Anleitung zu den Jhanas im Buddhismus nach Leigh Brasington
Die Jhānas gehören zu den feinsten und zugleich missverständlichsten Themen buddhistischer Meditation. Sie beschreiben Zustände tiefer Sammlung, in denen Freude, Ruhe, Gleichmut und schließlich sehr subtile Wahrnehmungen des Geistes in den Vordergrund treten. Die folgende Anleitung zu den Jhanas nach Leigh Brasington listet auf, worauf sich in jeder Stufe zu konzentrieren ist. Dieser Artikel ordnet darüber hinaus die klassischen vier Jhānas und die vier formlosen Erreichungen verständlich ein, erklärt zentrale Begriffe wie pīti, sukha, Samatha und Vipassanā und zeigt, weshalb meditative Vertiefung zwar ein kraftvoller Wegbereiter von Einsicht sein kann, aber nicht mit Erwachen verwechselt werden sollte.
Kurz zusammengefasst
- Jhānas und formlose Erreichungen
Der Artikel behandelt die vier klassischen Jhānas und die vier formlosen Erreichungen, die in vielen modernen Darstellungen zusammen als „acht Jhānas“ bezeichnet werden. Fachlich ist wichtig: Die ersten vier sind Jhānas im engeren Sinn, die folgenden vier sind besonders subtile meditative Wahrnehmungsbereiche. - Angrenzende Sammlung als Grundlage
Vor dem Eintritt in die Jhānas steht eine stabile Sammlung des Geistes. Der Atem wird fein, die Aufmerksamkeit wird ruhiger, und die fünf Hemmnisse wie Sinnesverlangen, Unruhe, Trägheit, Zweifel und Übelwollen treten zumindest zeitweise in den Hintergrund. - Erstes Jhāna: Freude und Verzückung
Im ersten Jhāna richtet sich die Aufmerksamkeit auf ein angenehmes Gefühl. Daraus können pīti, also freudige Verzückung, und sukha, also Wohlgefühl oder Glück, entstehen. - Zweites Jhāna: stillere Freude
Im zweiten Jhāna beruhigen sich gerichtetes Denken und Erwägen. Die Freude wirkt weniger aktiv erzeugt und mehr aus der Sammlung selbst geboren. - Drittes Jhāna: Gleichmut und Zufriedenheit
Im dritten Jhāna verblasst die starke Verzückung. An ihre Stelle tritt eine ruhigere Zufriedenheit, verbunden mit Achtsamkeit, Klarheit und Gleichmut. - Viertes Jhāna: reine Achtsamkeit und Gleichmut
Im vierten Jhāna werden Freude und Leid überschritten. Der Geist verweilt in einem neutralen, klaren Zustand, der durch Gleichmut und geläuterte Achtsamkeit geprägt ist. - Die vier formlosen Erreichungen
Nach den vier Jhānas folgen die Wahrnehmungsbereiche von unbegrenztem Raum, unbegrenztem Bewusstsein, Nichtsheit und Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung. Diese Zustände sind subtiler und sollten nicht vorschnell mit gewöhnlicher Entspannung, Trance oder Wegdriften verwechselt werden. - Jhāna ist nicht Erleuchtung
Tiefe Sammlung ist wertvoll, aber sie ist nicht automatisch Befreiung. Entscheidend bleibt, ob durch die Praxis Gier, Abwehr, Verblendung und Anhaften schwächer werden. - Jhāna und Vipassanā ergänzen sich
Jhāna gehört vor allem zur Seite der Sammlung, Vipassanā zur Seite der Einsicht. Ein gesammelter Geist kann Einsicht vertiefen, aber Einsicht entsteht erst, wenn auch feine meditative Zustände als bedingt, vergänglich und nicht festhaltbar erkannt werden. - Vorsicht und Einordnung
Intensive Vertiefungsmeditation ist nicht für jede Situation geeignet. Bei psychischer Instabilität, starkem innerem Druck oder auffälligen Dissoziationserfahrungen ist erfahrene Begleitung besonders wichtig.
Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.
Begriffsklärung „Jhāna“ und „formlose Erreichungen“
Es lohnt sich, gleich zu Beginn eine sprachliche Unterscheidung zu treffen. In vielen modernen Meditationsbüchern ist von den acht Jhānas die Rede. Gemeint sind damit meist die vier klassischen Jhānas und die vier formlosen Erreichungen. Diese Zählweise ist verbreitet und für die Praxis durchaus brauchbar. Genau genommen sprechen die frühen buddhistischen Lehrreden jedoch meist von vier Jhānas und danach von vier formlosen Gebieten: unbegrenzter Raum, unbegrenztes Bewusstsein, Nichtsheit und Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung.
Diese Unterscheidung ist keine akademische Spitzfindigkeit, auch wenn sie zunächst so klingt. Sie schützt vor einem Missverständnis: Die ersten vier Jhānas arbeiten noch mit deutlich erfahrbaren Faktoren wie Verzückung, Wohlgefühl, Gleichmut und Achtsamkeit. Die formlosen Erreichungen sind subtiler. Sie beziehen sich nicht mehr auf Freude im gewöhnlichen Sinn, sondern auf sehr feine Wahrnehmungsweisen des Geistes. Wer alles unterschiedslos „Jhana“ nennt, macht den Weg glatter, als er ist. Und glatte Wege sind in der Meditation nicht immer die ehrlichsten.
Diese Anleitung behandelt die vier Jhānas und die vier formlosen Erreichungen. In vielen modernen Darstellungen werden beide Gruppen zusammen als acht Jhānas bezeichnet.
Das Erreichen der acht Jhanas bedeutet noch keine Erleuchtung
Die Praxis dieser Vertiefungen kann den Geist stark sammeln und Einsichtsmeditation unterstützen, ist aber nicht mit Erwachen gleichzusetzen. Für Befreiung ist entscheidend, dass Erfahrungen, auch sehr subtile meditative Zustände, als bedingt, vergänglich und nicht besitzbar erkannt werden und dass Anhaften, Gier, Hass und Verblendung schwinden.
Leigh Brasington mahnt, die Wahrscheinlichkeit des Erlebens einer Jhana verhalte sich umgekehrt proportional zur Begierde, diese zu erfahren. Denn Begierde sei ein unheilsamer Geisteszustand und stelle dadurch ein Hemmnis für vertiefende Meditationserfahrungen dar.
Die Übergänge zwischen den Vertiefungen werden klassisch als ein fortschreitendes Beruhigen und Loslassen gröberer Faktoren beschrieben. Im ersten Jhāna sind noch gerichtetes Denken und Erwägen vorhanden, zusammen mit Verzückung und Wohlgefühl. Im zweiten Jhāna kommen Denken und Erwägen zur Ruhe. Im dritten Jhāna verblasst die Verzückung, während Gleichmut, Achtsamkeit und Wohlgefühl deutlicher hervortreten. Im vierten Jhāna werden Freude und Leid überschritten; der Geist verweilt in neutralem, klarem Gleichmut. Danach folgen die formlosen Erreichungen: unbegrenzter Raum, unbegrenztes Bewusstsein, Nichtsheit und Weder-Wahrnehmung-noch-Nichtwahrnehmung.
Was Jhāna nicht ist
Ebenso wichtig wie die Frage, was Jhāna ist, ist die Frage, was Jhāna nicht ist. Jhāna ist nicht bloß Entspannung, auch wenn Entspannung helfen kann. Jhāna ist nicht Tagträumen, nicht Trance im umgangssprachlichen Sinn und nicht ein besonders schöner Wellnesszustand mit buddhistischem Etikett. Jhāna ist auch nicht automatisch Einsicht. Es ist möglich, gesammelt zu sein, ohne die Natur der Erfahrung wirklich zu durchschauen.
Jhāna ist ebenfalls nicht dasselbe wie jedes angenehme Kribbeln im Körper. Solche Empfindungen können eine Rolle spielen, besonders in modernen Übungsanleitungen. Aber nicht jedes Kribbeln ist eine Vertiefung. Der Geist ist sehr erfinderisch. Manchmal produziert er innere Phänomene mit der gleichen Begeisterung, mit der Kinder Seifenblasen machen. Schön, aber nicht immer bedeutend.
Fachlich vorsichtig gesagt: Von Jhāna sollte man erst sprechen, wenn der Geist über eine gewisse Zeit stabil gesammelt ist, die üblichen Hemmnisse deutlich zurückgetreten sind und die jeweiligen Merkmale der Vertiefung klar genug erkennbar werden. Alles darunter kann trotzdem wertvoll sein. Es muss nicht groß benannt werden, um nützlich zu sein.
Unterschiedliche Lehrmeinungen zu „leichtem“ und „tiefem“ Jhāna
Bei der Frage, wie tief Jhāna sein muss, gibt es unterschiedliche Lehrmeinungen. Manche Traditionen verstehen Jhāna als sehr tiefe Absorption, in der Sinneseindrücke weitgehend oder vollständig zurücktreten. Andere Lehrer beschreiben eine zugänglichere Form von Jhāna, bei der der Geist stark gesammelt ist, aber nicht in jeder Hinsicht von der äußeren Welt abgeschnitten sein muss. Leigh Brasington gehört eher zu dieser zweiten Richtung.
Diese Unterschiede sollten nicht vorschnell gegeneinander ausgespielt werden. Sie zeigen vielmehr, dass das Wort Jhāna in verschiedenen Kontexten unterschiedlich streng verwendet wird. Für Übende ist deshalb wichtig, nicht nur auf den Namen eines Zustandes zu achten, sondern auf seine Wirkung. Führt die Praxis zu mehr Sammlung, Klarheit, Nicht-Anhaften und Freundlichkeit? Oder vor allem zu spirituellem Etikettenschwindel? Die Antwort auf diese Frage ist oft nützlicher als ein Streit darüber, ob eine Erfahrung nun „wirklich“ erstes Jhāna war.
Welche Erfahrung hast du bisher mit tiefer meditativer Sammlung gemacht?
Unterschied zwischen klassischer Beschreibung und moderner Übungsanleitung
Die folgende Darstellung verbindet zwei Ebenen, die man auseinanderhalten sollte. Die eine Ebene ist die klassische buddhistische Beschreibung der Jhānas. Sie spricht vor allem davon, welche Geistesfaktoren vorhanden sind und welche allmählich zur Ruhe kommen. Die andere Ebene ist die praktische Anleitung moderner Lehrerinnen und Lehrer, die beschreiben, wie man sich diesen Zuständen annähern kann.
Wenn hier also von einem angenehmen Körpergefühl, einem leichten Lächeln, einem tiefen Atemzug oder einer Erinnerung an Zufriedenheit die Rede ist, dann sind das methodische Hilfen. Sie sind nicht mit der kanonischen Definition der Jhānas zu verwechseln. Die Lehrreden sagen nicht: „Atme einmal tief ein und gehe dann ins nächste Jhana.“ Sie beschreiben eher, was im Geist geschieht, wenn Sammlung tiefer wird: grobere Bewegungen lassen nach, feinere Qualitäten treten hervor, und der Geist wird stiller, heller und weniger bedürftig.
Das ist eine wichtige Unterscheidung. Eine Anleitung kann nützlich sein. Sie darf aber nicht so tun, als sei ein innerer Prozess ein mechanischer Schalter. Meditation ist kein Fahrstuhl mit acht Knöpfen. Eher ist sie ein Gelände, das man kennenlernt. Manche Wege sind gut ausgeschildert, andere sind zugewachsen, und gelegentlich steht man sehr würdevoll im falschen Gebüsch.

Vorbedingung: Die angrenzende Sammlung
Dennoch bedarf das Erfahren einer Jhana der Vorbereitung. Eine Methode der Vorbereitung ist das Erlernen der angrenzenden Sammlung mittels Konzentration auf den Atem. Anders ausgedrückt: Durch Meditation wie sie üblicherweise praktiziert wird.
Einige Schüler von Jhana-Retreats berichten, dass sie die Jhanas schon als Kind erlebt hätten. Demnach sind die Jhanas vermutlich ganz natürliche Bewusstseinszustände. Die Jhanas wurden ja auch von den Yogis (und Buddha) nicht erfunden, sie wurden entdeckt.
Die fünf Hemmnisse als praktische Voraussetzung
In der klassischen buddhistischen Sprache wird die Vertiefung vor allem dadurch behindert, dass die sogenannten fünf Hemmnisse aktiv sind. Die klassische Liste der fünf Hemmnisse lautet:
- Sinnesverlangen
- Übelwollen
- Trägheit und Mattheit
- Unruhe und Gewissensunruhe
- Zweifel
Diese fünf Zustände sind keine moralischen Makel. Sie sind eher Wetterlagen des Geistes. Man kann sie nicht einfach wegkommandieren, aber man kann lernen, sie zu erkennen.
Für die Praxis ist das sehr konkret. Wenn der Geist ständig nach angenehmen Reizen greift, fehlt die Ruhe. Wenn innerer Ärger mitmeditiert, wird die Sammlung hart und eng. Wenn Müdigkeit dominiert, verschwimmt das Objekt. Wenn Unruhe herrscht, springt die Aufmerksamkeit wie ein nervöser Vogel von Ast zu Ast. Und wenn Zweifel alles kommentiert, bevor überhaupt etwas geschehen kann, wird die Meditation zur Gerichtsverhandlung gegen sich selbst.
Die angrenzende Sammlung entsteht leichter, wenn diese Hemmnisse wenigstens vorübergehend abgeschwächt sind. Das bedeutet nicht, dass man ein perfekter Mensch sein muss. Perfekte Menschen sind in Meditationshallen ohnehin selten anzutreffen, auch wenn manche sehr überzeugend sitzen. Es bedeutet nur: Der Geist sollte für eine Weile hinreichend ruhig, freundlich und gesammelt sein, damit ein feineres Meditationsobjekt überhaupt tragfähig wird.
Was hindert dich am häufigsten daran, in der Meditation gesammelt zu bleiben?
Wie du dich auf diese Meditation vorbereitest, welche ethischen Bedingungen es einzuhalten gilt und zahlreiche Tipps und Kniffe zur Meditation mit dem Ziel der angrenzenden Sammlung (und diese 5-15 Minuten zu halten) findest du in diesem Artikel:
Der Begriff Meditation hat viele Facetten. Das Spektrum reicht vom Nachsinnen über ein Thema (vornehmliche Betrachtungsweise der Philosophen) bis zur völligen Gedankenstille. Im Folgenden findest du eine konkrete Anleitung der Schritte, welcher der Buddha himself seinen Schülern zum Lernen einer tiefen Meditation gegeben hat. Sicherlich nicht die schlechteste Herangehensweise, wenn du persönliche Entwicklung oder gar Erleuchtung zum Ziel deiner Meditationsreise auserkoren hast. Am Ende findest du eine Merkkarte zum Ausdruck – z. B. für das Portemonnaie.Beitrag: Meditation lernen

Meditation lernen – die grundlegende Anleitung aus dem Buddhismus
Sicherheits- und Vorsichtshinweise
Ein Hinweis zur Vorsicht: Vertiefungsmeditation kann sehr wohltuend sein, sie kann aber auch innere Prozesse verstärken. Wer sich psychisch instabil fühlt, zu Panik, Dissoziation, starken depressiven Zuständen oder psychotischen Erfahrungen neigt, sollte intensive Jhāna-Praxis nicht allein und nicht ehrgeizig betreiben. In solchen Fällen ist eine erfahrene Begleitung besonders wichtig, gegebenenfalls auch therapeutische oder ärztliche Unterstützung.
Auch körperlich gilt: Meditation soll nicht zur heroischen Selbstüberwindung werden. Schmerzen, Druck im Kopf, Atemnot, starke innere Übererregung oder ein Gefühl des Wegkippens sollten ernst genommen werden. Manchmal ist das Klügste in der Meditation nicht, „tiefer“ zu gehen, sondern die Augen zu öffnen, den Körper zu spüren, aufzustehen, Wasser zu trinken und wieder ein normaler Mensch im Raum zu werden.
Die Jhānas sind keine Flucht aus dem Leben. Sie sind auch keine Abkürzung an den eigenen Themen vorbei. Richtig verstanden, können sie den Geist sammeln und klären. Falsch verstanden, können sie zur besonders eleganten Form der Vermeidung werden.

Das erste Jhana
Sekha Sutta 18: Und wie, Mahânâma, erzielt ein edler Schüler, ohne Schwierigkeit oder Beschwernis, die vier Meditationen (jhânas) des höheren Bewusstseins, in denen man verweilt, sich an den Elementen der Erfahrung zu erfreuen?
"Von Glück erfüllt, erfährt man Entzückung."
DN (Digha-Nikaya oder Längere Sammlung) 2.75
oder:
"Hier tritt Mahânâma, ein edler Schüler, frei von Begierden, frei von unheilsamen Erlebnissen, in die erste Meditation ein, die von Aufmerksamkeit und Reflexion begleitet wird und die durch Unterscheidungsvermögen und angenehmen Empfindungen hervorgerufen wird, und verweilt dort."
Sekha Sutta 18
Wie du im Artikel über die Meditation eventuell gelesen hast, wird dein Atem beim Erreichen der angrenzenden Sammlung sehr fein und subtil. Auch dein Geist, der weiterhin auf diese nur noch sehr zarten Atemempfindungen – wenn überhaupt vorhanden – verweilt, ist subtil und fein geworden. Bevor du zur ersten Jhana weiterschreitest, solltest du 5 bis 15 Minuten in dieser "angrenzenden Sammlung" verweilen.
Bewusstmachung eines angenehmen Gefühles
Nun folgt quasi die "Jhana Meditation". Der Schritt von der angrenzenden Sammlung zur ersten Jhana oder Meditationsvertiefung besteht darin, die Aufmerksamkeit vom subtilen Atem abzuziehen und auf ein angenehmes Gefühl im Körper zu lenken.
Was für ein Gefühl konkret? Möglichst eine angenehme Körperempfindung. Diese ist nach dem Verweilen in der angrenzenden Sammlung meist nicht schwer zu finden.
Und was ist, wenn ich kein angenehmes Körpergefühl in mir finde?
Dann gibt es eine Reihe von Empfehlungen. Leigh Brasington schlägt vor, es zunächst einmal mit einem gespielten Lächeln während der Meditation zu versuchen. Ziehe deine Mundwinkel beim Meditieren ganz leicht hoch, wenn du die angrenzende Sammlung erreichst, fühlt sich dieses künstliche Lächeln oftmals schon ganz echt an. Dort hast dann dein angenehmes Gefühl, auf das du deine Konzentration lenken kannst.
Andere, denen das gekünstelte Lächeln nicht so liegt, finden ein angenehmes Körpergefühl oftmals
- in den Händen
- im Raum um das Herz
- im "Dritten Auge"
- in der Wirbelsäule
- an der Kopfspitze
- in den Schultern
Ein leicht angenehmes Kribbeln in der jeweiligen Körperpartie reicht völlig aus. Spüre in dir "herum", und wenn du etwas Angenehmes findest, hafte deine Aufmerksamkeit auf diesem angenehmen Gefühl.
Beim Gefühl bleiben
Und nun musst du nichts weiter tun, als bei diesem Gefühl zu bleiben. Leigh schreibt: "Beobachte das Angenehme des angenehmen Gefühls." Was natürlich auch schwerfallen kann. Wenn du immer wieder abschweifst, übe einfach noch weiter die angrenzende Sammlung.
Euphorie erfahren
Wenn du mit deiner Achtsamkeit bei dem angenehmen Gefühl verweilst, sollte es stärker werden. Versuche aber nicht, dies irgendwie aktiv zu fördern. Beobachte nur.
Erst langsam, dann stärker und irgendwann ... wird das Gefühl euphorisch werden. Wonne und Freude durchströmen dich, du erlebst einen eindeutig veränderten Bewusstseinszustand. Anders ausgedrückt:
Du hast das erste Jhana erreicht.
Es ist dir "erschienen". Du selbst hast nur für die Bedingungen gesorgt, indem du dich auf das angenehme Gefühl konzentriert hast. Leigh schreibt, dass diese Erfahrung derer von Praktizierenden des Kundalini-Yoga und der Tummo-Übung ähneln.
Um in der ersten Jhana zu verweilen, halte deine Achtsamkeit bei deinem Empfinden von Freude und Wonne. Verbleibe so für 10 bis 15 Minuten.
Kann jeder die Jhanas erreichen?
Leigh Brasington hält sich hier etwas vage. Er spricht von einem "nicht unerheblichen Prozentsatz", denen das möglich wäre. Ausreichend vorhandene angrenzende Sammlung immer vorausgesetzt. Er sieht es so, dass manche ein Talent für die Jhanas besitzen. Andere haben andere Talente und sollten diese dann für ihre spirituelle Entwicklung nutzen.

Das zweite Jhana
Um von der ersten Jhana in die zweite zu gelangen genügt ein tiefer Atemzug und die Verschiebung deiner Achtsamkeit. Wenn du tief einatmest und dann langsam und vollständig ausatmest sollte sich das Gefühl der Verzückung (Pali: piti) abschwächen. Dennoch bleibt eine emotionale Freude (Pali: sukha) stark genug, um sich auf diese konzentrieren zu können.
"... tritt der Übende in die von Denken und Erwägen freie, durch Sammlung entstandene Wonne und Glücksgefühl erfüllte zweite meditative Vertiefung ein und verweilt in ihr."
DN (Digha-Nikaya oder Längere Sammlung) 2.77
oder:
"Durch das Aufhören der Aufmerksamkeit und des Nachdenkens tritt man in die zweite Meditation ein, die innere Beruhigung des Geistes, konzentriert, ohne Aufmerksamkeit oder Nachdenken, hervorgerufen durch samādhi [und] angenehme Empfindungen, und verweilt in ihr."
Sekha Sutta 18
Auf dieser sanfteren emotionalen Freude verweilt deine Achtsamkeit nun im zweiten Jhana. Das hört sich übrigens leichter an, als es ist. Die emotionale Freude (sukha), die im zweiten Jhana dem Geist als Meditationsobjekt dient, ist deutlich subtiler als die Euphorie (piti), auf die du im ersten Jhana konzentriert warst. Leigh Brasington: "Es erfordert einen noch gesammelteren Geist."
Die Freuden des Jhana-Übenden
MRT- und EEG-Messungen haben gezeigt, dass die ersten vier Jhanas mit einer erhöhten Aktivität des linken präfrontalen Kortex einhergehen. Leigh schreibt, die Jhanas dienen (neben der Vorbereitung zu tiefen Einsichten) u. a. auch dazu:
- Das Streben nach weltlichen Vergnügungen und sinnlichem Verlangen zu verlieren.
- Sie verringern emotionales Reagieren.
- Die Jhanas verringern die automatische Angstreaktion.
- Sie bewirken eine positive Grundstimmung und ein "angenehmes Verweilen".
- Sie verschaffen Freude ohne weltliche Vergnügungen.
Sprachliche Präzisierung der Pāli-Begriffe
Die Begriffe pīti und sukha lassen sich nicht ganz glatt ins Deutsche übersetzen. Pīti meint eine freudige Verzückung, ein inneres Aufleuchten, manchmal auch eine deutlich körperlich spürbare Energie. Sukha meint Wohlgefühl, Glück, Behagen oder ein angenehmes Verweilen. In der Praxis kann pīti stärker, bewegter und auffälliger sein, während sukha ruhiger und stabiler wirkt.
Diese Unterscheidung ist hilfreich, aber nicht mathematisch exakt. Meditative Erfahrung hält sich selten an Wörterbücher. Wichtig ist vor allem: Im Verlauf der Jhānas wird die Freude feiner. Was anfangs noch deutlich, fast überwältigend erscheinen kann, wird später stiller, gleichmütiger und weniger abhängig von Erregung.

Das dritte Jhana
Im dritten Jhana wird die Verzückung (piti) noch weiter heruntergedimmt und die emotionale Freude (sukha) wandelt sich zu einer gleichmütigen Zufriedenheit.
Der Übergang wird durch einen weiteren tiefen Atemzug herbeigeführt, welcher die körperliche Verzückung noch einmal abschwächt. Am Ende dieses Atemzuges hole man die Erinnerung an einem Moment der völligen Zufriedenheit in Erinnerung – für einen ganz kurzen Augenblick.
Dann bleibt man mit seiner Achtsamkeit ganz bei der Empfindung der gleichmütigen Zufriedenheit als Meditationsobjekt und verweilt darin. Alle Wünsche schweigen, man ist innerlich ganz still und froh.
"Der Gleichmütige, Achtsame lebt gücklich."
DN Digha-Nikaya oder Längere Sammlung 2.79
oder:
Durch die Ablösung von der Freude bleibt man neutral und achtsam und wach und erlebt angenehme Empfindungen mit dem Körper. Man betritt und verweilt in der dritten Meditation, über die die Edlen sagen: „Man ist neutral, achtsam und bleibt in angenehmen Empfindungen."
Sekha Sutta 18
Das wäre das dritte Jhana.
Am besten überlege man sich vor der Meditation, wann im eigenen Leben solch ein Moment der völligen Zufriedenheit mit gleichmütigem Geist aufgetreten ist. So hast du diese Erinnerung beim Übergang gleich zur Verfügung. Wann warst du das letzte Mal so "völlig zufrieden"? Vielleicht während eines Vollbades? Nach einer Entspannungsübung? Nach dem Genuss einer leckeren Mahlzeit?
Mit den Jhanas vertraut werden
Zum Üben der Jhanas kannst du in den einzelnen Vertiefungen vor und zurückgehen. Von Jhana 1 nach 2 und 3, wieder zurück zu 2, wieder hoch zu 3, dann wieder über 2 zu 1. Durch solch ein Üben wirst du immer schneller und sicherer in die Jhanas gelangen.

Das vierte Jhana
Du gleitest vom dritten in das vierte Jhana, indem du das angenehme Gefühl der gleichmütigen Zufriedenheit loslässt und in einen neutralen Geisteszustand übergehst. Während du die Zufriedenheit loslässt, wirst du meist ein körperliches Gefühl des Nach-Unten-Sinkens verspüren. Sperre dich nicht dagegen, lasse dich einfach mitsinken. Habe keine Angst. Richte vielmehr deine Achtsamkeit auf das Sinken. Dieser Prozess des Sinkens währt solange, bis sich dein Geist "an einem Ort innerer Stille sammelt".
"... nach dem Loslassen .... in die freudlos-leidlose, durch Gleichmut und Achtsamkeit geläuterte vierte Vertiefung ein und verweilt in ihr."
DN (Digha-Nikaya oder Längere Sammlung) 2.81
oder:
"Durch das Aufgeben von Lust und Leid und das Aufhören von Glück und Leid betritt und bleibt man in der vierten Meditation, die ohne Leid und Lust ist und durch Neutralität [im Sinne eines neutralen Beobachters] und Achtsamkeit gereinigt wird."
Sekha Sutta 18
Dein Meditationsobjekt in dem vierten Jhana ist also das Empfinden der ruhigen Stille. Ein sehr erholsamer Zustand. Bemühe dich, 10 bis 15 Minuten hierin zu verweilen.
Dieses Meditationsobjekt, die Stille, ist noch einmal subtiler, als der Gleichmut im dritten Jhana.
Sekha Sutta 18
Auf diese Weise erhält Mahānāma, ein edler Schüler, ohne Schwierigkeiten oder Schwierigkeiten die vier Meditationen (jhānas) des höheren Bewusstseins, in denen man darin verweilt, sich an den Elementen der Erfahrung zu erfreuen.
Nun wird es subtiler:
Die körperlosen Jhanas
Die folgenden vier Jhanas von fünf bis acht werden auch als "formlos" oder "unkörperlich" bezeichnet. Die Meditationsobjekte sind höchst subtil und bedürfen starker Konzentration. Ich beschreibe die folgenden Jhanas hier nur noch kurz, wenn du mehr darüber erfahren möchtest sei auf das Buch von Leigh (siehe unten) verwiesen oder nimm gleich an einem Meditationsretreat mit den Jhanas als Thema teil.

Das fünfte Jhana
Ab dem fünften Jhana gilt es, alle körperlichen Sinneswahrnehmungen (Stille, Gleichmut, Verzückung etc.) hinter sich zu lassen. Stattdessen stelle dir vor, dass ein Gegenstand/Ding (z. B. ein Ballon) oder dein Bewusstsein sich ausdehnst. Dabei hält man die Konzentration stets bei diesem Gefühl der Ausdehnung.
Wenn sich dann irgendwann das Gefühl eines "unbegrenzten Raumes" einstellt, löst man die Achtsamkeit von dem Ausdehnungsgefühl und lenkt diese ganz auf dieses Gefühl der Unbegrenztheit des Raumes. Verweile wiederum für 10 bis 15 Minuten bei diesem Gefühl.

Das sechste Jhana
Der Übergang von der fünften zur sechsten Jhana erfolgt dadurch, dass du die Achtsamkeit "vom unbegrenzten Raum zum Bewusstsein dieser Erfahrung des Raumes" verlagerst. Sprich: Du machst die eigene Achtsamkeit zu deinem Meditationsobjekt.
Das ist schon sehr subtil ...
Wenn du geübter im sechsten Jhana bist, sollst du die Erfahrung machen, dass Subjekt und Objekt, Beobachter und Beobachtetes eins werden. Du erfährst keine Trennung mehr.
Verweile wieder 10 bis 15 Minuten darin.

Das siebente Jhana
Der Übergang von der sechsten zur siebenten Jhana erfolgt dadurch, dass du in dir ein Gefühl von "Nichtsheit" erzeugst. Ein "Empfinden von Nichts". Dafür soll es helfen, sich den Inhalt des unendlichen Bewusstseins aus Jhana 5 bewusst zu machen. Der Fokus der Achtsamkeit ist dieses "Nichts".
Manche Meditierende erleben es so, als ob sie in einen fensterlosen Raum – völlig ohne Licht – blicken.
Es gilt wiederum, diesen Zustand für 10 bis 15 Minuten aufrecht zu erhalten.

Das achte Jhana
Ist man ausreichend im siebenten Jhana gefestigt, verlässt man diese "Nichtdaseinssphäre" und begibt sich an die Grenze möglicher Wahrnehmung (DN Digha-Nikaya oder Längere Sammlung 33.1.11.7). Man kann das Meditationsobjekt vom achten Jhana nicht mehr wirklich mit Worten beschreiben. Es ist eine Erfahrung ohne Eigenschaften.
Leigh Brasington empfiehlt, das "gut entwickelte, gefestigte Nichts" des sieben Jhanas vor dem eigenen Gesicht "zusammenstürzen" und zur Ruhe kommen zu lassen. Dann schaue man, ob sich der Geist in einen "Zustand ohne Eigenschaften" begibt.
Obwohl schwer zu beschreiben, sei dieser (letzte) Übergang, so Leigh, recht einfach zu erreichen.
Hier endet die Anleitung zu den Jhanas. Im Anschluss findest du noch einige Erläuterungen und Ergänzungen. Denn die Jhanas werden im Buddhismus nicht geübt, weil sie sich schon "schön" anfählen.

Typische Verwechslungen während der Praxis
In der Praxis gibt es einige typische Verwechslungen. Eine davon ist die Verwechslung von Ruhe mit Dumpfheit. Der Geist kann still wirken, aber zugleich matt, neblig und wenig wach sein. Das ist keine Vertiefung, sondern eher ein angenehmes Dämmern. Echte Sammlung ist ruhig und zugleich klar.
Eine zweite Verwechslung betrifft Verzückung. Pīti kann sich als Kribbeln, Wärme, Wellen, inneres Leuchten oder freudige Energie zeigen. Solche Phänomene können hilfreich sein, aber sie können auch faszinieren. Dann sitzt man nicht mehr in Meditation, sondern im inneren Naturkundemuseum und bestaunt das seltene Tier „meine Erfahrung“. Sobald der Geist gierig wird, verliert die Sammlung an Schlichtheit.
Eine dritte Verwechslung ist die Gleichsetzung von Dissoziation und Formlosigkeit. Wenn sich der Körper weit entfernt anfühlt oder die Welt unwirklich erscheint, ist das nicht automatisch eine formlose Erreichung. Entscheidend ist nicht ein vages Abdriften, sondern stabile Achtsamkeit, Klarheit und Sammlung. Subtile Zustände brauchen mehr Nüchternheit, nicht weniger.
Jhana vs. Vipassana Meditation
Wie gesagt: Tiefe Versenkung, im Buddhismus Samatha genannt, bzw. das Erreichen der Jhanas bedeutet nicht, erleuchtet zu sein. Jhāna-Praxis ersetzt nicht die Entwicklung von Einsicht.
Laut Buddha muss parallel eine Entwicklung deines Charakters und deiner Weisheit erfolgen. Hierfür ist das Instrument der Vipassana-Meditation geschaffen worden – die Einsichtsmeditation mit ihren zahlreichen möglichen Themen wie Vergänglichkeit, den Körper, die eigene Herkunft, die Gebundenheit des Bewusstseins an den Körper, die "grundlegend unbefriedigende, leere Natur des Universums", das Leiden usw.
In der buddhistischen Praxis bezeichnet vipassanā das klare Erkennen bedingter Phänomene, insbesondere ihres Entstehens und Vergehens, ihrer Unbeständigkeit, ihrer Unbefriedigtheit und ihres Nicht-Selbst-Charakters. Ein gesammelter Geist kann diese Einsicht unterstützen, doch die Vertiefung selbst ist noch nicht Befreiung.
Ziel ist auch die Überwindung der Triebe und Wünsche. Buddha lehrte, um Befreiung zu erlangen muss der Praktizierende die Welt der Dinge, an die wir anhaften, entzaubern und vollkommen durchschauen. Ein Ernüchtern für die Freiheit.
Das Verhältnis von Samatha und Vipassanā wird in buddhistischen Traditionen unterschiedlich erklärt. Samatha bedeutet Beruhigung, Sammlung oder geistige Stille. Vipassanā bedeutet Einsicht, klares Sehen oder Durchschauen. In der Praxis sind beide nicht so sauber getrennt, wie es Überschriften gern behaupten. Sammlung ohne Einsicht kann angenehm, aber begrenzt bleiben. Einsicht ohne Sammlung kann scharf, aber unruhig werden.
"Ist der Geist derart gesammelt, vollkommen rein und klar, .... lenkt man den Geist zur Einsicht."
DN (Digha-Nikaya oder Längere Sammlung) 2.83
Noch einmal der Rat zur Vorsicht
Wie schon oben geschrieben: Da Einsichts-Meditationen über eher negative Themen statt tiefgreifender Einsichten auch zu Frustration, Übellaunigkeit oder anderen unangenehmen Geisteszuständen führen können, empfiehlt sich immer, diese nur mit Betreuung durch einen erfahrenen Lehrer zu üben.
Leigh Brasington betont, dass eine Vipassana-Meditation im Anschluss an eine Jhana Meditation erheblich erkenntnisreicher ausfällt. Die Jhanas seien ein "Wunderdünger" für die Einsicht. Von daher empfiehlt er, auch für reine Weisheitssucher die Jhanas zu üben und so die Wirksamkeit der Vipassana-Meditation um ein Vielfaches zu steigern.
"Gesammelte Achtsamkeit, die von Redlichkeit durchdrungen ist, ist von großem Nutzen und hohem Lohn; Weisheit, die von gesammelter Achtsamkeit durchdrungen ist, ist von großem Nutzen und hohem Lohn."
DN (Digha-Nikaya oder Längere Sammlung) 16.1.4
Wie gestalte ich den Übergang vom Jhana zur Vipassana Meditation?
Überlege dir vor Beginn der Meditation, worüber du im Anschluss an die Jhanas kontemplieren möchtest. Wenn du dann einige Zeit in dem höchsten dir zugänglichen Jhana (z. B. die Stille des vierten Jhana) verweilt bist, wechselst du vom jeweiligen Meditationsobjekt direkt zur Einsichts-Praxis. Das Gefühl meditativer Vertiefung wird dabei abklingen, was völlig normal ist. Dafür folgen die Einsichten.
Integration in den Alltag
Nach der Meditation beginnt ein oft unterschätzter Teil der Praxis: die Integration. Es ist leicht, auf dem Kissen still zu werden, wenn die Umstände günstig sind. Interessanter ist, was danach geschieht. Wird man geduldiger? Hört man genauer zu? Reagiert man weniger scharf? Oder trägt man nur ein stilles Innenleben in den Alltag und bleibt ansonsten der alte, leicht beleidigte König des eigenen kleinen Reiches?
Eine einfache Nachbetrachtung kann helfen. Nach der Sitzung kann man sich fragen: Wie wirkt die Praxis auf meinen Umgang mit anderen Menschen? Bin ich weicher geworden, ohne beliebig zu sein? Klarer, ohne kalt zu werden? Ruhiger, ohne mich zurückzuziehen? Solche Fragen holen die Jhāna-Praxis aus der Ecke besonderer Meditationserlebnisse heraus und stellen sie dorthin, wo buddhistische Praxis letztlich geprüft wird: in das gewöhnliche Leben.
Denn die Qualität einer Vertiefung zeigt sich nicht nur während der Vertiefung. Sie zeigt sich auch darin, ob man danach weniger getrieben ist. Weniger rechthaberisch. Weniger hungrig nach Bestätigung. Vielleicht nicht immer. Aber etwas öfter. Das wäre schon kein kleines Ergebnis.
Kleine Selbstprüfung für die Praxis
Vor und nach einer Jhāna-orientierten Meditation kann eine kurze Selbstprüfung hilfreich sein. Sie ersetzt keinen Lehrer, aber sie kann vor Selbsttäuschung schützen.
Vor der Meditation lohnt sich die Frage: Ist der Geist heute einigermaßen stabil, oder versuche ich, mit Meditation etwas zu erzwingen? Gibt es starken Ärger, Angst, Müdigkeit oder inneren Druck? Wenn ja, kann eine einfache Achtsamkeits- oder Metta-Praxis geeigneter sein als der Versuch, Vertiefung zu erreichen.
Während der Meditation ist die Frage hilfreich: Wird der Geist klarer und einfacher, oder werde ich angespannter und ehrgeiziger? Vertiefung fühlt sich nicht wie ein inneres Muskeltraining an. Sie entsteht eher dort, wo Sammlung, Loslassen und Freude zusammenfinden.
Nach der Meditation kann man fragen: Bin ich etwas weniger getrieben? Ist mehr Freundlichkeit da? Ist der Geist nüchterner, nicht benebelter? Eine gute Praxis macht nicht unbedingt spektakulär. Sie macht manchmal einfach weniger kompliziert. Das klingt bescheiden. Es ist aber eine hohe Kunst.
Von Schwierigkeiten, Tipps und näheren Erläuterungen
Ich habe dir oben die acht Jhanas und die Möglichkeiten ihrer Erfahrung in recht knapper Form geschildert. Selten läuft der Prozess des Hindurchgehens durch Jhanas völlig glatt ab. Überall können Fallstricke lauern, tauchen Hindernisse auf und du gerätst irgendwie aus der Sammlung heraus. Von Schwierigkeiten mit der Atmung bis zum Auftauchen von Kopfschmerzen oder psychischer Themen, die ungelöst in dir schlummerten.
Selten gleicht die Erfahrung eines Meditierenden genau der eines anderem. Kann ein Jhana von dem einen so und hier, einer anderen so und dort erfahren werden.
Die Jhānas gehören zu den faszinierendsten Themen buddhistischer Meditation. Vielleicht gerade deshalb sollte man ihnen mit einer Mischung aus Respekt und Nüchternheit begegnen. Sie zeigen, wie tief sich der Geist sammeln kann und wie unabhängig Freude von äußeren Umständen werden kann. Zugleich erinnern sie daran, dass selbst die feinste Erfahrung noch eine Erfahrung ist: entstanden, bedingt, vergänglich.
Wer die Jhānas übt, sucht also nicht einfach besondere Zustände. Er oder sie lernt, den Geist zu beruhigen, Glück ohne grobe Reize zu erfahren und selbst dieses Glück nicht festzuhalten. Das ist eine anspruchsvolle Schulung. Sie ist stiller als ihr Ruf und praktischer, als es ihre geheimnisvolle Aura vermuten lässt.
Am Ende ist vielleicht nicht die wichtigste Frage: „Welches Jhana habe ich erreicht?“ Wichtiger ist: „Was hat die Praxis mit meinem Geist gemacht?“ Wenn die Antwort lautet: weniger Gier, weniger Härte, weniger Verwirrung und etwas mehr Freiheit, dann ist schon viel geschehen. Vielleicht nicht spektakulär. Aber buddhistische Praxis war nie in erster Linie für das Spektakel zuständig.
Leigh Brasington unterrichtete viele Jahre buddhistischen Schülern die Meditation der Jhanas. All seine Erfahrungen lässt er in seinem Buch "Das Glück der Meditation – Wegweiser in die Jhanas" einfliessen. Darin erfährst du zahlreiche Kniffe und Lösungen, um diese Schwierigkeiten zu meistern. Weiterhin erhältst du Hilfen zu jedem Jhana.
Das Buch zu den Jhanas

Verlag: Jhana Verlag
Sprache: Deutsch
Buchform: Broschur
Seiten: 240 Seiten
ISBN: 978-3-931274-66-5
Ergänzungen und Fragen von dir
- An ein angenehmes Gefühl erinnern
Anonymer Tipp: Man kann das angenehme Gefühl (piti), das man in der ersten Jhana erfährt, auch dadurch hervorrufen, dass man sich an ein weltliches (gegebenenfalls körperliches) angenehmes Gefühl erinnert. Wenn man dann dieses als Stütze verwendet und den Atem loslässt, befindet man sich in der ersten Jhana. Wenn man (etwa durch Gedanken) rausgeworfen wird, einfach zu diesem Gefühl zurückkehren und die Freude erleben.
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Im Zusammenhang interessant
Mit Pranayama zu den Jhanas
Pranayama für das erste Jhana
Auch Pranayama kann ein Weg zum Erreichen der Jhanas sein. Der folgende Text ist ein Ausschnitt aus „Keeping the Breath in Mind – and Lessons in Samadhi“ (hier in einer englischen Fassung) von Ajaan Lee Dhammadharo (1907-1961), einem Meditationslehrer der Thailändischen Waldtradition.
Übersetzung
Jhana bedeutet [hier], in ein einziges Objekt oder eine einzige Beschäftigung vertieft oder fokussiert zu sein, wie wenn wir uns mit dem Atem beschäftigen.
1. Das erste Jhana hat fünf Faktoren.
- (a) Gerichtetes Denken (vitakka): Denke an den Atem, bis du ihn im Geist behalten kannst, ohne abgelenkt zu werden.
- (b) Einzigartige Beschäftigung (ekaggatarammana): Halte den Geist beim Atem. Lass ihn nicht nach anderen Konzepten oder Beschäftigungen abschweifen. Achte auf deine Gedanken, damit sie sich nur mit dem Atem beschäftigen, bis zu dem Punkt, an dem der Atem angenehm wird. (Der Geist wird eins, in Ruhe mit dem Atem.)
- (c) Bewertung (vicara): Gewinne ein Gefühl dafür, wie du diese angenehme Atemempfindung sich ausbreiten lässt und diese mit den anderen Atemempfindungen im Körper verbinden kannst. Lass diese Atemempfindungen sich ausbreiten, bis sie im ganzen Körper miteinander verbunden sind.
Sobald der Körper durch den Atem beruhigt ist, werden Schmerzgefühle ruhig werden. Der Körper wird sich mit guter Atemenergie füllen. (Der Geist konzentriert sich ausschließlich auf Themen, die mit dem Atem zusammenhängen.)
Diese drei Qualitäten müssen zusammengebracht werden, um auf denselben Atemstrom zu wirken, damit das erste Jhana entsteht. Dieser Atemstrom kann dich dann bis zum vierten Jhana führen.
Gezielte Gedanken, die Einzigartigkeit der Beschäftigung und die Bewertung wirken als Ursachen. Wenn die Ursachen voll ausgereift sind, werden die Ergebnisse erscheinen: - (d) Verzückung (piti), ein unwiderstehliches Gefühl von Fülle und Erfrischung für Körper und Geist, das direkt zum Herzen geht, unabhängig von allem anderen;
- (e) Vergnügen (sukha), körperliche Leichtigkeit, die daraus entsteht, dass der Körper ruhig und ungestört ist (kaya-passaddhi); geistige Zufriedenheit, die daraus entsteht, dass der Geist von sich aus ruhig, ungelenkt, ungestört, gelassen und frohlockend ist (citta-passaddhi).
Verzückung und Vergnügen sind die Ergebnisse. Die Faktoren des ersten Jhana lassen sich also einfach auf zwei Arten reduzieren: Ursachen und Ergebnisse.
Je stärker Entrückung und Vergnügen werden, desto subtiler wird der Atem. Je länger man konzentriert und vertieft bleibt, desto stärker werden die Ergebnisse. Dies befähigt dich, gelenkte Gedanken und Bewertungen (die vorbereitende Klärung des Bodens) beiseite zu legen, und - indem du dich ganz auf einen einzigen Faktor, die Einzigartigkeit der Beschäftigung, verlässt - trittst du in das zweite Jhana (magga-citta, phala-citta) ein.
Übersetzung: Peter Bödeker. Die Anweisungen für die folgenden Jhana findest du im Text „Keeping the Breath in Mind – and Lessons in Samadhi“.
Hast du Erfahrung mit dieser Pranayama-Technik zum Erreichen des ersten Jhana?
Wenn ja: hast du einen Tipp, wie man den Empfehlungen besser oder leichter folgt? Eine Konkretisierung? Wie hast du es geschafft, dass sich die "angenehme Atemempfindung" ausgebreitet hat?
FunFacts zu den Jhanas
- „Zen“ steckt sprachlich im selben Stammbaum wie „Jhāna“
Das japanische Wort Zen, das chinesische Chan, das koreanische Seon und das vietnamesische Thiền gehen auf das Sanskritwort dhyāna zurück, das mit meditativer Sammlung verbunden ist. Man könnte also zugespitzt sagen: Wer über Jhāna spricht, berührt sprachlich auch den langen Weg, der bis zu Zen-Gärten, Tee, Tuschebildern und sehr ernst dreinschauenden Meditationskissen führt. - Die Lehrreden erklären Jhāna mit erstaunlich körpernahen Bildern
Die klassischen Texte sprechen nicht nur abstrakt über Sammlung. Sie vergleichen die Jhānas mit einem Bademeister, der Badepulver durchfeuchtet, mit einer Quelle, die einen See speist, mit Lotusblumen im Wasser und mit einem Menschen, der in ein weißes Tuch gehüllt ist. Für ein so feines Thema sind das bemerkenswert handfeste Bilder. - Die fünf Hemmnisse sind alte Meditationspsychologie
Die fünf Hemmnisse wie oben beschrieben lauten ja Sinnesverlangen, Übelwollen, Trägheit und Mattheit, Unruhe und Gewissensunruhe sowie Zweifel. Das klingt alt, trifft aber erstaunlich gut den Alltag: Ablenkung, Gereiztheit, Müdigkeit, Nervosität und innerer Kommentar sind keine modernen Erfindungen. Der menschliche Geist war offenbar schon vor zweieinhalb Jahrtausenden ein ziemlich geschäftiger Apparat. - Jhāna wurde schon im Gehirnscanner untersucht, aber die Forschung ist noch klein
Eine bekannte Studie von Hagerty und Kollegen untersuchte einen erfahrenen Meditierenden während sogenannter Jhāna-Meditationen mit fMRT und EEG. Die Studie deutete darauf hin, dass Belohnungssysteme des Gehirns beteiligt sein könnten. Das ist spannend, aber keine endgültige Vermessung der Erleuchtung; eher ein erster Blick durch ein ziemlich teures Schlüsselloch. - Die formlosen Erreichungen haben in der buddhistischen Kosmologie sogar eigene Existenzbereiche
In der traditionellen buddhistischen Kosmologie gibt es den arūpa-loka, die formlose Welt. Sie wird mit den formlosen meditativen Erreichungen verbunden. Ob man diese Kosmologie wörtlich, symbolisch oder historisch liest: Sie zeigt, wie hoch diese subtilen Zustände in der alten buddhistischen Vorstellungswelt bewertet wurden. - Es gibt nicht nur eine Debatte über Jhāna, sondern fast schon kleine „Jhāna-Kriege“
Moderne Lehrer und Traditionen unterscheiden sich darin, wie tief Jhāna sein muss. Manche verstehen Jhāna als sehr tiefe Absorption, bei der Sinneseindrücke stark zurücktreten; andere beschreiben eine zugänglichere, sogenannte „leichtere“ Jhāna-Praxis. Für Übende ist das manchmal verwirrend, aber auch heilsam: Es erinnert daran, dass ein großes Wort nicht immer nur eine einzige, sauber verpackte Erfahrung meint. - Im Abhidhamma gibt es sogar eine fünfteilige Jhāna-Zählung*
Neben der bekannten vierfachen Jhāna-Zählung gibt es in der späteren buddhistischen Systematik auch eine fünffache Einteilung. Dabei wird zwischen dem ersten und zweiten Jhāna eine weitere Stufe unterschieden, in der ein Faktor bereits abgeklungen ist, ein anderer aber noch vorhanden bleibt. Wer dachte, Meditation sei kompliziert, hat also recht; wer dachte, sie sei nur kompliziert, hat sie noch nicht geübt.
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Rezension "Handbuch Meditation" von Culadasa John Yates
Der Meditationslehrer und promovierte Neurowissenschaftler Culadasa John Yates gibt uns mit diesem Buch eine detailreiche Anleitung zur Entwicklung unserer Meditation an die Hand. Eine umfassende Anleitung, wie wir Schritt für Schritt unsere Meditationspraxis vertiefen können. Ich kenne kein Meditations-Buch, das so präzise das Training des Geistes beschreibt und anleitet.
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