Gheranda Samhita, Kapitel 7: Samadhi – Ziel des Yoga
Das letzte Kapitel der Gheranda Samhita widmet sich Samadhi – dem Zielpunkt der gesamten Schulung. Nach Reinigung, Asana, Mudra, Pratyahara, Pranayama und Dhyana geht es nun nicht mehr um Vorbereitung, sondern um Vollendung: um Sammlung, Befreiung und die Erkenntnis des Selbst. Die Sprache wird dabei größer, kühner, manchmal auch schwerer zugänglich. Samadhi ist kein hübscher meditativer Wohlfühlzustand, sondern in der Logik des Textes die Schwelle zur Mukti, zur Befreiung.
Kurz zusammengefasst
- Samadhi als Zielpunkt des Yoga
Das siebte Kapitel der Gheranda Samhita stellt Samadhi als Höhepunkt der Yogaschulung dar. Nach Reinigung, Körperhaltungen, Mudras, Sinnesrückzug, Atemführung und Meditation geht es nun um Versenkung, Befreiung und die Vereinigung des individuellen Geistes mit dem höchsten Selbst. - Sechs Wege zur Versenkung
Die Gheranda Samhita nennt sechs Zugänge zum Samadhi: Dhyana, Nada, Rasananda, Laya, Bhakti und Raja Yoga Samadhi. Bemerkenswert ist, dass der Text nicht nur stille Meditation kennt, sondern auch Klang, Mudra, Atem, Hingabe und nicht-duale Erkenntnis als Wege beschreibt. - Samadhi ist mehr als Entspannung
Samadhi wird nicht als angenehme Ruhephase oder meditativer Wohlfühlzustand verstanden. Der Text spricht von Mukti, also Befreiung, und von einem Zustand jenseits gewöhnlicher Bewusstseinsbewegungen. Das ist eine andere Liga als „mal kurz abschalten“. - Körper und Geist gehören zusammen
Die Gheranda Samhita ist ein körpernaher Yogatext. Der Körper wird nicht abgewertet, sondern über viele Kapitel vorbereitet, gereinigt, stabilisiert und verfeinert. Erst auf dieser Grundlage wird Samadhi als geistig-spirituelle Vollendung beschrieben. - Übersetzungen bleiben nicht immer eindeutig
Einige Stellen, besonders die Zuordnung von Nada, Rasananda, Khechari Mudra und Bhramari, werden in Übersetzungen unterschiedlich wiedergegeben. Genau diese Reibung macht den Text interessant: Er ist kein normiertes Übungshandbuch, sondern ein überlieferter Yogatext mit Tiefe, Brüchen und Auslegungsspielraum. - Bhakti öffnet einen eigenen Zugang
Neben Technik und Konzentration spielt auch Hingabe eine wichtige Rolle. Im Bhakti-Yoga Samadhi führt die innige Kontemplation einer persönlichen Gottheit im Herzen zur Versenkung. Der Text erinnert damit daran, dass Yoga nicht nur Disziplin ist, sondern auch Gefühl, Ergriffenheit und Vertrauen. - Nicht-Anhaftung als Voraussetzung
Der Schluss des Kapitels betont die Freiheit von Wünschen, Besitzdenken und übermäßiger Identifikation mit Körper, Familie oder Reichtum. Das sollte nicht zwangsläufig als Kälte verstanden werden, sondern als Hinweis auf innere Freiheit: lieben, handeln, Verantwortung übernehmen – aber nicht daran kleben. - Moderner Nutzen des Kapitels
Für heutige Leser bietet das Kapitel eine historische und spirituelle Landkarte. Es zeigt, wie breit Samadhi in der Hatha-Yoga-Tradition gedacht wurde, und lädt zugleich zur nüchternen Selbstprüfung ein: Geht es mir um echte Vertiefung – oder nur um den Wunsch nach besonderen Erfahrungen?
Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.
Im Folgenden findest du meist den Volltext, an einigen wenigen Stellen Zusammenfassungen der einzelnen Verse, meist mit weiterführenden Links zu den Yoga-Techniken. Ich habe mich nach bestem Wissen bemüht, die trefflichste Übersetzung aus den Quelltexten zu wählen (hin und wieder gab es darin doch deutliche Unterschiede, wurden die Übungen völlig unterschiedlich beschrieben).
Erzählform: Die Gheranda Samhita ist in Form eines Dialoges verfasst. Der Lehrer Gheranda unterweist den wissbegierigen Candakapali.
Einordnung: Warum Samadhi in der Gheranda Samhita anders klingt als bei Patanjali
Wer von Samadhi spricht, denkt im Yoga meist zuerst an Patanjali. Dort erscheint Samadhi als letztes Glied des achtfachen Pfades und zugleich als Kern des gesamten Yoga: Der Geist wird so still, dass das Erkennen nicht länger von Unruhe, Erinnerung, Begriffen und persönlicher Färbung überlagert wird. Siehe entsprechende Sutras unten.
Die Gheranda Samhita setzt anders an. Sie beschreibt keinen achtgliedrigen Pfad mit Yama und Niyama am Anfang, sondern einen siebenfachen Yoga. Der Weg führt über Reinigung, Körperhaltungen, Mudras, Rückzug der Sinne, Atemführung, Meditation und schließlich Samadhi. Diese Reihenfolge ist wichtig. Samadhi steht hier nicht isoliert am Ende einer Philosophie, sondern als Frucht einer sehr körpernahen Schulung. Der Körper wird nicht beiseitegeschoben wie ein störender Möbelwagen im Wohnzimmer der Erleuchtung. Er wird vorbereitet, geklärt, gekräftigt, beruhigt – und dann überschritten.
Das macht das siebte Kapitel besonders: Die Gheranda Samhita stellt Samadhi nicht nur als metaphysischen Gipfel dar, sondern nennt konkrete Zugänge. Shambhavi, Khechari, Bhramari, Yoni Mudra, Bhakti und Manomurcha Kumbhaka werden als Wege beschrieben. Man kann das wörtlich lesen, symbolisch lesen oder traditionsgeschichtlich einordnen. Nur eines sollte man nicht tun: daraus eine schnelle Gebrauchsanweisung machen. Samadhi ist in diesem Text kein Entspannungstrick, sondern ein radikaler Bewusstseinszustand.
Samadhi Yoga
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 1
Gheranda sagte: Samadhi ist der Höhepunkt des Yoga. Dieser Zustand wird durch sehr günstiges Schicksal erreicht. Samadhi wird durch die Gnade und die Freundlichkeit des Gurus und durch dessen innigste Verehrung erlangt.
Gemeint ist vermutlich, dass Samadhi nicht bloß durch Technik „gemacht“ wird, sondern auf Reifung, Gnade, Lehrerbeziehung, Vertrauen und vorherige Verdienste bezogen wird.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 2
Der Yogi erreicht die wundervolle Praxis des Samadhi schnell, welcher Vertrauen zum Wissen, Vertrauen zum Guru und Vertrauen in sich selbst hat. Und dessen Geist von Tag zu Tag zu größerer Einsicht erwacht.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 3
Der Yogi löse den Manas [Geist, Denken, Denkorgan] vom Körper und vereine ihn mit dem Paramatman [höchste Geist]. Das ist bekannt als Samadhi oder Mukti – anders als alle anderen Formen des Bewusstseins [oder: Befreiung von den gewöhnlichen Zuständen des Bewusstseins].
Begriffsklärung: Was bedeutet Samadhi hier?
Samadhi bedeutet in diesem Kapitel nicht einfach „tiefe Entspannung“ und auch nicht nur „angenehme Stille“. Das Wort bezeichnet eine Form der vollständigen Sammlung, in der die gewöhnliche Trennung zwischen dem Erkennenden, dem Erkennen und dem Erkannten aufgehoben oder zumindest durchlässig wird. Die Gheranda Samhita beschreibt diesen Zustand zugleich als Mukti, also Befreiung.
Auffällig ist dabei die Sprache des Textes: Der Geist soll vom Körper gelöst und mit dem Paramatman, dem höchsten Selbst, vereinigt werden. Das klingt für moderne Ohren fremd, vielleicht sogar steil. Aber gerade diese Fremdheit ist wertvoll. Sie erinnert daran, dass klassische Yoga-Texte nicht primär Wellnessliteratur sind. Sie zielen auf eine Umformung des ganzen Menschen – nicht nur auf bessere Nerven nach einem langen Arbeitstag.
Gleichzeitig sollte man vorsichtig bleiben. Nicht jede angenehme Versenkung, nicht jede innere Weite und nicht jede meditative Ruhephase muss vorschnell als Samadhi bezeichnet werden. Die Tradition selbst behandelt Samadhi als selten, anspruchsvoll und schwer erreichbar. Ein wenig Nüchternheit schützt hier vor spiritueller Inflation.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 4
"Ich bin Brahman, niemand anderes, Brahman ist sicher ich, ich empfinde kein Leid, Ich bin Wirklichkeit [oder Sein], Bewusstsein [oder Intelligenz] und Wonne; Ich bin immer frei und von keiner Essenz [Alternativübersetzung: durch mich selbst existierend oder: ruhe in meinem eigenen Wesen]."
Vedantische Sprache im siebten Kapitel
Vers 4 bringt eine deutlich vedantische Klangfarbe in das Kapitel: „Ich bin Brahman“ und die Formel von Sein, Bewusstsein und Wonne erinnern an die nicht-duale Erkenntnis, dass das wahre Selbst nicht vom absoluten Grund der Wirklichkeit getrennt ist. Die Gheranda Samhita steht damit nicht nur in einer hatha-yogischen Praxiswelt, sondern berührt auch die große indische Frage: Was bin ich, wenn alle Rollen, Gedanken, Körperempfindungen und Wünsche still geworden sind?
Hier liegt ein spannender Zug des Textes. Er beginnt in früheren Kapiteln mit Reinigungen, Körperhaltungen, Atem und Mudras – sehr handfest, beinahe werkstattartig. Am Ende aber steht eine Aussage von äußerster metaphysischer Weite: Ich bin Brahman. Man könnte sagen: Der Weg führt vom Körpergefäß zur Grenzenlosigkeit.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 5
Die ersten vier Stufen (vierteilig) des Samadhi und die Techniken dorthin:
- Dhyana-Yoga Samadhi – Shambhavi Mudra
- Nada-Yoga Samadhi – Khechari Mudra
- Rasananda-Yoga Samadhi – Bhramari Mudra
- Laya (Layasiddhi)-Yoga Samadhi – Yoni Mudra
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 6
Bhakti Yoga Samadhi ist der fünfte und Raja-Yoga-Samadhi – erreicht durch Manomurcha-Kumbhaka – der sechste Samadhi.
Die sechs Samadhi-Wege im Überblick
Die sechs Samadhi-Wege der Gheranda Samhita lassen sich als sechs unterschiedliche Tore zur Versenkung lesen:
- Dhyana-Yoga Samadhi arbeitet über Meditation, inneres Sehen und die Sammlung auf den Atman.
- Nada-Yoga Samadhi führt über den inneren Klang, den Nada, in die Versenkung.
- Rasananda-Yoga Samadhi betont die Erfahrung von innerer Wonne, Geschmack oder feiner Seligkeit.
- Laya-Yoga Samadhi meint das Aufgehen, Sich-Auflösen oder Zurückschmelzen des individuellen Bewusstseins in einen umfassenderen Grund.
- Bhakti-Yoga Samadhi führt über Hingabe, Herzensverehrung und ekstatische Gottesbeziehung.
- Raja-Yoga Samadhi wird hier mit der Vereinigung von Geist und Selbst durch eine besondere Atem- und Bewusstseinsführung verbunden.
Bemerkenswert ist die Breite dieser Darstellung. Samadhi entsteht hier nicht nur durch stille Meditation. Klang, Atem, Mudra, Hingabe, innere Visualisierung und nicht-duale Erkenntnis stehen nebeneinander. Die Gheranda Samhita ist in dieser Hinsicht großzügiger, als manche moderne Yogadebatte vermuten lässt. Sie sagt nicht: Nur dieser eine Weg zählt. Sie sagt eher: Es gibt verschiedene Türen – aber keine davon ist eine Automatiktür.
Hinweis zur Zuordnung: In den Übersetzungen der Gheranda Samhita findet sich an dieser Stelle eine kleine, aber nicht unwichtige Unschärfe. Teilweise wird Khechari Mudra dem Nada-Yoga Samadhi und Bhramari dem Rasananda-Yoga Samadhi zugeordnet; andere Deutungen empfinden die umgekehrte Zuordnung als naheliegender, weil Bhramari über den summenden Klang arbeitet und damit zum Nada, dem inneren Ton, passt, während Khechari traditionell stärker mit Rasa, Geschmack, Nektar und innerer Wonne verbunden wird. Der Text zeigt hier eine jener Stellen, an denen Yoga-Literatur nicht wie ein DIN-Handbuch funktioniert. Man muss lesen, vergleichen und gelegentlich mit einer gewissen Demut stehen lassen, dass die Überlieferung nicht immer sauber sortiert ist. Alternativ werden in manchen Übersetzungen alle 6 Samadhi als die 6 Aspekte des Raja-Yogas übersetzt.
Im Folgenden werden die sechs Samadhi erläutert.
Hast du schon Erfahrung mit Samadhi?
Hier die bisherigen Antworten anschauen ⇓
Die bisherigen Stimmen:
| Nein, noch nie | 28 Stimmen |
| Ich erfahre Samadhi regelmäßig | 28 Stimmen |
| Ich habe eine oder mehrere kurze Samadhi-Erfahrung(en) gehabt | 24 Stimmen |
| Ja, ich bin schon tief in Samadhi eingetaucht | 9 Stimmen |
| Ich habe mich Samadhi angenähert | 4 Stimmen |
Dhyana-Yoga-Samadhi
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 7
Nachdem man Shambhavi Mudra eingenommen hat vergegenwärtige man sich des Atman [das absolute Selbst, Essenz des Geistes, Seele]. Wenn man den Brahman in einem Bindu [Lichtpunkt; das Bindu Chakra wird unter dem Haarwirbel am Hinterkopf lokalisiert] sieht, fixiere man seinen Geist auf diesen Punkt.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 8
Bringe mit dem Geist den Atman [das eigene Selbst] in den Äther [Khamaya Brahman] hinein und bringe den Äther in den Atman hinein. Wenn das Atman nun voll von Äther ist [das Selbst voll des Göttlichen], wird ihn nichts mehr hemmen [Alternative: nichts anderes wahrgenommen]; erfüllt von beständiger Wonne betritt der Yogi Samadhi.
Hinweis zu Mudras und Sicherheit
Ein praktischer Hinweis ist wichtig: Die hier genannten Techniken sind keine beliebigen Entspannungsübungen. Khechari Mudra, Yoni Mudra, Bhramari Kumbhaka und besonders Manomurcha Kumbhaka gehören in der traditionellen Darstellung zu fortgeschrittenen Übungen. Sie sollten nicht aus bloßer Neugier, Ehrgeiz oder nach drei gelesenen Absätzen ausprobiert werden.
Das gilt besonders für Atemanhaltungen, Druckaufbau, intensive Konzentration und Praktiken, die Schwindel, Benommenheit oder starke emotionale Reaktionen auslösen können. Die alten Texte formulieren gern knapp. Manchmal zu knapp für moderne Leser. Zwischen „praktiziere dies“ und „praktiziere dies gesund, vorbereitet und unter kundiger Anleitung“ liegen in der Praxis Welten.
Für den heutigen Yoga-Unterricht bedeutet das: Die Verse können inspirieren, aber sie ersetzen keine persönliche Anleitung. Wer mit Atemverhaltungen, intensiven Mudras oder veränderten Bewusstseinszuständen arbeitet, sollte körperliche und psychische Stabilität mitbringen und die Übung langsam aufbauen. Samadhi lässt sich nicht erzwingen. Und wer ihn erzwingen will, hat vermutlich schon am Eingangstor das falsche Gepäck dabei.

Rasananda-Yoga Samadhi
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 9
Ziehe die Luft sanft ein, führe Bhramari-Kumbhaka aus und lasse dann die Luft ganz langsam wieder entweichen. Dabei erklingt der summende [vermutlich innerliche] Laut einer Biene.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 10
Man konzentriere sich auf diesen summenden Laut; so erfährt man Samadhi und gleichzeitig – mit der Erfahrung des eigenen Seins – wird eine große Freude auftreten.
Nada-Yoga Samadhi
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 11
Richte die Zunge aufwärts und führe Khechari Mudra aus. So erreicht man das wonnevolle Samadhi und muss nichts anderes mehr praktizieren.
Hinweis zu den Versen 9-11: Die Verszählung und Zuordnung dieser beiden Samadhi-Wege wird in Übersetzungen nicht immer einheitlich wiedergegeben. Entscheidend ist hier weniger die Nummerierung als die innere Logik der beiden Wege: Der eine arbeitet über Khechari Mudra, der andere über den summenden inneren Klang der Bhramari-Praxis.
Laya (Layasiddhi)-Yoga Samadhi
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 12
Man praktiziere Yoni-Mudra und stelle sich vor, ganz Shakti [Energie, weibliche bzw. göttliche Urkraft] zu sein. So wird man Paramatman [Weltseele, Alleins-Seele] und es entsteht höchste Wonne.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 13
Wenn man die volle Wonne [Ananda, auch Glückseligkeit] erreicht hat, stelle man sich das Einssein mit Brahman [ebenfalls Weltseele] vor – "Ich bin Brahman". Hieraus folgt nicht-duales Samadhi.
Bhakti-Yoga Samadhi
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 14
Der Yogi kontempliere im Herzen über seine persönliche Schutzgottheit [Ishta Devata – die persönlich verehrte Gottheit oder gewählte göttliche Form]; diese Kontemplation sei voller Ekstase und Freude.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 15
Durch Freudentränen und Schauern der Ergriffenheit entsteht ein Zustand tiefer Verzückung [auch "Nichtexistenz der Zustände", Ekstase, Ashthasatvika Bhava]. Dieser führt zu Samadhi und zu Manonmani, jenem Zustand, in dem der Geist über seine gewöhnliche Arbeitsweise hinausgelangt [ jenseits des Geistes (Unmani)].
Bhakti als Besonderheit
Der Abschnitt über Bhakti-Yoga Samadhi ist besonders interessant, weil er den Weg der Hingabe ausdrücklich in ein Werk einfügt, das sonst stark von Technik, Mudra, Atem und innerer Energie geprägt ist. Samadhi entsteht hier nicht durch Kontrolle, sondern durch Beziehung: durch die kontemplative Ausrichtung auf die persönliche Schutzgottheit im Herzen.
Die beschriebenen Freudentränen und Schauer können leicht pathetisch wirken. Doch sie zeigen etwas Wichtiges: In der Gheranda Samhita ist der Weg zur höchsten Sammlung nicht nur trockenes Konzentrationstraining. Der Mensch wird auch als fühlendes, liebendes, ergriffenes Wesen verstanden. Bhakti öffnet den Raum, in dem Hingabe nicht als Schwäche gilt, sondern als Kraft der Sammlung.
Das ist ein guter Gegenakzent zu manch modernem Yoga-Verständnis, das innere Entwicklung manchmal zu sehr in Methoden, Routinen und Optimierungspläne presst. Hier sagt der Text: Auch das Herz hat seinen eigenen Zugang.
Raja-Yoga Samadhi
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 16
Während der Yogi Manonmani-Kumbhaka praktiziert, vereinige sich der Geist mit dem Atman [höchstes Selbst]. Durch diese Vereinigung wird Raja-Yoga Samadhi erlangt.
Anmerkung Manonmani-Kumbhaka: Atemtechnik für einen fixierten Geist, siehe Kapitel V, Vers 90-91 und Hatha Yoga Pradipika, Kapitel 2 Vers 13.
Umfrage: Welcher der Samadhi-Pfade passt am besten zu dir?
Welcher Zugang zum Samadhi wirkt auf dich am nachvollziehbarsten?
Die Lobpreisung des Samadhi
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 17
Oh Chanda, damit habe ich dir von dem Samadhi erzählt, der zur Befreiung führt. Raja-Yoga Samadhi, Unmani und Sahajavastha sind alles Synonyme für die Vereinigung des Geistes [Manas] mit dem höchsten Selbst [Atman].
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 18
Vishnu ist im Wasser, in der Erde, auf dem Gipfel des Berges und mitten im Feuer. Das ganze Universum ist von Vishnu erfüllt.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 19
Alles, was an Land wandelt oder sich in der Luft bewegt, alles Leben, Bäume, Wurzeln, Sträucher, Gras und Schlingpflanzen, die Ozeane und die Berge – wisse, all dies ist Brahman. Sieh in allem Atman.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 20
Der Atman, der im Körper wohnt, ist Chaitanya [Bewusstsein] oder Bewusstheit. Er ist ohne ein Zweites, ewig, der Höchste; wenn der Yogi erkennt, dass der Atman vom Körper getrennt ist, wird er frei von Wünschen und Leidenschaften.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 21
So wird Samadhi erhalten, frei von allen Wünschen. Frei von der Anhaftung an den eigenen Körper, an den Sohn, die Ehefrau, Freunde, Verwandte oder Reichtümer; frei von allem erhält der Yogi den vollen Samadhi.
Samadhi und Nicht-Anhaftung
Vers 21 kann moderne Leser irritieren, weil dort die Freiheit von Bindung an Körper, Familie, Freunde und Besitz genannt wird. Das sollte nicht vorschnell als Aufforderung zu Kälte oder Beziehungslosigkeit verstanden werden. Gemeint ist eher die Freiheit von Anhaftung, also von jener inneren Verklammerung, die aus allem ein „mein“ macht: mein Körper, mein Besitz, meine Menschen, meine Sicherheit, mein Bild von mir.
Die Gheranda Samhita spricht hier kompromisslos. Vielleicht zu kompromisslos für unseren Alltag, der nun einmal aus Beziehungen, Verantwortung, Rechnungen und Zahnarztterminen besteht. Doch der Kern bleibt bedenkenswert: Solange das Ich sich an allem festhält, was vergänglich ist, bleibt der Geist abhängig. Samadhi verlangt deshalb nicht unbedingt äußere Besitzlosigkeit, wohl aber eine innere Entkrampfung und Losgelöstheit gegenüber Besitz, Rollen und Beziehungen.
Abschließende Worte
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 22
Shiva hat viele Wahrheiten wie das Laya Amrita [Yoga der Unsterblichkeit] und andere offenbart; ich habe dir hier in aller Kürze darüber berichtet, welche davon zur Befreiung führen.
Gheranda Samhita, Kapitel VII, Vers 23
Oh Chanda, damit habe ich dir von Samadhi erzählt, schwierig zu erreichen. Wenn du dies erkennst, wirst du in dieser Sphäre nicht mehr wiedergeboren.
Damit schließt die Gheranda Samhita, der Dialog zwischen Gheranda und Chanda.
Abschließender Kommentar
Mit dem siebten Kapitel endet die Gheranda Samhita nicht in einer Körperübung, nicht in einer Atemtechnik und auch nicht in einer moralischen Ermahnung, sondern in der Vorstellung von Befreiung. Der Weg durch den Text ist damit bemerkenswert: Reinigung, Haltung, Mudra, Sinnesrückzug, Atem, Meditation – und schließlich Samadhi.
Man kann diese Lehre wörtlich glauben, symbolisch deuten oder historisch einordnen. Wahrscheinlich lohnt sich von allem etwas. Wörtlich, weil der Text eine ernsthafte spirituelle Praxis beschreibt. Symbolisch, weil viele Bilder nur dann lebendig werden, wenn man sie nicht platt nimmt. Historisch, weil die Gheranda Samhita aus einer Welt stammt, in der Körper, Kosmos, Gottheit und Bewusstsein anders zusammengedacht wurden als heute.
Der letzte Eindruck bleibt: Samadhi ist in diesem Text kein dekoratives Schlusswort. Es ist der Punkt, an dem alle vorherigen Übungen ihren Sinn bekommen. Ohne Samadhi wäre die Gheranda Samhita ein Handbuch besonderer Techniken. Mit Samadhi wird sie zu einer Lehre über die Verwandlung des Menschen.

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Im Zusammenhang interessant
Zum Vergleich: Samadhi im Yogasutra von Patanjali
Die Sutras hier ausklappen
Yoga Sutra I-17: Vollkommene Erkenntnis (Samprajnata) wird beim Durchlauf von Ahnung, Erfahrung, Freude und Einheitswahrnehmung [in der Meditation] gewonnen
Yoga Sutra I-18: Ein weiterer Zustand des Samadhi – Virama Pratyaya – ist nach intensiver Übung erreicht, wenn alle geistigen Aktivitäten aufhören und nur (ein Rest) unmanifestierter Eindrücke im Geist (eine Form der Leere) verbleiben
Yoga Sutra I-19: Dieses [Virama Pratyaya oder Asamprajnata Samadhi] kann [auch] von Geburt aus, durch frühere Körperlosigkeit oder durch Verschmelzung mit der Natur (Prakriti) erlangt werden
Yoga Sutra I-20: Andere gelangen dorthin [zu Asamprajnata Samadhi] durch Glauben, Wille/Energie, Erinnerungsvermögen/Gedächtnis, Samadhi/Sammlung und Weisheit
Yoga Sutra I-21: Diejenigen, deren Wunsch/Wille/Praxis/Sehnsucht intensiv ist, erlangen es [Samadhi, Befreiung] schnell
Yoga Sutra I-22: Der Wunsch/Wille/die Praxis kann schwach, mittelmäßig oder intensiv sein
Yoga Sutra I-23: Oder durch fromme Hingabe an Ishvara (Ur-Guru, Gott, göttliches Ideal) kann es erlangt werden
Yoga Sutra I-28: OM ist im Bewusstsein seines Sinnes mit Hingabe zu wiederholen
Yoga Sutra I-29: Durch diese Praxis erlangt man das wahre innere Selbst und alle Hindernisse verschwinden
Yoga Sutra I-41: Für den, der die Bewegungen des Geistes auf ein Minimum reduziert, verschmelzen Wahrnehmender, Wahrgenommenes und Wahrnehmung, so wie ein Kristall Form und Farbe eines Hintergrundes reflektiert. Das ist Samapatti (Verschmelzung).
Yoga Sutra I-42: Samapatti erfolgt in vier Stufen. Stufe 1: Wenn Samapatti mit Wortwissen, Schlussfolgerungen und Vorstellungen durchsetzt ist, wird es Savitarka Samapatti genannt
Yoga Sutra I-43: Stufe 2 von Samapatti: Wenn die Erinnerungen und Prägungen völlig gereinigt sind, als ob dessen eigene Form schwindet, nur noch das (Meditations-)Objekt erstrahlt, ist Nirvitarka (Samapatti/Samadhi) erreicht.
Yoga Sutra I-44: Stufe 3 und 4 sind Savicara- und Nirvicara-Samapatti – so wie in den Stufen zuvor die verschmelzende Erkenntnis mit gröberen Objekten erfolgt, so werden auch diese Samapatti mit subtilen Objekten beschrieben
Yoga Sutra I-45: Die Meditation über das Subtile kann so weit verfeinert werden, dass sie sich bis zum Unmanifestierten erstreckt, zu Prakrti, der feinstofflichsten Ursache
Yoga Sutra I-46: [Aber] alle diese Samapattis (verschmelzende Versenkungen) sind noch Samadhi-mit-Samen
Yoga Sutra I-47: Erreicht der Yogi Routine im Nirvichara Samadhi, erscheint ihm allmählich das innerste Selbst
Yoga Sutra I-48: In Nirvichara Samapatti erhält der Yogi wirkliches Wissen, sein Bewusstsein erfasst die Wahrheit
Yoga Sutra I-49: Das Wissen aus Nirvichara Samapatti ist von höherer Art als das Wissen, das aus Gehörtem, Gelesenem oder mittels Schlussfolgerung gewonnen wurde
Yoga Sutra I-50: Dieses neue Wissen aus Nirvichara Sampatti erzeugte neue Eindrücke im Unterbewusstsein, welche die ungünstigen bisherigen Samskaras ersetzen
Yoga Sutra I-51: Wenn auch diese Prägungen (Samskaras) zur Ruhe gebracht worden sind, tritt der Yogi in Nirbija (samenlosen) Samadhi ein – die Erleuchtung
Yoga Sutra II-2: Der Kriya Yoga vermindert die Leiden des Yogi und führt zu Samadhi
Yoga Sutra II-29: Die acht Glieder des Yoga-Weges sind: Yama (Umgangsregeln), Niyama (Enthaltungen), Asana (Stellungen), Pranayama (Atemregulierung), Pratyahara (Sinnesrückzug), Dharana (Konzentration), Dhyana (Meditation) und Samadhi (Erleuchtung)
Yoga Sutra II-45: Die Hingabe an Ishvara (Ur-Guru, Gott, göttliches Ideal) führt zur Vollkommenheit in Samadhi
Yoga Sutra III-3: Wenn das Bewusstsein von Subjekt (Meditierender) und (Meditations-)Objekt verschwindet und nur die Bedeutung des wahrgenommenen Objektes verbleibt, wird dies Samadhi genannt
Yoga Sutra III-4: Wenn die drei (Dharana, Dhyana, Samadhi) zusammen auf ein Objekt oder einen Ort angewendet werden, so wird dies Samyama genannt
Yoga Sutra III-7: Gegenüber den vorhergehenden Gliedern des achtgliedigen Pfades (Yama, Niyama, Pranayama, Asana, Pratyahara) sind diese drei (Dharana, Dhyana, Samadhi) innerlicher
Yoga Sutra III-8: Doch auch diese drei [Dharana, Dhyana, Samadhi] sind äußerlich [verglichen] mit dem samanlosen Zustand [Nirbija]
Yoga Sutra III-9: Wenn die störenden Prägungen bzw. Aktivitäten des Geistes [immer wieder] durch solche der Ruhe und Sammlung ersetzt werden, transformiert der Geist zur inneren Stille (das ist Nirodha-Parinama)
Yoga Sutra III-11: Wenn die Ablenkungen des Geistes abnehmen und die einpünktige Konzentration zunimmt, entwickelt sich Samadhi
Yoga Sutra III-12: Die dritte Verwandlung: ekagrata-parinama. Ekagrata (Einpünktigkeit der Konzentration) tritt ein, wenn die kommenden und gehenden wandelbaren Inhalte des Geistes in zwei Zeitpunkten gleich sind
Yoga Sutra III-38: Diese sind im normalen Leben (wenn der Geist in Bewegung ist) außergewöhnliche Kräfte, aber Hindernisse für das Erreichen von Samadhi
Yoga Sutra IV-1: Die außergewöhnlichen Kräfte (Siddhis) können von Geburt an bestehen oder durch Kräuter, Mantren, Selbstzucht/Askese oder Samadhi (tiefe Meditation) erlangt werden
Yoga Sutra IV-29: Wer den höchsten Bewusstseinszustand erlangt hat und weiterhin zu jeder Zeit seine Unterscheidungskraft beibehält und dabei frei von allen Wünschen bleibt, erlangt Dharma-Megha-Samadhi, erhält einen "Regen von Tugenden"
Yoga Sutra IV-30: Dann folgt das Ende aller Leiden und des Karma
Yoga Sutra IV-31: Mit den Ende aller Verschleierungen und Unreinheiten erlangt der Yogi unendliche Erkenntnis und alles bisher – als normaler Mensch – Gewusste wird als winzig und unbedeutend erkannt
Yoga Sutra IV-32: Dann (wenn Dharma-Megha-Samadhi erreicht wurde) enden für den Yogi die Veränderungen in der Natur durch die drei Gunas, weil diese ihren Zweck erfüllt haben
Yoga Sutra IV-33: Krama, das Kontinuum bzw. die Abfolge von Momenten und die damit verbundene Transformation, wird vom Yogi erkannt, wenn die Wandlungen der Gunas enden
Yoga Sutra IV-34: Das Ziel des Purushas, unseres wahren Selbstes, ist das Aufgehen der Gunas in die Prakriti, der Urnatur, und seine Rückkehr zu Kaivalya, der absoluten Freiheit. Purusha, ruht dann in seiner wahren Natur. Hier endet die Yogalehre – iti.
Samadhi im Yoga verstehen – Einführung, Stufen & Meditationstipps Samadhi ist das letzte Glied im achtfachen Yogapfad und soll mit fantastischen Erlebnissen einhergehen. Doch was passiert beim Samadhi genau, wie kann ich mir diesen Zustand vorstellen? In den Yogasutras und anderen Schriften wird Samadhi zur Verdeutlichung recht dezidiert in mehrere Stufen unterteilt. Dieser Artikel beschreibt bekannte Unterteilungen und nennt mögliche Meditationsobjekte für die jeweiligen Samadhi-Stufen. Eine Auswahl an Videos zum Thema Samadhi will das Verständnis vertiefen. Hier weiterlesen: Samadhi im Yoga verstehen – Einführung, Stufen & MeditationstippsBeitrag: Samadhi im Yoga verstehen – Einführung, Stufen & Meditationstipps
Samadhi im Yoga verstehen – Einführung, Stufen & Meditationstipps
Fun Facts zum 7. Kapitel
- Die Gheranda Samhita nennt ihren Yoga „Ghatastha Yoga“ – also sinngemäß „Gefäß-Yoga“.
Mit Ghata ist der Körper bzw. die Person als Gefäß gemeint. Das ist ein schönes Bild: Der Mensch wird nicht als Problem behandelt, sondern als Gefäß, das gereinigt, stabilisiert und schließlich für höhere Erkenntnis tauglich gemacht werden soll. - Der Text arbeitet nicht mit acht, sondern mit sieben Yogastufen.
Anders als Patanjalis Yogasutra mit dem bekannten achtgliedrigen Pfad beschreibt die Gheranda Samhita einen siebenfachen Yoga: Reinigung, Asana, Mudra, Pratyahara, Pranayama, Dhyana und Samadhi. Yama und Niyama stehen hier nicht an prominenter Stelle; dafür treten Reinigung und Mudra stärker hervor. - Die Gheranda Samhita gilt vermutlich als relativ später Hatha-Yoga-Text.
Sie wird häufig in die späte Frühe Neuzeit eingeordnet, wahrscheinlich ins 17. Jahrhundert. Damit ist sie nicht „uralt“ im Sinne vedischer Frühzeit, sondern ein später, systematisierender Text der Hatha-Yoga-Tradition. - Vierzehn Sanskrit-Handschriften der Gheranda Samhita sind bekannt.
Diese Handschriften wurden in einem Gebiet von Bengalen bis Rajasthan gefunden. Das erklärt, warum es Varianten und Übersetzungsunterschiede gibt: Überlieferung ist kein sauberer Datei-Export, sondern ein lebendiger, manchmal störrischer Traditionsstrom. - Der Text enthält 351 Verse – und trotzdem wirkt manches erstaunlich knapp.
Die Gheranda Samhita ist umfangreicher als viele denken, aber gerade die höchsten Themen werden oft in wenigen, dichten Versen behandelt. Samadhi wird groß gedacht, aber nicht breit erklärt. - Die Gheranda Samhita enthält 32 Asanas, aber nur sechs Samadhi-Wege.
Der Text widmet dem Körper sehr konkrete Aufmerksamkeit und beschreibt zahlreiche Haltungen. Samadhi dagegen erscheint als Gipfelpunkt, nicht als endlos ausdifferenzierte Technikliste. Das Verhältnis ist aufschlussreich: Erst viel Vorbereitung, dann wenig Worte über das Höchste. - Die Gheranda Samhita endet nicht mit einer Körpertechnik, sondern mit Befreiung.
Obwohl der Text stark über Reinigung, Körper, Atem und Mudras arbeitet, läuft alles auf Mukti, also Befreiung, hinaus. Das verhindert ein Missverständnis: Hatha Yoga ist hier nicht bloß Körpertraining mit Sanskrit-Vokabular, sondern ein Weg zur existenziellen Umformung. - In Vers 7.4 klingt die berühmte Formel „Sat-Cit-Ananda“ an.
Der Text spricht von der eigenen Natur als Sein, Bewusstsein und Wonne. Damit berührt die Gheranda Samhita deutlich vedantische Sprache: Am Ende steht nicht nur Technik, sondern die Erkenntnis „Ich bin Brahman“.
Weiterlesen
Zusammenfassung 1. Kapitel Gheranda Samhita: Shatkarma – Praxis der sechsfachen Reinigung
Zusammenfassung vom ersten Kapitel der Gheranda Samhita: Shatkarma – Praxis der sechsfachen Reinigung
Wer sich mit der Gheranda Samhita beschäftigt, stößt schnell auf eine überraschend klare, fast schon nüchterne Sicht auf Yoga: kein Wellnessprogramm, sondern ein strukturiertes Übungssystem mit Anspruch. Dieser Artikel ordnet die Lehre des ersten Kapitels ein, erklärt die Funktion der Shatkarmas im Gesamtgefüge des Hatha Yoga und zeigt, warum Reinigung hier nicht als Nebensache, sondern als Voraussetzung für Erkenntnis verstanden wird. Wer verstehen möchte, wie aus körperlicher Praxis ein innerer Weg wird, findet hier eine fundierte und zugleich differenzierte Orientierung.
Zusammenfassung 2. Kapitel Gheranda Samhita: Asana – die Körperstellungen
Zusammenfassung 2. Kapitel Gheranda Samhita: Asana – die Körperstellungen
Gheranda Samhita, Kapitel II, Vers 1: Hier fällt die Zahl 8 Millionen und 400 Tausend Asanas (so viele wie Tierarten ...) gebe es. Gott Shiva persönlich soll sie ursprünglich gelehrt haben. Jedoch nur 84 seien hervorragend (richtig), und davon seien 32 für den Menschen nützlich ("der Menschheit heilbringend"). Diese 32 werden im Kapitel 2 der Gheranda Samhita näher beschrieben.
Hier weiterlesen: Zusammenfassung 2. Kapitel Gheranda Samhita: Asana – die Körperstellungen
Zusammenfassung 3. Kapitel Gheranda Samhita: die 25 Mudra
Zusammenfassung 3. Kapitel Gheranda Samhita: die 25 Mudra
Das dritte Kapitel der Gheranda Samhita beschreibt 25 Mudras, die im klassischen Hatha Yoga als besonders wirksame Praktiken gelten. Dabei geht es nicht nur um Handgesten, sondern um Körperhaltungen, Atemlenkung, Energieverschlüsse, Konzentration und symbolische Innenerfahrung.
Gheranda schreibt: Es gibt nichts auf der Welt, dass so schnellen Erfolg im Yoga bringt wie die Mudras. Obwohl diese "unbedingt geheim gehalten" werden sollen, beschreibt er diese dann doch recht ausführlich ...
Viele Mudras beziehen sich auf zentrale Themen des Hatha Yoga: Prana, Apana, Kundalini, Sushumna, Nektar, Bandhas, Samadhi und die Überwindung gewöhnlicher Begrenzungen. Dieser Artikel hilft dabei, die einzelnen Mudras verständlich einzuordnen, ihre symbolische Sprache zu entschlüsseln und zugleich nüchtern zu unterscheiden: Was gehört zur historischen Yogatradition, was kann heutige Praxis inspirieren – und wo ist Vorsicht klüger als frommer Übereifer?
Hier weiterlesen: Zusammenfassung 3. Kapitel Gheranda Samhita: die 25 Mudra
Zusammenfassung 4. Kapitel Gheranda Samhita: Pratyahara
Zusammenfassung und Erläuterungen zum 4. Kapitel der Gheranda Samhita: Pratyahara – das Zurückziehen des Geistes – erklärt
Das vierte Kapitel der Gheranda Samhita behandelt Pratyahara, das bewusste Zurückziehen des Geistes von den Sinnesobjekten. Gemeint ist nicht, dass die Sinne bekämpft oder unterdrückt werden sollen. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen bleiben, was sie sind: Tore zur Welt. Doch der Geist soll nicht jedem Reiz hinterherlaufen wie ein ungeduldiger Hund an fünf Leinen.
In der Gheranda Samhita gehört Pratyahara zum siebenstufigen Yogaweg. Es folgt auf Reinigung, Asana und Mudra und bereitet die weiteren Stufen wie Pranayama, Dhyana und Samadhi vor. Während Patañjali Pratyahara im achtgliedrigen Yoga als fünftes Glied nennt, steht es bei Gheranda an vierter Stelle. Das zeigt: Die Gheranda Samhita setzt eigene Akzente. Sie ist kein bloßer Kommentar zu Patañjali, sondern ein praktisches Lehrwerk des Hatha Yoga.
Der Kern des Kapitels ist schlicht, beinahe nüchtern: Der Geist wandert. Man holt ihn zurück. Wieder und wieder. Er folgt dem Blick, dem Klang, der Berührung, dem Geruch und dem Geschmack. Pratyahara bedeutet, diesen Automatismus zu bemerken und den Geist wieder unter die eigene Führung zu bringen.
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Zusammenfassung 5. Kapitel Gheranda Samhita: Pranayama
Zusammenfassung 5. Kapitel Gheranda Samhita: Pranayama (Atemübungen) erklärt
Das fünfte Kapitel der Gheranda Samhita führt mitten in eine der kraftvollsten und zugleich heikelsten Praktiken des Yoga: Pranayama, die Schulung von Atem und Lebensenergie. Gleich im ersten Vers wird das Resultat ausdauernder Pranayamaübung klar benannt: Der Praktizierende wird den Göttern gleich.
Prana steht im Yoga für Lebensenergie. Meist werden beim Pranayama zwei Ziele verfolgt:
- Mehr Lebensenergie zu erhalten.
- Den Geist zu beruhigen und zu sammeln.
Immer wieder, so auch hier, wird vor dem allzu sorglosen Üben von Pranayama gewarnt. Zu fatal können die Auswirkungen von falschem und allzu heftig durchgeführten Atemübungen sein. Darum wird immer die Schulung durch einen fachkundigen Lehrer angemahnt.
Aus meiner Sicht spricht aber nichts dagegen, die sanften Atemtechniken mit dem primären Ziel des ruhigen Geistes zu üben. Diese sind Bestandteil vieler spiritueller Lehren und werden seit Jahrtausenden angewendet.
Dieses fünfte Kapitel ist ein alter, dichter, manchmal fremder Text über die Frage, wie der Mensch durch den Atem feiner, wacher und innerlich geordneter werden kann. Die einzelnen Verse des fünften Kapitels der Gheranda Samhita lauten frei übersetzt:
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Zusammenfassung 6. Kapitel Gheranda Samhita: Dhyana
Gheranda Samhita Kapitel 6: Dhyana – die drei Arten der Meditation
Das sechste Kapitel der Gheranda Samhita führt in einen Bereich des Yoga, in dem keine Körperhaltung mehr trägt und keine Atemtechnik mehr im Vordergrund steht: Dhyana, die meditative Kontemplation. Der Text beschreibt drei Wege der Meditation — über Form, Licht und das Subtile — und öffnet damit einen fremden, aber erstaunlich präzisen Innenraum.
Wer moderne Meditation vor allem als Stressreduktion kennt, begegnet hier einer älteren, bildstarken Yogasprache: mit Nektarmeer, Juweleninsel, Guru, Gottheit, Kundalini und Atman. Das ist nicht immer bequem, nicht immer sofort zugänglich, aber gerade deshalb wertvoll. Denn dieses Kapitel zeigt, wie klassischer Yoga den Geist nicht nur beruhigen, sondern verfeinern, sammeln und auf Selbsterkenntnis ausrichten will.
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Zeichnungen aus der Gheranda Samhita
Die folgenden Abbildungen entstammen dem Buch "Fakire und Fakirtum - Yoga-Lehre und Yoga-Praxis nach den indischen Originalquellen" von Prof. Dr. Richard Schmidt aus dem Jahre 1907. Sie sind originalgetreu nachgezeichnet.
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- Das Yogasutra – jede Sutra detailliert erläutert
- Die Hatha-Yoga-Pradipika – kapitelweise zusammengefasst
- Zusammenfassung der Bhagavad-Gita
- Eine kurze Zusammenfassung der Upanishaden und des Mahabharata
- Die Mandukya Upanishad – deutsche Übertragung
- Die Gheranda Samhita – kapitelweise zusammengefasst
- Yoga in der Bhagavad Gita – die bunte Vielfalt
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Weitere oft aufgerufene alte Schriften
- Yoga im Mahabmarata – erste Systematik
- Goraksa-Sataka – die älteste Hatha-Abhandlung
- Brahma-Sutra Bhashya von Sankara – der Kommentar von Sankara
- Mrigendra Tantra Yoga Pada
- Die Shiva Samhita

