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Etayaiva savichârâ nirvichârâ cha sûkshmavishayâ vyâkhyâtâ
एतयैव सविचारा निर्विचारा च सूक्ष्मविषय व्याख्याता

 

Jetzt wendet sich der Yogi im Samadhi mit seiner neuen Fähigkeit "Samapatti" subtileren Dingen zu. Wieder unterscheidet Patanjali zwei Stufen der Entwicklung in dieser Phase des "Erwachens" des Yogi.

 
 

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Etaya, etayā = durch dieses; auf dieselbe Weise; dadurch;
  • Eva = sogar, auch; nur; allein; so;
  • Savichara, Sarvicara, savicārā, savichârâ = mit Untersuchung; mit Überlegung; mit Dualität; reflektierend; mit Ergründen; mit subtiler Reflexion; 
    Savichara Samapatti: der nächst subtilere Zustand von Samapatti
     
  • Nirvicara, Nirvichara, nirvicārā = ohne Untersuchung; ohne Überlegung; ohne Dualität; nicht-reflektierend; ohne Ergründen; ohne subtile Reflexion; überrational;
    Nirvichara Samapatti: der nächst subtilere Zustand von Samapatti; Einheitsbewusstsein;
     
  • Ca = und
  • Suksma, sūkṣma = subtil
  • Visaya, viṣaya = Objekte;
  • sūkṣma-viṣaya = überbewusster Zustand, der subtiler Dinge beleuchtet
  • Vyakhyata, vyākhyātā = beschrieben; erklärt; erläutert;

 

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hinweis: Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • R. Steiner: "Handelt es sich bei dem betrachteten Objekt um etwas subtiles ..."
  • R. Skuban: "... So kann er auch in die feinstoffliche, energetische Ebene des Objektes auf zweierlei Weise eintauchen ..."
  • Iyengar: " ... Kontemplation mit Überlegung ... und ohne Überlegung ... sowie die damit verbundenen subtilen Aspekte."
  • S. Satchidananda: "... welche auf subtile Objekte praktiziert werden ..."
  • R. Sriram: "Diese beiden Erkenntniszustände ... wenn es sich um subtile Objekte handelt."
  • Coster: "... bei der Meditation über Ursachen und abstrakte Ideen."
  • Feuerstein: " ... die beiden ... haben subtile Objekte als Meditationsfokus."
  • 12koerbe.de: "... die gedankliche und die gedankenfreie Fein-Objektivität erklärt"
  • Barbara Miller: "Das kontemplative Gleichgewicht, das sowohl reflektierend als auch intuitiv ist ... wird dadurch erklärt."

    Einige Übersetzungen sehen sūkṣma-viṣaya in dieser Sutra nicht (nur) als subtile Objekte bzw. als die feinstofflichen Aspekte eines Objektes, sondern als eine noch feinere Ebene, beispielsweise die Yoga-Vidya-Übersetzung:
  • Sukadev: Analog zu den vorigen Sutras werde Savikara und Nirvicara "... und das, was noch subtiler ist, erklärt."

Die vier Stufen des Samapatti sind die Unterteilungen der ersten Stufe des Samadi: Des Samprajnata Samadhi, des Samadhi mit Samen. Siehe Kapitel zu Samadhi.

Diese Sutra beschäftigt sich mit der dritten und vierten Stufe von Samapatti. Grundlegende Erläuterungen zu Samapatti finden sich in Sutra I-41.

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Wo wir stehen

Das erste Kapitel des Yoga Sutra – Titel: Samadhi Pada – widmet Patanjali der grundlegenden Einführung in Weg und Wesen vom Yoga. Ziel des Yoga ist der höchste Samadhi – ein Zustand, der auch Erleuchtung genannt werden kann. Hier geht es um die Sutra 44 des ersten Kapitels, das insgesamt deren 51 umfasst.

Dieses Samadhi entfaltet sich beim Yogi in Entwicklungsstufen. Die Erkenntnis des Yogis wird immer feiner. Mit Eintritt in die erste Entwicklungsstufe des Samadhi – derjenigen "mit Samen" – wächst zunächst Samapatti, eine Wahrnehmungsfähigkeit bzw. ein Geisteszustand, bei der Wahrgenommenes, Wahrnehmender und das Wahrnehmen an sich miteinander verschmelzen.

Grundsätzlich unterscheidet Patanjali bei der Entwicklung des Samadhi zwei grundsätzliche Ebenen:

  1. Samadhi mit Samen/Keim = Samprajnata bzw. Sabija Samadhi
  2. Samadhi ohne Samen/Keim = Asamprajnata bzw. Nirbija Samadhi

Stufe 1, Samprajnata/Sabija, wird wiederum in vier Ebenen unterteilt:

  1. Savitarka Samadhi (bzw. Samapatti)
  2. Nirvitarka Samadhi
  3. Savicara Samadhi
  4. Nirvicara Samadhi

Von der Erkenntnis zum Zustand

Eliade sieht auf Seite 90 das Vertiefen des Samadhi - Zustandes als einen Prozess von aufeinander aufbauenden Erkenntnis-Zuständen und der jeweiligen Kontemplation darüber. Kontemplation/Meditation über eine Erkenntnis führt zu einem neuen yogischen Zustand, ein immer tieferes Eindringen in die Wirklichkeit. Dieser Übergang von "Erkenntnis" zu "Zustand" ist für Eliade DAS Charakteristikum des Samadhi und jeder indischer Meditation. Hierbei findet der ersehnte Niveaubruch, das Voranschreiten, der Übergang vom Sein zum Erkennen.

Mehr zum Samadhi in diesem Beitrag.

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Savicara: Mit Untersuchung bzw. mit Überlegung

Mit Savicara beginnt also Samapatti (verschmelzende Erkenntnis) mit subtilen (andere sagen immateriellen) Objekten bzw. subtilen Aspekten eigentlich grobstofflicher Objekte.

R. Palm schreibt in seinen Erläuterungen zu dieser Sutra: "Ein Ding wird zuerst grobstofflich erfasst und dann feinstofflich ergründet, bevor es in seinem Eigenwesen erkannt werden kann."

Sukadev formuliert, Savicara sei die Meditation über das kosmische Gemüt mit unterschiedlichen Wahrnehmungszuständen bzw. mit Denken.

Iyengar nennt konkrete subtile Objekte, über die der Yogi auf dieser Stufe kontempliert:

  • Ego (ahamkara)
  • Intelligenz (buddhi)
  • subtile Aspekte (= Tanmatras) von grobstofflichen Elementen (= Mahabhutas) wie Schall, Berührung, Geschmack, Form oder Geruch. (Unterteilung aus der Samkhya-Philosophie)
  • Gunas (das Lichte, das Träge und das Energetische)
  • Feuerstein nennt die "transzendentale Schöpfungsmatrix" oder das "Undiffernziert-Undefinierte" als mögliche subtile Meditationsobjekte.

Wenn diese Kontemplation noch der Bedingtheit der Objekte durch Raum, Zeit und Kausalität erfolge, wäre es Savicara Samapatti, so Iyengar. "Ohne diese reflektierende Betrachtung" gehe der Yogi zu Nirvicara über.

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Nirvicara: Unmittelbare Schau

Wenn diese Wechsel zwischen Denken, Wahrnehmen, Erkennen, Fühlen usw. aufhört und wir das subtile Objekt unmittelbar erfassen, hat der Yogi Nirvicara erreicht. Iyengar: Ein

"Zustand ... der von begrifflicher Überlegung frei ist."

Feuerstein schreibt auf Seite 406 (siehe Quellen), dass die nächsthöhere Form der ekstatischen Vereinigung (Samapatti) sich zeige, wenn sich der Yogi mit "dem subtilen Aspekt seines Kontemplationsobjekts identifiziert". In Savicara tauchen dabei noch spontane Gedanken auf, in Nirvicara nicht mehr.

In Worten Eliades (Seite 92): Wenn die Meditation über die Tanmatra, die infenitesimalen Energiekerne der Objekte, wie Eliade sie nennt, ohne Gefühle vonstatten gehe, der Yogin diese aber dennoch komplett in der Meditation ideel assimiliert und zudem kein Bewusstsein von Zeit und Raum mehr vorhanden ist, dann ist der Meditationszustand Nirvicara erreicht.

"Ein wirkliches Eintauchen in das Wesen der physischen Welt selbst".

Iyengar schreibt, dass der Yogi Nirvicara schon Ananda (Glückseligkeit) erfahre.

Siehe auch Sutra I-41:

Yoga Sutra I-41: Für den, der die Bewegungen des Geistes auf ein Minimum reduziert, verschmelzen Wahrnehmender, Wahrgenommenes und Wahrnehmung, so wie ein Kristall Form und Farbe eines Hintergrundes reflektiert. Das ist Samapatti (Verschmelzung).

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Wie geht es weiter?

Palm fasst zusammen, dass bis hierher der Citta noch nicht ganz beruhigt ist (siehe Sutra I-2), es zu einem letzten "... Aufbäumen dieser Bewegungen [im Geist]" komme, es sich um letzte "Zuckungen der groben und feinen Befangenheiten" handele, die sich aber mit Fortschreiten im Samadhi "auslaufen".

Wim van den Dungen:

"... das Ende vom Samadhi-mit-Samen ist nahe."

In den hierauf folgenden Sutras beschreibt Patanjali weitere Entwicklungsstufen im Samadhi, beispielsweise Sananda und Sasmita.

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Übung zu Yoga Sutra I-44

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Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra 1-44:

Beginne deine Meditation normal. Wende dich dann einem subtilen Meditationsobjekt zu. Beispiele:

Ego; Intelligenz; Ton; Berührung, Geschmack, Form; Geruch. Einem der drei Gunas: das Lichte, das Träge oder das Energetische;

Achte besonders in der Pause zwischen Ein- und Ausatmen, ob Erkenntnisse zu deinem subtilen Meditationsobjekt aufsteigen.

 

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