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spinnennetz gruen muster astVisheshâvishesha-lingamâtrâlingâni guna-parvâni
विशेषाविशेषलिङ्गमात्रालिङ्गानि गुणपर्वाणि

Das Ziel von Patanjalis Ausführungen liegt in der Befreiung von allem Leid. Dazu muss die falsche Identifikation mit dem Materiellen (Prakriti) durch den Wahrnehmenden (Purusha, Atman) aufgehoben werden. Hilfreich hierfür ist die Kenntnis der Wirkkräfte der Natur, deren Zusammenwirken und ihr Einfluss auf uns.

 
 

Punkt 1

Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • Vishesha, viśeṣa = besonders; bestimmt; unterschiedlich; Unterschied; spezifisch;
  • Avishesha, aviśeṣa = nichtspezifisch; atypisch; nicht unterscheidbar; unspezifisch; unbestimmt;
  • Linga, liṅga = Symbol; Zeichen;
  • Matra, mātra = wiedergebbar; ausdrückbar; nur;
  • Linga-Matra, lingamâtra, liṅga-mātra = ein blosses Zeichen; symbolhaft;
  • Alinga, aliṅga, alingâani = ohne Zeichen, ohne Symbol; ohne unterscheidendes Merkmal; jenseits von Symbolen; nicht zu deuten;
  • Guna, guṇa = drei Eigenschaften der Natur/Materie; fundamentale Grundqualitäten der Natur;
  • Parvani, parvâni, parvan = Schritte; Entwicklungsstufen; Zustände; Kategorien; Level; das Gelenk; der Knoten im Bambus; ein Abschnitt im Buch; Stufen;

2

Übersetzungsvarianten und -hinweise (Quellen)

Hinweis zu den folgenden Sutra-Übersetzungen: Übertragungen aus dem Englischen sind Eigenübersetzungen.

  • Sukadev: „Die Zustände der drei gunas sind ...“
  • Dr. R. Steiner: „ ... bestimmbar, unspezifisch, symbolhaft, jenseits von Symbolen.“
  • Deshpande/Bäumer: „... sind entweder bestimmt oder unbestimmt, entweder mit oder ohne sichtbare Kennzeichen.“
  • Coster: „... auf jeder Stufe dem Bewusstsein eingeboren.“
  • Feuerstein: „Die Ebenen der guna-Prinzipien [der Natur] sind: ...“
  • R. Palm: „Das Unterschiedene und Ununterschiedene ...“
  • R. Sriram: „Objekte lassen sich in vier Kategorien unterteilen: ... Objekte, die so feinstofflich sind, dass sie nur über Symbole angedeutet werden können; ...“
  • Govindan: „... spezifisch, unspezifisch, definiert und undefinierbar.“
  • Iyengar: „Die Wandlungsphasen der Gunas sind ....“
  • Chip Hartranft: „Alle Ordnungen des Seins – undifferenziert, differenziert, undeutlich, verschieden – sind Manifestationen der Grundqualitäten der Natur.“
  • R. Skuban: „Die Grundbausteine der Natur existieren in vier Zuständen: ...“
  • G. Pradīpaka: „Die Stadien der Veränderung (parvāṇi) der Guṇas (oder Qualitäten von Pradhāna1) (guṇa) (sind): „diversifiziert“ (viśeṣa), „undiversifiziert“ (aviśeṣa), „nur Indikator“ (liṅgamātra) und „eins“ die ohne Angabe oder Zeichen ist ... (aliṅgāni)“
  • 12koerbe.de: „... der Erscheinungsfaktoren Verknotungen:“
  • Hariharananda Aranya: „Diversifiziert (Visesa), Undiversifiziert (Avisesa), Nur-Indikator (Linga-Matra) und das, was ohne Indikator ist (Alinga), sind die Zustände der Gunas.“
  • I. K. Taimni: „Die Stufen der Gunas sind das Besondere, das Allgemeine, das Differenzierte und das Undifferenzierte.“
  • Swami Satchidananda: „Die Stufen der Gunas sind spezifisch, unspezifisch, definiert und undefinierbar.“
  • Swami Prabhavananda: „Die Gunas durchlaufen vier Zustände – grob, subtil, ursprünglich und nicht entwickelt.“
  • Swami Vivekananda: „Die Zustände der Eigenschaften sind definiert, undefiniert, nur angezeigt und vorzeichenlos.“
  • Wim van den Dungen (buddhistischer Kommentar zum Yogasutra): „Die Schichten der Natur sind: die Partikularisierten, Nicht-Partikularisierten, Differenzierten & Undifferenzierten. “

Punkt 3

sorgen gefangener leid d 564Die Grundeigenschaften der Natur sind geheimnisvoll

Wo wir stehen

Wir befinden uns im zweiten Kapitel des Yogasutra von Patanjali. Es handelt von der „Praxis“. Patanjali beginnt das Kapitel mit dem Versprechen, dass Yoga die Leiden des Yogis vermindert und zu Samadhi führt.

In Sutra II-3 bis II-11 schildert Patanjali die fünf Haupt-Hindernisse auf dem Yogapfad, die sogenannten Kleshas (Unwissenheit, Anhaftung, Ablehnung, Ego, Lebensdrang). Erste Wege zur Überwindung der Hindernisse werden angerissen (Gegenschöpfung, Meditation). Sutra II-12 bis II-15 handeln von Karma (Folgen von Handlungen und Gedanken, die aufgrund der Kleshas geschehen) und dem inhärenten Leid dieser Welt. Grundübel ist die unsere Identifikation mit dem, was wir nicht sind.

Dann geht es weiter mit den Schritten, das Leiden zu besiegen. Patanjali argumentiert entlang der Samkhya-Lehre.

Punkt 4

buecher mann wald leiter

Wahrgenommenes und Wahrnehmendes – Auszug aus der Samkhya-Lehre

Das Samkhya ist eines der ältesten philosophischen Systeme indischer Herkunft. „Samkyha“ bedeutet wörtlich „Zahl“, „Aufzählung“ oder „das, was etwas in allen Einzelheiten beschreibt“. Hiermit ist die Aufzählung und Analyse jener Elemente gemeint, die gemäß Samkyha die Wirklichkeit bestimmen.

Allein das Wissen um diese Elemente soll bereits zur Erlösung vom Kreislauf der Wiedergeburten führen. Damit einher geht die Beendigung von drei Arten des Leidens (duhkha):

  • adhyatmika (Leiden unter physischen oder psychischen Krankheiten),
  • adhibhautika (von Außen zugefügtes Leid durch menschliche Gewalt oder Umwelteinflüsse),
  • adhidaivika (Leid durch Naturgewalt, Umweltkatastrophen oder übernatürliche Phänomene).

Purusha, Prakriti, Guna

Das Universum und die Abläufe darin beruhen gemäß Samkyha auf zwei fundamentalen Prinzipien:

  • Purusha: passiver aber bewusster Geist, auch Urseele, Weltgeist oder kosmisches Selbst genannt. Steht im Dualismus für Subjekt und das Wahre Selbst.
  • Prakriti: aktive aber unbewusste „Urmaterie“, das Wahrnehmbare, das Benennbare oder „Natur“. Steht im Dualismus für Objekt und das Universum

Swami Satchidananda schreibt:

„Das Purusha ist das Wahre Selbst, das Purusha sieht. Prakriti ist alles andere.“

Es herrscht Uneinigkeit: Die Samkhya Philosophie sagt, dass es ein real existierendes Universum gibt. Die Vedanta-Lehre sieht alles als Maya, als Illusion an.

Prakriti und die Gunas

Der Urnatur Prakriti werden im Samkhya drei Gunas (Merkmale, Eigenschaften, von Hauer „Weltstoffenergien“ genannt) zugerechnet:

  1. Sattva (das Seiende, Reinheit, Klarheit). Gemäß Ayurveda-Lehre steht Sattva für Reinheit, Ausgeglichenheit, Balance und Neutralität. Charakterlich zeigt sich eine Sattva-Vorherschaft in Freigebigkeit, Gelassenheit, Zufriedenheit, Weisheit, Ausgeglichenheit und Toleranz. Menschen, die sich vorwiegend sattvisch ernähren sollen länger leben und gesünder alt werden. Als sattvische Nahrungsmittel gelten frische & reife Früchte, Honig, Milch, Reis, Weizen, Safran und Zimt.
  2. Rajas (Bewegung, Energie, Leidenschaft). Verantwortet Wandlung, Veränderung und Dynamik. Aber auch Zorn, Rastlosigkeit und Hektik.
  3. Tamas (Trägheit, Dumpfheit, Dunkelheit, Schwere). Eine Kraft, die unsere Wahrnehmungsfähigkeit trübt und unsere Wirkkraft schwächt. Aber auch das Prinzip der Ruhe.

Sattva für den Yogi

Feuerstein (Buch bei Quellen ergänzen) schreibt: „Während aktive (rajas) und träge (tamas) Qualität dazu neigen, die Ich-Illusion aufrechtzuerhalten, erschafft die Qualität der Helligkeit (sattva), insoweit sie dominiert, die Vorbedingungen für das Befreiungsgeschehen. Daher erstrebt der yogin sattvische Konditionen und Zustände.“

Aber auch das Körper-Geist-System existiert auf Basis der drei Gunas. Als Yogi wisse man, dass alle drei Prinzipien miteinander wechselseitig verbunden sind. Jede Anhaftung an einen Zustand (Sattva ...) führt (ebenfalls) zu Leid.

Purusha

Purusha ist das Selbst, das allen fühlenden Wesen innewohnt. Durch Purusha erhalten Menschen, Tieren, Pflanzen und Götter ihre Empfindungsfähigkeit und Bewusstsein.

Des Menschen wahre und ursprüngliche Identität ist einzig und allein Purusha, die sich zum Zwecke des Erfahrens in Prakriti manifestiert hat, siehe Sutra II-18.

Nun verstrickt sich dieses Purusha in Prakriti, hält die zur Sphäre der Prakriti gehörigen Elemente und Bereiche irrtümlicherweise für Bestandteile seiner selbst. Daraus entsteht Leid.

Grundelement der Lehre des Samkhya für den nach Erlösung Strebenden ist deshalb, die beiden Substanzen Purusha und Prakriti und ihre Merkmale streng voneinander unterscheiden zu lernen.

Vedanta

Im nondualen Vedanta ist Prakriti nur eine Täuschung, Maya.

Physik und Quantentheorie

Betrachten wir den Bildschirm vor uns, so sehen wir gemäß der Physik ein Konstrukt aus Neutronen, Elektronen und Protonen, die alle auf einer eigenen Frequenz schwingen und um sich kreisen. Nahezu 100 Prozent des Bildschirmes besteht aus Vakuum! Nur unsere Sinne – die Sinne des Wahrnehmenden – machen daraus einen Monitor.

Die Quantenphysik macht alles noch verschwommener: Ob sich ein subatomares Partikel als Teilchen oder als Welle verhält, hängt vom Beobachter ab. Anders ausgedrückt: vom beobachtenden Bewusstsein. Vom Wahrnehmenden und dessen Wahrnehmung. Eigenschaften der Partikel wie dessen Lokalität können nicht vom Betrachter getrennt werden. Dies geht mehr in Vedanta (und Buddhismus)-Richtung als die Samkhya-Behauptung eines unabhängig von Purusha existierenden Universums Prakriti.

Punkt 5

Yoga und die Gunas

Wer das Prinzip der Gunas durchdrungen hat, kann deren Wirken in jeder Alltagstätigkeit erkennen und für sich nutzen. Zudem können die eigenen Erfahrungen auf Basis der Guna-Eigenschaften interpretiert werden.

Iyengar schreibt:

„Wenn wir uns aus der Umklammerung der Natur befreien wollen, müssen wir ... mit dem Einfluss der Gunas vertraut sein.“

Begierdelosigkeit sei der Schlüssel zur Beherrschung der Gunas, siehe Sutra I-16:

Yoga Sutra I-16: Das Nichtbegehren nach den Elementen der Erscheinungswelt führt zur Wahrnehmung des wahren Menschen, des Purushas - die höchste Form der Verhaftungslosigkeit

omTatparaṁ puruṣa khyāte rguṇa vaitṛṣṇyam
तत्परं पुरुषख्यातेर्गुणवैतृष्ण्यम्

 

In dieser Sutra geht es um die Frucht fortgeschrittener yogischer Praxis. Patanjali formuliert, dass wir durch den irgendwann voll integrierten Verzicht in der Lage sein werden, unser wahres Selbst (Purusha) von dem zu unterscheiden, was nicht unser wahres Selbst ist. Dadurch sinkt das Begehren weiter. So kann uns die Freude des Purushas immer häufiger erreichen.

Doch wie werde ich zum unbeteiligten Betrachter meines eigenen Lebens?

 

 Punkt 6

landschaft meditation wolken rot

Das Gegensatzpaar Visesa – Avisesa, Linga-Matra und Alinga

... kann mit unterschieden/spezifisch und ununterschieden/unspezifisch übersetzt werden. Letzteres meint, gemäß R. Palm, „nach Eigenschaften (nicht) zu unterscheiden“. Im Einzelnen betrachtet:

  • Visesa – mit zuordnenbaren Eigenschaften, spezifisch – das sind die groben Elemente wie Erde, Wasser, Feuer, Luft und – gemäß Samkhya-Lehre – auch Äther. Ebenso unser Körper und Verstand – definierte Formen der Natur.
  • Avisesa ist den subtilen bzw. unspezifischen Elementen wie Geruch, Form, Gefühl Klang oder Geschmack zugeteilt. Ebenso das Ich-Gefühl (Asmita).
  • Subtiler wird es bei Linga-Matra, der Ebene des „Differenzierten“, zum Beispiel die höhere Vernunft, der Intellekt.
  • Alinga: manche sagen: „die unbenennbare Quelle der Gunas“; Feuerstein nennt es das „Undifferenzierte“, es sei „die transzendente Dimension des Kosmos, aus reiner Sattva-Qualität bestehend und nicht weiter beschreibbar.“ Jenseits davon komme nur noch der Purusha.

 Punkt 7

Siehe auch - Sutras mit zugehörigen Aussagen

Yoga Sutra III-13: Dadurch ist die Veränderung der Materie und der Wahrnehmungsorgane in Eigenart, Merkmal und Zustand erklärt

Etena bhûtendriyeshu dharma-lakshanâ-vasthâ-parinâma vyâkhyâtâh
एतेन भूतेन्द्रियेषु धर्मलक्षणावस्थापरिणामा व्याख्याताः

 

 Punkt 8

Übung zu Yoga Sutra II-19

uebung sutre

Übungsvorschlag für die kommende Woche zu Sutra II-19:

Versuche in diese Woche Patanjalis Einteilung der Natur in die vier Kategorien an den konkreten Erfahrungen und Gegenständen aus deinem Alltag nachzuvollziehen:

  • Visesa: mit zuordenbaren Eigenschaften, grobe Elemente (Erde ...)
  • Avisesa: subtile, unspezifische Elemente (Emotionen ...)
  • Linga-Matra: die Ebene des „Differenzierten“ (Weisheit ...)
  • Alinga: transzendente Dimension – was könnte dem entsprechen?

 

 Punkt 9

Punkt 10

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