliss may become a very strong hindrance. (Anhaftung an diese tiefe Freude kann ein sehr starkes Hindernis werden). Der Yogi darf sich demnach nicht in Samprajnata Samadhi einrichten, sondern muss weitergehen.

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Samadhi

Hier folgt eine "Kurzübersicht" über die Stufen des Samadhi. Der "Artikel zu Samadhi" geht tiefer auf die einzelnen Stufen ein, listet potentielle Meditationsobjekte auf, nennt weitere Interpretationen sowie Tipps und listet Videos auf.

Samadhi ist das letzte Glied im achtfachen Yogapfad und soll mit fantastischen Erlebnissen einhergehen. In den Yogasutras und anderen Schriften wird Samadhi nochmals in mehrere Stufen unterteilt. Den Anfang macht diese Sutra I-17.

Die geläufigste Einführung in Samadhi lautet:

Samadhi meint, dass du dich mit einem Mediationsobjekt vereinst
und am Ende mit "dem Höchsten" verschmilzt.

Samadhi ermöglicht laut Eliade auf Seite 89 eine Selbstoffenbarung des Purusha. Diese Selbstoffenbarung führt zur Befreiung, zur Vereinigung (Union), dem Ziel des Yoga. "Freiheit von Leid erzeugenden Taten und Zielen, von den Gunas und von der Zeit". (Iyengar)

Samadhi ist das letzte Glied im achtfachen Yogapfad und das Ergebnis zahlloser Meditation.

* Hier endet die spirituelle Reise * (Iyengar)

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Die zwei Hauptunterteilungen von Samadhi

  1. Samprajnata-Samadhi
    (Sam-Prajnata = mit Bewusstheit von etwas) bewusstes Bemühen mittels eines Objektes, eines Gedankens, einer Idee oder indem man das Denken auf einen Punkt im Raum richtet - eines Keimes. Welches immer noch Samen hervorbringt. (Samen: weil noch etwas aus den Taten folgt. Auch die Meditation bildet weiterhin Samen.) Der noch dualistische Samadhi.
  2. Asamprajnata Samadhi
    (Asam-Prajnata = ohne Bewusstheit von etwas) Samadhi ohne ein Hilfsmittel. Außerhalb jeder äußeren oder inneren Beziehung (Eliade S. 90). Der nicht dualistische Samadhi. Reines Begreifen des Seins.

Samprajnata Samadhi - der "kleine" Samadhi

  • Prajnata = Erkenntnis;
  • Sam = Richtige;
  • Samprajnata = richtige Erkenntnis oder wahre Einsicht;

Yoga-Roots fragt: "Was ist nun die Beschreibung von samādhi mit Erkenntnis (saṃprajñāta samādhi) von jemandem, dessen geistige Schwankungen mit Hilfe der beiden Methoden gestoppt wurden [d.h. Übung und Entbehrung]?"

Patanjali nennt mehrere Unterteilungen des Samprajnata Samadhi. Hier in Sutra I-17 nennt er vier "Stufen", die in späteren Sutras weiter unterteilt werden (siehe Artikel Samadhi).

1. Vitarka: logisch-analytisch, urteilend

Tarka ist logisches Denken, das zu einem logischen Schluss kommt. Vitarka die Fähigkeit zu logischer Überlegung. Aber Vitarka ist hier ein yogischer Zustand und von daher natürlich anders als das normale logische Denken. Es wird alles negiert und nicht beachtet, was nicht für "das Dasein als Ganzes" (Deshpande S. 43) von Bedeutung ist.

Vitarka wird später in Savitarka und Nirvitarka weiter unterteilt. Dies sind laut Eliade "Erkenntniszustände, die durch Meditation über die formale Einheit der Objekte erreicht werden. Diese Stufen gilt es nun zu überschreiten, wenn man in die "Wesen der Dinge" eindringen will. Beide Stufen werden ausgiebig in den Kommentaren zum Yogasutra diskutiert und erläutert.

Yoga Roots übersetzt Vitarka mit "Aufmerksamkeit" und schreibt: "Aufmerksamkeit ist die grobe Ausweitung des Geistes auf seine Stütze."

2. Vicara: Nachdenken/Vernunft

Vicara geht über Vitarka hinaus. Vicara wird von Deshpande als "prüfende Überlegung" übersetzt. Dieser Zustand ist "eine nicht endende Erforschung des eigentlichen Wesens des Lebens und des Seins".

Yoga Roots: "Die Reflexion [vicara] ist [gleich der Aufmerksamkeit vicara, aber] subtil.

Später, in Sutra I-44, wird Vicara weiter in Savicara und Nirvicara unterteilt.

Von der Erkenntnis zum Zustand

Eliade sieht auf Seite 90 das Vertiefen des Samadhi - Zustandes als einen Prozess von aufeinander aufbauenden Erkenntnis-Zuständen und der jeweiligen Kontemplation darüber. Kontemplation/Meditation über eine Erkenntnis führt zu einem neuen yogischen Zustand, ein tieferes Eindringen in die Wirklichkeit. Dieser Übergang von "Erkenntnis" zu "Zustand" ist für Eliade DAS Charakteristikum des Samadhi und jeder indischer Meditation. Hierbei findet der ersehnte Niveaubruch, das Voranschreiten, der Übergang vom Sein zum Erkennen.

3. Ananda - Wonne, Glückseligkeit

Erfahrung des Glücks, der ewigen Lichtfülle und Selbstbewusstheit des Sattva. Wir erkennen eine allumfassende Wonne und Liebe im Universum.

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4. Asmita - Einssein mit sich selbst, (auch I-47)

Der Buddhi - der Verstand - reflektiert in Asmita nur noch das Selbst, nichts mehr in der äußeren Welt. Vijnana Bhiksu meint laut Eliade auf Seite 93 zu diesem Zustand: "Der Yogi begreift: Ich bin (asmi) etwas anderes als mein Körper." Yoga Roots übersetzt es als "einheitliches Bewusstsein".

Die Einsamkeit des Yogi

Deshpande (S. 44) schreibt: Der Yogi stelle im Asmita-Zustand fest "... Ich bin ich, ich bin nicht der andere und kann nie der andere sein." Dies berührt eine Ur-Angst: "... Es ist eine existentielle Einsamkeit, erfüllt von der Kraft des Seins, die nichts anderes werden will, weil sie klar sieht, dass jede Bewegung auf ein ’Werden zu' sich vom ’Sein' wegbewegt und daher eine selbstentfremdende Bewegung ist."

Letztendlich lebe man aber in einem Gefühl des Glückes und der Zufriedenheit mit dem, was ist. Man kenne keine Feindseligkeit mehr und habe nichts mehr zu verlieren. Aber vielleicht "... eine ganze Welt zu gewinnen".

Sukadev ergänzt: " Aber hier ist Asmitâ nicht als individuelles Ego gemeint, sondern als kosmisches Ego, als das kosmische Gefühl „Ich bin“."

Die Kette Vitarka-Vicara-Ananada-Asmita

Eliade (S. 90) zitiert für diese Kette wiederum Vijnana Bhiksu: "... die vier Termini rein technisch und werden ganz konventionell auf verschiedene Formen der Verwirklichung angewandt ... sie stellen einen Aufstieg dar. Die Gnade Gottes (Isvara) erlaubt in gewissen Fällen ein direktes Erreichen der höheren Zustände." Das Meditationsobjekt ist beim Durchlaufen der Stufen gleich zu halten. Diese vier Stadien tragen den Zustand Samapatti, Erlangungen, auch Sutra I-41.

Deshpande (S. 44) sieht hierin (stellvertretend für viele Interpreten) "vier Arten von Versenkung", für ihn zeigt sich eine Abfolge: "Es beginnt mit dem auf dem Ich gründenden logischen Denken und endet mit einer Erfahrung des reinen Ich-Seins."

Yoga Roots formuliert in Anlehnung an einen Kommentar zu dieser Sutra: "Von diesen der erste Samādhi, begleitet von diesen vier [d.h. Aufmerksamkeit usw.] ist [samādhi] mit Aufmerksamkeit (savitarka). Der zweite, der der Aufmerksamkeit beraubt ist, ist [samādhi] mit Reflektion (savicāra). Der dritte, der der Besinnung entzogen ist, ist [samādhi] mit Glückseligkeit (sānanda). Das vierte, das davon abgeschnitten ist, ist reiner Egoismus. Alle diese Samādhis sind mit Unterstützung."

Wie erkenne ich den Übergang von Dhyana zu Samprajnata Samadhi?

Hier fällt immer wieder das Wort "plötzlich". Wenn du plötzlich merkst, dass du das Meditationsobjekt bist, wenn du auf einmal das Mantra bist bzw. dich als die Bewusstheit der Mantrarezitation erkennst.

Anders ausgedrückt kann man sagen, dass es gilt, das eigene Ego zu überwinden. Nicht mehr "Ich konzentriere mich auf ein Mantra" sondern wahrnehmen: "Da ist Konzentration auf ein Mantra" und dann, der Übergang von Samprajnata Samadhi zu Asamprajnata Samadhi: Da ist (nur noch) Konzentration.

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Zusammenfassung Samprajnata: Samadhi mit Objekt

Sutra I-17 beschreibt einen hohen Yoga-Zustand, Samprajnata Samadhi. Völlige Befreiung ist noch nicht erreicht, aber die Erfahrungen sind bereits sehr tiefgehend.

Samprajnata heißt Samadhi mit vollkommenem Erkennen, ein Überbewusstsein mit Erkenntnis. Aber immer noch wird Erkanntes und Erkennender getrennt gesehen. Seher und Gesehenes. In Vorstufe zu Sutra I-18 gibt es noch ein Meditationsobjekt, einen Meditationsgegenstand, bei dem es sich um jede Form der Natur handeln kann. Einen Keim in der Meditation. Ein Samadhi, der "an äußere Erscheinungen gebunden" (Coster) ist.

Videos zu Sutra I-17

Leider verbleiben nur noch englische Videos, die sich mit dieser Sutra beschäftigen. Wenn du ein deutschsprachiges Video kennst, nenne es bitte unten in den Kommentaren. Danke!

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