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auge riss wand sw 250draṣṭā dṛśimātraḥ śuddho-pi pratyaya-anupaśyaḥ
द्रष्टा दृशिमात्रः शुद्धोऽपि प्रत्ययानुपश्यः

 Patanjali beschreibt unsere grundlegende Essenz und deren Wahrnehmung der Welt. In diesem Wahrnehmungsprozess kommt es gemäß der Yogalehre leicht zu Verwirrung und Täuschung. Es finden sich hier interessante Parallelen zur modernen Wahrnehmungspsychologie.

Punkt 1

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Drashtâ, drasta, draṣṭā, Drashtri, draṣṭṛ = der Seher, der Sehende; der Wahrnehmende; Purusha; das wahre Selbst; Drashtu; reine Wahrnehmung; das sehende Selbst;
  • Drsi, dṛśi = das Sehen; das sehende Prinzip; Kraft des Sehens;
  • Matrah, mātraḥ = ausschließlich, nur; bloß;
  • Drishimatrah, drishimâtrah = reine Wahrnehmung, reines Sehen; reines Bewusstsein;
  • Suddha, Suddhi, shuddha, ṣuddha = unvergänglich; rein; richtig; gereinigt;
  • Api, api = obwohl, obgleich; dennoch; auch; sogar;
  • Pratyaya = (richtige) Wahrnehmung; Begriff; Verstandesinhalt; Bewusstheit;
  • Anupashyah, anupaśya = scheint zu sehen mit; das Sehen basiert auf; wahrnehmen;

2

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hervorhebungen weisen auf Besonderheiten der jeweiligen Übersetzung hin. Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Sukadev: „Der Sehende ist Bewusstsein an sich ...“
  • Deshpande/Bäumer: „... Obwohl er in sich völlig rein ist, sieht er durch die Erfahrung.“
  • Dr. R. Steiner: „Das wahre Selbst (Drashtu) sieht ausschließlich ...“
  • Coster: „... benutzt er den Intellekt als Kontaktmittel der Erfahrung.“
  • Feuerstein: „Der Seher, [der eigentlich] das bloße Vermögen des Sehens [ist] ...“
  • R. Palm: „... obwohl er gereinigt ist, sieht er (noch) Vorstellungen.“
  • R. Sriram: „... kann aber nur aufgrund der über das ... meinende Selbst ... vermittelten Eindrücke sehen.“
  • Govindan: „... durch die ... Kraft des Sehens ... Gedanken wahr.“
  • Iyengar: „... Obwohl völlig rein, sieht er durch Erfahrung.“
  • Chip Hartranft: „Reines Gewahrsein ist nur Sehen an sich; Obwohl es rein ist, scheint es normalerweise durch den wahrnehmenden Geist zu wirken.“
  • R. Skuban: „Der Seher ist die bloße Kraft des Sehens ...“
  • G. Pradīpaka: „Der Seher ... ist nur ... ein Zeuge ... völlig frei von Gunas, ... rein ...“
  • 12koerbe.de: „der Anschauende, aus Anschauung bestehend ...“
  • Hariharananda Aranya: „Der Seher ist der absolut Wissende. Obwohl rein, werden Modifikationen (von Buddhi [des Geistes]) von Ihm als Zuschauer beobachtet.“
  • I. K. Taimni: „Der Seher ist reines Bewusstsein, aber obwohl er rein ist, scheint er durch den Geist zu sehen.“
  • Swami Satchidananda: „Der Seher ist nichts als die Kraft des Sehens, die, obwohl sie rein ist, durch den Geist zu sehen scheint.“
  • Swami Prabhavananda: „Der Atman – der Erfahrende – ist reines Bewusstsein. Er scheint die wechselnden Farben des Geistes anzunehmen. In Wirklichkeit ist er unveränderlich.“
  • Swami Vivekananda: „Der Seher ist nur Intelligenz, und zwar reine, gesehen durch die Färbungen des Intellekts.“
  • Wim van den Dungen (buddhistischer Kommentar zum Yogasutra): „Der Sehende sieht rein, aber er sieht durch den Geist (und seine Gedanken).“

Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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Punkt 3

Hände Welt Wolken KarteWir und die Welt - die Welt und wir | Getrennt und doch zusammen

Wo wir stehen

Wir befinden uns im zweiten Kapitel des Yogasutra von Patanjali. Es handelt von der „Praxis“. Patanjali beginnt das Kapitel mit dem Versprechen, dass Yoga die Leiden des Yogis vermindere und (irgendwann) zu Samadhi, zur allumfassenden Freiheit führe.

In Sutra II-3 bis II-11 schildert Patanjali die fünf Haupt-Hindernisse auf dem Yogapfad, die sogenannten Kleshas (Unwissenheit, Anhaftung, Ablehnung, Ego, Lebensdrang). Erste Wege zur Überwindung der Hindernisse werden angerissen (Gegenschöpfung, Meditation).

Sutra II-12 bis II-15 handeln von Karma (Folgen von Handlungen und Gedanken, die aufgrund der Kleshas geschehen) und dem inhärenten Leid von allem und jedem in dieser Welt. Grundübel ist dabei unsere Identifikation mit dem, was wir nicht sind.

Dann geht es bei den Sutras weiter mit den Schritten, das Leiden zu besiegen. Patanjali sieht es als „die“ Aufgabe des Yogis an, den Unterschied zwischen Sehenden und Gesehenem zu erkennen. Nach und nach sollte diese Erfahrung kultiviert und ausgebaut werden. So gelange man zur Freiheit – Kaivalya (auch mit „letzter Freiheit“, Isoliertheit (Alleinheit), höchster Befreiung oder „vollkommener Erlösung“ übersetzt.

Nachdem Patanjali in den Sutras II-18 und II-19 über Prakriti, die Natur/unsere Welt, gesprochen hat, geht er nun auf deren Beobachter, den Seher (Purusha) und dessen Wahrnehmung ein.

Punkt 4

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Gibt es einen Sehenden?

Patanjali formuliert, dass unser wahres Selbst ein rein erkennendes Bewusstsein ist. Dieses ist in die uns umgebende Welt getreten, um zu erfahren und sich zu entwickeln. Govindan:

„Es beobachtet ständig die im Inneren, im Geist, aufkommenden Regungen.“

Iyengar: „Die Seele ist die reinste Essenz des Bewusstseins ... Sie betrachtet die Natur, ohne auf sie angewiesen zu sein.“ In Worten Patanjalis: Der Sehende ist ewig und rein. R. Sriram weist darauf hin, dass mit „rein“ im Indischen eher „unveränderlich“ bzw. „beständig“ gemeint sei.

Das Problem ist nun, dass dieses (sprich: unser) Wahres Selbst seine wirkliche Natur vergessen hat und sich mit allerlei Wahrgenommenen identifiziert. Zudem nimmt es das Universum – die Prakriti – nur durch den Filter des Geistes wahr und unterliegt dadurch mannigfaltigen Täuschungen.

Beides zusammen führt zu unseren Fehlentscheidungen und ungünstigen Einstellungen und damit zu unserem Leid in der Welt.

Punkt 5

kugel welt auf kopf o 564

Wie erfahren wir Realität?

Patanjali schreibt, der Sehende (das Wahre Selbst, Drashtri bzw. Purusha) sei durch Unwissenheit (Avidya) mit seiner Wahrnehmung der Welt (Dṛśyam) in Samyoga (= fälschlich angenommene Verbindung – Identifikation) zwischen dem Sehenden und dem „Sichtbaren“ (= Drishya bzw. der Urnatur Prakriti) verfangen.

Daraus folgt: Das Wahre Selbst meint, ein Körper zu sein, eine bestimmte Intelligenz zu haben, so und so weit springen zu können etc.

Zu dieser fehlerhaften Identifikation kommen wir später. Gehen wir erst einmal auf die „verzerrte Wahrnehmung“ der Welt/Natur durch das Wahre Selbst ein.

sonnenbrille rot holzbohlenManche unserer geistigen Filter machen die Welt schöner, andere unnötig unangenehm

Täuschungen, Verführungen und Fehlschlüsse durch unseren Geist-Filter

Eliade schreibt: Der Sehende ist absolutes Bewusstsein. Obwohl er völlig rein ist, sieht er durch die Erfahrung des Geistes. Anders ausgedrückt: Er braucht zur Wahrnehmung der Welt die Hilfe des Geistes. R. Sriram verdeutlich: „... kann [unser Wahres Selbst] nur über die Fühl- und Denkfähigkeit wahrnehmen.“

Iyengar betont, dass die Seele zwar ursprünglich rein sei, „sie nimmt die Dinge jedoch durch ihre wirkende Kraft, die Intelligenz (Buddhi) wahr.“ So geschehe es leicht, dass sich die Seele „von den Einflüssen der Natur mitziehen lässt“.

Wie kann ich mir diese Wahrnehmungsverzerrung vorstellen? Swami Satchidananda vergleicht diesen Seh-Veränderungs-Vorgang mit dem Wahrnehmen des Lichts der Sonne, das sich im Wasser bricht oder das durch eine gefärbte Linse gesehen wird. Das Licht der Sonne bleibt immer gleich, erscheint durch das Wasser oder die Linse betrachtet aber stets anders.

Beim Wahrnehmungsvorgang des Wahren Selbstes sind es weniger Linsen oder brechende Oberflächen, als vielmehr unsere Prägungen und geistigen wie körperlichen Unreinheiten, die uns den klaren Blick auf die Welt verzerren. R. Palm: „Sie [die falschen Vorstellungen] färben in jedem Fall das Gesehene und beeinträchtigen es.“ Wenn wir die reine Wahrnehmung des Sehenden Selbstes erfahren könnten, so würden wir, laut R. Sriram, wie ein Kinozuschauer auf die Welt schauen. Wir würden dabei den Film und auch die Leinwand, die erst die Projektion des Filmgeschehens ermöglicht, erfassen.

Punkt 6

auge messung mund nase

Parallelen in der heutigen Wissenschaft

Die Wahrnehmungspsychologie widmet sich bei ihren Untersuchungen einem ähnlichen Gegenstand. Sie bemüht sich um eine Erklärung für die Kluft zwischen (objektiven) Sinneseindrücken und (subjektiver) Deutung dieser hereinkommenden Sinnesinformationen in unserem Gehirn.

Auch gemäß den Lehren der Wahrnehmungspsychologen besteht ein (teilweise erheblicher) Unterschied zwischen dem, was das Sinnesorgan eines Menschen (oder eines anderen Lebewesens) erfasst, und dem, was dieser Mensch im Kopf dann wahrnimmt (sieht, hört, riecht ...). Als ein Beispiel wird gerne ein Laubbaum mit tausenden von Blättern genannt. Diese werden alle einzeln auf die Netzhaut des Auges projiziert. In unseren Köpfen sehen wir aber diese vielen Blätter nicht einzeln, sondern nur „Baum“ – als Ganzes.

Darüber hinaus sind viele Wahrnehmungstäuschungen bekannt, nicht nur beim Sehen, sondern auch beim Hören, Tasten oder Empfinden. Eine populäres und gut nachvollziehbares Beispiel ist die Zöllner-Täuschung:

zoellner taeuschung

Im Bild verlaufen die Linien parallel. Die Parallelität wird durch die Schraffierung aber scheinbar aufgehoben.

Des Menschen größter Irrtum

Patanjali (oder allgemein ein Yogi) würde die fehlende Unterscheidung zwischen Purusha und Prakriti (zwischen Sehendem und der Welt) als größte (und leidbringenste) aller Wahrnehmungstäuschungen ansehen.

Punkt 7

Der Konflikt der Yoga-Philosophien

Eine Frage wurde noch gar nicht berührt:

Gibt es da draußen überhaupt etwas, was wir wahrnehmen können, was eine eigene Realität besitzt?

Denn auch die moderne Physik sieht unser Universum doch hauptsächlich von Vakuum und Energieschwingung gekennzeichnet. Feste Form, wie wir sie erblicken, ist eine grobe Vereinfachung der Wirklichkeit in unserem Gehirn. Schon im alten Indien stritten die Weisen darüber, welche letzte Realität hinter der Natur steht.

Im Samkhya wird postuliert:

„Das wahre Selbst (Purusha) ist (nur) Zeuge, isoliert, unberührt, wahrnehmend und nicht handelnd.“

Meint: Es gibt den Sehenden, Purusha, UND auch die Welt, Prakriti. Beide existieren real.

Die Vedanta Lehre hingegen besagt:

„Purusha ist identisch mit Atman (der Weltseele) und damit auch mit Brahman.“

Meint: Alles ist eins. Eine Trennung zwischen Sehendem und der Welt erfolgt nur aufgrund einer Täuschung. Die Unwissenheit (Avidya) verschleiert die Wahrnehmung des Wahren Selbstes von der Wirklichkeit und darum halten wir unsere Sinneswahrnehmung für eigenständig existent.

Dabei sei alles Gesehene doch vielmehr Maya. Maya meint hier weder Biene noch untergegangene südamerikanische Kulurt, sondern eine Illusion, durch die man die sinnlich erfahrbare „objektive“ Welt (Prakriti) für real hält und als getrennt von uns empfindet.

Punkt 8

Unsere Aufgabe

Unabhängig davon, ob eine der beiden Lehren die „Richtige“ ist oder ob sich beide „Theorien“ für den Weisen nach der Erleuchtung zu einer verschmelzen: Wir sind gemäß einhelliger Yoga-Philosophie wahrnehmende Wesen, die völlig frei von den Nöten und Bedrängnissen dieser Welt existieren könnten, wenn unsere Sicht der Dinge nicht so verzerrt und damit falsch wäre.

Was verhindert unsere Klarheit des Sehens? Was führt zu dem Schleier über dem Erkennen? Die Yogaphilosophie postuliert, dass vor allem die Gunas Ramas und Tamas, Trägheit und die Unbeständigkeit aller Phänomene, dafür verantwortlich zeichnen. Die Unbeständigkeit (Veränderung) kommen durch die Wechselwirkungen der Gunas zustande. Darum wird vom Yogi gefordert seine Filter, die eine klare Sicht verhindern, immer mehr zu reinigen, damit er die Wirklichkeit richtig erkennt. Dies gilt für die körperlichen und die geistigen Wahrnehmungsverzerrer.

Ein kleiner Einblick in die Yogaphilosophie ...

buecher mann wald leiter

Wahrgenommenes und Wahrnehmendes – Auszug aus der Samkhya-Lehre

Das Samkhya ist eines der ältesten philosophischen Systeme indischer Herkunft. „Samkyha“ bedeutet wörtlich „Zahl“, „Aufzählung“ oder „das, was etwas in allen Einzelheiten beschreibt“. Hiermit ist die Aufzählung und Analyse jener Elemente gemeint, die gemäß Samkyha die Wirklichkeit bestimmen.

Allein das Wissen um diese Elemente soll bereits zur Erlösung vom Kreislauf der Wiedergeburten führen. Damit einher geht die Beendigung von drei Arten des Leidens (duhkha):

  • adhyatmika (Leiden unter physischen oder psychischen Krankheiten),
  • adhibhautika (von Außen zugefügtes Leid durch menschliche Gewalt oder Umwelteinflüsse),
  • adhidaivika (Leid durch Naturgewalt, Umweltkatastrophen oder übernatürliche Phänomene).

Purusha, Prakriti, Guna

Das Universum und die Abläufe darin beruhen gemäß Samkyha auf zwei fundamentalen Prinzipien:

  • Purusha: passiver aber bewusster Geist, auch Urseele, Weltgeist oder kosmisches Selbst genannt. Steht im Dualismus für Subjekt und das Wahre Selbst.
  • Prakriti: aktive aber unbewusste „Urmaterie“, das Wahrnehmbare, das Benennbare oder „Natur“. Steht im Dualismus für Objekt und das Universum

Swami Satchidananda schreibt:

„Das Purusha ist das Wahre Selbst, das Purusha sieht. Prakriti ist alles andere.“

Es herrscht Uneinigkeit: Die Samkhya Philosophie sagt, dass es ein real existierendes Universum gibt. Die Vedanta-Lehre sieht alles als Maya, als Illusion an.

Prakriti und die Gunas

Der Urnatur Prakriti werden im Samkhya drei Gunas (Merkmale, Eigenschaften, von Hauer „Weltstoffenergien“ genannt) zugerechnet:

  1. Sattva (das Seiende, Reinheit, Klarheit). Gemäß Ayurveda-Lehre steht Sattva für Reinheit, Ausgeglichenheit, Balance und Neutralität. Charakterlich zeigt sich eine Sattva-Vorherschaft in Freigebigkeit, Gelassenheit, Zufriedenheit, Weisheit, Ausgeglichenheit und Toleranz. Menschen, die sich vorwiegend sattvisch ernähren sollen länger leben und gesünder alt werden. Als sattvische Nahrungsmittel gelten frische & reife Früchte, Honig, Milch, Reis, Weizen, Safran und Zimt.
  2. Rajas (Bewegung, Energie, Leidenschaft). Verantwortet Wandlung, Veränderung und Dynamik. Aber auch Zorn, Rastlosigkeit und Hektik.
  3. Tamas (Trägheit, Dumpfheit, Dunkelheit, Schwere). Eine Kraft, die unsere Wahrnehmungsfähigkeit trübt und unsere Wirkkraft schwächt. Aber auch das Prinzip der Ruhe.

Sattva für den Yogi

Feuerstein (Buch bei Quellen ergänzen) schreibt: „Während aktive (rajas) und träge (tamas) Qualität dazu neigen, die Ich-Illusion aufrechtzuerhalten, erschafft die Qualität der Helligkeit (sattva), insoweit sie dominiert, die Vorbedingungen für das Befreiungsgeschehen. Daher erstrebt der yogin sattvische Konditionen und Zustände.“

Aber auch das Körper-Geist-System existiert auf Basis der drei Gunas. Als Yogi wisse man, dass alle drei Prinzipien miteinander wechselseitig verbunden sind. Jede Anhaftung an einen Zustand (Sattva ...) führt (ebenfalls) zu Leid.

Purusha

Purusha ist das Selbst, das allen fühlenden Wesen innewohnt. Durch Purusha erhalten Menschen, Tieren, Pflanzen und Götter ihre Empfindungsfähigkeit und Bewusstsein.

Des Menschen wahre und ursprüngliche Identität ist einzig und allein Purusha, die sich zum Zwecke des Erfahrens in Prakriti manifestiert hat, siehe Sutra II-18.

Nun verstrickt sich dieses Purusha in Prakriti, hält die zur Sphäre der Prakriti gehörigen Elemente und Bereiche irrtümlicherweise für Bestandteile seiner selbst. Daraus entsteht Leid.

Grundelement der Lehre des Samkhya für den nach Erlösung Strebenden ist deshalb, die beiden Substanzen Purusha und Prakriti und ihre Merkmale streng voneinander unterscheiden zu lernen.

Vedanta

Im nondualen Vedanta ist Prakriti nur eine Täuschung, Maya.

Physik und Quantentheorie

Betrachten wir den Bildschirm vor uns, so sehen wir gemäß der Physik ein Konstrukt aus Neutronen, Elektronen und Protonen, die alle auf einer eigenen Frequenz schwingen und um sich kreisen. Nahezu 100 Prozent des Bildschirmes besteht aus Vakuum! Nur unsere Sinne – die Sinne des Wahrnehmenden – machen daraus einen Monitor.

Die Quantenphysik macht alles noch verschwommener: Ob sich ein subatomares Partikel als Teilchen oder als Welle verhält, hängt vom Beobachter ab. Anders ausgedrückt: vom beobachtenden Bewusstsein. Vom Wahrnehmenden und dessen Wahrnehmung. Eigenschaften der Partikel wie dessen Lokalität können nicht vom Betrachter getrennt werden. Dies geht mehr in Vedanta (und Buddhismus)-Richtung als die Samkhya-Behauptung eines unabhängig von Purusha existierenden Universums Prakriti.

Punkt 9

Ursache – Wirkungsketten zur Kenntnis nehmen

R. Sriram rät deswegen, sich die stets die Mühe zu machen, den Zusammenhang zwischen früheren (von uns gesetzten) Ursachen und unserem heutigen Befinden zu erkennen. Er ermuntert, dass dies mit „ein wenig Mühe und Übung“ – zumindest in vielen Fällen – durchaus möglich sei.

Durch diese Grundhaltung der eigenen Schicksalsanalyse würde mit der Zeit eine „neue Sichtweise der Dinge“ entstehen. Jedes Gewahrwerden (im Nachhinein) einer Täuschung unserer Wahrnehmung würde dann einen Riss in dem „Schleier unserer Wahrnehmung“ öffnen. Und so unsere „Unwissenheit“ nach und nach beenden.

... und weniger enttäuscht sein

Swami Satchidananda geht an dieser Stelle noch auf einen weiteren Aspekt unserer Täuschung über das wahre Wesen der Welt ein: Der Verkennung, dass wir alle eins sind und alle einen „göttlichen Kern“ besitzen.

Gemäß Yogalehre sind damit alle Menschen von gleicher Natur, wir aber werten Menschen in gut und schlecht. Wer die grundlegend gleiche Natur aller Wesen erkennt, so Satchidananda weiter, wird sich nicht mehr über ein schlechtes Verhalten bei anderen Menschen aufregen. Vielmehr entsteht dann der Wunsch, allen Wesen, selbst den größten Sündern, zu helfen. Swami Satchidananda: „Der Sünder von heute ist der Heilige von morgen.“ Bei einem Baby, das in die Windeln macht, würden wir ja auch nicht in Zorn geraten, sondern einfach die Windeln wechseln ... Punkt 10

Siehe auch - Sutras mit zugehörigen Aussagen

Yoga Sutra I-3: Dann ruht der Wahrnehmende in seiner wahren Natur

om 250Tadâ drashtuh swarûpe ‘vasthânam 
तदा द्रष्टुः स्वरूपेऽवस्थानम्

 

Hier wird das erste große Versprechen des Yoga verkündet. Die Tragweite dieser Zusicherung wird in den Kommentaren zur Sutra erläutert:

Yoga Sutra II-26: Die Entwicklung und ununterbrochene Anwendung eines reinen Unterscheidungsvermögens beendet die Unwissenheit

ying yang rahmenViveka-khyâtir aviplavâ hânopâyah
विवेकख्यातिरविप्लवा हानोपायः

Mit dieser Sutra nennt Patanjali die konkrete Fähigkeit, die unsere Unwissenheit beendet und uns dadurch zur Erlösung führt. Betont wird, dass wir uns um deren ständige Anwendung bemühen. Dazu gibt es eine Reihe konkreter Tipps und Empfehlungen.

Yoga Sutra IV-22: Selbsterkenntnis tritt ein, wenn der Geist nicht mehr von Ort Ort wandert und sich selbst wahr nimmt

Citer apratisamkramâyâs tad-âkârâpattau sva-buddhi-samvedanam
चितेरप्रतिसंक्रमायाः तदाकारापत्तौ स्वबुद्धि संवेदनम्

 

 

Punkt 11

Übung zu Yoga Sutra II-20

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Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra II-20:

Iyengar schreibt: „Behält die Intelligenz [Buddhi] ihr Unterscheidungsvermögen, so bleibt auch das Bewusstsein klar und ungetrübt.“ Übe diese Woche dieses Betrachten der Welt (auch deiner Gefühle) – völlig still und unberührt.

 

Dein Feedback / deine offene Frage an den Text

Ist etwas unklar geblieben?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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Punkt 12

Punkt 13

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