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kopf birne hell dunkel 250smṛti-pariśuddhau svarūpa-śūnyeva-arthamātra-nirbhāsā nirvitarkā
स्मृतिपरिशुद्धौ स्वरूपशून्येवार्थमात्रनिर्भासा निर्वितर्का

Wir schreiten voran: Patanjali erläutert die zweite Stufe von Samadhi (immer noch Samadhi mit Samen). Die Erkenntnis wird tiefer, das Denken schwindet. Wir kommen der Schau der wahren Natur der Dinge näher.

 
 

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Smriti, smr̥ti, smëti = Gedächtnis; Erinnerung; Prägung; frühere Eindrücke; Vorprägung; Gehörtes;
  • Parishuddhau, pariśuddhau = bei Klärung; (völlig) gereinigt; gut geklärt; geläutert; abgewaschen;
  • Smrti-Parisuddhau = Wenn Erinnerung (Gedächtnis, Prägungen ...) gereinigt ist; wenn Erinnerung sich nicht aufdrängt;
  • Svarupa, svarūpa, svarûpa = eigene Natur; eigene Form; Eliade: mit dem Objekt in sich selbst glänzt;
    manche Übersetzer beziehen Svarupa auf Citta, andere deuten es so, dass die Form des Meditationsobjektes gemeint ist.
  • Shunya, śūnya, shûnya, åûnya = ohne; leer; erloschen;
  • Iva = als ob; wie;
  • Artha = Objekt; Bild; wahres Wissen über das Objekt; Wahrheit;
  • Matra, mātra, mâtra = nur;
  • Arthamatra = allein das Objekt;
  • Nir = ohne;
  • Nirbhasa, nirbhāsā, nirbhâsâ = leuchtend, strahlend; erscheinend; reflektierend;
  • Nirvitarka, nirvitarkā, nirvitarkâ = ohne (fremdes) Wissen; ohne Schlussfolgerung; ohne Vorstellung; ohne Überlegung; ohne Annahme;
  • Samadhi (überbewusster Zustand) ohne Dualität, Bewusstsein der Einheit; ohne Annahme; der zweite Zustand von Samadhi/Samapatti;

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hinweis: Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Eliade (S. 90) nennt nirvitarka "nichtargumentierend"
  • Sukadev: "Im Nirvitarka-Zustand ist der Geist frei von Subjektivität ..."
  • Iyengar: "Wenn (das Bewusstsein) von Erinnerungen ... geläutert ..., ist es ... seiner eigenen Natur entblößt. Es leuchtet ..."
  • Govindan: "... man sozusagen leer geworden ist, reduziert auf den eigenen Wesenskern ..."
  • R. Skuban: "Wenn Citta von allen mit dem Objekt der Meditation verbundenen mentalen Inhalten gereinigt ist ..." Hinweis: Citta = eigener Geist.
  • R. Sriram: "... allein das Objekt der Betrachtung leuchtet ..."
  • Deshpande: wird der Geist "... wie entleert von seiner eigenen Form, und es leuchtet nur die Wirklichkeit allein ..."
  • R. Palm: "Wenn die Erinnerung durch und durch gereinigt ist ... das vom Zweifel befreite Erfassen."
  • Coster: "Auf der Stufe der Konzentration ohne Attribute ... es beginnt eine völlige Versenkung in die Idee selbst."
  • Feuerstein: "Nach Läuterung der Erinnerung ... Entleerung ihrer Essenz" komme es zum "supra-kognitiven" überlegungslosen Ekstasezustand Nirvitarka.
  • 12koerbe.de: "... eine von seiner Eigenform gleichsam freie ... Erscheinung".
  • Hariharananda Aranya: "... nur der Gegenstand (an dem man denkt) bleibt erleuchtet ..."
    Barbara Miller: "... das kontemplative Gleichgewicht frei von Vermutungen, leer von seiner eigenen Identität ..."
  • Swami Prabhavananda: "Wenn der Geist Identität mit einem groben Objekt der Konzentration erreicht, unvermischt ..."
  • R. Steiner: "... die eigene Natur klar ist ..."
  • Yoga-Roots: "In diesem System ist Yoga die Vereinigung des Selbst und des Herrn."

Die vier Stufen des Samapatti sind die Unterteilungen der ersten Stufe des Samadi: Des Samprajnata Samadhi, des Samadhi mit Samen. Siehe Kapitel zu Samadhi.

Diese Sutra beschäftigt sich mit der zweiten Stufe von Samapatti. Grundlegende Erläuterungen zu Samapatti finden sich in Sutra I-41.

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Wie kann ich mir Nirvitarka vorstellen?

Samadhi wird vertieft, neue Erkenntnisse (über Samapatti, dem Geisteszustand der Verschmelzung) werden gemacht. Skuban: " ... intensiviert sich das Eintauchen in das Objekt", die Konzentration werde zunehmend "spitzer". Iyengar spricht davon, dass das Gedächtnis geläutert und ein "innerer Sinn" gereinigt wird. Innere Widersprüche würden aufgelöst.

Worte und konventionelle Bedeutungen eines Objektes werden als Hindernis bei der reinen Schau erkannt (Deshpande), der Yogi betrachtet die wahre Natur der Dinge.

Das Meditationsobjekt erscheint frei von mentalen Beeinflussungen. Die Versenkung wird nicht mehr von Gedanken begleitet. Govindan: "Der Erkennende ist erkannt."

Oder in buddhistischer Sprache:

"Die Blume ist nur noch eine Blume."

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Vom Einfluss unserer Erinnerungen

"Das Gedächtnis ist ein sonderbares Sieb. Es behält alles Gute von uns und alles Übel von den anderen."

Wieslaw Brudzinski

Smrti – die Erinnerung – ist im yogischen Sinne auch [nur] eine Bewegung des Geistes und kann uns – bei falscher Erinnerung – in die Irre führen.

Siehe dazu auch die folgenden Sutras:

Yoga Sutra I-6: Die fünf Arten der Bewegungen im Geist sind wahrhaftes Wissen, falsches Auffassen, Wortirrtum, Schlaf und Erinnerung

Yoga Sutra I-11: Die Vritti "Erinnerung" ist das Bewahren von Erfahrungen der Vergangenheit

 

Buddha sprach vor diesem Hintergrund davon, dass wir die Dinge gemäß unserer Neigungen betrachten. Unser Gedächtnis beeinflusst unsere Intelligenz, wie Iyengar sagt. Wir haben "Vor-Stellungen" von den Dingen, stellen also etwas vor uns, zwischen uns und die Welt. Anders ausgedrückt: Wir können die Wirklichkeit normalerweise nicht klar erkennen, werden durch Meinungen, frühere Erfahrungen und Neigungen in unserem Erkennen beeinflusst.

 

Erinnerung 2.0

Die korrekte Nutzung der Erinnerung kann uns jedoch auf dem Weg zu Samadhi unterstützen:

Yoga Sutra I-20: Andere gelangen dorthin [zu Asamprajnata Samadhi] durch Glauben, Wille/Energie, Erinnerungsvermögen/Gedächtnis, Samadhi/Sammlung und Weisheit

Hier nun, in Nirvitarka, ist unsere Erinnerung von falschem Schmutz befreit. R. Palm: "... bei einer gründlichen Reinigung (parisuddhi) der Erinnerung". Dies gelinge durch "... bewusstes Vervollständigen und radikales Bis-zum-Anfang-Zurückverfolgen" der Ereignisse in unserem Leben.

In Nirvitarka ist das Gedächtnis quasi geleert, sprich es tritt nicht mehr zwischen unser Wahrnehmen und das Objekt. Das Objekt unserer meditativen Betrachtung kann "erstrahlen" (Nirbhasa). Iyengar schreibt, dass das Gedächtnis dann nicht mehr eigenmächtig funktioniere.

Bei Eliade lesen wir auf Seite 91, dass der Kommentator Vyasa die Stufe so beschrieben hat:

"Citta wird Nirvitarka, wenn das Gedächtnis nicht mehr arbeitet, wenn die Assoziationen (mit den Objekten) in Wort, Dimension, Bräuchen, Klassen und Logik aufhören. Das Objekt ist nur noch Objekt, hat keinen Namen, keine Bedeutung, keinen Sinn, wird nicht mehr etwas früherem zugeordnet. Das Denken bindet sich an die Form des Objektes und "glänzt" mit diesem Objekt in sich selbst. In diesem Denken gibt es kein ich mehr, da der Erkenntnisakt ("mein Objekt" oder "ich sehe dieses Objekt") nicht mehr eintritt. Das Denken besteht nur aus dem Meditationsobjekt. (Mantra, Bild, Gott ...)."

Sukadev schreibt, dass Nirvitarka der Zustand sei, wo wir über die Ganzheit der Schöpfung meditieren. Das funktioniere nur, wenn es keine Worte und kein Nachdenken mehr gäbe, keine kompetente Zeugenaussage – es gibt dann einfach nur die direkte Wahrnehmung und damit kommt wahres Wissen.

Der Übergang von Savitarka (siehe Sutra I-41) zu Nirvitarka geschähe dann, wenn wir aufhören zu denken und die ganze Welt als eine Einheit wahrnehmen.

Wim van den Dungen: "Dieser Zustand könnte als der erste Grad des nichtdualen Denkens angesehen werden, der ersten Ebene der nichtdualen Wahrnehmung."

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Wie geht es weiter?

Auf Seite 92 schreibt Eliade, dass Savitarka und Nirvitarka Samadhi Erkenntniszustände seien, die durch Meditation und Konzentration über die "formale Einheit der Objekte" erreicht werden. Doch auch Nirvitarka will überschritten werden, wenn man in das Wesen der Dinge selbst eindringen will.

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Übung zu Yoga Sutra I-43

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra 1-43:

Setze dich wieder in Meditationshaltung vor eine brennende Kerze. Durchlaufe die Betrachtungen der Übung zu Sutra I-42:

Beobachte die Flamme entspannt. Spüre in deinem Geist die Wärme der Flamme. Konzentriere dich ganz auf die Kerze und achte darauf, wie in dir Wissen über die Kerze in deinem Geist auftaucht, du deren Namen nennst, in dir Vorstellungen über Lebensereignisse mit Kerze auftauchten. Werde im Geist immer ruhiger und schaue, ob du Samapatti (die Verschmelzung) mit all diesen Phänomenen der Kerze (in deinem Geist) wahrnehmen kannst.

Gehe nun einen Schritt weiter und lasse nur die Flamme in deinem Geist erscheinen. Hilfreich ist es, wenn du dafür die Pausen zwischen den Atemzügen ein wenig ausdehnst. Betrachte die Flamme, als ob du noch nie eine Flamme gesehen hättest. Probiere es mit offenen und mit geschlossenen Augen.

 

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