Zusammenfassung 5. Kapitel Gheranda Samhita: Pranayama (Atemübungen) erklärt
Das fünfte Kapitel der Gheranda Samhita führt mitten in eine der kraftvollsten und zugleich heikelsten Praktiken des Yoga: Pranayama, die Schulung von Atem und Lebensenergie. Gleich im ersten Vers wird das Resultat ausdauernder Pranayamaübung klar benannt: Der Praktizierende wird den Göttern gleich.
Prana steht im Yoga für Lebensenergie. Meist werden beim Pranayama zwei Ziele verfolgt:
- Mehr Lebensenergie zu erhalten.
- Den Geist zu beruhigen und zu sammeln.
Immer wieder, so auch hier, wird vor dem allzu sorglosen Üben von Pranayama gewarnt. Zu fatal können die Auswirkungen von falschem und allzu heftig durchgeführten Atemübungen sein. Darum wird immer die Schulung durch einen fachkundigen Lehrer angemahnt.
Aus meiner Sicht spricht aber nichts dagegen, die sanften Atemtechniken mit dem primären Ziel des ruhigen Geistes zu üben. Diese sind Bestandteil vieler spiritueller Lehren und werden seit Jahrtausenden angewendet.
Dieses fünfte Kapitel ist ein alter, dichter, manchmal fremder Text über die Frage, wie der Mensch durch den Atem feiner, wacher und innerlich geordneter werden kann. Die einzelnen Verse des fünften Kapitels der Gheranda Samhita lauten frei übersetzt:
Kurz zusammengefasst
- Pranayama als Schwellenpraxis
Das 5. Kapitel der Gheranda Samhita beschreibt Pranayama nicht als einfache Atemgymnastik, sondern als Übergang von körperlicher Vorbereitung zu geistiger Sammlung. Der Atem wird zum Werkzeug, um Prana, Geist und innere Wahrnehmung zu ordnen. - Vorbereitung vor Technik
Bevor Atemübungen beginnen, nennt der Text klare Voraussetzungen: geeigneter Ort, passende Zeit, maßvolle Ernährung und Reinigung der Nadis. Die Botschaft ist nüchtern und streng: Wer tief üben will, sollte nicht einfach loslegen. - Maßhalten beim Essen
Die Ernährungsempfehlungen zielen auf Mitahara, also maßvolles, reines und gut verdauliches Essen. Es geht nicht um Diätmoral, sondern um eine Praxisbedingung: Ein schwerer Körper wird selten ein feiner Atemkörper. - Nadi-Reinigung
Die Reinigung der Nadis bildet eine zentrale Voraussetzung für Pranayama. Gemeint sind feinstoffliche Kanäle des yogischen Körpermodells, nicht anatomische Röhren; sinnvoll gelesen geht es um mehr innere Durchlässigkeit, Ruhe und Ordnung. - Acht Kumbhakas
Das Kapitel beschreibt acht Formen von Kumbhaka, darunter Sahita, Suryabheda, Ujjayi, Sitali, Bhastrika, Bhramari, Murcha und Kevali. Die Übungen führen von geregelter Atemlenkung bis zu feinen Zuständen von Klang, Sammlung und Atemruhe. - Atem und Geist
Pranayama soll nicht nur den Atem verlängern, sondern den Geist stiller machen. Besonders deutlich wird dies bei Bhramari, Murcha und Kevali, wo die Praxis immer stärker in Richtung Meditation und Samadhi weist. - Vorsicht bei intensiver Praxis
Die Gheranda Samhita verheißt große Wirkungen, warnt aber indirekt durch ihre vielen Voraussetzungen vor unbedachtem Üben. Lange Atempausen, forcierte Atemtechniken und ehrgeiziges Kumbhaka gehören nicht in unvorbereitete Hände.
Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.
Einordnung: Pranayama im siebenfachen Weg der Gheranda Samhita
Das fünfte Kapitel steht nicht für sich allein. Die Gheranda Samhita beschreibt einen siebenfachen Yogaweg: Reinigung, Körperhaltungen, Mudras, Pratyahara, Pranayama, Meditation und Samadhi. Pranayama erscheint hier also nicht als Einstieg, sondern als eine Praxis, die auf vorbereitenden Schritten aufbaut. Erst wird der Körper gereinigt, dann gekräftigt, stabilisiert und die Aufmerksamkeit von äußeren Reizen zurückgezogen. Danach folgt die Arbeit mit dem Atem.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu vielen modernen Yogastunden, in denen Atemübungen oft recht beiläufig eingeführt werden. In der Gheranda Samhita ist Pranayama eine fortgeschrittene Praxis. Sie soll den Menschen nicht nur entspannen, sondern den inneren Energiehaushalt ordnen, die Nadis reinigen, den Geist sammeln und schließlich tiefere meditative Zustände vorbereiten.
Der Text ist dabei nicht zimperlich. Er verspricht große Wirkungen, warnt aber ebenso deutlich vor falscher Anwendung. Auch diese Spannung macht das Kapitel interessant: Pranayama erscheint als mächtiges Werkzeug – nicht als Wellness-Gimmick für zwischendurch.
Pranayama umfasst Einatmung, Ausatmung, Atemlenkung und Atemruhe; in der Gheranda Samhita steht jedoch Kumbhaka besonders im Zentrum. Das 5. Kapitel der Gheranda Samhita zeigt Pranayama als Weg von der Atemtechnik zur Atemstille – und damit von der bewussten Übung zur meditativen Sammlung.
Im Folgenden findest du meist den Volltext, an einigen wenigen Stellen Zusammenfassungen der einzelnen Verse, meist mit weiterführenden Links zu den Yoga-Techniken. Ich habe mich nach bestem Wissen bemüht, die trefflichste Übersetzung aus den Quelltexten zu wählen (hin und wieder gab es darin doch deutliche Unterschiede, wurden die Übungen völlig unterschiedlich beschrieben).
Erzählform: Die Gheranda Samhita ist in Form eines Dialoges verfasst. Der Lehrer Gheranda unterweist den wissbegierigen Candakapali.
Das Ziel von Pranayama
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 1
Durch die Praxis des Pranayama, wenn sie nach den überlieferten Regeln geübt wird, wird der Mensch den Göttern gleich.
Welche Atemübungen praktizierst du bereits?
Die günstigen Bedingungen für Pranayama
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 2
Zuerst sind für Pranayama vier Bedingungen zu beachten: ein geeigneter Ort, die rechte Zeit, maßvolle Nahrung und die Reinigung der Nadis, der feinstofflichen Kanäle. Erst danach soll Pranayama begonnen werden.
Anmerkung: Diese Bedingungen finden sich in vielen Yogaschriften für das Üben von Yoga im Allgemeinen.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 3
Die Yogapraxis soll nicht an einem von der Heimat weit entfernten Ort begonnen werden. Auch nicht im Wald oder am Hofe eines Königs [steht vermutlich allgemein für "da wo viel Trubel herrscht] oder inmitten einer Menge von Menschen. Tut man dies dennoch dort, so verhindert man den Erfolg der Übungen.
Anmerkung: Vergleiche für die Bedingungen an den Ort Hatha Yoga Pradipika, 1. Kapitel, Verse 11-20.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 4
In einem fernen Land hat der Schüler kein Vertrauen, im Wald keine Sicherheit und inmitten von vielen Menschen wird er abgelenkt. Darum gilt es, diese drei Orte zu meiden.

Die Yogi-Hütte
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 5
In einer schönen Umgebung, in einem Land mit gerechter Regierung, wo der Yogi sein Auskommen [alternativ: es Almosen gibt] hat und es keine Störungen gibt, baue man sich eine Hütte und umzäune diese.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 6
Innerhalb dieser Umzäunung soll ein Brunnen und ein Teich sein [vermutlich gemeint: Wasser zum Trinken und einen Ort zum Reinigen]. Die Hütte sei nicht zu hoch und nicht zu niedrig und frei von Ungeziefer.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 7
Diese Hütte soll versteckt liegen und fensterlos sein. Man bestreiche die Wände mit Kuhmist [vermutliches Ziel: die Hütte ist dicht] und übe dann darin Pranayama.
Das Bestreichen mit Kuhmist wirkt heutigen Leser:innen fremd. In vormodernen indischen Kontexten hatte dies jedoch praktische und rituelle Funktionen: Es konnte den Boden und die Wände festigen, Insekten fernhalten, Gerüche binden und zugleich als reinigend gelten. Man sollte diese Angabe daher nicht vorschnell als Kuriosität abtun – aber ebenso wenig als moderne Bauempfehlung lesen.
Kommentar: Die Yogi-Hütte als Gegenbild zur Zerstreuung
Die Beschreibung der Yogi-Hütte wirkt auf heutige Leser:innen zunächst weit entfernt: ein abgegrenzter Ort, Wasserstelle, einfache Bauweise, keine Störungen, keine unnötige Öffentlichkeit. Doch hinter diesen Details steht ein zeitloser Gedanke: Tiefe Praxis braucht Schutz vor Zerstreuung.
Die Hütte ist nicht nur ein Gebäude. Sie ist ein Symbol für einen inneren und äußeren Raum, in dem der Mensch nicht ständig reagieren muss. Keine Nachrichten, keine Besucher, keine sozialen Rollen, kein Königshof, kein Marktplatz. Man könnte sagen: Die Gheranda Samhita beschreibt hier eine vormoderne Version des Flugmodus.
Für heutige Übende muss daraus keine Hütte im Wald werden. Es genügt oft ein fester, sauberer, ruhiger Platz, der nur der Praxis dient. Der entscheidende Punkt ist nicht Exotik, sondern Verlässlichkeit. Ein Ort, der immer wieder aufgesucht wird, beginnt irgendwann selbst zu üben. Er erinnert den Körper: Jetzt wird es still.
Tipp: Ich meditiere gerne mit Baukopfhörern, diese machen alles angenehm ruhig.
Die günstige Jahreszeit für Pranayama
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 8
Man soll Yoga nicht im Winter, in kühler Jahreszeit, im Hochsommer oder während der Regenzeit starten. So vermeidet der Yogi Krankheiten durch Yoga.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 9 bis 15
Hierin werden die Jahreszeiten erläutert. Das Fazit lautet:
Man beginne Yoga im Frühling oder im Herbst. Dies führt zum Erfolg und vermeidet yogabedingte Krankheiten.
Günstige Ernährung für Pranayama
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 16
Wer Yoga ohne Mäßigung im Essen beginnt, wird von vielen Krankheiten heimgesucht und hat keinen Erfolg.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 17 bis 21
Hier wird mögliche Yoga-Nahrung aufgeführt. Dazu gehören Reisspeise, Gerste, Weizen, Mungo-Bohnen, Masa-Bohnen, Kichererbsen, Gurken beziehungsweise kürbisartige Gemüse, Muskat, Wurzeln, grünes Blattgemüse und Heilkräuter. Alles sei sauber und frei von Spelzen [Hülsen].
Die Nahrung sei schmackhaft und rein und werde mit in einem Geisteszustand zu sich genommen, als ob man mit der Nahrungsaufnahme Gott erfreuen wolle.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 22
Die Nahrung fülle nur die Hälfte des Magens, ein Viertel werde mit Wasser gefüllt und der vierte Teil bleibt zur Regulierung des Atems frei.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 23 bis 28
Vor allem zu Beginn seiner Yogapraxis soll sich der Yogi zahlreicher Speisen enthalten. Dazu gehören blähende, abgestandene, salzige, bittere, saure und ganz allgemein schwer verdauliche Nahrung.
Zudem meide er Alkohol und schränke die Sexualität ein.
Mittendrin erscheint die Forderung, der Yogi möge sich abhärten und nicht viel umherreisen.
Empfohlen wird: Kokosnüsse, Granatapfel, Butter, Milch, Grapefruits, Anis, Obstsaft, Walnuss, Kardamon und Dattel.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 29, 30 und 31
Der Yogi nehme milde und leicht verdauliche Nahrung zu sich, die dem Körper alle wichtigen Nahrungsbestandteile zuführt.
Darum meide man überreife und zu feste Nahrung sowie besonders kalte und heiße Speisen.
Der Yogi soll morgens nicht im Teich baden, aber Essen zu sich nehmen. Er meide alle übertriebene Quälerei in Bezug auf die Nahrungsaufnahme. So dürfe ein Yogi durchaus alle drei Stunden etwas zu sich nehmen.
Anmerkung: Von Buddha ist überliefert, dass er nur einmal am Tag etwas gegessen hat. Das wird hier jedoch nicht als notwendig erachtet.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 32
Wenn der Yogi sein Leben auf diese Weise reguliert, kann er Pranayama praktizieren. Zu Beginn soll er täglich etwas Milch und zerlassene Butter (Ghee) zu sich nehmen. Er esse zweimal pro Tag: mittags und abends.
Kommentar: Mitahara – Maßhalten statt Selbstquälerei
Die Ernährungsempfehlungen der Gheranda Samhita lassen sich unter dem Begriff Mitahara zusammenfassen: maßvolles, reines und gut verdauliches Essen. Der Text will keine moderne Nährwerttabelle liefern. Er fragt nicht nach Kalorien, Makros oder Superfoods. Er fragt: Welche Nahrung unterstützt eine ruhige, stabile und wache Praxis?
Auffällig ist dabei, dass Maßhalten nicht mit Härte verwechselt wird. Der Yogi soll sich nicht vollstopfen, aber auch nicht auszehren. Der Magen bleibt teilweise leer, damit Atem und Energie frei wirken können. Das ist eine einfache, körpernahe Beobachtung: Wer schwer gegessen hat, meditiert selten wie ein Weiser. Eher wie ein Stein mit Verdauungsauftrag.
Für heutige Leser:innen ist der Kern gut übertragbar: Vor intensiver Atem- oder Meditationspraxis empfiehlt sich leichte, gut verträgliche Nahrung und ausreichend Abstand zur letzten großen Mahlzeit. Die eigentliche Regel lautet nicht Askese um der Askese willen, sondern Klarheit durch Maß.
Yogische Ernährung: die Grundlagen In einer Welt, in der Ernährung oft auf Kalorien und Trend-Diäten reduziert wird, eröffnet dir der Weg der yogischen Ernährung eine neue Perspektive: Er verbindet bewusstes Essen mit innerer Klarheit, ethischem Handeln und nachhaltigem Genuss. Dieser Artikel zeigt dir, wie du die Prinzipien dieser uralten Ernährungstradition auf einen modernen Alltag in Deutschland überträgst – mit konkreten Tipps, kritisch reflektiert, praxisnah und frei von Dogmen.Beitrag: Yogische Ernährung: die Grundlagen
Yogische Ernährung: die Grundlagen sattvischer Ernährung im Yoga-Lebensstil
Der Yogi-Sitz
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 33
Der Yogi sitze auf einem Sitz aus Kusa-Gras, dem Fell einer Antilope oder eines Tigers, einer Wolldecke oder einfach nur auf der Erde. Das Gesicht ist gen Osten oder nach Norden ausgerichtet. Nachdem der Yogi die Nadis gereinigt hat, kann er mit Pranayama beginnen.
Der Yogi sitze auf einem Sitz aus Kusha-Gras, auf einem Fell, einer Wolldecke oder auf der Erde. Die genannten Tierfelle gehören zur historischen Bildwelt asketischer Praxis. Für heutige Übende ist daran vor allem der Grundgedanke wichtig: Der Sitz soll trocken, stabil, isolierend und ungestört sein.
Die Reinigung der Nadis
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 34
Der Schüler fragt: Wie werden die Nadis gereinigt?
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 35
Wenn die Nadis mit Unreinheiten verstopft sind, kann der Vayu [Wind] nicht durch sie streifen. Wie kann so Pranayama mit Erfolg ausgeführt werden und die Kenntnis der Wahrheit der Tattvas erlangt werden? Darum müssen zuerst die Nadis gereinigt werden, bevor man Pranayama übt.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 36
Die Reinigung der Nadis erfolgt auf zwei Arten: Samanu und Nirmanu. Samanu geschieht durch einen inneren, meditativen Prozess mit Bija-Mantras. Nirmanu geschieht durch körperliche Reinigungsübungen.
Kommentar: Was bedeutet Reinigung der Nadis?
Die Nadis werden in der Yogatradition als feinstoffliche Kanäle beschrieben, durch die Prana fließt. Sie sind nicht mit Nerven, Blutgefäßen oder Lymphbahnen gleichzusetzen. Solche Gleichsetzungen klingen modern, machen die Sache aber nicht unbedingt genauer. Nadis gehören zu einem yogischen Erfahrungsmodell des Körpers.
Die Reinigung der Nadis meint daher nicht, dass physische Röhren geputzt werden. Gemeint ist eine zunehmende Durchlässigkeit: Der Atem wird feiner, der Körper weniger dumpf, der Geist weniger sprunghaft. Ob man dies traditionell als Pranafluss beschreibt oder modern als Beruhigung und Regulierung des Nervensystems deutet, in beiden Fällen geht es vermutlich um dasselbe Grundphänomen: Die Praxis soll den Menschen klarer, stabiler und innerlich geordneter machen.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 37
Die körperliche Reinigung, Nirmanu, wurde bereits im ersten Kapitel behandelt. Nun wird die innere Reinigung, Samanu, erläutert.
Siehe zu Nirmanu das 1. Kapitel der Gheranda Samhita.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 38
Der Yogi sitze in Lotus-Haltung auf seinem Sitz. Dann nehme man die Verehrung des Meisters vor, wie diese von ihm gelehrt wurde. Dann führe man die Reinigung der Kanäle durch.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 39-40
Der Yogi konzentriere sich auf das Vayu-Symbol [Wind Symbol oder Y, Bija-Mantra Yam], das rauchfarben und voller Energie ist. Er ziehe die Luft mit dem linken Nasenloch ein und wiederhole dabei das Symbol [bzw. Mantra] 16 mal. Das ist Puraka.
Dann halte man den Atem für 64 Wiederholungen an. Das ist Kumbhaka.
Dann stoße man den Atem sanft durch das rechte Nasenloch mit 32 Wiederholungen aus.
Hinweis: Mit dem Symbol ist nicht nur ein sichtbares Zeichen gemeint, sondern eine Verbindung von Laut, Vorstellung, Element und innerer Konzentration.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 41-42
Die Wurzel des Nabels ist der Sitz von Agni-Tattva, dem inneren Feuer. Man wiederhole die Übung mit dem Agni-Symbol [Feuer-Symbol r, Bija-Mantra Ram]. Dadurch zieht man das Feuer hoch. Dabei meditiere man über das vermischte Licht.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 43-44
Dann fixiere man die Nasenspitze und meditiere über den dort reflektieren Glanz des Mondes. Dabei atme man durch das linke Nasenloch ein und wiederhole bei 16 mal das Symbol tha [Bija-Mantra Tham].
Dann halte man die Luft für 64 Wiederholung des Mantra Vam an.
Dann stelle man sich vor, wie silberner Nektar von der Spitze der Nase durch uns strömt und die Nadis reinigt. Dabei stoße man sanft die Luft durch das rechte Nasenloch aus und wiederhole 32 mal das Bija-Mantra Lam.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 45
Mit diesen drei Pranayama werden die Nadis gereinigt. Dann setze sich der Yogi in seinen festen Sitz und beginne mit den eigentlichen Pranayama-Übungen.
Prana, Atem und Vayu – nicht ganz dasselbe
In vielen modernen Darstellungen wird Prana einfach mit Atem übersetzt. Das ist verständlich, aber ungenau. Der Atem ist im Yoga eher das sichtbare, spürbare Tor zu Prana. Prana meint die Lebenskraft, die den Körper belebt und den Geist trägt. Vayu bedeutet wörtlich Wind oder Luftbewegung und bezeichnet im yogischen Körpermodell verschiedene Bewegungsrichtungen dieser Lebenskraft.
Pranayama ist daher mehr als Atemgymnastik. Es arbeitet zwar mit Einatmung, Ausatmung und Atemruhe, zielt aber auf eine feinere Ordnung der inneren Kräfte. Ob man diese Begriffe wörtlich, symbolisch oder erfahrungsbezogen versteht, hängt von der eigenen Perspektive ab. Für das Verständnis des Textes ist jedoch wichtig: Die Gheranda Samhita denkt den Menschen nicht nur anatomisch, sondern als Zusammenspiel von Körper, Atem, Energie, Geist und Bewusstsein.

Die "eigentlichen" Pranayama-Übungen
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 46
Es gibt acht Pranayama-Übungen mit Kumbhaka, dem Zurückhalten des Atems. Diese sind Sahita, Suryabheda, Ujjayi, Sitali, Bhastrika, Bhramari, Murcha und Kevali.
Vergleich mit der Hatha Yoga Pradipika
Viele der hier genannten Atemübungen finden sich auch in der Hatha Yoga Pradipika, besonders im zweiten Kapitel. Dazu gehören unter anderem Suryabheda, Ujjayi, Sitali, Bhastrika und Bhramari. Die Beschreibungen stimmen jedoch nicht immer vollständig überein. Manchmal ist die Reihenfolge anders, manchmal wird eine Technik knapper, manchmal praktischer beschrieben.
Das ist kein Fehler, sondern typisch für die Überlieferung yogischer Texte. Diese Schriften sind keine standardisierten Handbücher im modernen Sinn. Sie stehen in lebendigen Traditionslinien, in denen Praxis, Lehrerfahrung und regionale Überlieferung mitsprechen. Wer die Verse liest, sollte daher nicht nach der einen endgültigen Atemtechnik suchen, sondern nach dem gemeinsamen Prinzip: Atem, Aufmerksamkeit und Energie werden so geführt, dass der Geist stiller und durchlässiger wird.
II. Kapitel: Über Pranayama und Kriya | Hatha Yoga Pradipika

Das zweite Kapitel der Hatha Yoga Pradipika widmet sich dem Atem und dessen Beherrschung, kurz: Pranayama. Die Themen lauten: Wann mit Pranayama beginnen? Reinigungs- und Pranayama-Techniken. Was muss der Yogi dabei unbedingt beachten? Welche segensreichen Wirkungen ergeben sich durch Pranayama?
Die Verse im Einzelnen in einer kommentierten Zusammenfassung:
Hier weiterlesen: II. Kapitel: Über Pranayama und Kriya | Hatha Yoga Pradipika
Sahita
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 47
Es gibt zwei Arten von Sahita: Sagarbha und Nigarbha. Wenn man Kumbhaka [Atemanhalten] mit dem Wiederholen eines Bija-Mantra praktiziert, ist es Sagarbha. Ohne diese Wiederholung ist es Nigarbha.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 48
Zuerst Sagarbha: Man setze sich mit dem Gesicht nach Osten oder Norden in seinen bequemen [und festen] Sitz. Der Yogi kontempliere über Brahma [Gott] und seine Raja-Qualitäten [seine Schöpfer-Tätigkeit], welche die Qualität einer blutroten Farbe hat, in Form des Buchstabens A.
Hinweis: Brahmā meint den Schöpferaspekt der hinduistischen Trimurti, den schöpferischen Gott.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 49
Dann zieht der weise Yogi die Luft durch das linke Nasenloch ein und wiederholt dabei 16 mal dieses A. Am Ende der Einatmung, bevor er die Luft anhält, führe er Uddhiyana-Bandha aus.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 50
Während des Atemanhaltens meditiere der Yogi über den Gott Hari, von schwarzer Farbe und satvischer Qualität, und wiederhole 64 mal den Laut U.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 51
Dann atme der Yogi durch das rechte Nasenloch aus und wiederhole währenddessen 32 mal den Laut Ma. Dabei stelle man sich Shiva von weißer Farbe und tamischer Qualität vor.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 52
Dann ziehe man die Luft wieder durch das rechte Nasenloch ein, halte die Luft an und atme durch das linke Nasenloch wieder aus. Dabei wiederhole man die Bija-Mantren bzw. Laute wie zuvor beschrieben.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 53
So unter Abwechseln der Nasenlöcher praktiziere man wieder und wieder. Nach der Einatmung (Puraka) halte man beide Löcher sowohl mit dem Daumen [auf der einen Seite] als auch mit Ringfinger und kleinem Finger [auf der anderen Nasenseite] zu, solange der Atem angehalten wird. Den Zeige- und Mittelfinger benutze man nie.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 54
Nigarbha [einfaches oder mantraloses] Pranayama wird wie eben beschrieben nur ohne Wiederholung der Bija-Mantra durchgeführt. Die Gesamtheit von Einatmen, Anhalten und Ausatmen mag von 1 bis 100 Matras ausgedehnt werden.
In einigen Übersetzungen folgt: Nigarbha wird mit der linken, nach oben geöffneten Handfläche, die auf dem linken Knie liegt, praktiziert.
Hinweis: Matra [nicht Mantra!] bedeutet Maß oder Maßeinheit. Es steht hier vermutlich für die Anzahl von Mantra-Wiederholungen oder entsprechende Zeiteinheiten, z. B. wenn man während des Pranayama zählt.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 55
Das höchste Pranayama sind 20 Matras [z. B. 20 Sekunden Puraka (Einatmung), 80 Sekunden Kumbhaka [Anhalten] und 40 Sekunden Rechaka (Ausatmung) laut einer englischen Übertragung], das mittlere Pranayama sind 16 Matras [z.B. 16, 64 und 32 Sekunden], das niedrigste Pranayama sind 12 Matras [z. B. 12, 48 und 24 Sekunden]. Hierdurch wird das Pranayama auf dreierlei Art unterteilt.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 56
Das niedrigste Pranayama erhitzt nach einiger Zeit den Körper [englische Übertragung: lässt ihn stark schwitzen], das mittlere Pranayama lässt den Körper schwanken [englische Übertragung: gefühlt ein Zittern um die Wirbelsäule]. Das höchste Pranayama lässt den Yogi schweben [Levitation]. Diese Resultate sind Zeichen für den Erfolg der drei Arten von Pranayama.
Das höchste Pranayama wird mit Laghimā, der Erfahrung äußerster Leichtigkeit, verbunden. Manche Übersetzungen deuten dies als Levitation. Für heutige Leser:innen ist es vermutlich sinnvoller, diese Stelle zunächst als Ausdruck yogischer Erfahrungs- und Symbolsprache zu lesen, nicht als überprüfbare Übungsanleitung.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 57
Mit Pranayama erhält der Yogi die Siddhi [yogische Kraft] der Levitation, Krankheiten werden geheilt und die Shakti [spirituelle Energie] wird geweckt. Durch Pranayama wird der Geist zur Ruhe geführt [siehe Sutra I-2] und die mentalen Kräfte erhöht (der Manonmani-Zustand wird erreicht). Der Geist wird voll der Freude und der Yogi glücklich.
Erläuterung: Manonmani bezeichnet einen Zustand, in dem der Geist seine gewöhnliche Bewegtheit verliert und in eine tiefe, stille Sammlung eintritt.
Suryabheda
(auch Surya Bheda genannt)
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 58-59
Es wurde Sahita Pranayama erläutert. Jetzt folgt Suryabheda. Atme kräftig und vollständig durch das rechte Nasenloch [Sonnen-Kanal] ein [so tief man kann]. Halte die Luft mit großer Sorgfalt und praktiziere Jalandhara Bandha. Halte den Atem so lange bis dir die Hitze aus den Spitzen deiner Nägel und den Wurzeln deiner Haare kommt.
Ergänzung: Im zweiten Kapitel der Pradipika wird Suryabheda ein wenig anders erklärt. Dort steht auch, dass danach der Atem langsam durch das linke Nasenloch ausgeblasen wird.
Nadi Shodhana Anleitung: Wechselatmung richtig üben Nadi Shodhana, die yogische Wechselatmung, wirkt auf den ersten Blick unspektakulär: ein Nasenloch schließen, einatmen, wechseln, ausatmen. Doch gerade in dieser Schlichtheit liegt ihre Stärke. Die Übung verbindet Atemtechnik, Konzentration und Selbstregulation zu einer Praxis, die ohne große äußere Mittel auskommt und dennoch präzise ausgeführt werden will. Dieser Artikel erklärt, wie Nadi Shodhana korrekt geübt wird, welche Vorteile möglich sind, wann Vorsicht geboten ist, welche Varianten es gibt und wo die Technik in klassischen Yogaschriften erwähnt wird. Hier weiterlesen: Nadi Shodhana Anleitung: Wechselatmung richtig übenBeitrag: Nadi Shodhana Anleitung: Wechselatmung richtig üben
Nadi Shodhana Anleitung: Wechselatmung richtig üben
Die Vayus
Vayu = Hauche, Wind, Atem, Luftelement
Video: Yayu, Wind, Windgott erläutert
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Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 60
Es gibt zehn Vayus:
Innere Vayu: Prana [Luft], Apana [Erde], Samana [Feuer], Udana [Äther] und Vyana [Wasser];
Äußere Vayu: Naga, Kurma, Krikara, Devadatta und Dhanajaya.
Siehe zur Erläuterung der Vayus auch hier.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 61-62
Das Prana bewegt sich stetig im Herzen; das Apana in der Sphäre des Anus; das Samana in der Nabel-Region und Udana in der Kehle. Die Vayus durchdringen den ganzen Körper. Diese fünf grundlegenden Vayus sind als Pranadi bekannt und gehören zum inneren Körper. Die fünf Vayus mit Namen Nagadi gehören zum äußeren Körper.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 63-64
Nun berichte ich vom Sitz der fünf äußeren Vayus. Das Naga-Vayu bewirkt das Aufstoßen; Kurma öffnet die Augenlider; Krikara verursacht Niesen; Devadatta löst das Gähnen aus; Dhanajaya durchzieht den ganzen äußeren Körper und verlässt den Körper nicht, auch nicht nach dem Tod.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 65
Das Naga-Vayu bewirkt ein gesteigertes Bewusstsein, Kurma löst Visionen aus, Krikara Hunger und Durst, Devadatta Gähnen und Dhanajaya Geräusche.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 66-67
All diese Vayus, getrennt vom Surya-Kanal [Surya Nadi befindet sich auf der rechten Seite des Körpers und endet im rechten Nasenloch], lass sie von der Wurzel des Nabels aus ansteigen; dann lass sie von Ida-Nadi ausatmen, langsam mit ununterbrochener, kontinuierlicher Kraft. Lass ihn erneut Luft durch das rechte Nasenloch einatmen, anhalten wie erläutert und [durch das linke Nasenloch] wieder ausatmen. Der Yogi tue dies wieder und wieder. In diesem Pranayama wird die Luft immer durch den Surya-Kanal, eingeatmet.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 68
Suryabheda zerstört Verfall und Tod, erweckt die Kundalini und erhöht das Körperfeuer.
Ujjayi
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 69-72
Verschließe den Mund und ziehe die Luft durch beide Nasenlöcher ein und ziehe [gleichzeitig] die innere Luft aus der Lunge und der Kehle hoch. Halte so die Luft im Mund.
Dann reinige man den Mund und führe Jalandhara Bandha durch. Halte den Atem solange an, wie es ohne Hemmnis gelingt.
Mit Ujjayi Kumbhaka wird alle Arbeit vollendet. Der Yogi wird von ... [zahlreichen Krankheiten wie Schwindsucht, Phlegma, Verdauungsstörungen usw.] befreit und besiegt Verfall und den Tod.
Anmerkung: Die Beschreibung von Ujjayi ist in den Überlieferungen nicht ganz leicht in moderne Atemsprache zu übertragen. Gemeint ist offenbar eine Einatmung durch beide Nasenlöcher bei geschlossenem Mund, verbunden mit einer bewussten Führung des Atems im Bereich von Kehle und Brust. Danach folgt Kumbhaka mit Jalandhara Bandha. Ujjayi wird im zweiten Kapitel der Pradipika ebenfalls leicht anders beschrieben.
Ujjayi Atmung Anleitung: Wirkung, Ausführung & Fehler Ujjāyī ist eine Atemtechnik des Haṭha-Yoga, bei der der Atem durch eine sanfte Verengung im Kehlkopfbereich hörbar und kontrollierbar wird. Der Klang ähnelt einem sehr leisen Meeresrauschen oder dem Geräusch, das entsteht, wenn du mit geschlossenem Mund sanft auf eine Brille hauchen würdest. Wichtig ist eine historische Unterscheidung: Im heutigen Yoga wird Ujjāyī häufig als ruhiger Begleitatem während der Āsana-Praxis geübt – meist ohne Atemanhalten. In den klassischen Haṭha-Yoga-Texten ist Ujjāyī dagegen vor allem eine Form von Kumbhaka, also eine Atemübung mit Atemzurückhaltung und teilweise mit Bandha. Hier weiterlesen: Ujjayi Atmung Anleitung: Wirkung, Ausführung & FehlerBeitrag: Ujjayi Atmung Anleitung: Wirkung, Ausführung & Fehler
Ujjāyī – der „siegreiche“ Atem: Anleitung, Wirkung, Ausführung und Fehler
Sitali
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 73
Bei herausgestreckter Zunge [zusammengerollt] und zusammengezogenen Lippen ziehe man die Luft langsam durch den Mund ein, so dass sie den Magen füllt. Dann halte man die Luft für eine kurze Zeit an und stoße sie aus beiden Nasenlöchern wieder hinaus.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 74
Der Yogi vollziehe immer den Sitali-Kumbhaka, dem Spender von Freude. So wird er von Phlegma, Magenverstimmung und Gallenleiden befreit.
Śītalī und Sītkārī – Anleitung der kühlenden Atemübungen Śītalī – häufig auch Sitali, Shitali oder Sheetali geschrieben – und Sītkārī – Sitkari oder Sheetkari – sind zwei verwandte, aber nicht identische Atemübungen des Haṭha-Yoga. Bei beiden wird durch den Mund eingeatmet und durch die Nase ausgeatmet. Die einströmende Luft kann sich im Mund angenehm kühl anfühlen; deshalb gelten beide traditionell als „kühlende“ Prāṇāyāmas. Wichtig ist die Unterscheidung: Die Bezeichnung „kühlend“ sollte nicht zu wörtlich verstanden werden: Eine kleine physiologische Studie fand während Śītalī und Sītkārī keine Senkung, sondern eine leichte Erhöhung der gemessenen Körperoberflächentemperatur und des Sauerstoffverbrauchs. Die Übungen können sich also kühlend und beruhigend anfühlen, sind aber kein nachgewiesenes Verfahren zur Senkung der Körpertemperatur bei Hitze. Hier weiterlesen: Śītalī und Sītkārī – Anleitung der kühlenden AtemübungenBeitrag: Śītalī und Sītkārī – Anleitung der kühlenden Atemübungen
Śītalī und Sītkārī – kühlende Atemübungen für heiße Tage
Bhastrika
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 75
Wie der Blasebalg eines Schmieds sich hebt und senkt ziehe der Yogi die Luft durch beide Nasenlöcher ein und dehne dabei den Bauch aus. Dann stoße er die Luft schnell wieder aus.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 76
Wenn der Yogi dies 20 mal durchgeführt hat, halte er die Luft an. Dann stoße er die Luft wie in der vorigen Methode aus [durch das linke Nasenloch].
Der weise Yogi vollzieht Bhastrika Kumbhaka drei mal hintereinander aus. So wird er nie an einer Krankheit leiden und immer gesund sein.
Bhastrika (Blasebalg) Atemtechnik: Vorteile, Risiken und Anleitung Bhastrika Pranayama gehört zu den intensivsten Atemtechniken des Yoga und wird oft missverstanden – entweder als bloße Atemübung oder als schnelle Energieübung ohne System. Dieser Artikel führt dich strukturiert durch Technik, Wirkung und Grenzen der Praxis. Du erfährst, wie du die Übung sauber ausführst, welche physiologischen und energetischen Effekte tatsächlich dahinterstehen und wann Vorsicht geboten ist. Damit erhältst du eine fundierte Grundlage, um Bhastrika bewusst und sinnvoll in deine Praxis zu integrieren – statt sie nur „irgendwie schnell“ zu machen. Hier weiterlesen: Bhastrika (Blasebalg) Atemtechnik: Vorteile, Risiken und AnleitungBeitrag: Bhastrika (Blasebalg) Atemtechnik: Vorteile, Risiken und Anleitung
Bhastrika (Blasebalg) Atemtechnik: Anleitung, Vorteile, Risiken und Praxis-Tipps
Bhramari
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 78
Wenn Mitternacht vergangen ist, an einem Ort, wo kein Geräusch eines Lebewesens zu hören ist, atmet der Yogi ein und hält die Luft an, während er die Ohren mit seinen Händen zuhält.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 79
Dann wird er in seinem rechten Ohr einen inneren, glücksverheißenden Ton vernehmen. Zuerst den Ton einer Grille, dann den Ton einer Laute.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 80
Dann den Ton von Donner, [wörtlich: einer Wolke] , einer Trommel, einer Biene, einer Glocke, eines Gongs, eines Weberschiffs, einer Trompete, einer Pauke, einer Doppelkonustrommel, einer Militärtrommel ...
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 81-82
Diese Töne hört der Yogi nach täglicher Praxis von diesem Kumbhaka. Zuletzt hört er einen Ton ohne Anschlag (den Anahata-Klang), der vom Herz aufsteigt. In diesem Ton liegt Resonanz und in dieser Resonanz ist Licht. In dieses Licht taucht der Geist ein. Wenn der Geist darin ganz absorbiert ist, erreicht er den höchsten Sitz von Vishnu. Bei Erfolg führt Bhramari Kumbhaka zu Samadhi.
Murcha
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 83
Man führe Kumbhaka mit Leichtigkeit aus und richte den Geist auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Alle äußeren Sinne werden zurückgezogen [siehe Pratyahara]. Dies verursacht Geistesbetäubung und ein glückliches Gefühl. So verbindet sich der Geist mit dem Atman und es entsteht innerliche Wonne. Daraus folgt vollkommene Versenkung.
Kevali
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 84
Der Atem jedes Menschen tritt mit dem Klang "sah" (bzw. "so") ein und mit "ham" aus, [im Durchschnitt] 21.600 mal pro Tag [15-mal in der Minute]. Jedes Leben murmelt diesen Klang, unbewusst aber konstant. Dies wird Ajapa Gayatri genannt.
Ajapa Gayatri – das Mantra, das von selbst geschieht
Mit Ajapa Gayatri meint die Gheranda Samhita ein Mantra, das nicht willentlich gesprochen wird. Es geschieht mit dem Atem selbst. Beim Einatmen wird der Laut „sah/so“, beim Ausatmen „ham“ gehört oder innerlich gedeutet. Zusammen ergibt sich die Formel So’ham: „Ich bin Das“ oder freier: „Ich bin mit dem Höchsten verbunden.“
Der Gedanke ist schlicht und zugleich kühn: Jedes Lebewesen meditiert, ohne es zu wissen. Der Atem murmelt unablässig. Die Übung besteht darin, dieses unbewusste Geschehen bewusst wahrzunehmen. Damit wird Pranayama leiser. Es verliert den Charakter einer Technik und nähert sich der Meditation. Nicht der Mensch macht dann den Atem spirituell. Er bemerkt nur, dass der Atem nie ganz unspirituell war.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 85
Dieses Ajapa Japa [Japa = beständiges Murmeln, meist im Sinne der Wiederholung eines Mantras gebraucht] wird an drei Stellen gebildet: zum einen im Muladhara [am Perinaeum], im Anahat Lotus des Herzens und an der Wurzel der Nasenkanäle.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 86-87
Dieser Körper des Windes [vermutlich des Atems] misst im Schnitt 96 Längen [ca. 1,80 Meter]. Der ausgeatmete Atem misst in der Regel 23 Zentimeter. Beim Singen wird er 30 Zentimeter lang, beim Essen 38 Zentimeter, beim Gehen 45 Zentimeter, im Schlaf 70 Zentimeter. Beim Sex ist er 68 Zentimeter lang, bei körperlichen Übungen noch länger.
Anmerkung: Alle Längen aus der englischen Übersetzung von Inches und Feets auf Zentimeter und Meter umgerechnet.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 88
Wenn die natürliche Länge des ausgeatmeten [Atem-]Flusses von 23 Zentimetern abnimmt und kürzer und kürzer wird, nimmt das Leben zu; wenn dieser Fluss anwächst, vermindert sich das Leben.
Alternativübersetzung 1: Wenn die Anzahl seiner Bewegungen geringer wird, wächst das Leben, sagt man;
Alternativübersetzung 2: In dem Maße, wie die Länge der ausgeatmeten Luft abnimmt, wird das Leben verkürzt;
Interpretation: Je ruhiger die Tätigkeit, desto "kürzer" der Atem. Wenn dieser also immer kürzer wird, erfolgt die Atmung immer langsamer. Das würde bedeuten: Je weniger Atemzüge pro Zeiteinheit ein Mensch macht, desto länger lebt er. Diese Interpretation passt zu dem Gedanken, dass der Mensch bei seiner Geburt eine bestimmte Anzahl Atemzüge auf den Weg bekommt. Je schneller er diese verbraucht, umso früher würde er sterben ...
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 89
Solange der Atemwind im Körper verbleibt, tritt der Tod nicht ein. Wenn die volle Länge des Windes komplett auf den Körper begrenzt ist, kein Atemwind aus dem Körper austritt, ist es Kevala Kumbhaka.
Anmerkung: Kevala Kumbhaka wird hier als ein Zustand beschrieben, in dem der Atem nicht mehr willentlich geführt wird, sondern gleichsam von selbst stillsteht oder nicht mehr als Bewegung wahrgenommen wird. Das ist vermutlich keine Aufforderung zu möglichst langem Luftanhalten. Es geht um einen Grenzbegriff der Yogapraxis: Atemruhe als Zeichen tiefer Sammlung.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 90-91
Alle Menschen rezitieren ständig und unbewusst das Ajapa Mantra [15 mal pro Minute]; Wenn man diese Anzahl verdoppelt und dabei weder regulär ein- (Puraka) noch ausatmet (Rechaka), ist der Manonmani-Zustand [fixierter Geist] erlangt. Dann ist da nur Kevala Kumbhaka.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 92
Nach dem Einatmen durch beide Nasenlöcher möge der Yogi Kevala Kumbhaka durchführen. Am ersten Tag soll er den Atem von 1 bis 64 Zeiteinheiten zurückhalten.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 93-94
Dieses Kevali soll acht mal pro Tag durchgeführt werden, alle drei Stunden. Alternativ kann man Kevali fünf mal pro Tag durchführen: frühmorgens, mittags, zur Dämmerung, Mitternacht und im vierten Teil der Nacht. Oder der Yogi macht es drei mal am Tag: morgens, mittags und abends.
Gheranda Samhita, Kapitel V, Vers 95-96
Solange noch kein Erfolg in Kevali erreicht wurde, soll der Yogi die Länge von Ajapa Japa jeden Tag erhöhen, von einem zu fünf mal [pro Tag?]. Derjenige, der Pranayama und Kevali kennt, ist ein wirklicher Yogi. Was soll der in dieser Welt nicht erreichen können, der Kevali Kumbhaka gemeistert hat?
Damit endet das fünfte Kapitel der Gheranda Samhita.
Überblick über die acht Kumbhakas im 5. Kapitel
Die Gheranda Samhita nennt acht Formen von Kumbhaka, also acht Arten der Atemführung mit Atemruhe:
| Kumbhaka | Grundcharakter |
|---|---|
| Sahita | geregeltes Pranayama mit Einatmung, Atemhalten und Ausatmung; mit oder ohne Mantra |
| Suryabheda | erhitzende Atemführung über den Sonnenkanal, meist mit Einatmung rechts |
| Ujjayi | Atemführung mit bewusster Lenkung im Kehl- und Brustraum |
| Sitali | kühlende Einatmung über die Zunge, Ausatmung durch die Nase |
| Bhastrika | kräftige Blasebalg-Atmung mit anschließender Atemruhe |
| Bhramari | Praxis des inneren Klangs, die in Richtung Nada und Samadhi weist |
| Murcha | Atemruhe mit Rückzug der Sinne und tranceartiger Sammlung |
| Kevali | spontane oder vollkommene Atemruhe jenseits gewöhnlicher Ein- und Ausatmung |
Diese Übersicht ersetzt keine Übungsanleitung. Sie hilft aber, die innere Dramaturgie des Kapitels zu verstehen: Der Text bewegt sich von geregelten Atemtechniken zu immer feineren Zuständen von Stille, Klang, Sammlung und Atemruhe.
Hinweis zur heutigen Praxis
Die Atemübungen der Gheranda Samhita sollten nicht eins zu eins als moderne Übungsanleitung gelesen werden. Viele Angaben setzen einen erfahrenen Lehrer, ein asketisches Lebensumfeld und eine schrittweise Vorbereitung voraus. Besonders Übungen mit langem Kumbhaka, also Atemanhalten, sowie kräftige Techniken wie Bhastrika oder erhitzende Übungen wie Suryabheda können den Kreislauf, den Blutdruck und das Nervensystem deutlich beeinflussen.
Für die heutige Praxis gilt daher: Sanfte Atembeobachtung, ruhige Nasenatmung, verlängertes Ausatmen oder sehr mildes Ujjayi können für viele Menschen hilfreich sein. Ehrgeiziges Atemanhalten, Druck im Kopf, Schwindel, Herzklopfen oder das Gefühl, sich „durchbeißen“ zu müssen, sind dagegen keine Zeichen spiritueller Reife, sondern Warnsignale. Pranayama beginnt nicht dort, wo der Körper protestiert. Es beginnt dort, wo Atem, Aufmerksamkeit und Maß zusammenfinden.
Für wen intensive Pranayama-Übungen nicht geeignet sind
Intensive Atemübungen mit langem Atemanhalten, Druckaufbau oder schneller Atmung sind nicht für alle Menschen geeignet. Besondere Vorsicht ist sinnvoll bei Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Epilepsie, Panikstörungen, akuten Atemwegserkrankungen, Schwangerschaft sowie nach Operationen oder bei ungeklärtem Schwindel.
Das bedeutet nicht, dass Atembewusstsein grundsätzlich gefährlich wäre. Ruhige, sanfte Atembeobachtung ist etwas anderes als forcierte Atemtechnik. Aber die klassischen Texte sprechen nicht ohne Grund von Vorbereitung, Maß und Lehrerführung.
Was bleibt heute vom 5. Kapitel der Gheranda Samhita?
Das 5. Kapitel der Gheranda Samhita ist kein bequemer Text. Es spricht von Atemtechniken, Ernährung, Jahreszeiten, Hüttenbau, inneren Kanälen, Göttern, Mantras, Tönen, Lebensdauer und Atemruhe. Für moderne Leser:innen liegt die Versuchung nahe, entweder alles wörtlich zu nehmen oder alles als überholte Mystik abzutun. Beides wäre zu grob.
Sein bleibender Wert liegt in einer anderen Botschaft: Der Atem ist ein Übergangsort. Er verbindet Körper und Geist, Willen und Hingabe, Technik und Stille. Wer den Atem schult, arbeitet nicht nur an der Lunge. Er arbeitet an Aufmerksamkeit, Maß, innerer Wärme, Ruhe und Präsenz.
Dabei zeigt der Text eine Haltung, die heute fast altmodisch wirkt: Erst werden die Bedingungen geschaffen, dann wird geübt. Erst Ort, Zeit, Nahrung, Reinigung und Sitz; dann Pranayama. In einer Kultur, die gern sofort zur Methode springt, ist das fast schon subversiv. Die Gheranda Samhita sagt: Nicht jede starke Praxis gehört in unvorbereitete Hände. Und nicht jede Wirkung entsteht durch mehr Anstrengung. Manchmal beginnt Tiefe dort, wo der Atem feiner wird und der Wille leiser.

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Wähle eine sanfte Atemform und eine Übungsdauer. Der Timer gibt den Rhythmus visuell vor und erinnert dich daran, nur so lange und tief zu atmen, wie es angenehm bleibt.
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Ist der Atemrhythmus weiterhin ruhig und angenehm? Du solltest keine Luftnot empfinden und keine Erholungsatemzüge benötigen.
Nach Sivananda: Einatmung, Ausatmung und gegebenenfalls Atemanhalten sollen so abgestimmt sein, dass kein Gefühl von Erstickung oder Unbehagen entsteht. Wenn du hastig einatmen musst oder zwischen den Runden normale Atemzüge benötigst, wähle einen leichteren Rhythmus.
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Zur automatischen Verlängerung: Die Verlängerung wird einmalig nach dem eingestellten Zeitpunkt wirksam und beginnt mit dem nächsten Atemabschnitt. Sie betrifft Einatmung, Atemanhalten nach der Einatmung, Ausatmung und Pause nach der Ausatmung. Eine auf 0 Sekunden gesetzte Pause bleibt bei 0 Sekunden.
Fun Facts zum 5. Kapitel
- Die Gheranda Samhita nennt ihren Yoga nicht einfach Hatha Yoga, sondern „Ghata Yoga“ beziehungsweise „Ghatastha Yoga“.
„Ghata“ bedeutet wörtlich etwa „Topf“, meint hier aber den Körper oder die ganze Person. Der Mensch als Übungsgefäß: nicht gerade ein Fitness-Slogan, aber ein starkes Bild.. - Das Werk gilt als besonders enzyklopädisch unter den klassischen Hatha-Yoga-Texten.
Mallinson beschreibt die Gheranda Samhita als „most encyclopedic“ unter den Wurzeltexten des Hatha Yoga. Das passt: Der Text sammelt nicht nur Atemübungen, sondern Reinigungen, Asanas, Mudras, Pratyahara, Dhyana und Samadhi. - Das 5. Kapitel beginnt nicht mit Atemtechnik, sondern mit Lebensumständen.
Erst kommen Ort, Nahrung und passende Jahreszeit, dann die eigentlichen Pranayamas. Der Text wirkt darin fast unmodern vernünftig: Wer üben will, soll nicht nur Technik sammeln, sondern Bedingungen schaffen. - Die Gheranda Samhita stellt Pratyahara vor Pranayama.
Das ist bemerkenswert, weil Pranayama im klassischen achtgliedrigen Yoga vor Pratyahara steht. Mallinson weist darauf hin, dass diese Anordnung ungewöhnlich ist und wohl mit der samadhi-nahen Rolle bestimmter Atemübungen zusammenhängt. - Bhramari ist in der Gheranda Samhita nicht nur „Bienenatmung“, sondern ein Weg zum inneren Klang.
In moderner Yogapraxis wird Bhramari oft als beruhigendes Summen vermittelt. Im Text führt sie über Nada, den inneren Klang, bis in Richtung Samadhi. Die innere Biene summt hier also nicht für Wellness, sondern an der Tür zur Versenkung. - Ajapa Gayatri gilt als Mantra, das jedes Lebewesen unbewusst wiederholt.
Die Atemlaute werden als sa und ham gedeutet; zusammen klingt daraus So’ham, „Ich bin Das“. Die Pointe: Man muss das Mantra nicht erst erfinden. Man muss bemerken, dass der Atem es längst tut. - Über Gheranda und Chanda ist historisch kaum etwas Sicheres bekannt.
Mallinson schreibt, dass über beide nichts bekannt sei; der Name Gheranda sei sonst in der Sanskritliteratur nicht nachweisbar. Ein Klassiker mit unbekanntem Autor und rätselhaftem Lehrer-Schüler-Rahmen – nicht ungewöhnlich für alte Yogatexte. - Chandakapali, der Schüler, trägt einen ziemlich düsteren Namen.
Sein Name bedeutet sinngemäß „wilder Schädelträger“ und erinnert an die Kapalikas, eine asketische Shiva-Tradition mit antinomischem (wiedersprüchlichem) Ruf. Mallinson warnt aber davor, daraus vorschnell eine sichere Herkunft des Textes abzuleiten. Quelle: Mallinson/YogaVidya-PDF. - Die Gheranda Samhita ist wahrscheinlich deutlich jünger als viele vermuten.
Mallinson verortet sie vorsichtig um etwa 1700 in Bengalen; der älteste datierte bekannte Manuskriptzeuge wurde 1802 in Bengalen kopiert. Der Text wirkt uralt, ist aber innerhalb der Hatha-Yoga-Literatur eher ein späterer Sammler und Ordner.
Quellen
- Bereitgestellter Ursprungstext: „5. Kapitel Gheranda Samhita: Pranayama“.
- James Mallinson: The Gheranda Samhita. The Original Sanskrit and an English Translation, YogaVidya.com-PDF.
- Überblick zur Gheranda Samhita auf Wikipedia, ihrer siebenfachen Struktur und ihrer Stellung unter den Hatha-Yoga-Texten.
- Vergleichskontext zu Pranayama in traditionellen Hatha-Yoga-Texten und modernen Sicherheits-/Praxisfragen.
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In der Gheranda Samhita gehört Pratyahara zum siebenstufigen Yogaweg. Es folgt auf Reinigung, Asana und Mudra und bereitet die weiteren Stufen wie Pranayama, Dhyana und Samadhi vor. Während Patañjali Pratyahara im achtgliedrigen Yoga als fünftes Glied nennt, steht es bei Gheranda an vierter Stelle. Das zeigt: Die Gheranda Samhita setzt eigene Akzente. Sie ist kein bloßer Kommentar zu Patañjali, sondern ein praktisches Lehrwerk des Hatha Yoga.
Der Kern des Kapitels ist schlicht, beinahe nüchtern: Der Geist wandert. Man holt ihn zurück. Wieder und wieder. Er folgt dem Blick, dem Klang, der Berührung, dem Geruch und dem Geschmack. Pratyahara bedeutet, diesen Automatismus zu bemerken und den Geist wieder unter die eigene Führung zu bringen.
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Wer moderne Meditation vor allem als Stressreduktion kennt, begegnet hier einer älteren, bildstarken Yogasprache: mit Nektarmeer, Juweleninsel, Guru, Gottheit, Kundalini und Atman. Das ist nicht immer bequem, nicht immer sofort zugänglich, aber gerade deshalb wertvoll. Denn dieses Kapitel zeigt, wie klassischer Yoga den Geist nicht nur beruhigen, sondern verfeinern, sammeln und auf Selbsterkenntnis ausrichten will.
Hier weiterlesen: Zusammenfassung 6. Kapitel Gheranda Samhita: Dhyana
Zusammenfassung und Erläuterung vom 7. Kapitel der Gheranda Samhita: Samadhi
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Hier weiterlesen: Zusammenfassung und Erläuterung vom 7. Kapitel der Gheranda Samhita: Samadhi
Zeichnungen aus der Gheranda Samhita
Die folgenden Abbildungen entstammen dem Buch "Fakire und Fakirtum - Yoga-Lehre und Yoga-Praxis nach den indischen Originalquellen" von Prof. Dr. Richard Schmidt aus dem Jahre 1907. Sie sind originalgetreu nachgezeichnet.
Hier weiterlesen: Zeichnungen aus der Gheranda Samhita
- Das Yogasutra – jede Sutra detailliert erläutert
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- Yoga in der Bhagavad Gita – die bunte Vielfalt
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