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Warum meditieren Menschen? Die wunderbaren Wirkungen aus 12 Bereichen

Meditation ist ein Sammelbegriff für unterschiedliche Geistesübungen, die einen gemeinsamen Kern haben: das Zur-Ruhe-Bringen des Geistes bei voller Achtsamkeit. Heutzutage wird Meditation sowohl als spirituelle Übung oder als reine Geistesschulung im Sinne eines Entspannungsverfahrens praktiziert.

Forscher und langjährig Meditierende zeigen die wunderbaren Wirkungen der Meditation in 12 Bereichen auf.

 
 

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Einführung: Meditation heilt

Auf die Frage: "Was bringt das Meditieren" kann am einfachstem mit "Heilung" geantwortet werden. Heilung in Bereichen des Körpers, des Geistes und bei unserer Gemütsverfassung. Insbesondere die Heilerfolge der Achtsamkeitsmeditation MBSR sind in zahlreichen Studien untersucht und belegt worden. 

Was ist MBSR

Heilsam bei vielen Krankheitsbildern

Meditation wird heutzutage erfolgreich in der Behandlung von Angststörungen, zur Rückfallprophylaxe bei wiederkehrenden depressiven Episoden, bei bipolaren Erkrankungen, bei ADHS und bei Drogen- und Essstörungen eingesetzt sowie der Verbesserung der Lebensqualität bei chronischen Schmerzen oder Krebs genutzt (SWR-Audio-Beitrag). Hoch aktuell sind Forschungen, welche sogar einen Einfluss der Meditation auf die Gene beleuchten. Es scheint sogar so zu sein, dass Meditation - ähnlich wie Sport - die Telomere an den Chromosomen zu verlängern, welches zu einer höheren Lebenserwartung führt. Das ist aber noch spekulativ, höre diesen Podcast mit Meditationsforscher Tobias Esch (hörenswert!).

"Wahrnehmen und annehmen, diese Weisheit der Meditation kann therapeutisch wirken." 

fasst Psychologin Britta Hölze die Heilerfolge der Meditation zusammen.  

Doch man muss nicht schwer krank sein, um von der Meditation zu profitieren, wie die folgenden weiteren Vorteile der Meditation zeigen.

Von welcher Meditationstechnik bzw. -weise handelt dieser Artikel? 

Wir haben nicht die Vorzüge einer spezifischen Meditationsrichtung hervorgehoben. Wir untersuchen prinzipiell die folgende Frage:

Wie wirkt sich auf lange Sicht das regelmäßige Bemühen um ein Halten der Aufmerksamkeit bei einem Objekt oder einem erwünschten Geisteszustand auf Körper, Geist und Leben aus? 

In weiterer Sicht wird auch das Bestreben um vermehrte Achtsamkeit im alltäglichen Tätigsein – Was denke ich in diesem Moment? Wie fühle ich mich gerade? – zu den Meditationsübungen gerechnet.

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Meditation führt zu einem glücklichen und mitfühlendem Geist

Meditation macht uns nicht automatisch zu besseren Menschen. Wer jedoch Mitgefühl oder positive Wünsche für andere Menschen als Meditationsobjekt wählt (wie z.B. in der Metta-Meditation der Buddhisten), wird auf Dauer empathischer werden. Zudem berichteten Teilnehmer eines Meditationstrainings für Mitgefühl von

  • erhöhtem Wohlbefinden,
  • gesenkten Stressreaktionen und
  • angenehmerer allgemeiner Stimmung.

Mitgefühlsmediation hat also zwei Profiteure: den Meditierenden und sein Umfeld.

Hirnforscherin Tania Singer, die intensiv an der Wirkung von Mitgefühlsmeditation forscht, hat etwas ganz Spezielles im Sinn. Sie suche, so die Wissenschaftlerin, nach der "Signatur des Mitgefühls". Sie definiert Mitgefühl weit: Als grundlegendes Wohlwollen anderen Gegenüber.  Zu ihren Forschungen über Empathie und Mitgefühl hat Tania Singer ein umfassendes multimediales E-Book veröffentlicht – gratis hier zum Herunterladen

"Es ist sehr hilfreich, über die Unbeständigkeit zu meditieren."

14. Dalai Lama, * 1935

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Verbesserte Selbstwahrnehmung: Der Meditierende lernt seine Gedanken- und Gefühlswelt kennen

Hirnforscher untersuchen die Meditation gerne im Hinblick auf deren Auswirkungen auf körperliche und geistige Selbstwahrnehmung. Beides – so zeigen zahlreiche Studien – wird durch Meditation geübt und gefördert. 

Für Psychologen ist dabei besonders interessant, wie der Proband (oder Patient) durch das verbesserte Wahrnehmen von Gedanken und Emotionen ungünstige Verhaltensweisen und Reaktionsmuster bei sich erkennt. Diese Erkenntnis ist der erste Schritt zur Verhaltensänderung. Immer mehr Studien bestätigen, dass Meditation und allgemeine Achtsamkeit diesen Erkenntnisprozess fundamental fördern. 

Die Forscher gehen aber gerne einen Schritt weiter und untersuchen, inwiefern die Meditation das Bemühen unterstützt, "besseres" Verhalten in das Leben dauerhaft zu übernehmen. Auch hierbei, so hat sich gezeigt, hilft Meditation.

"Suche die Wahrheit in der Meditation und nicht in vergilbten Büchern."

Aus Persien

 

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Emotionale Selbstregulation und Gelassenheit

Gerne wird auch die Fähigkeit des meditierenden Probanden untersucht, sich bei (psychischen) Problemen selbst wieder in einen angenehmen Zustand zu versetzen. Stichwort Emotionsregulierung. Meditation – so hat sich in Studien herausgestellt – wirkt sich günstig auf Schmerzregulation, Ängste, depressive Verstimmungen und Suchtverhalten aus. Gefühle wie Wut, Eifersucht, Ekel oder die alltäglichen Sorgen verlieren an Intensität. Meditierende erfahren dadurch leichter Gelassenheit in vielen Bereichen des Lebens.

"Wo es Frieden und Meditation gibt, da herrscht weder Sorge noch Zweifel."

Franz von Assisi (1182 - 1226)

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Meditation lässt dich die Welt neu erleben

Wer die Achtsamkeitshaltung und Beobachterrolle aus der Meditation in den Alltag hinübernimmt, erfährt Farben, Schönheit, Gerüche und Geräusche intensiver. Allein der Duft einer Rose kann Verzückung auslösen. Dafür könnte eine verbesserte Durchblutung der Insula verantwortlich sein, wie sie für Meditierenden nachgewiesen wurde.  

Die Insula oder Inselrinde

Die Insula, auch Inselrinde genannt, ist ein 2-Euro großer Bereich der Hirnrinde, der zahlreiche Funktionen der Wahrnehmung und des Empfindens beeinflusst:

Insula animation
Lage der Insula  bei Betrachtung des Gehirns von außen

Es wird heutzutage angenommen, dass die Inselrinde als Verknüpfungszentrum für die Wahrnehmung von Sprachlauten und deren Analyse dient und auch beim Geschmackssinn und bei Gerüchen eine Rolle spielt. In der Insula soll die emotionale Bewertung von Schmerzen erfolgen und ihr vorderer Bereich ist an empathischen Fähigkeiten beteiligt. Neueste Forschungen zeigen einen Zusammenhang mit Liebes- versus Lustempfindungen, die jeweils zu unterschiedlichen Aktivierungsmustern in der Insula führen.

"Auch das Geplauder mit dem Nachbarn kann das Gefäß tiefer Meditation sein."

Mystiker Rabbi Israel ben Eliezer Baal Schem Tov, ca. 1700 - 1760; lehrte das Einssein Gottes mit seiner Schöpfung, eine jedem Wesen innewohnenden Göttlichkeit.

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Meditation baut Gehirnstrukturen aus

Forscher brauchen stets ein konkretes Objekt, das sie messen können, um eine Studie zu erstellen. Bei der Untersuchung der Auswirkungen im Gehirn durch die Meditation wird als Maßstab für die Wirkung gerne die Veränderung der "grauen Substanz" im Hippocampus oder in der Amygdala (Mandelkern) genutzt. Diese nimmt ab, wenn wir Stress ausgesetzt sind. Mehr graue Substanz steht für Gelassenheit und Stress-Resilienz.

Forscher konnten zeigen, dass schon nach acht Wochen täglich 45-minütiger Meditation eine deutliche Zunahme dieser grauen Substanz erfolgte. Zudem wurden Amygdala und Cortex stärker vernetzt. Wir werden deshalb – so die Vermutung der Forscher – durch Meditation ausgeglichener und stressresistenter. Dies nur als ein Beispiel für viele Untersuchungen bezüglich der heilsamen Veränderungen unseres Gehirnes durch Meditation.

Die folgende Doku beschreibt weitere Erkenntnisse über den Gehirnumbau durch Meditation:

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Geistige Fähigkeiten verbessern sich, z.B. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit

Neben einer Reduzierung von Angstgefühlen und Müdigkeit belegten Studien, dass Meditation zu einer Steigerung der kognitiven Fähigkeiten führt. Das Arbeitsgedächtnis und die räumlich-visuelle Wahrnehmung werden verbessert, vor allem unter Zeitdruck. Diese Effekte konnten sogar bei verhältnismäßig kurzen Meditationseinheiten nachgewiesen werden. 

Ein weiteres Beispiel: Neurowissenschaftlerin Sara van Leeuwen von der Universität Frankfurt konnte zusammen mit ihren Kollegen 2009 zeigen, dass ältere Menschen, die langjährig Meditation praktizierten, in einem Aufmerksamkeitstest junge Studierende übertrafen.

"Als Buddhisten sollten wir Meditation immer mit Studium verbinden und umgekehrt. Dies ist eine geschickte Vorgehensweise."

14. Dalai Lama, * 1935

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Meditation stoppt Alterungsprozesse im Gehirn

Das Gehirn von Menschen, die meditieren, ist im Schnitt 7,5 Jahre jünger als bei Anderen.

Studien von Russell-Williams J et. alRussell-Williams J et. al

Vermutet wird, dass die durch die Meditation gewonnene geistige Präsenz und Flexibilität die Hirnalterung verzögert. Zumindest konnte Forscherin Sara Lazar, Neurowissenschaftlerin in Harvard (heute an der Charité in Berlin), zeigen, dass langjährig Meditierende in einigen Bereichen kognitiv nicht altern. Lazars Studien zeigten auch, dass die Hirnrinde, die im Laufe des Lebens normalerweise abnimmt, bei langjährigen  Meditations-Praktikern vor allem im präfrontalen Cortex stabil blieb. 

Der präfrontale Cortex ist für vieles verantwortlich: Er empfängt Sinnessignale und ist an der Integration von Gedächtnisinhalten und emotionalen Bewertungen beteiligt. Ein gesunder präfrontaler Cortex wird als notwendige Bedingung für eine situationsangemessene Handlungssteuerung und der Regulation emotionaler Prozesse angesehen. 

In anderen Forschungsarbeiten zeigte sich, das die sogenannte weiße Hirn-Substanz (daraus bestehen die langen Nervenbahnen, welche ganze Hirnregionen miteinander vernetzen) bei langjährig Meditierenden in der zweiten Lebenshälfte erstaunlich gut vorhanden ist. Normalerweise schrumpft diese Substanz ebenfalls mit dem Alter.

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Schmerz verliert seine Macht

Tim Gard, Psychologe in Harvard, piesackte Meditierende sowie eine Vergleichsgruppe mit elektrischen Reizen. Das klare Ergebnis: Die Meditierenden empfanden weniger Schmerz und hatten weniger Angst vor dem nächsten Reiz.

Antoine Lutz und Richard J. Davidson fassten fassten den Schmerzeffekt regelmäßiger Meditation wie folgt zusammen:

Schmerz wird lebhafter wahrgenommen, tut aber weniger weh.

Vermutlich ist Einfluss der Meditation auf die oben beschriebene Inselrinde für diesen Effekt (mit-)verantwortlich.

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Meditation macht selbstständiger und freier

Was antwortet ein Philosoph auf die Frage, warum Meditation wichtig ist? Thomas Metzinger, Philosoph und langjährig Meditierender, nennt folgende Gründe:

"... ist Meditation Innehalten, was Freiheit erhöht, Autonomie erhöht, weil es dem System mehr Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Zum Beispiel jetzt etwas Bestimmtes nicht zu machen."

Metzinger untersucht Meditation im Rahmen seines Fachgebietes, um das Phänomen Bewusstsein besser zu verstehen. 

Buchempfehlung Thomas Metzinger

Wer als Meditierender A sagt, muss also noch lange nicht B sagen. Oder muss Dinge zuende bringen, auch wenn sich diese als sinnlos oder nicht erfolgversprechend herausstellen. Hofft weniger auf das Glück in der Zukunft und lebt stattdessen intensiver das, was gerade da ist. Trifft dadurch leichter Entscheidungen und rennt vor unangenehmen Dingen seltener fort. Anders ausgedrückt: Wer meditiert, kämpft (irgendwann) weniger gegen sich selbst

Meditierende berichten sogar davon, dass sie ihr Leben wie ein Schauspieler in einem Bühnenstück erleben. Dadurch verliert das Unbekannte seinen Schrecken, neue Herausforderungen werden eher interessant denn furchteinflößend erlebt.

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Meditation ist spirituelle Nahrung, Erkenntnis und Erfahrung

Warum meditieren Mönche? Was motiviert Buddhisten zur Meditation, was wollen Christen mit der Geistessammlung und -ruhe bewirken? Allgemeiner gefragt: Was bringt Meditation für meine Spiritualität? 

Sri Sri Ravi Shankar ergänzt: 

"Vergnügen ohne Erregung ist Meditation. Faszination ohne Angst ist Meditation. Liebe ohne Hass oder irgendeinen anderen gegensätzlichen Wert ist Meditation. Meditation ist Nahrung für die Seele." 

Er betont, dass sich jede Seele nach dem Zustand der Meditation sehne.

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Die Dinge ordnen sich

Warum ist Meditation für den Menschen noch wichtig und gut? Eine Buddhistin fasst ihre Meditationserfahrungen in diesem Satz zusammen:

"Wenn ich regelmäßig meditiere, dann läuft es in meinem Leben."

Viele Meditierende berichten ähnlich, dass bei kontinuierlicher und konzentrierter Praxis (Meditation bringt nicht viel, wenn man währenddessen die ganze Zeit tagträumt) sich die Dinge in ihrem Leben "wie von selbst" regeln und fügen.

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Fazit: Darum meditieren Menschen

Meditation (und ihre Alltags-Entsprechung: Achtsamkeit) wirkt auf vielen Ebenen heilsam und förderlich. Nach und nach belegen Studien die Erfahrungsberichte langjährig Meditierender. Meditation wirkt für gläubige, spirituelle und atheistische Menschen.

Allerdings hilft nicht jede Meditationstechnik gleich. Die Meditationsforschung, so hofft der bekannte Meditationsforscher Ulrich Ott, wird in Zukunft weitere spezialisierte Meditationstechniken mit ganz spezifischen Wirkungen hervorbringen. 

Buchempfehlung Ulrich Ott

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Gratis-Anleitungen, MP3s und Meditations-Tipps

Lust aufs Meditieren bekommen?

Auf Yoga-Welten.de findest du hier eine kostenlose MP3-Datei mit einer geführten Meditation zum Herunterladen. Dauer: 15 Minuten.

Einfach mit dem Smartphone downloaden und abspielen. Alternativ oder ergänzend findest du in diesem Artikel einen Einstieg in die Meditation.

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