Yoga Forschung
Yoga Forschung – Studienlage zu Yoga und Meditation
Hier stellen wir dir Studien vor, welche die Auswirkungen von Yoga und Meditation untersuchen.
Studie: Achtsamkeitsmeditation führt zu mehr Fokus, aber weniger Motivation
Eine Studie von Andrew C. Hafenbrack und und Kathleen Vohs aus 2018 zur Auswirkung achtsamkeitsbasierter Meditation auf Motivation und Arbeitsleistung förderte interessante Ergebnisse zutage. Zusammenfassend ergab sich die Tendenz, dass Meditation die Motivation sowohl für "weltliche" als auch für "angenehme" Aufgaben senke, den Fokus bei der Arbeit aber erhöhe. Im Endergebnis bliebe das Leistungsergebnis gleich.
Denkt man ein wenig über diese Ergebnisse nach, so ergeben sich daraus Implikationen, die in den yogischen (und buddhistischen) Schriften vorhergesagt wurden.
Implikation 1: Wer meditiert, verliert das Streben nach weltlichen Zielen
In einem Artikel zur Studie heißt es, dass Unzufriedenheit und Ehrgeiz hilfreiche Faktoren beim Erklimmen der Karriereleiter seien. Darum solle man es sich gut überlegen, ob zuviel Meditation nicht dem beruflichen Aufstieg schade.
Buddha hätte es genau andersherum gesehen, behaupte ich. Wer meditiere müsse halt weniger im weltlichen nach seinem Glück suchen, er findet es im Inneren. Es erscheint logisch, dass daraus weniger Ehrgeiz resultiert. Doch wer würde das als schlecht bezeichnen? Nun ja, ein Chef, der seine Mitarbeiter zur Tätigkeit motivieren will, vielleicht schon ...
Implikation 2: Wer meditiert, schafft effizienter
Wenn sich denn ein Meditierender zur Bewältigung einer Aufgabe entschließe, so wird er diese effektiver erledigen, da sein Fokus auf die Tätigkeit (tendenziell) höher ist als bei Nichtmeditierenden. Eventuell lässt sich dieser "leistungsfördernde" Effekt auch ein stückweit damit erklären, so die Autoren der Studie, dass die innere Anspannung sinkt und so gelassener gearbeitet wird.
Fazit: Meditation senkt den Ehrgeiz oder "Es ist alles schon da"
Die Studie untermauert im Grunde genommen die yogische Sichtweise, dass alles, was zum Glücke nötig sei, bereits in uns ist. Wir brauchen die äußeren Ziele weit weniger für unser emotionales Wohlbefinden, als dies die meisten Menschen leben. Wer meditiert, erkennt dies und dies führt folgerichtig zu geringerem Ehrgeiz.
"Darum, wer sich seines Einflusses auf die Außenwelt freut, ist noch nicht wirklich ein Berufener."

Yoga-Wirkung bei Depression
In einer Studie aus März 2017 konnte gezeigt werden, wie Iyengar Yoga in Verbund mit speziellen Atemübungen (gleichmäßiges Atmen bei fünf Atemzügen pro Minute) bei Depressionen helfen kann Schon in vorhergehenden Studien konnte gezeigt werden, dass Yoga-Übungen die Produktion von Serotonin, einem Stimmungsstabilisator im Gehirn, erhöht. In der amerikanischen Studie aus 2017 zeigte sich nun, dass depressiv Erkrankte, die mindestens zwei Mal pro Woche Yoga-Asanas und Pranayama-Übungen durchführten, eine signifikante Verbesserung ihrer Situation empfanden.
Die Probanden übten 12 Wochen und wurden dabei in zwei Gruppen unterteilt:
- Die eine Gruppe übte 2 Mal die Woche 90 Minuten und zuhause.
- Die zweite Gruppte übte 3 Mal die Woche 90 Minuten und ebenfalls zuhause.
Die Probanden nahmen entweder keine Anti-Depressiva oder blieben auf einer konstant eingestellten Dosis.
Die Wirkung tritt bei manchen Probanden schon nach einer Sitzung auf und bei anderen waren mehrere Übungssitzungen notwendig.
Es zeigte sich, dass in beiden Gruppen sich das Depressionsleiden anhand klinischer Parameter signifikant verbesserte. Die Ergebnisse waren in beiden Gruppen vergleichbar, die Gruppe mit den dreimaligen Übungssitzungen pro Woche konnte leicht bessere Ergebnisse für sich verbuchen.
Der GABA-Spiegel (Neurotransmitter Gamma-Aminobuttersäure, Depressionen und Angststörungen gehen oft mit einem niedrigen Spiegel einher) erhöhte sich bei den Yoga-Übenden um durchschnittlich 27 Prozent.
Hier ist ein direkter Link zur Studie (Originalartikel / PDF):
Eine weitere Version / Zusammenfassung der gleichen Studie findest du hier:
Kerndaten der Studie
- Autoren: u. a. Chris C. Streeter (Boston University)
- Jahr: 2017
- Teilnehmer: Erwachsene mit Major Depression
- Intervention:
- Iyengar-Yoga + langsame Atmung (≈5 Atemzüge/Minute)
- 90-minütige Sitzungen
- 12 Wochen Dauer
- Gruppen:
- High-dose: 3× pro Woche + Hausübungen
- Low-dose: 2× pro Woche + Hausübungen
- Ergebnis:
- In beiden Gruppen sank der Depressions-Score signifikant.
- Die 3×-Woche-Gruppe hatte leicht bessere Ergebnisse.
Diese Struktur (2- vs. 3-mal pro Woche, 90 min, 12 Wochen, stabi

Yoga wirkt bei Rückenproblemen so gut wie Physiotherapie
Dies konnte in einer Yoga-Rücken-Studie aus 2017 (siehe auch diesen Spiegel-Artikel) gezeigt werden.
Chronische Rückenschmerzen sind für viele Neulinge ein Hauptgrund, sich dem Yoga zuzuwenden.
Die Wissenschaftler um Robert B. Saper unterteilten 320 Probanden in drei Gruppen:
- Die erste Gruppe besuchte 12 Wochen lang einmal in der Woche einen Yogakurs und machte damit 40 Wochen lang weiter.
- Die zweite Woche erhielt innerhalb von 12 Wochen 15 Mal Physiotherapie und führte ebenfalls die dabei gelernten Übungen für weitere 40 Wochen zuhause fort.
- Die dritte Gruppe erhielt lediglich ein Ratgeberbuch und weitere Tipps zu Rückenschmerzen.
Im Ergebnis zeigte sich, dass die Yoga-Übenden eine ebenso große Abnahme der Rückenschmerzen empfanden wie die Teilnehmer der Physiotherapie-Gruppe. Auch nach einem Jahr litten beide Gruppen signifikant weniger unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.
Auch die dritte Gruppe konnte ihr Rückenleiden mildern, brauchten jedoch messbar mehr Schmerzmittel gegen Rückenschmerzen.
Das positive Fazit der Studien-Autoren:
"Yoga erscheint in der Studie als vernünftige Alternative, um chronische Schmerzen im unteren Rücken zu behandeln."
Originalstudie
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Yoga, Physical Therapy, or Education for Chronic Low Back Pain: A Randomized Noninferiority Trial
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PubMed-Eintrag: Abstract auf PubMed ansehen
Bibliografische Angaben:
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Autor: Robert B. Saper
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Journal: Annals of Internal Medicine
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Jahr: 2017
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Teilnehmer: 320 Erwachsene mit chronischen Schmerzen im unteren Rücken
Studiendesign
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3 Gruppen:
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Yoga: wöchentliche Yogakurse über 12 Wochen, danach Übungsphase bis 40 Wochen
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Physiotherapie: 15 Sitzungen innerhalb von 12 Wochen, danach Heimübungen
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Kontrollgruppe: Selbsthilfe-Material / Ratgeber zu Rückenschmerzen
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Gesamtdauer: etwa 52 Wochen (1 Jahr)
Ergebnis
- Yoga war „nicht unterlegen“ (non-inferior) gegenüber Physiotherapie.
- Beide Gruppen zeigten ähnliche Verbesserungen bei Schmerz und Funktion.
- Beide schnitten besser als die reine Selbsthilfe-Gruppe ab.
Siehe auch:
Video: Yoga – in Indien Medizin
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Weitere Forschungsergebnisse
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